LIED des Tages

  • 16. Oktober 2011
    Schubert: "Hurdy Gurdy Man" ("der Leiermann") aus der Winterreise
    gesungen 1934 von dem Irischen Bariton Harry Plunket - Green, 1865 - 1936)


    Eine ungewöhnliche, jedoch ganz außergewöhnliche Interpretation, die das Zerbrechliche und Vergängliche
    auch durch die ältere Stimmne und die Art der Interpretation, hervorhebt



    Drüben hinterm Dorfe
    Steht ein Leiermann
    Und mit starren Fingern
    Dreht er was er kann.


    Barfuß auf dem Eise
    Wankt er hin und her
    Und sein kleiner Teller
    Bleibt ihm immer leer.


    Keiner mag ihn hören,
    Keiner sieht ihn an,
    Und die Hunde knurren
    Um den alten Mann.


    Und er läßt es gehen,
    Alles wie es will,
    Dreht, und seine Leier
    Steht ihm nimmer still.


    Wunderlicher Alter,
    Soll ich mit dir geh'n?
    Willst zu meinen Liedern
    Deine Leier dreh'n?



    www.youtube.com/watch?v=iW04f0olXUY



    There, behind the village,
    stands a hurdy-gurdy-man,
    And with numb fingers
    he plays the best he can.


    Barefoot on the ice,
    he staggers back and forth,
    And his little plate
    remains ever empty.


    No one wants to hear him,
    no one looks at him,
    And the hounds snarl
    at the old man.


    And he lets it all go by,
    everything as it will,
    He plays, and his hurdy-gurdy
    is never still.


    Strange old man,
    shall I go with you?
    Will you play your hurdy-gurdy
    to my songs?

  • 17. Oktober 2011
    Franz Schubert "Im Abendrot" (Lappe) Christa Ludwig, Mezzo



    www.youtube.com/watch?v=oInNy1oAa-k



    By Karl Gottlieb Lappe (1773-1843)


    O wie schön ist deine Welt,
    Vater, wenn sie golden strahlet!
    Wenn dein Glanz herniederfällt
    Und den Staub mit Schimmer malet,
    Wenn das Rot, das in der Wolke blinkt,
    In mein stilles Fenster sinkt!


    Könnt ich klagen, könnt ich zagen?
    Irre sein an dir und mir?
    Nein, ich will im Busen tragen
    Deinen Himmel schon allhier.
    Und dies Herz, eh' es zusammenbricht,
    Trinkt noch Glut und schlürft noch Licht.

  • 18. Oktober 2011
    Franz Schubert "Am Meer" (H. Heine) Ian Bostridge (Tenor) + Antonio Pappano (Klavier)

    www.youtube.com.sg/watch?v=A9MunvekK8U&feature=related



    12. Am Meer Author(s): Heinrich Heine


    Das Meer erglänzte weit hinaus
    Im letzten Abendscheine;
    Wir saßen am einsamen Fischerhaus,
    Wir saßen stumm und alleine.


    Der Nebel stieg, das Wasser schwoll,
    Die Möwe flog hin und wieder;
    Aus deinen Augen liebevoll
    Fielen die Tränen nieder.


    Ich sah sie fallen auf deine Hand
    Und bin aufs Knie gesunken;
    Ich hab von deiner weißen Hand
    Die Tränen fortgetrunken.


    Seit jener Stunde verzehrt sich mein Leib,
    Die Seele stirbt vor Sehnen;
    Mich hat das unglücksel'ge Weib
    Vergiftet mit ihren Tränen.

  • 19. Oktober 2011
    Johannes Brahms "Immer leiser wird mein Schlummer" LIVE Mitschnitt vom Edinburgh Festival 1950 mit Kathleen Ferrier (Alt) + Bruno Walter (Klavier)





    www.youtube.com/watch?v=u8DcWmwG5Kw





    Hermann Lingg (1820-1905)
    Liedtext:
    Immer leiser wird mein Schlummer,
    Nur wie Schleier liegt mein Kummer
    Zitternd über mir.
    Oft im Traume hör ich dich
    Rufen drauß vor [meiner] Tür,
    Niemand wacht und öffnet dir,
    Ich erwach und weine bitterlich.
    Ja, ich werde sterben müssen,
    Eine Andre wirst du küssen,
    Wenn ich bleich und kalt.
    Eh die Maienlüfte wehn,
    Eh die Drossel singt im Wald:
    Willst du mich noch einmal sehn,
    Komm, o komme bald!

