LIED des Tages

  • Ich möchte einen neuen Thread einführen, den ich >>>LIED des Tages<<< nennen möchte. Aus meiner Sicht wäre es schön, wenn mehere/viele Forums-Mitglieder sich beteiligen würden. Wenn EIN Lied für einen bestimmten Tag bereits gepostet wurde... egal ob mit oder ohne U-Tube, sollte erst am nächsten Tag ein NEUES, für einen NEUEN TAG eingesetzt werden.


    Wichtig wäre nur, daß ALLE, die Lust haben mitzumachen, schauen, OB bereits jemand vor ihm zum Zuge gekommen ist... der nächste Tag kommt bestimmt... und dann kann das nächste Lied erscheinen. Das jeweilige DATUM wäre vielleicht wichtig.


    17. August 2011


    R. Strauss ZUEIGNUNG, op.10,1


    Hermann von Gilm zu Rosenegg (1812-1864)
    Sprache: deutsch
    Liedtext: Ja, du weißt es, teure Seele,
    Daß ich fern von dir mich quäle,
    Liebe macht die Herzen krank,
    Habe Dank.


    Einst hielt ich, der Freiheit Zecher,
    Hoch den Amethysten-Becher,
    Und du segnetest den Trank,
    Habe Dank.


    Und beschworst darin die Bösen,
    Bis ich, was ich nie gewesen,
    heilig, heilig an's Herz dir sank,
    Habe Dank.

    gehört mit Heinrich Schlusnus, begleitet von Michael Raucheisen (08.06.1943)



    Heinrich Schlusnus, Bariton
    Richard Strauss, Klavier
    Aufnahme von 1919


  • Schubert: Der Lindenbaum (aus: Winterreise)


    Nataša Mirković - De Ro, Gesang
    Matthias Loibner, Drehleier


    Am Brunnen vor dem Tore,
    Da steht ein Lindenbaum:
    Ich träumt’ in seinem Schatten
    So manchen süßen Traum.


    Ich schnitt in seine Rinde
    so manches liebe Wort;
    Es zog in Freud und Leide
    Zu ihm mich immer fort.


    Ich mußt’ auch heute wandern
    Vorbei in tiefer Nacht,
    Da hab ich noch im Dunkel
    Die Augen zugemacht.


    Und seine Zweige rauschten,
    Als riefen sie mir zu:
    Komm her zu mir, Geselle,
    Hier findst Du Deine Ruh!


    Die kalten Winde bliesen
    Mir grad in’s Angesicht;
    Der Hut flog mir vom Kopfe,
    Ich wendete mich nicht.


    Nun bin ich manche Stunde
    entfernt von jenem Ort,
    Und immer hör ich’s rauschen:
    Du fändest Ruhe dort!


    Johann Ludwig Wilhelm Müller (1794-1827)

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Es muß nicht immer Schubert sein...



    Carl Loewe (1796-1869): Erlkönig
    Ulrich Hielscher, Bass - Wolfram Fürll, Klavier


    Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
    Es ist der Vater mit seinem Kind;
    Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
    Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.


    Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? —
    Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
    Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif? —<
    Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. —


    „Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
    Gar schöne Spiele spiel’ ich mit dir;
    Manch’ bunte Blumen sind an dem Strand,
    Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“ —


    Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
    Was Erlenkönig mir leise verspricht? —
    Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
    In dürren Blättern säuselt der Wind. —


    „Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
    Meine Töchter sollen dich warten schön;
    Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
    Und wiegen und tanzen und singen dich ein.“ —


    Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
    Erlkönigs Töchter am düstern Ort? —
    Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’ es genau:
    Es scheinen die alten Weiden so grau. —


    „Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
    Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt.“ —
    Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an!
    Erlkönig hat mir ein Leids getan! —


    Dem Vater grauset’s; er reitet geschwind,
    Er hält in Armen das ächzende Kind,
    Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
    In seinen Armen das Kind war tot.


    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)


  • Carl Loewe (1796-1869): Die Uhr
    Hermann Prey, Bariton, Karl Engel, Klavier


    Ich trage, wo ich gehe,
    Stets eine Uhr bei mir;
    Wieviel es geschlagen habe,
    Genau seh ich an ihr.


