01 - Die schöne Müllerin D795

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    Die schöne Müllerin
    ein Cyclus von Liedern
    gedichtet von Wilhelm Müller
    In Musik gesetzt für eine Singstimme
    mit Piano=Forte Begleitung
    dem Carl Freyherrn von Schönstein gewidmet
    von Franz Schubert. 25tes Werk.


    Schubert stellte diesen Zyklus nach Liedern von Wilhelm Müller (1794-1827) im November 1823 fertig. Grundlage seiner Vertonung war Müllers Gedichtzyklus „Die schöne Müllerin. (Im Winter zu lesen).“, erschienen in der Sammlung „Sieben und siebzig Gedichte aus den hinterlassenen Papieren eines reisenden Waldhornisten. Herausgegeben von Wilhelm Müller“ (Dessau 1821). Vertont wurden allerdings nur 20 von insgesamt 23 Liedern des Müllerschen Gedichtzyklus' – nicht vertont hat Schubert Das Mühlenleben (einzufügen nach Nr. 6), Erster Schmerz, letzter Schmerz (einzufügen nach Nr. 15) und Blümlein Vergißmein (einzufügen nach Nr. 17).


    Folgende 20 Lieder wurden vertont:


    Nr. 01 Das Wandern [Mäßig geschwind, 2/4, B-Dur]
    Nr. 02 Wohin? [Mäßig, 2/4, G-Dur]
    Nr. 03 Halt! [Nicht zu geschwind, 6/8, C-Dur]
    Nr. 04 Danksagung an den Bach [Etwas langsam, 2/4, G-Dur]
    Nr. 05 Am Feierabend [Ziemlich geschwind, 6/8, a-moll]
    Nr. 06 Der Neugierige [Langsam, 2/4, H-Dur]
    Nr. 07 Ungeduld [Etwas geschwind, 3/4, A-Dur]
    Nr. 08 Morgengruß [Mäßig, 3/4, C-Dur]
    Nr. 09 Des Müllers Blumen [Mäßig, 6/8, A-Dur]
    Nr. 10 Tränenregen [Ziemlich langsam, 6/8, fis-moll]
    Nr. 11 Mein! [Mäßig geschwind, 2/2, D-Dur]
    Nr. 12 Pause [Ziemlich geschwind, C, B-Dur]
    Nr. 13 Mit dem grünen Lautenbande [Mäßig, 2/4, B-Dur]
    Nr. 14 Der Jäger [Geschwind, 6/8, c-moll]
    Nr. 15 Eifersucht und Stolz [Geschwind, 2/4, g-moll]
    Nr. 16 Die liebe Farbe [Etwas langsam, 2/4, h-moll]
    Nr. 17 Die böse Farbe [Ziemlich geschwind, 2/4, H-Dur]
    Nr. 18 Trockne Blumen [Ziemlich langsam, 2/4, e-moll]
    Nr. 19 Der Müller und der Bach [Mäßig, 3/4, g-moll]
    Nr. 20 Des Baches Wiegenlied [Mäßig, 2/2, E-Dur]


    Der Zyklus wurde zu Schuberts Lebzeiten als dessen op. 25 in 5 Heften beim Verlag Sauer & Leidesdorf gedruckt und veröffentlicht: Heft 1 erschien am 17. Februar 1824, Heft 2 am 24. März 1824, die Hefte 3 bis 5 am 12. August 1824. Eine erste öffentliche Aufführung ist erst durch den Bariton Julius Christian Stockhausen (1826-1906) im Mai 1856 nachgewiesen. Es ist aber davon auszugehen, daß der Widmungsträger, Carl Freiherr von Schönstein (1796-1876) in seiner Funktion als der 'vielleicht beste Schubertsänger' (Leopold von Sonnleithner) das ihm dedizierte Werk zum Besten gab. Schubert lernte den Tenorbariton zwischen 1818 und 1824 kennen und schätzen.


    Peter Gülkes Franz Schubert und seine Zeit ist zu entnehmen, daß der Textdichter Müller offenbar inspiriert war von Paisiellos La molinara (Die Müllerin), einer seinerzeit beliebten Oper, die auch Komponisten zu manchem Variationsyklus anregte. Ausgegangen war Müller von dem Auftrag, zu einem Liederspiel Rose, die (schöne) Müllerin fünf Lieder aus der Sicht des Burschen beizusteuern. Vertont wurde das Liederspiel, zu dem weitere Dichter Lieder komponierten, von Ludwig Berger (1777-1839), erschienen als dessen op. 11. Berger war es dann, welcher Wilhelm Müller dazu brachte, aus dem ursprünglichen Liederspiel einen Gedicht-Zyklus zu machen (Gülke, X. Die großen Liederzyklen, S. 216).