  • Franz Liszt
    Die drei Zigeuner


    Elisabeth Kulman, Mezzosopran
    Eduard Kutrowatz, Klavier



    Die drei Zigeuner


    Drei Zigeuner fand ich einmal
    Liegen an einer Weide,
    Als mein Fuhrwerk mit müder Qual
    Schlich durch sandige Heide.


    Hielt der eine für sich allein
    In den Händen die Fiedel,
    Spielt', umglüht vom Abendschein,
    Sich ein lustiges Liedel.


    Hielt der zweite die Pfeif' im Mund,
    Blickte nach seinem Rauche,
    Froh, als ob er vom Erdenrund
    Nichts zum Glücke mehr brauche.


    Und der dritte behaglich schlief,
    Und sein Zymbal am Baum hing;
    Über die Saiten der Windhauch lief,
    Über sein Herz ein Traum ging.


    An den Kleidern trugen die drei
    Löcher und bunte Flicken;
    Aber sie boten trotzig frei
    Spott den Erdengeschicken.


    Dreifach haben sie mir gezeigt,
    Wenn das Leben uns nachtet,
    Wie man's verschläft, verraucht, vergeigt,
    Und es dreimal verachtet.


    Nach den Zigeunern lang noch
    Musst ich schaun im Weiterfahren,
    Nach den Gesichtern dunkelbraun,
    Nach den schwarzlockigen Haaren.


    (Text: Nikolaus Lenau)



    :wink:

  • Und morgen wird die Sonne wieder scheinen, Richard Strauss, Fritz Wunderlich


    Und morgen wird die Sonne wieder scheinen
    und auf dem Wege, den ich gehen werde,
    wird uns, die Glücklichen sie wieder einen
    inmitten dieser sonnenatmenden Erde...
    und zu dem Strand, dem weiten, wogenblauen,
    werden wir still und langsam niedersteigen,
    stumm werden wir uns in die Augen schauen,
    und auf uns sinkt des Glückes stummes Schweigen...


  • 22. Oktober 2011
    Franz Schubert : "Ave Maria", LIVE-Mitschnitt von 1944 mit MARIAN ANDERSON und Orchester unter Leopold Stokowsky



    www.youtube.com/watch?v=t2asMAfRKH0




    Ave Maria!
    Jungfrau mild,
    Erhöre einer Jungfrau Flehen,
    Aus diesem Felsen starr und wild
    Soll mein Gebet zu dir hin wehen,
    Zu dir hin wehen.
    Wir schlafen sicher bis zum Morgen,
    Ob Menschen noch so grausam sind.
    O Jungfrau, sieh der Jungfrau Sorgen,
    O Mutter, hör ein bittend Kind!
    Ave Maria!


    Ave Maria
    Unbefleckt!
    Wenn wir auf diesen Fels hinsinken
    Zum Schlaf, und uns dein Schutz bedeckt,
    Wird weich der harte Fels uns dünken
    Du lächelst, Rosendüfte wehen
    In dieser dumpfen Felsenkluft.
    O Mutter, höre Kindes Flehen,
    O Jungfrau, eine Jungfrau ruft!
    Ave Maria!


    Ave Maria!
    Reine Magd!
    Der Erde und der Luft Dämonen,
    Von deines Auges Huld verjagt,
    Sie können hier nicht bei uns wohnen
    Wir woll'n uns still dem Schicksal beugen,
    Da uns dein heilger Trost anweht;
    Der Jungfrau wolle hold dich neigen,
    Dem Kind, das für den Vater fleht!
    Ave Maria!