    Es ist ein großer Meister,
    Der künstlich ihr Werk gefügt,
    Wenngleich ihr Gang nicht immer
    Dem törichten Wunsche genügt.


    Ich wollte, sie wäre rascher
    Gegangen an manchem Tag;
    Ich wollte, sie hätte manchmal
    Verzögert den raschen Schlag.


    In meinen Leiden und Freuden,
    In Sturm und in der Ruh,
    Was immer geschah im Leben,
    Sie pochte den Takt dazu.


    Sie schlug am Sarge des Vaters,
    Sie schlug an des Freundes Bahr,
    Sie schlug am Morgen der Liebe,
    Sie schlug am Traualtar.


    Sie schlug an der Wiege des Kindes,
    Sie schlägt, will's Gott, noch oft,
    Wenn bessere Tage kommen,
    Wie meine Seele es hofft.


    Und ward sie auch einmal träger,
    Und drohte zu stocken ihr Lauf,
    So zog der Meister immer
    Großmütig sie wieder auf.


    Doch stände sie einmal stille,
    Dann wär's um sie geschehn,
    Kein andrer, als der sie fügte,
    Bringt die Zerstörte zum Gehn.


    Dann müßt ich zum Meister wandern,
    Der wohnt am Ende wohl weit,
    Wohl draußen, jenseits der Erde,
    Wohl dort in der Ewigkeit!


    Dann gäb ich sie ihm zurücke
    Mit dankbar kindlichem Flehn:
    Sieh, Herr, ich hab nichts verdorben,
    Sie blieb von selber stehn.


    (Johann Gabriel Seidl (1804-1875))

  • Untreue in einer Bearbeitung von Friedrich Silcher, Text: Josef von Eichendorff




    In einem kühlen Grunde,
    Da geht ein Mühlenrad,
    |: Mein Liebchen ist verschwunden,
    Das dort gewohnet hat. :|
    2. Sie hat mir Treu' versprochen,
    Gab mir ein' Ring dabei,
    |: Sie hat die Treu' gebrochen,
    Das Ringlein sprang entzwei. :|


    3. Ich möcht' als Spielmann reisen
    Wohl in die Welt hinaus
    |: Und singen meine Weisen
    Und geh' von Haus zu Haus. :|


    4. Ich möcht' als Reiter fliegen
    Wohl in die blut'ge Schlacht,
    |: Um stille Feuer liegen
    Im Feld bei dunkler Nacht. :|


    5. Hör' ich das Mühlrad gehen,
    Ich weiß nicht, was ich will;
    |: Ich möcht' am liebsten sterben,
    Da wär's auf einmal still. :|

  • Franz Schubert (1797-1828)


    Gretchen am Spinnrade, op. 2, D. 118
    Text: Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)



    Lisa della Casa, Sopran
    Karl Hudez, Piano


    Text:
    Meine Ruh' ist hin,
    Mein Herz ist schwer,
    Ich finde sie nimmer
    Und nimmermehr.


    Wo ich ihn nicht hab
    Ist mir das Grab,
    Die ganze Welt
    Ist mir vergällt.


    Mein armer Kopf
    Ist mir verrückt,
    Mein armer Sinn
    Ist mir zerstückt.


    Meine Ruh' ist hin,
    Mein Herz ist schwer,
    Ich finde sie nimmer
    Und nimmermehr.


    Nach ihm nur schau ich
    Zum Fenster hinaus,
    Nach ihm nur geh ich
    Aus dem Haus.


    Sein hoher Gang,
    Sein' edle Gestalt,
    Seine Mundes Lächeln,
    Seiner Augen Gewalt,


    Und seiner Rede
    Zauberfluß,
    Sein Händedruck,
    Und ach, sein Kuß!


    Meine Ruh' ist hin,
    Mein Herz ist schwer,
    Ich finde sie nimmer
    Und nimmermehr.


    Mein Busen drängt sich
    Nach ihm hin.
    Ach dürft ich fassen
    Und halten ihn,


    Und küssen ihn,
    So wie ich wollt,
    An seinen Küssen
    Vergehen sollt!


