01 - Claviersonaten: Gesamt-Einspielungen (omi)


  • Hier vermisse ich nichts.
    Klaviersonaten Nr. 30 in E-Dur und Nr. 31 in As-Dur aus op. 109
    Wirklich schön, emotionell gespielt...(von Emil Gilels)
    Mitlerweile fange ich an nachzutrauern, dass der Mann tot ist...
    Wenn Beethoven, dann bitte nicht ohne Gefühl. Das ist eine Regel, die für mich gilt, wenn es ums Beethovens Klaviermusik geht.


    "Wenn du von allem dem, was diese Blätter füllt,
    Mein Leser, nichts des Dankes wert gefunden:
    So sei mir wenigstens für das verbunden,
    Was ich zurück behielt."
    (Lessing)

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    Neulich habe ich mich mal in den Großmeister Brendel eingehört:


    Irgendwie merkwürdig: nach den Erfahrungen mit Brautigam opi hat mich diese Einspielung vollkommen kalt gelassen. Zusätzlich haben mich die Live-Geräusche bei einigen Werken (z.B. op.106) sehr gestört, aber das ist eine persönliche Macke von mir.
    Insgesamt habe ich den Brendel nicht bis ganz zu Ende durchgehalten.


    Dann bin ich neulich über Korstick gestolpert und habe bei Beck mal reingehört. Ja — bei Beck in München kann man das noch; nicht nur irgendwelche merkwürdingen Sample-Schnippsel, sondern die Original-CD, selbst gesteuert in dort herumstehenden CD-Playern... aber das nur am Rande.
    Was soll ich sagen: die Ausschnitte, die ich gehört habe, haben mich sofort mitgerissen.

    Ich habe bisher die ersten drei CDs durch. Ich würde meinen Brautigam deswegen nicht von der Platte werfen und werde die Serie noch weiter sammeln, aber als opi-Alternative dazu sehe ich den Korstick durchaus.
    Die schnellen Sätze sind schnell, mit Feuer, pianistischer Brillianz und Verve gespielt. Aber die langsamen Sätze... was für ein Atem, was für ein Bogen; das Adagio von op.106 ist zehn Minuten länger als bei Brendel und 12 Minuten länger als Brautigam! Faszinierend!

    • Offizieller Beitrag

    Als Jugendlicher hörte ich die Platten von Zechlin und momentan besitze ich auf CD wohl mehr als 12 GAs, begonnen habe ich mit Naxos und Jando, den ich aber kaum mehr höre, weil die Konkurrenz so groß ist. Ähnlich ist das mit Brendel, meiner zweiten GA, die ich auch nicht mehr nutze; selbst Gould ist bei Beethovens Sonaten nie erste Wahl. Am Häufigsten greife ich, kommt mich die Lust an, in die Boxen von Kempff, Gulda, Gilels, Backhaus, Arrau und Schnabel. Bei einzelnen Sonaten natürlich Richter, Serkin und andere. Von den GAs überhaupt interessiert mich eigentlich nur noch Pollini. Bei Spotify findet man praktisch alle Editionen.


    Früher suchte ich unter den Interpreten aller GAs nach dem martialischsten unter den "Tastendonnerern", ich hatte da eine Schwäche für heroische Gewaltakte auf dem Klavier, auch wenn es die Partitur gar nicht hergibt. Was ich bei anderen Werken durchaus schätzte, die Rücknahme von Pathos und Bombast und allzu großer Anstrengung; fehlte mir hier immer ein wenig. Wo ist der Berserker auf dem Klavier, der Beethovens Sonaten wie eine schicksalshafte Urgewalt ins Gerät hämmert, so lautete meine Suchanfrage? Dass man da bei Gilels und Richter landen musste, verwundert nicht. Mittlerweile schätze ich auch die Zwischentöne ...

    • Offizieller Beitrag

    Bei Beck hat man mir diese Box empfohlen:
    Mélodie Zhao, erschienen bei claves 2014.


