BWV 232 - Messe h-moll: Einspielungen (opi)

    • Offizieller Beitrag

    Hallo,


    eine der wenigen für mich erträglchen Einspielungen der hohen Messe h-moll BWV 232 ist jene:



    Dorothe Mields, Johannette Zomer,
    Matthew White, Charles Daniels, Peter Harvey
    Netherlands Bach Society
    Jos van Veldhoven
    (opi)


    Zitat von jpc'

    Deluxe-Ausgabe mit einem 192seitigen Buch (Hardcover, Bookletformat) über Bachs "katholische Messe". Mit zahlreichen Abbildungen von liturgischen Gegenständen aus dem Museum Catharjineconvent in Utrecht.


    Diese Einspielung fasziniert mich, seit sie in meinem Besitz ist: die Kleinstbesetzung ist hier wirklich ideal für die Durchhörbarkeit der kontrapunktischen Arbeit Bachs, die ja nicht so ganz unwichtig ist und bei den Massenchören und -orchestern mit viel Vibratosahne meistens bis immer untergeht. Dabei wirkt diese Einspielung eben gerade nicht blutleer, sondern frisch und stark.

  • Diese Einspielung fasziniert mich, seit sie in meinem Besitz ist: die Kleinstbesetzung ist hier wirklich ideal für die Durchhörbarkeit der kontrapunktischen Arbeit Bachs, die ja nicht so ganz unwichtig ist und bei den Massenchören und -orchestern mit viel Vibratosahne meistens bis immer untergeht. Dabei wirkt diese Einspielung eben gerade nicht blutleer, sondern frisch und stark.


    So sehe ich es auch. Die einzige Einspielung, die ich kenne, wo teilweise auch tänzerische Rhytmen auftauchen... ^^ Und bei einer barocken Messe dürfen auch diese nicht fehlen... Glaube war ja damals noch: *bunny*


    *sante*


    LG
    Tamás
    :wink:

    Alle Wege führen zum Bach,
    .................................... wo der kleine Biber lebt!

  • Guten Tag


    neben der erwähnten Jos van Veldhoven-Aufnahme habe ich noch diese



    Aufnahme mit den Dunedin Consort & Players die mir außerordentlich gut gefällt. Der Dirigent John Butt benutzt die 2006 von veröffentlichte Rifkin veröffentlichte Urtext-Ausgabe, neben fünf Solisten ergänzt er sie in einigen Nummern durch einen ebenso großen Ripienchor, eine etwas vergrößerte Solistenbesetzung. Die Sänger (Frauen für die Frauenstimmen, Männer für die Männerstimmen) sind ausdrucksstark, der Kontrast "Principals" vs. ""Ripienstis" überrascht mich positiv. Wenn die z.B. Dresdner Hofkapelle -sofern die h-moll-Messe dort jemals erklang? - ihre zehn besten Sänger aufgeboten hätte, dürfte es wohl so geklungen haben? Erwähnenswert auch der permanente Einsatz eines Cembalos. Die Aufnahme kling durchsichtig und in den entsprechenden Sätzen durchaus festlich; die Instrumentalsolisten agieren auf hohem Niveau.


    Jahrelang galt diese



    Einspielung mit dem Freiburger Barockorchester und dem Balthasar-Neumann-Chor unter Thomas Hengelbrocks Leitung als meine Referenzeinspielung. Sehr guter Chor, größtenteils vorzügliche Solisten, das Orchester spielt präzise und niveauvoll.



    Etwas leer wirkt für mich diese




    Aufnahme mit dem von Sigiswald Kuijken geleiteten Ensemble Le Petite Bande. Hier fehlt mir etwas in einigen Sätzen das "Chorische", die glanzvollen Instrumental- und Vokalsolisten machen mir diese Manko aber wett.



    Als weitere Aufnahme habe ich noch diese



    Einspielung mit dem Bach Collegium Japan, der disziplinierte Chor ist mit je drei Stimmen besetzt, zur Orgel erklingt durchgehend ein Cembalo, die Instrumentalisten spielen ambioniert. Die (europäischen) Solisten sind allesamt Bachspezialisten.



    Gruß :wink:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

    «Es ist wurscht, ob das jemand versteht, aber es muss gesagt werden» (Samuel Beckett)

  • Wohl keiner der großen Dirigenten der "historischen Aufführungspraxis hat so viel Interpretationen der h-moll Messe dargelegt, wie Philippe Herreweghe und sein Ensemble Collegium Vocale:


    1988

    mit: Barbara Schlick, Catherine Patriasz, Charles Brett, Howard Crook, Peter Kooy


    dann 1997

    mit: Johanette Zomer, Veronique Gens, Andreas Scholl, Christoph Pregardien, Peter Kooy


    und kürzlich 2011

    mit: Dorothee Mields, Hana Blazikova, Thomas Hoobs, Peter Kooy


    Ich kenne die ersten beiden Aufnahmen und schätze vor allem die zweite. Diese war die erste Aufnahme die mich über die Genialität dieses Werkes überzeugen konnte und meine Zweifel über ihre Monströsitat teilweise vergessen ließ. Die Schnipsel der neuen Interpretation lassen eine schlanke, durchsichtige Annäherung erahnen. Kennt die jemand?


    LG
    Tamás
    :wink:

    Alle Wege führen zum Bach,
    .................................... wo der kleine Biber lebt!

  • Die Schnipsel der neuen Interpretation lassen eine schlanke, durchsichtige Annäherung erahnen. Kennt die jemand?


    Ich habe mich eben entschlossen, die neue Einspielung demnächst zuzulegen. Werde berichten, sobald ich Sie habe... 8-)


    LG
    Tamás
    :wink:

    Alle Wege führen zum Bach,
    .................................... wo der kleine Biber lebt!


  • Meine Aufnahme mit:
    Angela Maria Blasi
    Dolores Ziegler
    Jadwiga Rappé
    Kurt Equiluz
    Robert Holl


    Arnold Schoenberg Chor,


    Nikolaus Harnoncourt


    Allerdings würde mich diese hier auch interessieren, da ich die Solisten mehr schätze,
    Sibylla Rubens,
    Juliane Banse
    Ingeborg Danz
    James Taylor
    Andreas Schmidt
    Thomas Quasthoff


    Bach Kollegium unter Helmut Rilling



  • Nun, ich habe die neue Aufnahme einmal schon gehört, und muss sagen, dass sie mir sehr gut gefällt.


    Schlank, leichtfüßig, ohne falsch verstandene, aufgezwungene Monumentaität dargeboten, ist sie wirklich ein Genuss zum Hören.


    Ich mochte schon die zweite Einspielung dieser Sammlung mit Herreweghe, aber die neue ist noch etwas besser.


    LG
    Tamás
    :wink:

    Alle Wege führen zum Bach,
    .................................... wo der kleine Biber lebt!

  • Veldhoven, Herreweghe I und Hengelbrock habe ich auch. Hengelbrock war meine insgesamt zweite und die erste, die mir gut gefiel. Veldhovens Duktus ist eine echte Wohltat (zumal die Box von ihrer Ausstattung, Design und Verarbeitung her ebenso exzellent ist - ein wahres Schmuckstück!), und Herreweghes 1989er Veröffentlichung fand ich auch recht ansprechend.


    Ich habe noch:



    Leonhardts 1985er Einspielung finde ich ganz stark. Sie ist etwas größer besetzt, aber mit einer wundervollen Stimmung umgesetzt.



    Gardiners 1985er Aufnahme in seiner üblichen Besetzung und Tempi: ich finde sie sehr gut umgesetzt, auch wenn ich Leonhardt und andere bevorzuge.



    Auch eine sehr gute Einspielung, bereits 1994 erschienen. The Sixteen unter Harry Christophers kann toll auftrumpfen, das Orchester spielt klasse.



    jd :wink:


  • Mit kleinem, beseeltem Chor, und wie immer bei Savall mit dieser Mischung aus Spiritualität, dreitagebärtiger Lebensnähe und hiper credibility interpretiert. Gefällt mir ausgesprochen gut, wie auch die 3. Herreweghe-Aufnahme.

    • Offizieller Beitrag


    Ulli hat sie ganz oben in der 1 schon erwähnt! Ich habe jetzt sämtliche Hörschnipsel sämtlicher opi-Aufnahmen auf Amazon gehört und die hier klingen irgendwie ganz anders, nicht aber wegen der Besetzung, das Ganze hat etwas Polyphones, Halliges, wie ich es noch nie hörte ...

  • Ja, Veldhoven ist klasse! Erst am Wochenende habe ich mir das "Symbolum Nicenum D-Dur" (BWV 232b) von Bach in dieser Einspielung angehört, und diese Leichtigkeit hat mich sehr angesprochen. Es hat etwas intimes, wie hier gespielt wird.


    LG
    Tamás
    *castor*

    Alle Wege führen zum Bach,
    .................................... wo der kleine Biber lebt!