  • Dienstag, 23. August 2011
    Franz Schubert "Die junge Nonne" (Text von Jakob Nikolaus, 1797 - 1855)


    Interpreten: Janet Baker (Mezzo) ünd Murray Perrahia (Klavier)



    Wie braust durch die Wipfel der heulende Sturm!
    Es klirren die Balken, es zittert das Haus!
    Es rollet der Donner, es leuchtet der Blitz,
    Und finster die Nacht, wie das Grab!


    Immerhin, immerhin,
    so tobt’ es auch jüngst noch in mir!
    Es brauste das Leben, wie jetzo der Sturm,
    Es bebten die Glieder, wie jetzo das Haus,
    Es flammte die Liebe, wie jetzo der Blitz,
    Und finster die Brust, wie das Grab.


    Nun tobe, du wilder gewalt’ger Sturm,
    Im Herzen ist Friede, im Herzen ist Ruh,
    Des Bräutigams harret die liebende Braut,
    Gereinigt in prüfender Glut,
    Der ewigen Liebe getraut.


    Ich harre, mein Heiland! mit sehnendem Blick!
    Komm, himmlischer Bräutigam, hole die Braut,
    Erlöse die Seele von irdischer Haft.
    Horch, friedlich ertönet das Glöcklein vom Turm!
    Es lockt mich das süße Getön
    Allmächtig zu ewigen Höhn.
    Alleluja!



    Liebe EROICAeaner/innen
    Ich war übers Wochenende 3 Tage weg und hatte am Samstag vergeblich versucht genanntes Schubert-Lied mit dem youtube Link hier zu posten.
    Schnelles DSL (oder was auch immer habe ich nicht.....und bis jetzt kriege ich es nicht gebacken)
    Als ich den Thread vor ner knappen Woche ins Leben rief, war es Ulli, der für mich den Link des 1. Liedes >Zuneigung> (R. Strauss) mit Schlusnus hierher zauberte.
    Aus mir wird in diesem Leben kein PC-Freak mehr.......umso mehr freue ich mich, daß in den letzten 3 Tagen jeweils ein wunderbares Lied gepostet wurde.

    Frage: könnte bitte jemand für mich von youtube das Lied mit der oben genannten Nummer herunterladen und an diesen Artikel dran hängen.

    gerne zu Diensten *pic*


    Ich habe Janet baker mit diesem Lied in Kopenhagen ( vor gut 15 Jahren) LIVE erlebt (als Zugabe nach Mahler Liedern)
    Es ist eine wunderbare Aufnahme, zusammen mit einer sehr feinnervigen Begleitung durch Perraria.


    DANKE für die Gemeinschaftsarbeit an diesem Lied !!!


    Arnulfus

  • Richard Wagner: Wesendonklieder
    "Stehe still!"



    Fünf Lieder nach Gedichten von Mathilde Wesendonck, instrumentiert von Hans Werner Henze
    ORF Radio-Symphonieorchester Wien, Dirigent: Michael Schönwandt; Elisabeth Kulman, Mezzosopran


    Text:


    Stehe still!


    Sausendes, brausendes Rad der Zeit,
    Messer du der Ewigkeit;
    Leuchtende Sphären im weiten All,
    Die ihr umringt der Weltenball;
    Urewige Schöpfung, halte doch ein,
    Genug des Werdens, laß mich sein!


    Halte an dich, zeugene Kraft,
    Urgedanke, der ewig schafft!
    Hemmet den Atem, stillet den Drang,
    Schweigt nur eine Sekunde lang!
    Schwellende Pulse, fesselt den Schlag;
    Ende, des Wollens ew'ger Tag!


    Daß in selig süßem Vergessen
    Ich mög' alle Wonne ermessen!


    Wenn Auge in Auge wonnig trinken,
    Sehe ganz in Seile versinken;
    Wesen in Wesen sich wiederfindet,
    Und alles Hoffens Ende sich kündet,
    Die Lippe verstummt in staundendem Schweigen,
    Keinen Wunsch mehr will das Innre zeugen:
    Erkennt der Mensch des Ew'gen Spur,
    Und löst dein Rätsel, heil'ge Natur!