  • 23. Oktober 2011
    Franz Schubert "Ständchen" (Zögernd leise) mit den Wiener Sängerknaben

    www.youtube.com/watch?v=aiuYzNdY9rY




    Franz Grillparzer (1791-1872)
    Sprache: deutsch
    Liedtext: Zögernd leise
    In des Dunkels nächt'ger [Stille]
    Sind wir hier;
    Und den Finger sanft gekrümmt,
    Leise, leise,
    Pochen wir
    An des Liebchens Kammerthür.
    Doch nun steigend,
    Schwellend, schwellend,
    Mit vereinter Stimme, Laut
    Rufen aus wir hochvertraut;
    Schlaf du nicht,
    Wenn der Neigung Stimme spricht!
    Sucht' ein Weiser nah und ferne
    Menschen einst mit der Laterne;
    Wieviel seltner dann als Gold
    Menschen, uns geneigt und hold?
    Drum, wenn Freundschaft, Liebe spricht
    Freundin, Liebchen, schlaf du nicht!
    Aber was in allen Reichen
    Wär' dem Schlummer zu vergleichen?
    Drum statt Worten und statt Gaben
    Sollst du nun auch Ruhe haben.
    Noch ein Grüßchen, noch ein Wort,
    Es verstummt dir frohe Weise,
    Leise, leise,
    Schleichen wir uns, ja, schleichen wir uns wieder fort!

  • 24. Oktober 2011
    Robert Schumann "Mondnacht" mit Regine Crespin (Sopran)



    www.youtube.com.sg/watch?v=fVfqyu69-ok



    Joseph Freiherr von Eichendorff
    Mondnacht


    Es war, als hätt der Himmel
    Die Erde still geküßt,
    Daß sie im Blütenschimmer
    Von ihm nun träumen müßt.
    Die Luft ging durch die Felder,
    Die Ähren wogten sacht,
    Es rauschten leis die Wälder,
    So sternklar war die Nacht.


    Und meine Seele spannte
    Weit ihre Flügel aus,
    Flog durch die stillen Lande,
    Als flöge sie nach Haus.


    (1835)

  • [size=12]25.Oktober 2011
    Franz Schubert "Prometheus" (Goethe) mit Bernhard Sönnerstedt (Bariton) und Gerald Moore (Klavier) 2.) "Der Erlkönig" (1949)/size]



    www.youtube.com/watch?v=trlBmxerAYQ



    Bedecke deinen Himmel, Zeus,
    Mit Wolkendunst!
    Und übe, Knaben gleich,
    Der Disteln köpft,
    An Eichen dich und Bergeshöhn!
    Musst mir meine Erde
    Doch lassen stehn,
    Und meine Hütte,
    Die du nicht gebaut,
    Und meinen Herd,
    Um dessen Glut
    Du mich beneidest.


    Ich kenne nichts Ärmeres
    Unter der Sonn als euch Götter.
    Ihr nähret kümmerlich
    Von Opfersteuern
    Und Gebetshauch
    Eure Majestät
    Und darbtet, wären
    Nicht Kinder und Bettler
    Hoffnungsvolle Toren.


    Da ich ein Kind war,
    Nicht wusste, wo aus, wo ein,
    Kehrte mein verirrtes Aug
    Zur Sonne, als wenn drüber wär
    Ein Ohr zu hören meine Klage,
    Ein Herz wie meins,
    Sich des Bedrängten zu erbarmen.


    Wer half mir wider
    Der Titanen Übermut?
    Wer rettete vom Tode mich,
    Von Sklaverei?
    Hast du's nicht alles selbst vollendet,
    Heilig glühend Herz?
    Und glühtest, jung und gut,
    Betrogen, Rettungsdank
    Dem Schlafenden da droben?


    Ich dich ehren? Wofür?
    Hast du die Schmerzen gelindert
    Je des Beladenen?
    Hast du die Tränen gestillet
    Je des Geängsteten?


    Hat nicht mich zum Manne geschmiedet
    Die allmächtige Zeit
    Und das ewige Schicksal,
    Meine Herren und deine?


    Wähntest du etwa,
    Ich sollte das Leben hassen,
    In Wüsten fliehn,
    Weil nicht alle Knabenmorgen-
    Blütenträume reiften?