    Es hieß, sie hätte mit 20 die Tiefe eines Gilels und wisse in diesem zarten Alter bereits, wie später Beethoven ginge.
    Wenn ich dazu komme, höre ich am Wochenende mal bei amazon prime rein.

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    Es hieß, sie hätte mit 20 die Tiefe eines Gilels und wisse in diesem zarten Alter bereits, wie später Beethoven ginge.

    Ich halte solche Wertungen für unzulässig und vor allem ungerecht: dem Kunden gegenüber und auch der Künstlerin. Auch ohne selbst Klavier zu spielen und mit nur 30 Jahren Hörerfahrung weiß ich, dass gerade das NT der Klaviermusik unmöglich in so jungen Jahren durchdrungen werden kann; wo selbst reife erfahrene Pianisten kaum einen kompletten Zyklus in gleichbleibender Qualität abliefern können. Ich bin sicher, dass einzelne Donaten auch jetzt schon gut gelingen dürften; nie und nimmer aber die Spannkraft für alle 32 ausreicht.

    • Offizieller Beitrag

    Ich halte solche Wertungen für unzulässig und vor allem ungerecht: dem Kunden gegenüber und auch der Künstlerin. Auch ohne selbst Klavier zu spielen und mit nur 30 Jahren Hörerfahrung weiß ich, dass gerade das NT der Klaviermusik unmöglich in so jungen Jahren durchdrungen werden kann; wo selbst reife erfahrene Pianisten kaum einen kompletten Zyklus in gleichbleibender Qualität abliefern können. Ich bin sicher, dass einzelne Donaten auch jetzt schon gut gelingen dürften; nie und nimmer aber die Spannkraft für alle 32 ausreicht.


    Worauf gründest Du Dein Urteil? Der Verkäufer, den ich überdies inzwischen auch schon seit Jahren kenne, hat sich die Box immerhin von vorne bis hinten angehört...

    • Offizieller Beitrag

    Ich halte solche Wertungen für unzulässig und vor allem ungerecht: dem Kunden gegenüber und auch der Künstlerin.


    Wie geschrieben, auf meine Hörerfahrung und die inzwischen auch 30 Jahre währende Beschäftigung mit vielen Pianisten. Aber vielleicht ist die Frau tatsächlich eine Wunderpianistin in so jungen Jahren. Überdies urteilte ich nicht, ich meldete lediglich leise Zweifel an.


    Naja... unter "leisen Zweifeln" verstehe ich etwas Anderes. Aber seisdrum.


    Ich werde mir auch erst einmal ein Urteil erlauben und mit den Aufnahmen vergleichen, die ich ganz persönlich mag (das sind vor allem Korstick und Brautigam, bei einigen Sonaten Lubimov und einige andere).


    Werde meinen Eindruck gelegentlich berichten.


    Mit Gilels kann ich nicht vergleichen, habe ich nicht.

    • Offizieller Beitrag

    Ach ja — mein aktueller omi-Favorit: Michael Korstick.

    In einigen Aspekten eine Aufnahme der Gegensätze: feurig und fetzig in den schnellen Sätzen, bisweilen fast quälend langsam in den langsamen Sätzen — mit dem längsten langsamen Satz der Hammerklavier-Sonate, den ich kenne — ein Adagio von fast brucknerschen Ausmaßen.

    • Offizieller Beitrag

    Es ist eigenartig; ich würde mir gerne einmal wieder einen neuen Zyklus zulegen; aber ich wüsste echt nicht welchen. Es gibt zwar eine Menge GAs, aber die richtige guten kann man wirklich an einer Hand ablesen.


    Zhao sagt Dir so gar nicht zu?
    Korstick wäre spannend, vor allem, wegen der enormen Spannbreite und Kontraste der Tempi: die schnellen Sätze rasant und energetisch, und der langsame Satz der Hammerklavier-Sonate beinahe wie Cage's "Organ2/ASLSP", ein Adagio von Brucknerschen Ausmaßen.
    Das kann man diskutieren, kritisieren, aber es ist auf jeden Fall ein alternativer Blickwinkel. Nur meine persönliche Ansicht...