    Zitat von Wikipedia

    Im Rahmen eines der in diesen Salons üblichen literarischen Spiele mit dem Motto „Rose, die Müllerin“ entstanden 1816 die ersten Gedichte des späteren Zyklus’ „Die schöne Müllerin“ von Wilhelm Müller, zu denen Berger die Musik beisteuerte, lange bevor Müllers Gedichtsammlung ihre endgültige Form fand, die dann 1823 von Franz Schubert vertont wurde. Bergers Zyklus, veröffentlicht 1819 als op. 11 unter dem Titel Gesänge aus einem gesellschaftlichen Liederspiele 'Die schöne Müllerin', besteht aus zehn Liedern, von denen nur fünf auf Texten Müllers in der Rolle des Müllerburschen basieren. Die übrigen stammen von anderen Gästen des Salons in folgenden Rollen: Rose, die Müllerin (Hedwig von Staegemann), Jäger (Wilhelm Hensel), Gärtnerbursche (Luise Hensel), Junker (Friedrich Förster). Außerdem gab es noch weitere Gedichte von Verehrern der Müllerin, darunter ein Fischer, die Berger nicht berücksichtigt hat. Wilhelm Müller hat die Verkettung seiner Gedichte mit denen der anderen Mitglieder des Kreises schon vor seiner Abreise nach Italien im August 1817 gelöst und gab eine erste Fassung des Zyklus' mit 15 Gedichten zur Veröffentlichung. Die endgültige Form mit 25 Liedern, die auch Schubert als Vorlage diente, der für seinen Müllerin-Zyklus 20 Gedichte auswählte, erschien als 1. Teil der Sammlung "77 Gedichte aus den hinterlassenen Papieren eines reisenden Waldhornisten" im Jahre 1821.


    Es ist häufiger bei Schubert anzutreffen, daß der Komponist eigene Lieder in Kammermusikwerken zu Variationssätzen verarbeitete, am bekanntesten ist das Forellenquintett D667, in dessen viertem Satz Schubert sein Lied Die Forelle D550 (Christian Friedrich Daniel Schubart) variiert. Bekannt ist auch die sogenannte Wandererfantasdie D760, in welcher der Komponist im Adagio-Teil das Lied Der Wanderer D489 (Georg Philipp Schmidt „von Lübeck“) zum Gegenstand seiner Variationen macht. In seiner Fantasie für Violine und Klavier C-Dur D934 verarbeitet er Sei mir gegrüßt D941 (Friedrich Rückert) und aus dem Zyklus Die schöne Müllerin letztlich geht das Lied Nr. 18 Trockne Blumen in den Variationen in e für Flöte und Klavier op. Post. 160 (D802) auf.


    Weiterführende Links
    Einspielungen auf historischen Instrumenten
    Einspielungen auf modernen Instrumenten

    • Offizieller Beitrag

    Bei derzeit häufigem Hören der 'Müllerin' fiel mir jedesmal eine Stelle in Nr. 5 (Feierabend) auf, die mich an die Zauberflöte Mozarts erinnert:


    Schubert: Die schöne Müllerin: Nr. 5 Feierabend: Ach, wie ist mein Arm so schwach!


    Mozart: Die Zauberflöte: 29. Auftritt: Weil das Leben mir mißfällt, ...


    Melodisch wie harmonisch absolut identisch :)

    • Offizieller Beitrag

    Vertont wurde das Liederspiel, zu dem weitere Dichter Lieder komponierten, von Ludwig Berger (1777-1839), erschienen als dessen op. 11.


    Eine Einspielung von Bergers op. 11 gibt es sogar:



    Die CD enthält neben vielen Liedern von Schuberts Zeitgenossen Bergers Vertonung der fünf von ihm beigesteuerten Liedern zur 'Urmüllerin':

    • Des Müllers Wanderlied
    • Müllers Blumen
    • Der Müller
    • Müllers trockne Blumen
    • Des Baches Lied

    Die Interpreten sind: Susan Gritton (Sopran), Gerald Finley (Bassbariton), Ann Murray (Sopran), Mark Padmore (Tenor) und Graham Johnson (Klavier). Hörteaser gibt es hier.


    :wink:

    • Offizieller Beitrag

    Die CD enthält neben vielen Liedern von Schuberts Zeitgenossen Bergers Vertonung der fünf von ihm beigesteuerten Liedern zur 'Urmüllerin'


    Tobias Koch, Spezialist auf historischen Tasteninstrumenten, hat sich ebenfalls für die "Urmüllerin" als Ergänzung zu Schuberts Zyklus entschieden (Link).


    :)