    Hier sitz ich, forme Menschen
    Nach meinem Bilde,
    Ein Geschlecht, das mir gleich sei,
    Zu leiden, weinen,
    Genießen und zu freuen sich,
    Und dein nicht zu achten,
    Wie ich.


    Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832 (Der Erlkönig)


    Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
    Es ist der Vater mit seinem Kind.
    Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
    Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.
    2. Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?
    Siehst Vater, du den Erlkönig nicht!
    Den Erlenkönig mit Kron' und Schweif?
    Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.


    3. Du liebes Kind, komm geh' mit mir!
    Gar schöne Spiele, spiel ich mit dir,
    Manch bunte Blumen sind an dem Strand,
    Meine Mutter hat manch gülden Gewand.


    4. Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
    Was Erlenkönig mir leise verspricht?
    Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind,
    In dürren Blättern säuselt der Wind.


    5. Willst feiner Knabe du mit mir geh'n?
    Meine Töchter sollen dich warten schön,
    Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
    Und wiegen und tanzen und singen dich ein.


    6. Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
    Erlkönigs Töchter am düsteren Ort?
    Mein Sohn, mein Sohn, ich seh'es genau:
    Es scheinen die alten Weiden so grau.


    7. Ich lieb dich, mich reizt deine schöne Gestalt,
    Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt!
    Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an,
    Erlkönig hat mir ein Leids getan.


    8. Dem Vater grauset's, er reitet geschwind,
    Er hält in den Armen das ächzende Kind,
    Erreicht den Hof mit Mühe und Not,
    In seinen Armen das Kind war tot.

  • [size=12]26.Oktober 2011
    Franz Schubert "Der Hirt auf dem Felsen" mit Margret Ritchie (Sopran) Reginald Kell (Klarinette) und Gerald Moore (Klavier), Aufnahme von 1947/size]




    www.youtube.com/watch?v=38wHHJWXvCU



    Wenn auf dem höchsten Fels ich steh',
    In's tiefe Tal hernieder seh',
    Und singe.


    Fern aus dem tiefen dunkeln Tal
    Schwingt sich empor der Widerhall
    Der Klüfte.


    Je weiter meine Stimme dringt,
    Je heller sie mir wieder klingt
    Von unten.


    Mein Liebchen wohnt so weit von mir,
    Drum sehn' ich mich so heiß nach ihr
    Hinüber.


    In tiefem Gram verzehr ich mich,
    Mir ist die Freude hin,
    Auf Erden mir die Hoffnung wich,
    Ich hier so einsam bin.


    So sehnend klang im Wald das Lied,
    So sehnend klang es durch die Nacht,
    Die Herzen es zum Himmel zieht
    Mit wunderbarer Macht.


    Der Frühling will kommen,
    Der Frühling, meine Freud',
    Nun mach' ich mich fertig
    Zum Wandern bereit

  • 27. Oktober 2011
    Neapolitanisches Lied "Santa Lucia" mit Mario Lanza



    www.youtube.com/watch?v=qpP7heFjr0g




    Sul mare luccia l'astro d'argento,
    Placida è l'onda, prospero è il vento
    Venite all'agile barchetta mia...
    Santa Lucia! Santa Lucia!


    Con questo zeffiro, così soave
    Oh! Com'è bello star su la nave!
    Su passaggieri, venite via!
    Santa Lucia! Santa Lucia!


    In fra le tende bandir la cena
    In una sera così serena!
    Chi non domanda, chi non desia?
    Santa Lucia! Santa Lucia!


    Mare sì placido, vento sì caro
    Scordar fa i triboli al marinaro,
    E va gridando con allegria,
    Santa Lucia! Santa Lucia!


    O dolce Napoli, o suol beato,
    Ove sorridere volle il creato
    Tu sei l'impero dell'armonia!
    Santa Lucia! Santa Lucia!


    Or che tardate? Bella è la sera,
    Spira un'auretta fresca e leggera,
    Venite all'agile barchetta mia
    Santa Lucia! Santa Lucia!


    Santa Lucia! Santa Lucia!
    Santa Lucia! Santa Lucia!


