Opernfilme - was ist davon zu halten?

  • Die aktuellen Beiträge inspirierten mich zur Eröffnung dieses Threads.


    Opernfilme... was ist davon zu halten? Meist kommen sie schlecht weg, Erwartungen werden enttäuscht, oftmals sind sie nicht besser oder schlechter als eine mittelmäßige Inszenierung.


    Dr. Falke merkte zur jüngsten Freischützverfilmung an:


    überhaupt sind einige Szenen doch sehr statisch.


    Das empfinde ich ebenso (zwar kenne ich den Freischützfilm noch nicht, aber ich beziehe diese Beobachtung auf andere Opernfilme, z.B. Branaghs 'Zauberflöte', die ich dennoch insgesamt für sehr gelungen halte).


    Das Problem liegt meines Erachtens darin, daß für derlei Opernfilme wenig Interesse besteht, keine Gelder locker gemacht werden (können). Gelder, die für nichtige Inszenierungen verheizt werden, die gemacht werden müssen, damit der Etat an den Bühnen im Folgejahr wieder auf Vorjahresbasis ansetzen kann. Es gibt also kaum Möglichkeiten für die Regisseure, zu experimentieren - so ein Film verschlingt Millionen, die er vermutlich nie einspielen wird (?).


    Dabei gibt es doch etliche Sujets, die für eine Verfilmung wie gemacht sind: neben der genannten Zauberflöte (Branagh und Bergman) und dem Freischütz (Jens Neubert) nenne ich spontan Hänsel und Gretel, Königskinder, Medea... gerade diese an Fantasiewelten reichen Stoffe müssten doch Filme in der Manier von Harry Potter oder Herr der Ringe hergeben und als Film somit wesentlich mehr bieten/leisten, als jede noch so gute Inszenierung?


    Welche Opernverfilmungen kennt und schätzt ihr noch - oder was ist daran auszusetzen?


    :wink:

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Hervorzuheben gerade beim Freischütz ist meines Erachtens, dass die Sänger auch selbst spielen, was für einen Opernfilm nicht selbstverständlich ist. Das läßt sie deutlich glaubwürdiger agieren und macht das ganze wirklich zu einer verfilmten Oper.

    Lucius Travinius Potellus
    Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)

  • Ich schätze ja besonders Ponelle als Opernfilm-Regisseur, auch wenn manches aus heutiger Sicht etwas zu übertrieben aussieht. Aber seine Arbeiten sind stets vom Geist der Musik geprägt, versprühen Agilität und sind sehr lebendig. Besonders gefallen mir die Cenerentola und der Figaro, aber auch der Barbier ist sehr gut geworden.


    Dann gibt es ja noch den berühmten Don Giovanni von Losey, der mich persönlich kaum anspricht, auch wenn einige Szenen wirklich gut geworden sind. Aber oftmals wirkt er mir zu künstlich.


    Ein weiterer, schön düsterer Opernfilm ist der Macbeth von Ugo d'Ana


  • Hallo,


    zwar keine Oper, aber sowas ähnliches 8-)



    Claude-Michel Schönberg (*1944)
    Les Misérables


    Neulich spontan zur Ablenkung im Kino gesehen, um eine größere Krise zu verhindern.


    Die allgemeine Kritik am musikalischen - insbesondere gesangssolistischen - Anteil geschieht sicher im Vergleich zu erwerbbaren CD-/DVD-Einspielungen zu Recht. Dennoch: keine Inszenierung auf der Bühne würde je solch prachtvolle und glaubwürdige Bilder erzeugen können - da stört der z.T. schiefe (aber realistische) Gesang dann eher wenig, wenn man an der Handlung und den Gefühlen klebt. Wirklich tief beeindruckt hat mich Fantines erstes Lamento; da hätte ich beinahe "da capo" gerufen, begriff jedoch rechtzeitig, daß das wohl kaum möglich gewesen wäre...


    Interessant und durchaus überraschend war es, daß manche (reinen) Schauspieler - im besonderen Fall: Eddie Redmayne (u.a. Colin Clark in "My week with Marilyn oder Jack Jackson in "Die Säulen der Erde") durchaus einen gewissen erfreulichen Grad an Sangeskunst beherrschen (lt. Wiki nahm er zur Vorbereitung der Rolle extra Unterricht - m.E. mit gutem Erfolg). Von den Schauspielerischen Leistungen haben mir definitiv Fantine (Anne Hathaway), Samantha Barks als Éponine und der bereits erwähnte Eddie Redmayne gefallen.


