So nimm denn meine Hände

  • Das Lied "So nimm denn meine Hände" von Friedrich Silcher, Text: Julie Hausmann, ist DAS Lied was "anscheinend" zu jeder Gelegenheit passt, ob Hochzeit, Taufe oder Beerdigung. Bevor ich dazu meine Meinung sage, wie ich es einordne, möchte ich gerne eure Meinung hören.


    1) So nimm denn meine Hände und führe mich
    bis an mein selig Ende und ewiglich.
    Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt:
    wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.

    2) In dein Erbarmen hülle mein schwaches Herz
    und mach es gänzlich stille in Freud und Schmerz.
    Laß ruhn zu deinen Füßen dein armes Kind:
    es will die Augen schließen und glauben blind.

    3) Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht,
    du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht:
    so nimm denn meine Hände und führe mich
    bis an mein selig Ende und ewiglich!

  • Ich habe das Gefühl, das ist ein Lied wo man Friede mit dem Leben und Tod gemacht hat....
    und spricht zum Gott...ohne Angst...
    Ich als Atheist, empfinde das mindestens so...
    keine Taufe, keine Hochzeit.
    Um sterben handelt sich hier, denke ich.


    oder?


    LG


    "Wenn du von allem dem, was diese Blätter füllt,
    Mein Leser, nichts des Dankes wert gefunden:
    So sei mir wenigstens für das verbunden,
    Was ich zurück behielt."
    (Lessing)

  • Zitat

    Laß ruhn zu deinen Füßen dein armes Kind:
    es will die Augen schließen und glauben blind.


    3) Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht,
    du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht:
    so nimm denn meine Hände und führe mich
    bis an mein selig Ende und ewiglich!


    Wenn man aber den Text liest, ist das nicht der Tod, noch nicht.....


    ich interpretiere das so und so habe ich es gesagt bekommen als ich anfing zu singen.


    Es ist eine Bitte an Gott, vielleicht von einem Kind, Kommunion, oder auch Taufe...dass Gott es führen möge, an die Hand nehme, im blinden Vertrauen und Glauben, bis an das Ende und in die Ewigkeit.


    Ist das sehr abwägig? Ich finde nein.

  • Es ist eine Bitte an Gott, vielleicht von einem Kind, Kommunion, oder auch Taufe...dass Gott es führen möge, an die Hand nehme, im blinden Vertrauen und Glauben, bis an das Ende und in die Ewigkeit.


    Gemessen zu Gott sind wir aber doch alle Kinder... egal wo wir im Leben stehen. Wie die Kinder zu sein, befiehlt auch Christus. Aus diesem Blickwinkel heraus gewinnt also das Gedicht einen mehr universellen Charakter, als wenn wir es bloß als Gebet eines Kindes interpretieren...


    Oder?


    LG
    Tamás
    :wink:

  • Och... man könnte das Duett Belmonte/Constanze anschließen, dann passt es ^^


    Engelsseele! Welch holde Güte!
    Du flößest Trost in mein erschüttert Herz,
    Du linderst mir den Todesschmerz
    Und ach! ich reiße dich ins Grab.


    Meinetwegen sollst du sterben!
    Ach Konstanze! Kann ich's wagen,
    Noch die Augen aufzuschlagen?
    Ich bereite dir den Tod!


    *stumm*

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Ja, so könnte man es auch sehen, aber mir widerstrebte es immer es auf einer Hochzeit zu singen, da finde ich es einfach unpassend.


    :wink:


    Ja das stimmt... da werden einige von "Nimm meine Hände" wahrscheinlich fehlgeleitet. Das Gedicht handelt ja aber nicht von der Bindung zweier Menschen, sondern über die zwischen dem Menschen und Gott.


    LG
    Tamás
    :wink:


  • Ja das stimmt... da werden einige von "Nimm meine Hände" wahrscheinlich fehlgeleitet. Das Gedicht handelt ja aber nicht von der Bindung zweier Menschen, sondern über die zwischen dem Menschen und Gott.


    LG
    Tamás
    :wink:


    ja, genau so ist es, aber das ist eben das, was die unwissenden Menschen hören wollen, so wie auch das Ave Maria von Schubert, das im Originaltext kein geistliches Lied ist, nur weil der Anfang "Ave Maria" heißt.

  • Ich kann nichts dafür,
    aber sobald ich lese: "...so nimm meine Hände..."
    ergibt sich bei mir sofort der Rest,
    und der lautet: " ...und führe mich zum Tod."


    Und jetzt stelle ich mir die Hochzeit vor...
    wo sowas gesungen wird :huh::-|


    LG


    "Wenn du von allem dem, was diese Blätter füllt,
    Mein Leser, nichts des Dankes wert gefunden:
    So sei mir wenigstens für das verbunden,
    Was ich zurück behielt."
    (Lessing)