    Heilige Lucia
    Heilige Lucia, für all jene, die Augen haben
    Augen und ein Herz, das nicht genug ist für ihre Augen
    und für die Ruhe dessen, der in See sticht
    und für jede Träne auf deinem Kleid
    denn wer hat es noch nicht begriffen


    Heilige Lucia, für denjenigen, der nachts trinkt
    und nachts stirbt und nachts liest
    und auf seinem letzten Meter stürzt
    für die Freunde, die weggehen und wieder zurückkehren
    und ihre Seele und ihre Flügel verloren haben.


    Für denjenigen, der an der Kreuzung der Winde lebt
    und lebendig verbrannt wird,
    für die leichtlebigen Leute, die nie Zweifel haben,
    für unsere Krone aus Sternen und Dornen,
    für unsere Angst voller Dunkelheit und Phantasie.


    Heilige Lucia, die Geige der Bedürftigen ist ein leckgeschlagenes Boot
    und ein Bübchen, das im zweiten Stockwerk singt,
    lacht und einen mit falschem Gesang verscheucht,
    es macht, das sogar der Regen in seinen Schuhen süßlich ist

  • 28. Oktober 2011
    Johannes Brahms: "Sapphische Ode" mit Christa Ludwig (Alt) und Gerald Moore (Klavier)



    www.youtube.com/watch?v=yAXn-E42Frc



    Hans Schmidt (1856-1923)
    Liedtext Sapphische Ode:


    Rosen brach ich nachts mir am dunklen Hage;
    Süßer hauchten Duft sie als je am Tage;
    Doch verstreuten reich die bewegten Äste
    Tau, der mich näßte.
    Auch der Küsse Duft mich wie nie berückte,
    Die ich nachts vom Strauch deiner Lippen pflückte:
    Doch auch dir, bewegt im Gemüt gleich jenen,
    Tauten die Tränen.

  • 29. Oktober 2011
    Richard Strauss "Im Abendrot" aus >Vier letzte Lieder< (Eichendorff) mit Arleen Auger (Sopran) Philharmonia Orchestra, Cond. Andre Previn



    www.youtube.com/watch?v=YamzKk5REaU



    Wir sind durch Not und Freude
    Gegangen Hand in Hand,
    Vom Wandern ruhen wir [beide]1
    Nun überm stillen Land.


    Rings sich die Täler neigen,
    Es dunkelt schon die Luft,
    Zwei Lerchen nur noch steigen
    Nachträumend in den Duft.


    Tritt her, und laß sie schwirren
    Bald ist es [Schlafenszeit]2,
    Daß wir uns nicht verirren
    In dieser Einsamkeit.


    O weiter, stiller Friede!
    So tief im Abendrot,
    Wie sind wir wandermüde --
    Ist [das]3 etwa der Tod? --

  • [size=12]31. Oktober 2011
    Robert Schumann "Die alten bösen Lieder" aus >DICHTERLIEBE< mit Fritz Wunderlich (Tenor) und Hubert Giesen (Klavier) von 1965


    www.youtube.com/watch?v=ZCRz2UdN0fs



    Heinrich Heine (1797-1856)


    Die alten, bösen Lieder


    Die Träume bös' und arg,
    Die laßt uns jetzt begraben,
    Holt einen großen Sarg.


    Hinein leg' ich gar manches,
    Doch sag' ich noch nicht, was;
    Der Sarg muß sein noch größer,
    Wie's Heidelberger Faß.


    Und holt eine Totenbahre
    Und Bretter fest und dick;
    Auch muß sie sein noch länger,
    Als wie zu Mainz die Brück'.


    Und holt mir auch zwölf Riesen,
    Die müssen noch stärker sein
    Als wie der starke Christoph
    Im Dom zu Köln am Rhein.


    Die sollen den Sarg forttragen,
    Und senken ins Meer hinab;
    Denn solchem großen Sarge
    Gebührt ein großes Grab.


    Wißt ihr, warum der Sarg wohl
    So groß und schwer mag sein?
    Ich senkt' auch meine Liebe
    Und meinen Schmerz hinein.