    Der Film lief hier in Karlsruhe mit dt. Untertiteln resp. dt. Synchronisation. Letztere hätte man sich absolut sparen können, die paar tatsächlich "gesprochenen" Worte haben's nicht wirklich rausgerissen, sondern sogar eher verwirrt.


    In jedem Fall ein toller Schmachtfetzen und Victor-Hugo'sches Klöckner-von-Notre-Dame-Feeling mit guter Musik, die eigentlich ziemlich erträglich umgesetzt wurde. Dazu schön viel Blut, Mord, Hass, Liebe, Abgründe, Verletztsein, Disney, Kämpfe, Gewinne, Verluste, Aschenputtel, tolle Kulissen und Kostüme (trug Gavroche tatsächlich eine Zahnspange im Film?), Brüno ( :D ) - irgendwie derzeit recht ähnlich meinem Leben.


    Eines habe ich persönlich jedoch endlich begriffen: Warum nämlich viele Menschen Opern nicht besonders mögen... gewisse Längen in den Songs ließen mich manchmal schon denken: "Jaaaaa... sing's noch zehnmal... wir wissen es jetzt!"


    :beatnik:


    Hat eigentlich jemand diesen schon gesehen?



    Der Freischütz


    Er hatte mich seinerzeit zwar interessiert, aber dann doch wiederum nicht so überaus... den Kinofilm habe ich also verpasst. Als ich jetzt jüngst die Sopranistin Regula Mühlemann hörte (Mahler IV mit dem Ensemble mini), kam mir diese Produktion, bei der sie das Ännchen singt, wieder in den Sinn und in die engere Wahl...


    :wink:

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

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  • Hat eigentlich jemand diesen schon gesehen?


    Ja, ich - und ich hätte nichts verpasst wenn ich ihn nicht gesehen hätte... ist eine merkwürdige Mischung aus Möchtegern-Horrorfilm (die Wolfsschlucht-Szene ist wirklich lächerlich), Kostümklamotte und Rumstehtheater. Musikalisch ist das alles nicht schlecht - der beste ist natürlich René Papes Cameo als Eremit - und es gibt ein paar schöne Aufnahmen der sächsischen Natur :D aber alles in allem ist das eine vergebene Chance und meiner Meinung nach nicht wirklich sehenswert.

    "Nichts gleicht der Trägheit, Dummheit, Dumpfheit vieler deutscher Geiger."
    Max Bruch (1838-1920)

  • Ja, ich - und ich hätte nichts verpasst wenn ich ihn nicht gesehen hätte...


    I did it.


    Neben Rene Pape habe ich allerdings noch ein paar andere Highlights vernommen, hier nachzulesen.


    Aber im Prinzip hast Du Recht: Trotz musikalisch beachtlicher Momente eine vergebene Chance... zum Glück gibt es derlei Chancen recht viele... man muß sie nur wahrnehmen.


    :boese:

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  • Budapest. 21tes Jahrhundert. Ein nicht mehr ganz taufrischer (aber anziehender) Playboy, viel nackte Haut (nicht mehr oder weniger als in jedem neueren Sex-and-Crime-Streifen), ein opi-Orchester, zum Teil recht gute Sänger und Sängerinnen, die zugleich beeindruckende Schauspieler sind, tolle Bilder und fantastische Filmmusik:



    Kasper Holtens' JUAN.