  • Loraint Hunt Lieberson (Mezzo)
    Gustav Mahler: Um Mitternacht, Text von Friedrich Rückert


    Um Mitternacht
    Hab' ich gewacht
    Und aufgeblickt zum Himmel;
    Kein Stern vom Sterngewimmel
    Hat mir gelacht
    Um Mitternacht.


    Um Mitternacht
    Hab' ich gedacht
    Hinaus in dunkle Schranken.
    Es hat kein Lichtgedanken
    Mir Trost gebracht
    Um Mitternacht.


    Um Mitternacht
    Nahm ich in acht
    Die Schläge meines Herzens;
    Ein einz'ger Puls des Schmerzes
    War angefacht
    Um Mitternacht.


    Um Mitternacht
    Kämpft' ich die Schlacht,
    O Menschheit, deiner Leiden;
    Nicht konnt' ich sie entscheiden
    Mit meiner Macht
    Um Mitternacht.


    Um Mitternacht
    Hab' ich die Macht
    In deine Hand gegeben!
    Herr! über Tod und Leben
    Du hältst die Wacht
    Um Mitternacht!

  • Richard Strauss
    Schlechtes Wetter




    Arleen Auger, Sopran
    Irwin Gage, Klavier


    Text von Heinrich Heine


    Das ist ein schlechtes Wetter,
    Es regnet und stürmt und schmeit;
    Ich sitze am Fenster und schaue
    Hinaus in die Dunkelheit.


    Da schimmert ein einsames Lichtchen,
    Das wandelt langsam fort;
    Ein Mütterchen mit dem Laternchen
    Wankt über die Straße dort.


    Ich glaube, Mehl und Eier
    Und Butter kaufte sie ein;
    Sie will einen Kuchen backen
    Fürs große Töchterlein.


    Die liegt zu Haus im Lehnstuhl,
    Und blinzelt schläfrig ins Licht;
    Die goldnen Locken wallen
    Über das süße Gesicht.

  • Hugo Wolf (1860-1903)
    Mörike-Lieder : Der Feuerreiter



    Hermann Prey, Bariton
    Leonard Hokanson, Klavier


    Bei der Suche nach einer Aufnahme habe ich noch die Orchesterversion gefunden:



    Rundfunkchor Berlin
    dir. Simon Halsey


    Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
    Conducted by Kent Nagano


    Textvon Eduard Mörike:


    Sehet ihr am Fensterlein
    Dort die rote Mütze wieder?
    Nicht geheuer muß es sein,
    Denn er geht schon auf und nieder.
    Und auf einmal welch Gewühle
    Bei der Brücke nach dem Feld!
    Horch! das Feuerglöcklein gellt:
    Hinterm Berg,
    Hinterm Berg
    Brennt es in der Mühle!


    Schaut, da sprengt er wütend schier
    Durch das Tor, der Feuerreiter,
    Auf dem rippendürren Tier,
    Als auf einer Feuerleiter!
    Querfeldein, durch Qualm und Schwüle,
    Rennt er schon und ist am Ort!
    Drüben schallt es fort und fort:
    Hinterm Berg,
    Hinterm Berg,
    Brennt es in der Mühle!


    Der so oft den roten Hahn
    Meilenweit von fern gerochen,
    Mit des heil'gen Kreuzes Span
    Freventlich die Glut besprochen -
    Weh! dir grinst vom Dachgestühle
    Dort der Feind im Höllenschein.
    Gnade Gott der Seele dein!
    Hinterm Berg,
    Hinterm Berg,
    Rast er in der Mühle!


    Keine Stunde hielt es an,
    Bis die Mühle borst in Trümmer;
    Doch den kecken Reitersmann
    Sah man von der Stunde nimmer.
    Volk und Wagen im Gewühle
    Kehren heim von all dem Graus;
    Auch das Glöcklein klinget aus:
    Hinterm Berg,
    Hinterm Berg,
    Brennt's! -


    Nach der Zeit ein Müller fand
    Ein Gerippe samt der Mützen
    Aufrecht an der Kellerwand
    Auf der beinern Mähre sitzen:
    Feuerreiter, wie so kühle
    Reitest du in deinem Grab!
    Husch! da fällt's in Asche ab.
    Ruhe wohl,
    Ruhe wohl
    Drunten in der Mühle!