    • Offizieller Beitrag


    Zhao sagt Dir so gar nicht zu?
    Korstick wäre spannend, vor allem, wegen der enormen Spannbreite und Kontraste der Tempi: die schnellen Sätze rasant und energetisch, und der langsame Satz der Hammerklavier-Sonate beinahe wie Cage's "Organ2/ASLSP", ein Adagio von Brucknerschen Ausmaßen.
    Das kann man diskutieren, kritisieren, aber es ist auf jeden Fall ein alternativer Blickwinkel. Nur meine persönliche Ansicht...


    Lieber Travinius, es ist tatsächlich so; dass ich genau diese beiden Zyklen in meiner engeren Wahl und auf Spotify, wo sie jeweils vollständig vorliegen, intensiv probegehört habe. Zu Korstick schreibst du schon alles Wichtige; er fasziniert mich stellenweise so, wie er mich eben auch an anderen Stellen komplett abstößt. Ich suche nun aber einen eher ausgewogenen, sozusagen klassischen Zugang auf modernem Klavier aus den letzten 20-25 Jahren. Für exzentrische Deutungen kann ich auf Glenn Gould zurückgreifen, daher focussiere mich mich tatsächlich auf Zhao. Ich wünschte, Uchida hätte alle Sonaten aufgenommen.


    P.S. Wie ich mich kenne, werde ich aber an genialen Eigensinnigen wie Korstick nicht vorbeikommen ...

  • Einer der großen Stars der franz. Pianisten Szene !



    2011 war ich bei einem Konzert dabei, warum ist der Mann hierzulande nicht so bekannt, er jedenfalls war es der hat mich für die Sonaten von Beethoven begeisterte! :jubel:


    Zitat

    Spätestens seit seiner fulminanten Aufnahme der Klavierkonzerte gehört François-Frédéric Guy zu den herausragenden Beethoven-Interpreten seiner Generation. Bei Guy wird Beethovens Musik weder in der Dynamik noch im Tempo überspitzt. Es sind keine Extreme um der Extreme willen zu hören, sondern es präsentiert sich vielmehr ein gereifter, herausragender Pianist, der souverän seine hörenswerte Sicht auf einen der wichtigsten Werkkomplexe überhaupt darlegt.


    LG palestrina

    „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
    Oolong

  • Na, der Künstler auf dem Cover dürfte doch Ulli, Liebestraum interessieren, oder? Very männlich, aber er sollte dann wohl eher Hammerklavier spielen ... 8-)


    P.S. Hast du, lieber Palestrina, vorher schon andere Aufnahmen gehört?


    Aber das Coverfoto hat doch nichts mit seinem Klavierspielen zu tun, odrrrr !? :beatnik:


    Aber ja natürlich habe ich andere GA, Brendel, Korstick und div.Einzelausgaben, Barenboim, E. Vogel, Opitz, Pollini, J.Evans u.Perl auch noch div. in Sammelboxen, aber ER war derjenige welcher!
    A.Perl, habe ich auch Live erlebt, aber er konnte mich damals nur für Chopin begeistern, ja ja ich höre auch Klaviermusik! :D


    LG palestrina

    „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
    Oolong

    • Offizieller Beitrag

    Wobei man immer wieder betonen muss, dass das Live-Erlebnis (schon mal hier 02 - Winterreise D911: Einspielungen (omi) besprochen) immer noch und immer wieder etwas ganz Besonderes, Eigenes, Unwiderbringliches ist; dass auch enorme Auswirkungen auf unser Hörverhalten auf CD hat. Zumindest glaube ich das; da wird viel Psychologie im Spiel sein. Ich zum Beispiel habe in meinem Leben bislang noch kaum wirkliche ganz große Tastenhelden live erleben dürfen; leider.