  • 01. November 2011
    Franz Schubert "Auf dem Strom" mit Peter Anders (Tenor) + Hans Berger (French Horn) + Michael Raucheisen (Klavier)



    www.youtube.com.sg/watch?v=YU_egtOcm_I&feature=related



    Ludwig Rellstab (1799-1860)



    Nimm die letzten Abschiedsküsse,
    Und die wehenden, die Grüße,
    Die ich noch ans Ufer sende,
    Eh' dein Fuß sich scheidend wende!
    Schon wird von des Stromes Wogen
    Rasch der Nachen fortgezogen,
    Doch den tränendunklen Blick
    Zieht die Sehnsucht stets zurück!


    Und so trägt mich denn die Welle
    Fort mit unerflehter Schnelle.
    Ach, schon ist die Flur verschwunden,
    Wo ich selig Sie gefunden!
    Ewig hin, ihr Wonnetage!
    Hoffnungsleer verhallt die Klage
    Um das schöne Heimatland,
    Wo ich ihre Liebe fand.


    Sieh, wie flieht der Strand vorüber,
    Und wie drängt es mich hinüber,
    Zieht mit unnennbaren Banden,
    An der Hütte dort zu landen,
    In der Laube dort zu weilen;
    Doch des Stromes Wellen eilen
    Weiter ohne Rast und Ruh,
    Führen mich dem Weltmeer zu!


    Ach, vor jener dunklen Wüste,
    Fern von jeder heitern Küste,
    Wo kein Eiland zu erschauen,
    O, wie faßt mich zitternd Grauen!
    Wehmutstränen sanft zu bringen,
    Kann kein Lied vom Ufer dringen;
    Nur der Sturm weht kalt daher
    Durch das grau gehobne Meer!


    Kann des Auges sehnend Schweifen
    Keine Ufer mehr ergreifen,
    Nun so schau' ich zu den Sternen
    Auf in jenen heil'gen Fernen!
    Ach, bei ihrem milden Scheine
    Nannt' ich sie zuerst die Meine;
    Dort vielleicht, o tröstend Glück!
    Dort begegn' ich ihrem Blick.

  • Der 2. November in diesem Jahr ist ein besonderer Tag, heute feiert mein Mann seinen 70sten Geburtstag und für ihn habe ich sein Lieblingslied ausgesucht:


    1. Am kühlenden Morgen,
    Wenn alles noch ruht
    Erscheint es am Himmel
    Wie goldige Flut.
    Da öffnet Allvater
    Den himmlischen Saal,
    Und schaut dann hernieder
    Auf Berg uns ins Tal.


    2. Sacht weckt er die Menschen
    Und mahnt sie zur Tat
    Und gibt ihnen Stärke
    Und heilsamen Rat.
    Dann tritt auch hell
    Leuchtend die Sonne hervor;
    Und mälig schließt wieder
    Das himmlische Tor.


    Am kühlenden Morgen,
    Wenn alles noch ruht,
    Erscheint es am Himmel
    Wie goldige Flut.
    Die Sonne, sie strahlt
    Aus der Ferne uns zu,
    Und schenkt uns das Leben
    Und Freude dazu.



  • Louise Reichardt (1779-1826)
    Aus Novalis Hymnen an die Nacht


    Gerald Finley / Graham Johnson


    Hinüber wall ich,
    Und jede Pein
    Wird einst ein Stachel
    Der Wollust seyn.
    Noch wenig Zeiten,
    So bin ich los,
    Und liege trunken
    Der Lieb' im Schooß.
    Unendliches Leben
    Wogt mächtig in mir
    Ich schaue von oben
    Herunter nach dir.
    An jenem Hügel
    Verlischt dein Glanz -


    Ein Schatten bringet
    Den kühlenden Kranz.
    O! sauge, Geliebter,
    Gewaltig mich an,
    Daß ich entschlummern
    Und lieben kann.
    Ich fühle des Todes
    Verjüngende Flut,
    Zu Balsam und Aether
    Verwandelt mein Blut -
    Ich lebe bey Tage
    Voll Glauben und Muth
    Und sterbe die Nächte
    In heiliger Glut.


    Georg Philipp Friedrich Freiherr von Hardenberg (1772-1801)
    (Novalis)

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)