  • Ich habe diese Aufnahme gestern noch einmal etwas gründlicher angehört, und ich muss sagen, dass sie sich nun mit Herreweghe 3 den Status meiner LIeblingsaufnahme teilt. Rademann und das FBO putzen das ehrwürdige Stück Musik ganz schön durch, manche Nummern sind für meine Begriffe ungewöhnlich flott, was der Messe ihre fragwürdige Gewichtigkeit nimmt und ihr etwas Musikantisches verleiht. Das Ganze wird vor allem von Orchester und Chor sehr virtuos dargeboten, die Solistensänger brillieren vor allem durch Leichtigkeit und Unangestrengtheit. Lebendig und transparent klingt da alles, es ist ein Spaß, zu hören, wie sich die diversen Stimmen zum Beispiel im "Laudamus te" gegenseitig necken. Das Sanctus ist in dieser Aufnahme überhaupt nicht heilig-ernst, sondern hat eine ganz eigentümliche federnde Beschwingtheit, als wolle es jeden Bodenkontakt vermeiden. Und gerade dadurch entsteht ein viel imtimerer Eindruck von Heiligkeit, wie ich finde. Mir gingen hier jedenfalls die Augen auf wie bei so manch anderer Nummer. Beim Resurrexit und bei vergleichbaren Jubelchören lassen es die Freiburger natürlich ordentlich krachen. Ein Hauptspaß, das Ganze.

  • Du triffst den Nagel auf den Kopf, lieber Mordent! Genau so hätte ich die Aufnahme beschrieben, wenn mir Deine Worte dazu eingefallen wären!


    Danke! *danke*

    More money, faster horses, younger women and older whiskey

    irischer Trinkspruch

  • Jahrelang galt diese



    Einspielung mit dem Freiburger Barockorchester und dem Balthasar-Neumann-Chor unter Thomas Hengelbrocks Leitung als meine Referenzeinspielung. Sehr guter Chor, größtenteils vorzügliche Solisten, das Orchester spielt präzise und niveauvoll.

    Okay, erst lesen, dann fragen. Sorry!

  • Zu der habe ich mich auch schon geäußert- ähnlich wie bei Deio liegt sie bei mir im Referenzbereich mit einigen wenigen anderen Aufnahmen. Hengelbrock gelingt hier ( durchaus ähnlich wie bei Rademann) ein Maß an Lebendigkeit, was mich auch nach Jahren bei jedem Wiederhören fasziniert. Da geht es nicht getragen zu, da werden die Affekte gelebt: Dies gilt für die gesamte Einspielung mit vielen wunderbaren Momenten, aber immer wieder ist die Effektstelle des Umschwungs im Credo vom ,,et sepultus est" zum ,,et resurrexit zu nennen: in tiefster Grabestiefe kommt alles zum Stillstand, die Pause hat bei Hengelbrock die Länge eines wahren Todesmomentes und aus dem heraus explodiert das Leben, die Auferstehung. Da kann die Musik doch nicht gravitätisch und blasiert weiterschreiten in einem akademisch exekutierten ,,et resurrexit", sie muss rennen, stolpern, sich aufrappeln, im Kreise drehen, hüpfen und tanzen ... Und dies gelingt Hengelbrock einzigartig ( Rademann ist dicht dran!), man möchte aufspringen und einfach mitmachen *hüpf* *bunny*


    Gänsehaut pur!!

    More money, faster horses, younger women and older whiskey

    irischer Trinkspruch

    • Offizieller Beitrag


    Gardiners 1985er Aufnahme in seiner üblichen Besetzung und Tempi: ich finde sie sehr gut umgesetzt, auch wenn ich Leonhardt und andere bevorzuge.

    Mittlerweile hat er ja nachgelegt, wie praktisch alle hipen Conductors mit praktisch allen Großwerken Bachs, und ein doch sehr zuverlässiger Rezensent wie Sagittarius ist voll des Lobes.


    John Eliot Gardiner, 2014


    Hannah Morrison
    Esther Brazil
    Meg Bragle
    Kate Symonds-Joy
    Peter Davoren
    Nick Pritchard
    Alex Ashworth
    David Shipley
    Monteverdi Choir
    English Baroque Soloists
    John Eliot Gardiner

    • Offizieller Beitrag

    Dein Wort in Gottes Gehörgang... :huh:


    Na ja, so groß ist die Auswahl ja nun nicht. Zuletzt Rademann und Gardiners neueste; dazu sicher Kuijken, vielleicht Suzuki, Herreweghe, Savall. Sind ja alle keine zehn Jahre alt. Mag sein, Biller mit den Thomanern ...