    Maria Bengtsson (Anna), Elizabeth Futral (Elvira),
    Katija Dragojevic (Zerlina), Peter Lodahl (Ottavio),
    Christopher Maltman (Juan), Ludvig Lindstrom (Masetto),
    Mikhail Petrenko (Leporello), Eric Halfvarson (Chief of Police)


    Concerto Copenhagen
    Lars Ulrik Mortensen


    Das da Pontesche Libretto wurde auf die übliche Spielfilmzeit (ca. 99 Minuten) zusammengefasst, ohne daß ich den Eindruck hatte, Wesentliches hätte gefehlt. Die Umsetzung ins 21. Jahrhundert - zumindest in das der Sex-and-Crmie-Szene im TV - gelingt absolut genial und ohne Ecken und Kanten, teilweise beeindruckend sekundengenau gesteuert, geschickt überlagert, überraschend passend und konsequent. Eine Menge an Details zu verraten, würde die Vorfreude am Schauen sicherlich stark beschneiden, deswegen bloß soviel: „il catalogo“ mutierte zu einem MacBook Air (oder was es 2010 in dieser Kategorie ähnliches gab) und übererfüllt seinen Zweck. Die Amtssprache ist Englisch (es gibt Ausgaben mit dt. UT) und der Filmgast sollte keine Scheu vor Schimpfwörtern haben, die zwar nicht im Übermaß, aber doch evident und nicht selten die Gehörgänge entzünden. Man muß sich außerdem damit abfinden, daß in die Musik gelegentlich hineingeredet wird oder daß die Geräuschkulisse messerscharf in den Gesang schneidet (keine Kritik meinerseits, fand ich aber einer vorwarnenden Erwähnung wert). Wer soetwas nicht verträgt und als Entweihung einstuft, sollte also besser Augen und Ohren davon lassen...


    Beeindruckt war ich von Mikhail Petrenko als Leporello, gefallen haben mir auch Ludvig Lindstrom (Masetto) und Katija Dragojevic als Zerlina. Mortensen überschätzt allerdings seine Musiker insgesamt zeitweise bei extrem rasanten Tempi - was für den Film und den beabsichtigten Effekt allerdings Nebensache ist. Aber wer genau hinhört und jede Note der Partitur persönlich kennt, könnte etwas irritiert werden...


    Schließlich endet das Drama in der originären Prager Fassung: gerade hier würde - wie aber auch in der Oper - der Wiener Appendix das gelungene Finale einfach zerstören; Mozarts gute Musik in Ehren...


    Für Neugierige gibt es einen Trailer auf Youtube:



    „So hätte Mozart heute Don Giovanni umgesetzt" schreibt Variety. Schon möglich. Aber er hätte andere Musik komponiert. :D

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    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


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  • Opernfilme - was ist davon zu halten?


    Auch mit deutscher Synchro?

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793

  • Nö. Wie sollte das sängerisch gehen? Allenfalls mit UT. Aber wer braucht das bei DG schon?

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  • Nö. Wie sollte das sängerisch gehen? Allenfalls mit UT. Aber wer braucht das bei DG schon?


    Ich! Bin ein Textmensch ... *yes*

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793

  • Den kennt man ja hier in und auswendig. Der Film bietet optional englische und deutsche Untertitel, die dann das Bild stören. Es empfiehlt sich aber dennoch, den Film dreimal anzuschauen, denn wie ich bereits oben schrieb:


    Zitat

    Die Amtssprache ist Englisch (es gibt Ausgaben mit dt. UT)


    Wegen der englischen Fäkalsprache erst mit dt., dann mit engl. UTn, danach ohne...

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


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  • Ich würde sogar deutsche Filme mit deutschen Untertiteln schauen. *yes* Genau wie beim Navi, das schalte ich auch dann ein, wenn ich den Weg genau kenne. 8-)

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793


  • Enthält:


    Verdi: Rigoletto (Opernverfilmung in Mantua 2010 mit Domingo, Novikova, Grigolo, Raimondi. Regie: Marco Bellocchio)
    Verdi: La Traviata (Opernverfilmung in Paris 2000 mit Gvazava, Cura, Panerai. Regie: Giuseppe Patroni Griffi)
    Puccini: Tosca (Opernverfilmung in Rom 1992 mit Malfitano, Domingo, Raimondi, Cavaradossi. Regie: Giuseppe Patrone Griffi)
    *hä*

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Hab ich gesagt, daß mich das interessiert? 8o Manchmal setze ich auch einfach nur Links, damit Yorick das kauft.

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Hab ich gesagt, daß mich das interessiert? 8o Manchmal setze ich auch einfach nur Links, damit Yorick das kauft.


    *brav*


    A habe ich davon schon welche und b ... :wink:

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793