  • 28. August 2011
    Richard Strauss "Traum durch die Dämmerung", Text von Otto Julius Bierbaum (1865-1910)
    Heinrich Schlusnus (Bariton)


    Text:


    Weite Wiesen im Dämmergrau;
    die Sonne verglomm, die Sterne ziehn,
    nun geh' [ich]1 zu der schönsten Frau,
    weit über Wiesen im Dämmergrau,
    tief in den Busch von Jasmin.


    Durch Dämmergrau in der Liebe Land;
    ich gehe nicht schnell, ich eile nicht;
    mich zieht ein weiches samtenes Band
    durch Dämmergrau in der Liebe Land,
    in ein [mildes, blaues]2 Licht.

  • 28.8.2011


    Vielleicht ist deutsch nicht gerade die beste Sprache für Jesenjins Gedichte...
    aber ich poste mal...



    Das Lied von der Hündin


    Im Heuschober morgens verborgen,
    Wo Bastmatten golden sich reihn,
    Hat sechs rote Junge geworfen
    Die Hündin, sechs Welpen, ganz klein.


    Sie hegte bis abends sie zärtlich,
    Hat sie mit der Zunge gekämmt,
    Der Schnee, den sie erwärmte,
    Bäuchlings ist er geströmt.


    Doch abends, als alle Hühner
    Sich längst auf die Stange gesetzt,
    Da kam das Herrchen finster
    Und steckt in den Sack alle sechs.


    Sie lief, hat etwas gewittert,
    Und ist ihnen nachgejagt,
    Noch lange das Wasser erzittert
    Dort, wo das Eis aufgehackt.


    Sie schleppt sich zurück, ermattet,
    Und schleckt von den Seiten den Schweiß,
    Der Mond hoch über der Kate
    Schien eins ihrer Welpen zu sein.


    Ins laute Blau hoch oben
    Schaute sie winselnd und bellt,
    Ganz schmal ist der Mond gezogen,
    Versank hinterm Hügel im Feld.


    Und stumm, wie wenn einer zur Täuschung
    Statt Fleisch ihr 'nen Stein hingerollt,
    Kullerten hündische Äuglein
    In den Schnee, wie Sterne von Gold.


    Sergej Aleksandrovič Esenin 1915


    (geboren am 3. Oktober 1895 in Konstantinovo, heute Esenino, Kreis Rjazan
    gestorben am 27. Dezember 1925 in Leningrad, heute Petersburg


    http://home.arcor.de/berick/illeguan/esenin1.htm schrieb:

    Sergej Esenin gilt als der bedeutendste russische Bauerndichter, der in Alkoholexzessen und Gewaltausbrüchen das Zerbrechen des einfachen Menschen an den Erfordernissen der modernen Gesellschaft exemplifizierte.


    Die zuweilen ins Primitive abgleitende Einfachheit Esenins, die auch seine Beliebtheit bei literarisch wenig interessierten Menschen erklärt, führt häufig dazu, dass er als Dichter massiv unterschätzt wird. Esenin war aber ganz bewusster Nachfolger von Blok und Belyj, er gehört in den Umkreis des russischen Symbolismus.


    Nach einem kurzen, aber sehr bewegten Leben erhängte sich Esenin in Leningrad und löste damit eine Selbstmordwelle aus. In der Sowjetunion lange totgeschwiegen, blieb er für viele Russen die reinste Verkörperung ihres Lebensgefühls, das zwischen Herzlichkeit und Mitgefühl einerseits und Verzweiflung an der Wirklichkeit andererseits hin- und herschwankt.


    "Wenn du von allem dem, was diese Blätter füllt,
    Mein Leser, nichts des Dankes wert gefunden:
    So sei mir wenigstens für das verbunden,
    Was ich zurück behielt."
    (Lessing)

  • Noch etwas Vertontes zum Genießen:


    schlichteste, wunderschöne, stille Einfachheit in einfachem F-Dur - mit bemerkenswert Schubert'schen Wendungen!


