Orgelkonzerte opp. 4 + 7

  • Guten Tag


    Händels Konzerte für Orgel und Orchester sind wohl die die ersten Werke dieser musikalischen Gattung überhaupt und eng mit der Entwicklung und Aufführungspraxis seiner Oratorien Anfang der 1730er Jahre verknüpft. Ganz neu war Händel diese Werkgruppe aber nicht, in seinem Oratorium "Il Trionfo del Tempo e del Disinganno" von 1707 ist schon eine prächtige Sonate für Orgel und Orchester zu hören.


    Es wurde berichtet, dass sich das Londoner Publikum nach dem großen Erfolg der Uraufführung des Oratoriums „Esther“ tief enttäuscht zeigte, da Händel für die Uraufführung des Oratorium „Deborah“ die Eintrittspreise erhöhte. Händel dachte über neue Attraktionen nach, um das Publikum weiterhin zu fesseln und zu versöhnen. Für die Aufführungen der Oratorien im Theater erforderte die Begleitung der Chöre eine Orgel. Eine gute Gelegenheit, in den Zwischenaktmusiken der Oratorien Orgelkonzerte aufzuführen, und auf einer kleinen pedallosen Theaterorgel die Solopartien mit vielen eigenen Improvisationen, oftmals mit vielen Wiederholungen, zu spielen.


    Händels Improvisationskunst wurde allgemein gelobt und bewundert und ab 1735 wurden seine Orgelkonzerte regelmäßig bei den Oratorien-Aufführungen auf das Programm gesetzt. Die Schilderung eines Orgelkonzertes von Sir John Hawkin, der als Zuhörer schrieb:


    "Wenn er ein Konzert gab, leitete er es generell mit einem Voluntary-Satz auf dem Prinzipal-Registern ein,
    der durch seine langsame und feierliche Bewegung fesselte [...].
    Diese Art von Präludium folgte nun das Konzert selbst,
    das er in einem Grad von Geist und Sicherheit aufführte,
    denen gleich zu kommen niemand vorgab"


    Nach den Erfolgen dieser Darbietungen entschloss sich Händel 1738 eine erste Serie von sechs Orgelkonzerten –das letzte war ursprünglich für Harfe komponiert- als op. 4 (HWV 289 - 294) mit dem ausdrücklichen Hinweis „For the Harpsicord or Organ“ in Druck erscheinen zu lassen. Eine zweite Sammlung (HWV 295 – 300) brachte Walch Junior, ohne Opuszahl, 1744 heraus, die im Gegensatz zu op. 4 keine Orginal- Kompositionen, sondern Transkriptionen einiger von Händels concerti grosso waren. 1761, nach Händels Tod, erschien mit op. 7 (HWV 306 – 311) eine dritte Sammlung von Orgelkonzerten, die Händel ursprünglich ebenfalls für Oratorienaufführungen vorgesehen hatte. Sie wurde wahrscheinlich von John Christopher Smith junior zusammengestellt und herausgegeben.



    Gruß :wink:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

    «Es ist wurscht, ob das jemand versteht, aber es muss gesagt werden» (Samuel Beckett)

  • Guten Abend,


    Über Händels Konzertorgeln gibt es kontroverse Diskussionen, neuere Erkenntnisse hat Siegbert Rampe in einer Zusammenfassung in der Zeitschrift "Ars Organi" (Heft 2 / 2009) veröffentlicht:


    "Händels Theaterorgeln und seine Orgelkonzerte"


    Händel hat wohl eine Art Calviorganum benutzt, das der Arzt (!), Orgelmacher und Mechanikus Dr. Justinian Morse (1691-1752) speziell für ihn verfertig hat. Eingeweiht worden soll es am 16. Jan. 1739 bei der Uraufführung von Händels "Saul" sein, evtl. wurden damals die Orgelkonzerte No. 13 u. 14 gespielt.



    Gruß :wink:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

    «Es ist wurscht, ob das jemand versteht, aber es muss gesagt werden» (Samuel Beckett)