    #
    Wolfgang Amadé Mozart
    Abendempfindung, KV 523, F-Dur


    :wink:


    PS:
    "PianoMania" lässt grüßen, deswegen diese Fassung. Ansonsten noch lieber mit Hammerflügel!

    "erhaben, schön, alles was sie wollen – allein – zu übertrieben schwülstig für meine feinen ohren"
    W. A. Mozart (28.12.1782)


  • Peter, du alter Drengler!!!


    Ein Lied pro Tag!!!


    Du hast mich glatt überspielt! *lol*;)


    Dein Beitrag war ein Gedicht, kein Lied ;). Insofern dachte ich mir: Gibt es eben heute was zum Lesen UND was zum Hören. Zwei Werke werden unsere Leser und Hörer schon noch verkraften können *flöt*
    :wink:


    PS: Erstens hätte ich es morgen wieder vergessen, zweitens hab es gestern auch mehr als ein Lied (wenn auch vom gleichen "Autor")

    "erhaben, schön, alles was sie wollen – allein – zu übertrieben schwülstig für meine feinen ohren"
    W. A. Mozart (28.12.1782)

  • SO war es aber nicht vorgesen! ;)


    Zitat

    Dein Beitrag war ein Gedicht, kein Lied


    Meine Lieder sind nun mal öfter stumm...
    so wie ich eben *hä*


    LG :)


    "Wenn du von allem dem, was diese Blätter füllt,
    Mein Leser, nichts des Dankes wert gefunden:
    So sei mir wenigstens für das verbunden,
    Was ich zurück behielt."
    (Lessing)

  • 30.08.2011
    Gustav Mahler "Ging heut morgen...." aus >Lieder eines fahrenden Gesellen< Markus Werba, Bariton




    Ging heut morgen übers Feld,
    Tau noch auf den Gräsern hing;
    Sprach zu mir der lust'ge Fink:
    "Ei du! Gelt? Guten Morgen! Ei gelt?
    Du! Wird's nicht eine schöne Welt?
    Zink! Zink! Schön und flink!
    Wie mir doch die Welt gefällt!"


    Auch die Glockenblum' am Feld
    Hat mir lustig, guter Ding',
    Mit den Glöckchen, klinge, kling,
    Ihren Morgengruß geschellt:
    "Wird's nicht eine schöne Welt?
    Kling, kling! Schönes Ding!
    Wie mir doch die Welt gefällt! Heia!"


    Und da fing im Sonnenschein
    Gleich die Welt zu funkeln an;
    Alles Ton und Farbe gewann
    Im Sonnenschein!
    Blum' und Vogel, groß und klein!
    "Guten Tag, ist's nicht eine schöne Welt?
    Ei du, gelt? Schöne Welt?"


    Nun fängt auch mein Glück wohl an?
    Nein, nein, das ich mein',
    Mir nimmer blühen kann!

  • wie ich sehe, kann man auch im voraus... das Lied für morgen, da für mich offiziell die Sommerpause vorbei wird:
    Ludwig Senfl: Entlaubet ist der Walde



    Charles Daniels, Fretwork


    Entlaubet ist der Walde
    gen diesem Winter kalt
    Beraubet werd ich balde
    mein Lieb das macht mich alt
    dass ich die Schön muss meiden
    die mir gefallen thut
    bringt mir manigfältig Leiden
    macht mir ein schweren Mut


    Was lässt du mir zur Letze
    mein brauns schwarz Meidelein
    das mich die Weil ergetze
    so ich von dir muß sein?
    Hoffnung muß mich ernähren
    nach dir so wird ich krank
    Thu bald herwieder kehren
    die Zeit wird mir zu lang


    Sei weis, laß dich nit affen
    der Klaffer seind so viel
    Halt dich gen mir rechtschaffen
    Treulich dich waren will
    Hüt dich vor falschen Zungen
    darauf sei wol bedacht
    Sei dir, schöns Lieb, gesungen
    Zu tausend guter Nacht


    LG
    Tamás
    :wink: