Beiträge von U Lee

    Allgemeine musikalische Zeitung (AmZ) vom 29. Oktober 1806.


    Der Tod Sr. königl. Hoheit, des Prinzen Louis Ferdinand von Preußen, obschon allen unsern Lesern aus politischen Blättern bekannt, muss doch auch hier wenigstens mit einigen Zeilen erwähnet werden, da dieser Prinz von jeher ein so grosses musikal. Talent, eine so ausgezeichnete Virtuosität als Komponist und ausübender Musiker, und eine so lebendige, thätige Achtung gegen wahrhaft ausgezeichnete Künstler bewiesenhat, als dies - wenigstens vereinigt - noch nie an einem Manne seines Standes bemerkt worden ist - ohne dass er darum, wie Jedermann weiss, für Wissenschaften oder seinen militairischen Beruf geichgültiger geworden wäre. Schreiber¹ dieses, der sich seiner persönlichen Bekanntschaft rühmen kann, u. dem kaum Einige der jetztlebenden berühmtesten Klavierspieler fremd sind, fand sein Spiel, in Kompositionen von grossem, leidenschaftlichem, kräftigem Charakter, erstaunenswerth und nur von wenigen übertroffen. - Alles, was die jetzige Kunstsprache mit dem Ausdruck: grosses Spiel - sowol im Ausdruck, als in Besiegung der grössten Schwierigkeiten gewisser Art - bezeichnen will, besass er in seltenem Grade, in seltener Vollkommenheit. Seine neuern Kompositionen sind sämmtlich - wenigstens, soweit sie öffentlich bekannt geworden sind - in demselben Charakter geschrieben, und verlangen dieselbe Spielart, wenn sie ihre volle, kräftige Wirkung thun sollen. Was von ihm vor verschiedenen Jahren, z. B. bey Erards in Paris, herausgekommen, achtete er in der letzten Zeit wenig, ohngeachtet es bekanntlich überall mit vielem Beyfall aufgenommen worden war; er wünschte jene frühern Arbeiten durch die Suiten Quartetten und Trios (sämmtlich mit vorherrschendem Pianoforte), die er dem Verleger dieser Blätter zur Bekanntmachung anvertrauete und die eben, als er seinem Tode entgegenging, herauskamen - vergessen zu machen.


    ¹(Johann) Friedrich Rochlitz (1769-1842), ehemaliger Knabensopranist der Leipziger Thomasschule, übernahm 1798 die Redaktion der Allgemeinen Musikalischen Zeitung und blieb deren Redakteur bis 1818. Offiziell hatte sich Rochlitz als Redakteur des bei Breitkopf & Härtel erschienenen Blattes bereits 1804 verabschiedet, versprach aber, gelegentlich weiterhin Artikel beizusteuern. Er hat es aber fortan zu vermeiden gewusst, seine 'Recensionen' namentlich kenntlich zu machen. In der AmZ vom 30. Dezember 1818 nimmt er seinen endgültigen Abschied und veröffentlicht eine Liste aller Artikel, die er 'anonym' verfasst hat: Hiermit scheide ich von Dir, geehrter Leser, nicht nur für dieses Jahr, sondern für immer, inwiefern ich nämlich Redacteur dieser Blätter von ihrem Entstehen bis heute gewesen bin. In der Ausgabe vom 19ten August 1807 schreibt er eine weitere Rezension anlässlich der Veröffentlichung der Elégie harmonique sur la mort de S. A. R. le Price Louis Ferdinand de Prusse, einer Sonate auf den Tod des Prinzen Louis Ferdinand von Preußen von Johann Ladislaus Dussek (1760-1812), welche dem Prinzen Franz Joseph Maximilian Lobkowitz (1772-1816) gewidmet und bei Breitkopf & Härtel in Leipzig im Druck erschienen ist:


    Louis Ferdinand, dieser vom Freund' und Feinde verehrte Prinz, der bekanntlich am 10ten October bey Saalfeld für sein Vaterland, oder vielmehr für eine noch weiter greifende Idee, sein Leben freywillig zum Opfer brachte - denn wahrlich, da er, wie Schillers schönster Held, Max Piccolomini, alles aufgeben musste, wollte er auch, wie dieser, das Leben, doch theuersten Kaufes, dabringen - Louis Ferdinand, sag' ich, gebohren mit einem so universellen Talent, mit solch einer Summe von innerer Lebenskraft, mit so einem weiten, alles Edle und Schöne warm und lebendig umfassenden Herzen, wie dies vereinigt, in Jahrhunderten kaum Einigen verliehen wird, warf sich, von den frühern Jünglingsjahren an, da ihm nun einmal ein Thron versagt war, in wunderbarem Wechselden verschiedenen Wissenschaften in die Arme. Das ist bekannt, weniger aber Folgendes, was mir doch so auszeichnenswerth scheint und besonders auch diesen trefflichen Geist so bestimmt charakterisieren hilft. Er fragte durchaus nicht, ob die Wissenschaft, welcher er sich jetzt ergab, schwierig oder leicht, trocken oder unterhaltend, mit seinen übrigen Neigungen zu vereinigen oder nicht, ob sie im Kreise seiner eigentlichen Thätigkeit vortheilhaft oder gleichgültig sey [...] Endlich - denn da ich hier für ein musikalisches Blatt schreibe, muss ich hierauf zu kommen eilen - endlich schien es, als ob er in den letzten Jahren, vornämlich durch leidenschaftlichen Antheil an den Angelegenheiten seines Vaterlandes und Deutschlands überhaupt, durch gewaltsames Drängen seiner Kräfte nach diesem Punkte, ohne eigentlichen, oder doch ihm genügenden Würkungskreis, durch Einsicht in die Nichtigkeit des gewöhnlichen Lebens auch in sogenannten höheren Verhältnissen, wie nicht weniger in die Nichtigkeit des Treibens der meisten ihm nahne Wissenschaftler etc. es schien, sag' ich, als sey er dadurch in einem so gewaltsamen Zwiespalt mit sich selbst gesetzt worden, dass sich sein inneres Wesen gleichsam in zwey einander entgegenstrebende, einander bekämpfende, einander wechselseitig besiegende und von neuem entflammende Theile zerlegte: das böse Princip riss ihn tief in betäubende sinnliche Zerstreuungen, das gute zog ihn mächtig zu der Kunst hin, die es weniger als irgend eine andere Beschäftigung des Geistes und Herzens mit der Erde zu thun hat - zur Tonkunst. Jetzt musste er eine Welt zu zerstören und dann schöner neu schaffen versuchen [...]


    In dieser letzten Zeit - ich meyne ohngefähr die letzten fünf, sechs Jahre seines Lebens - wo er mit voller, glühender Seele zur Musik zurückkehrte, um sich frey auszulassen und bessere Zerstreuung, vielleicht auch, wenigstens stunden lang, beglückende Ruhe zu finden. [...]



    Louis Ferdinand von Preußen
    Gemälde von Jean-Laurent Mosnier, 1799


    Als dritter Sohn des Prinzen August Ferdinand von Preußen (1730-1813) und seiner Gemahlin Anna Elisabeth Luise von Brandenburg-Schwedt (1738-1820) wurde Prinz Friedrich Ludwig Christian von Preußen am 8. November 1772 geboren. Seine musikalische Ader wird erstmals in einem Tagebucheintrag seiner Schwester Luise von Preußen (1770–1836) im Jahre 1783 erwähnt. Erste Werke, die er veröffentlichte, entstanden unter dem Einfluß Ludwig van Beethovens, der Mitte 1796 in Berlin weilte und den Prinzen kennen und schätzen lernte. So äußert sich der zwei Jahre jüngere Komponist über Prinz Louis: der Prinz spiele gar nicht königlich oder prinzlich, sondern wie ein tüchtiger Klavierspieler. 1804 treffen sich Beethoven, der den Prinzen menschlich wie musikalisch hoch achtete, und Louis Ferdinand erneut, diesmal in Beethovens Wahlheimat Wien: hier hat der Prinz Gelegenheit, die dritte Sinfonie Beethovens (Eroica) mehrfach (!) zu hören (zweimal im Sommer 1804 auf Schloss Eisenberg - einem Landsitz des Prinzen Lobkowitz - sowie Anfang Januar 1805 in dessen Wiener Palais). Beethoven widmete dem Prinzen sein drittes Clavierkonzert (c-moll op. 37) und man könnte aus der Programmatik der Eroica - composta per festeggiare il sovvenire di un grand Uomo (komponiert um das Andenken eines großen Mannes zu feiern) - eine versteckte nachträgliche Umdedikation an den Prinzen lesen, denn dieser Untertitel wurde 1806 (!), dem Todesjahr des Prinzen, im Rahmen der ersten Printausgabe hinzugefügt (der offizielle Widmungsträger kann damit wohl kaum gemeint sein).


    Der Prinz komponierte überwiegend Kammermusik, sämmtlich mit vorherrschendem Pianoforte (Rochlitz s.o.): 3 Claviertrios, 2 Clavierquartette, 1 Clavierquintett sowie eine Hand voll Einzelstücke nebst einem Oktett und zwei orchesterbegleiteten Rondi. Prinz Louis Ferdinand war auch dem bereits erwähnten J. L. Dussek sehr verbunden. Dussek spielte das prinzliche Clavierquartett op. 5 und ein Notturno op. 8 öffentlich. Am 10. Oktober 1806 wurde der blaublütige Komponist vom französischen Unteroffizier Guindey vom 10. Husarenregiment tötlich getroffen und starb im zarten Alter von nur 34 Jahren als Kommandant einer preußischen Vorhut im Gefecht bei Saalfeld als einer von 1.700 Preußen und 200 Franzosen. Er hinterließ leider viel zu wenig Musikalisches, jedoch drei illegitime Kinder: Caroline Henriette Bentley (1789-?), Heinrich Ludwig von Wildenbruch (1803-1874) und Emilie Henriette Luise Blanca von Wildenbruch (1804-1887).


    Sechs Fuß hoch aufgeschossen,
    Ein Kriegsgott anzuschaun,
    Der Liebling der Genossen,
    Der Abgott schöner Fraun,
    Blauäugig, blond, verwegen,
    Und in der jungen Hand,
    Den alten Preußendegen –
    Prinz Louis Ferdinand.


    Heinrich Theodor Fontane (1819-1898)

    Beim Partner gibt's leider noch keine Bildchen...


    Das war ein gutes Stichwort, Danke! Ich war gerade beim Standesamt und habe das Aufgebot für die Verpartnerung mit jpc bestellt. Kann aber wohl eine Weile dauern, die prüfen nämlich zuerst (irgendetwas...).
    :wink:

    Geisterhaft-plötzlich anwesend:



    Johann Rudolph Zumsteeg (1760-1802)
    Die Geisterinsel


    Christiane Karg, Falko Hönisch, Benjamin Hulett,
    Sophie Harmsen, Patrick Pobeschin, Christian Immler


    Kammerchor Stuttgart
    Hofkapelle Stuttgart
    Frieder Bernius


    :wink:


    Geisterhaft: Zumsteeg, der 1802 starb, komponierte lt. Wiki noch eine letzte Oper: 1803 ... das gibt jedenfalls der Bezeichnung op. post eine neue Wendung...


    Josep Miquel Ramon (Fiuta )
    Marguerite Krull (Donna Ciprigna)
    Yves Saelens (Lelio)
    Enrique Baquerizo (Bonario)
    Carlos Marin (Don Giglio)
    Katia Velletaz (Isabella)
    Raffaella Milanesi (Cilia)
    Emiliano Gonzales-Toro (Valerio)


    Les Talens Lyriques
    Christophe Rousset

    on period instruments (opi)



    Olga Pitarch, Sopran (Ifigenia)
    Betsabée Haas, Sopran (Achille)
    Leif Aruhn-Solén, Tenor (Agamennone)
    Marina Pardo, Mezzo (Ulisse)
    Céline Ricci, Sopran (Arcade)


    Real Compañia Ópera de Cámara
    Juan Baustista Otero

    on period instruments (opi)



    Olga Pitarch, Sopran (Violante)
    Miquel Ramon, Barinto (Pipo)
    Antoni Aragón, Tnor (Don Lelio)
    Patricia Llorens, Sopran (Menica)
    Santiago Santana, Bariton (Fabricio)
    Ricardo Sanjuan, Tenor (Anselmo)


    Capella de Ministrers
    Carles Magraner

    Endlich fand ich ein Sujet, das mir vollständig gefiel. Es war von Calderon und führte den Titel: 'der Mond der Sierra'. Ich entwarf mein Stück; die Fabel davon war einfach:


    Bei einer _Jagd in den Gebirgen verliebt sich der Infant von Spanien in eine Schäferin, die, tugendhaft und leidenschaftlich für einen Bergbewohner eingenommen, allen Verführungen des Prinzen widersteht. Ich gab ihm den Titel: 'Una cosa rara oder: Tugend und Schönheit' [...] Der Maestro schrieb hierauf die Musik dazu. Ich hatte es so eingerichtet, daß die tüchtigsten Kräfte der Truppe in der Oper beschäftigt waren. Aber diese italienischen Sänger, ein allzeit unruhiger und schwer zu befriedigender Haufen, richteten schon ihre Erbärmlichkeiten gegen den Komponisten, bevor noch die Rollen verteilt waren. Sie konnten dieses eine Mal, da sie nicht wußten, daß ich den Text geschrieben, sich nicht an mich halten. [...] Nachdem die Rollen verteilt waren, brach der Sturm los. Der eine hatte zu viel Rezitative, der andere zu wenig; für diesen war die Tonlage zu hoch, für jenen lag sie zu tief. Ein dritter setzte nicht bei den Ensemblestücken ein, ein vierter sang viel zu viel. Die Anarchie war auf der höchsten Stufe. Indessen sagte man doch, da man unser Zusammenarbeiten nicht kannte, die Verse wären wohlklingend, die Charaktere gut gezeichet, das Sujet neu; kurz das Stück wäre ein Meisterwerk, die Musik aber schwach und trivial. [...] Ich lachte in das Fäustchen. Endlich brach der Vulkan aber los. Fast alle Schauspieler sandten ihre Rollen zurück und weigerten sich, eine solche Musik zu singen; das Haupt der Kabale war der erste Buffo, der speziell wegen einer galanten Nebenbuhlerei Feind von Martini war. Der Lärm dieser Revolution drang bis zum Kaiser, der von Martini und von mir die Einzelheiten darüber zu erfahren wünschte; ich nahm mir die Freiheit, ihm zu versichern, daß niemals die Sänger besser Gelegenheit gehabt hätten sich zu zeigen als in dieser Oper und daß Wien noch nie eine so liebliche und so hinreißende Musik gehört habe. ¹


    Der Kaiser soll daraufhin im Libretto, das Lorenzo da Ponte zufällig dabei hatte, geblättert haben - sein Blick war auf eine Passage geheftet. Er nahm einen Zettel und notierte diese Passage darauf und sandte den Brief an den zuständigen Grafen Franz Xaver Wolfgang von Orsini-Rosenberg (1723-1796). Der General-Spektakeldirektor Graf Rosenberg unterrichtete die Schauspieler über den Inhalt, der lautete: Was geschehen, ist gescheh'n. Da ist nichts mehr zu ändern... (Ende Finale I), worauf die Tuppe ihre Arbeit mürrisch wieder aufnahm. Da Ponte berichtet weiter: Am Abend der ersten Aufführung war das Haus zum Erdrücken voll, die Mehrheit der Zuschauer war aber zum Auspfeifen geneigt. Man fand indessen gleich in den ersten Arien soviel Anmut, Liebreiz und Melodie in dieser Musik, so viel Unerwartetes und Interessantes im Dialog, daß das auditorium einer günstigeren Meinung Raum u gönnen schien. Hierauf erfolgten nach einem Stillschweigen, wie man es nie seinesgleichen bei einer andern italienischen Oper gehört hat, so rasende Beifallsbezeugungen, daß es mir leicht war, schon jetzt die Wirkungen einer Kabal zu erkennen.


    omi (on modern instruments)



    Cinzia Forte (Isabella)
    Luigi Petroni (Giovanni)
    Luca Dordolo (Corrado)
    Rechele Stanisci (Lilla)
    Yolanda Auyanet (Ghita)
    Lorenzo Regazzo (Lubino)
    Bruno de Simone (Tita)
    Pietro Vultaggio (Lisargo)


    Orchestra e Coro del teatro La Fenice
    Giancarlo Andretta



    Harmoniemusik.
    Divertimenti von Vicente Martín y Soler
    Suite von Johann Nepomuk Wendt (1745-1801)


    Moonwinds (omi)
    Joan Enric Lluna



    Streichquartettfassung.
    Unbekannter Bearbeiter (18. Jahrhundert)


    Cuarteto de Cuerda Manuel Canales (omi)



    ¹Lorenzo da Ponte. Mein abenteuerliches Leben. (Übers. Eduard Burckhardt)

    Als Stoff für das erste Drama, das ich für Martini bestimmte, hatte ich den 'Gutherzigen Griesgram' gewählt. Ich machte mich ans Werk. Kaum war dieser Plan Casti bekannt, als er sich auch, von dem doppelten Verlangen beherrscht, Hofpoet zu werden und sich meiner zu entledigen, beeilte, überall auszubreiten: der Stoff wäre für eine Opera buffa schlecht gewählt. Er hatte die Kühnheit, diese Worte von dem Souverän zu wiederholen, der mir sagen zu müssen glaubte: "Da Ponte, Ihr Freund Casti behauptet, Ihr 'Gutherziger Griesgram' würde nicht zum Lachen reizen."


    "Sire", antwortete ich, "ich wäre glücklich, wenn er ihn zum Weinen reizte."


    "Das hoffe ich", setzte Joseph II. hinzu, der sogleich den Doppelsinn begriff. Die Oper wurde aufgeführt und gefiel von Anfang bis zum Ende. Man sah mehrere Zuschauer und den Kaiser selbst sogar die Rezitative darin applaudieren. "Wir haben gesiegt", sagte Joseph II. leise zu mir, als er nach der ersten Vorstellung neben mir in der Vorhalle der Logen, wo ich mich aufgestellt hatte, vorüberging. Diese drei Worte hatten höheren Wert für mich, als hundert Seiten voll Lobeserhebungen.¹


    Lorenzo da Ponte (1749-1838) logierte seit 1781 in Wien, wo er 1785 auf Vicente Martín y Soler (oben als Martini benannt) traf. Die erste Zusammenarbeit ließ den Erfolg der Oper Il Burbero di buon cuore, dramma giocoso in zwei Akten, ernten, als das Stück am 4. Jan. 1786 im Burgtheater erstmals in Szene ging. Das Textbuch hatte da Ponte von Carlo Goldoni (1707-1793) adaptiert. Die Kooperation ließ im gleichen Jahr Una Cosa rara, o sia Belezza ed onestà nach Luis Vélez de Guevara (1579-1644) La luna della Sierra folgen, uraufgeführt am 17. November 1786, ebenfalls im Burgthater Wien. Mit diesem Werk fegte Martín y Soler Mozarts im Mai uraufgeführte Le Nozze di Figaro (zu welcher da Ponte ebenfalls das Libretto dichtete) regelrecht vom Tisch.


    Una cosa rara (eine seltene Sache) war ein Werk, das ganz dem damaligen Wiener Geschmack huldigte; schon bald gab es die üblichen Coverversionen: Martín y Soler brachte selbst (1795) verschiedene Divertimenti für Bläser mit Themen aus seiner Oper heraus, eine Harmoniemusik von Johann Nepomuk Wendt (1745-1801) kursierte neben einer Streichquartettfassung eines heute nicht mehr eruierbaren Arrangeurs. Niemand anderes als Emanuel Schikaneder (1751-1812) klinkte sich in den Erfolg ein und schuf das Textbuch zu Der Fall ist noch weit seltener als Fortsetzungsgeschichte zur Cosa rara. Das Stück wurde am 10. Mai 1790 mit Musik von Benedikt Schack (1758-1826) uraufgeführt. Mozart erwähnt das Werk gleich kurz nach der Uraufführung Anfang Juni 1790: ...gestern war ich in dem zweyten Theil von der Cosa rara - gefällt mir aber nicht so gut wie die Antons.² ('Die Antons' war ein beliebter Mehrteiler aus Schikaneders Feder, Musik von diversen Komponisten). Und schließlich war es auch Mozart selbst, welcher die Cosa rara - trotz ihrer Untat gegenüber dem Figaro - in unsere Tage hinüberrettete: es kann als Beweis der Beliebtheit dieser Oper gelten, daß Mozart die Arie O quanto un si bel giubilo aus Martín y Solers gefeiertem Werk im Finale II seines Don Giovanni zitiert: so freut sich Leporello, als er die Töne erkennt: Bravi! "Cosa rara"! (man beachte die vorbildliche Quellenangabe zu jenen Zeiten, wo das Copyright noch mehr oder minder ein Fremdwort war). Mozart verarbeitet die Rivalität der Cosa zu seinem Figaro natürlich nicht ohne einen gewissen (nicht boshaften) Spott, so daß er nach einer Melodie aus Giuseppe Sartis (1729-1802) komischer Oper Fra due litiganti il terzo gode selbstverständlich auch seinen Figaro zitiert.



    Vicente Martín y Soler (1754-1806)


    Atanasio Martín Ignacio Vicente Tadeo Francisco Pellegrin y Soler wurde am 2. Mai 1754 in Valencia geboren. In seiner Kindheit war er als Chorsänger an der dortigen Kathedrale mit Musik in Berührung gekommen. Er studierte Musik bei Giovanni Battista Martini (1706-1784) in Bologna (offenbar in einem Crashkurs) und kehrte 1775 nach Spanien zurück, wo er als gerade einmal zwanzigjähriger mit Il tutore burlato in Madrid debütierte. Das Libretto basiert auf La finta semplice von P. Milotti und wurde 1778 als La Madrileña (in spanischer Sprache als Zarzuela) erneut aufgelegt. Zum Geburtstag von König Ferdinand I. von Neapel-Sizilien (1751-1825) wurde er ebenso mit einem Auftragswerk bedacht, wie für dessen Namenstag. So entstanden Ifigenia in Aulide (Neapel, 12. Januar 1779) und Ipermestra (30. Mai 1780), letztere auf ein Libretto Pietro Metastasios (1698-1782). Der blutjunge Komponist wurde weiter in Italien herumgereicht und komponierte für Turin Andromaca (UA 26. Dezember 1780) und für Lucca Astartea (1782, Metastasio). Neapel knöpfte dem Opernwunder 1782 gleich zwei Werke ab: Partenope (Februar 1782, Metastasio) und L'amor geloso (Sommer 1782). Für Venedig lieferte er im Herbst 1782 In amor ci vuol destrezza ab, es folgten Vologeso (Turin, Karveval 1783), Le burle per amore (Karneval 1784, Venedig) und für Parma La vedova spiritosa (Karneval 1785), bevor er nach Wien kam.


    Zusammen mit Lorenzo da Ponte wurde hier noch ein drittes Werk produziert: L'arbore di Diana (UA 1. Oktober 1787). Da Ponte, der gleichzeitig an Libretti für Mozart, Martini und Antonio Salieri arbeitete, berichtet über seine Tätigkeit: Salieri verlangte kein Originalstück. Er hatte in Paris die Musik zur Oper Tarare geschrieben und wünschte nun diese Musik einem italienischen Texte anzupassen. Er brauchte also nur eine freie Übersetzung. Was Mozart und Martini betrifft, so überließen diese mir die Wahl des Sujets. Ich bestimmte für den ersten 'Don Giovanni', der entzückt davon war, und für den zweiten den 'Baum der Diana', einen mythologischen Stoff, der aber mit seinem Talent im Einklang stand, denn dieses war voll von jenem süßen Melodienreichtum, welcher zwar mehr als einem Komponisten angeboren ist, den aber nur seltene Ausnahmen wiederzugeben verstehen. [...] Ich unterzog mich also der Pflicht, zwölf Stunden täglich hintereinander mit nur kurzen Unterbrechungen zu arbeiten, und führte dies zwei Monate lang durch. [...] So zwischen dem Wein von Tokaj, dem Schnupftabak von Sevilla, der Klingel auf meinem Tische und der schönen Österreicherin, die der jüngsten Musen glich, schrieb ich die erste Nacht für Mozart die beiden ersten Szenen des 'Don Giovanni', zwei Akte vom 'Baum der Diana' und mehr als die Hälfte des ersten Aktes von 'Tarare', welchen Titel ich jedoch in 'Axur' umänderte. Am nächsten Morgen trug ich die Arbeit zu meinen drei Komponisten, die ihren Augen nicht recht trauen wollten. In zwei Monaten waren 'Don Giovanni' und der 'Baum der Diana' beendigt, auch bereits mehr als das Drittel der Oper 'Axur' fertig. Der 'Baum der Diana' wurde zuerst aufgeführt: er wurde ebenso glänzend wie 'Cosa rara' aufgenommen. Vom 'steinernen Gast' und der Oper für Salieri ist weiter nicht die Rede.


    Für eine Aufführung seiner Oper Il Bubero di buon core im Wiener Burgtheater am 9. November 1789 komponiette Mozart zwei Einlagearien: Chi sà, chi sà, qual sia KV 582 und Vado, ma dove? - oh Dei! KV 583, beide für die Sopranistin Louise Villeneuve und beide auf Texte von Lorenzo da Ponte.


    Die Erfolge in Wien ließen einen Ruf der Zarin Katharina II. (1729-1796) nicht lange ausbleiben. Ende 1788 siedelte Martín y Soler nach St. Petersburg über und wurde hier mit der Anwesenheit Domenico Cimarosas (1749-1801) konfrontiert, der hier die italienische Hofoper leitete. Martín y Soler hatte am Hofe eher die persönlichen musikalischen Berlange der Zarin zu bedienen. In seiner Funktion als Hofkapellmeister schrieb er allerdings auch drei Opern in russischer Sprache, an deren Libretti zum Teil seine Arbeitgeberin selbst mitgewirkt hatte: Gorebogatyr'Kosometovič (Der traurige Held Kosometovič, UA 9. Februar 1789), Pesnoljubije (18. Januar 1790) und Fedul' s det'mi (Fedul und seine Kinder, 27. Januar 1791). Einen erfolglosen Versuch, an seine europäischen Erfolge anzuknüpfen startete Martini, indem er 1794 da Ponte nach London folgte. Hier wurde zunächst die Oper La capricciosa corretta (UA 27. Januar 1795) gegeben. Die Oper, die (wohl eher zufällig) an Mozarts Geburtstag uraufgeführt wurde, trug den Untertitel La scuola dei maritati und knüpft damit nochmals an da Pontes Kooperation mit Mozart an (Cosí fan tutte, o sia: La scuola dei amanti). Am 26. Mai desselben Jahres folgte L'isola del piacere. Durch die verhaltenen Stimmen demotiviert, gab es schließlich nur noch ein Pasticcio aus früheren Werken des Komponisten: Le nozze de'contadini spagnuoli (28. Mai 1795). Enttäuscht kehrte Martín y Soler nach St. Petersburg zurück. Hier komponierte er noch zwei Opern neben der Tätigkeit als Lehrer und der Verrichtung seines Amtes: Camille ou Le souterrain (UA 1. März 1796) und La festa del villaggio (26.01.1798).


    Der Komponist verstarb am 11. Februar 1806 in St. Petersburg.


    ¹Lorenzo da Ponte. Mein abenteuerliches Leben. (Übers. Eduard Burckhardt)
    ²Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Gesamtausgabe, Band IV.


    Integral.
    Rachel Podger, Violine Pesarinius 1739
    Gary Cooper Hammerflügel nach Anton Walter 1795 (Derek Adlam 1987)



    6 Variationen g-moll KV 360 u.a.


    Isabel Schau, Violine Lorenzo & Tomaso Carcassi, Florenz 1764
    Thomas Leiniger, Tangentenflügel, Wien 1786 (aus dem Umfeld Anton Walters)


    Für das ungeübte Ohr sicher sehr gewöhnungsbedürftig, aber zum Teil ganz erheblich andere Klangwolken, z.B. bei der 5. Variation!





    Integral.
    Rachel Podger, Violine Pesarinius 1739
    Gary Cooper Hammerflügel nach Anton Walter 1795 (Derek Adlam 1987)



    Sonate G-Dur KV 379, C-Dur KV 296 u.a.


    Isabel Schau, Violine Lorenzo & Tomaso Carcassi, Florenz 1764
    Thomas Leiniger, Tangentenflügel, Wien 1786 (aus dem Umfeld Anton Walters)



    Sonaten G-Dur KV 301, e-moll KV 304, A-Dur KV 305, D-Dur KV 306


    Ryo Terakado, Violine
    Boyan Vodenitcharov, Hammerflügel



    Sonaten A-Dur KV 305, D-Dur KV 306, e-moll KV 304, B-Dur KV 454


    Maria Bader-Kubizek, Violine spätes 18. JH (aus dem Besitz von Leopold Mozart)
    Richard Fuller, Hammerflügel sœur et frère Stein, Augsburg/Wien, 1794





    Integral.
    Rachel Podger, Violine Pesarinius 1739
    Gary Cooper Hammerflügel nach Anton Walter 1795 (Derek Adlam 1987)



    Sonate D-Dur KV 7 u.a.


    Isabel Schau, Violine G. O. Klier, 1992, nach Jacobus Stainer
    Thomas Leiniger, Tangentenflügel, Wien 1786 (aus dem Umfeld Anton Walters)

    Falls das Cover nicht zu sehen ist: Musique au temps de Marin Marais.


    Doch, das ist es! Aber falls es nicht oder nicht sofort angezeigt wird, liegt dies daran, daß wir derzeit noch in unserem Flur gehostet sind... sobald wir online sind, geht das ratz-fatz. Dein Hinweis ist dennoch sehr förderlich für unsere Suchmachine... :rolleyes:


    Integral.


    Divertimento (Nr. 1) D-Dur Hob. X:2, Divertimento (Nr. 2) G-Dur Hob. X:5,
    Divertimento (Nr. 3) a-moll/Dur Hob. X:3, Divertimento (Nr. 4) G-Dur Hob. X:4,
    Divertimento (Nr. 5) D-Dur Hob. X:1, Divertimento (Nr. 6) A-Dur Hob. X:6,
    Divertimento (Nr. 7) G-Dur Hob. X:12, Divertimento à 5 D-Dur Hob. X:10


    François Fernandez, Violine I
    Alda Stuurop & Sayuri Yamagata, Violine II
    Ryo Terakado, Viola
    Philippe Pierlot, Baryton
    Rainer Zipperling, Violoncello
    Eric Mathot, Contrabaß
    Claude Maury & Piet Dombrecht, Horn


    Instrumente leider o.n.A.



    Exzerpt.


    Divertimento (Nr. 3) a-moll/Dur Hob. X:3, Divertimento (Nr. 7) G-Dur Hob. X:12


    Christophe Coin, direction et baryton à cordes
    Ensemble Baroque de Limoges
    Quatuor Mosaïques

    Die AmZ vom 1. Oktober 1806 enthält einen Bericht über die Sängerin Mad. Stock, welcher die Natur nicht die schönste, biegsame Stimme gegeben hat. Man höre dies besonders bey Passagen in Bravour-Arien, welche selten dem Ohre wohlthun. Aber ihr Fleiss, womit sie dieses Hinderniss bekämpft, ist sehr lobenswerth. Sie intonirt immer äusserst rein und bestimmt, besitzt viele musikalische sicherheit und Kenntnis, trägt ihre Verzierungen mit Ausdruck vor, und erwirbt besonders im Rondo und Recitativ ungetheilten Beyfall.


    Von einem Gastspiel in Berlin zurückgekehrt, wartet die Sängerin mit einer grösseren Notenfülle in ihrem Vortrage auf, welcher insofern entschuldigt werden kann, als die Natur es ihr schwer gemacht hat, einzelnen lange Töne mannichfaltig zu handhaben. Wäre es aber nur Nachahmung der herrschenden Mode, so könnte man sich nicht ernstlich genug dagegen erklären. Man lasse doch den Franzosen dieses ewige Schnörkeliren à la Garat, so wie das Tremuliren einer langen Note! man lasse ihnen ihren Wahn, als hiesse nur das, mit Ausdruck singen! Gemeint sein dürfte der französische Bariton Pierre-Jean Garat (1762-1823), Lehrer am Conservatoire de Paris und bekannt für seine Gluck-Interpretationen.


    Was sollen aber wir Deutsche damit? sind wir denn auch genöthigt, dieser gallischen Afterkunst zu huldigen? - Leider scheint dieses Unwesen aber auf den deutschen Theatern immer mehr einreissen zu wollen, und wenn das so fortgeht, wird es bald keinen Sänger und keine Sängerin, die auf Kunst Ansprüche machen dürfen, mehr geben, welche eine etwas lange Noten ungeschoren liessen, keine, die sie nicht mit einem Firlefanz von Nötchen umhingen, und den Gesang so buntscheckig ausstaffirten, wie einen Krönungsmantel oder eine Harlekinsjacke. Dazu komt, dass es den mehresten Sängern und Sängerinnen an wahrer Kenntnis der Theorie der Tonkunst gebricht, und da mächte Einem denn über dieses geschmacklose Verzerren der Melodie oft das Hören vergehen.


    'Afterkunst' ist hier wohl im Sinne von Aberkunst (vgl. Aberglaube, Aberwitz) in der Bedeutung 'neben' oder 'schlechter' zu verstehen.

    Duos für Violine und Viola KV 423 u. 424


    Die Entstehungsgeschichte der beiden Duos lässt sich am besten anhand der nachfolgenden Anekdote nachvollziehen:


    Der Fürsterzbischof Hieronymus (von) Colloredo war ein etwas widersprüchlicher Musikliebhaber. Zum einen verkürzte er in seiner Funktion als Erzbischof von Salzburg die Dauer der liturgischen Kompositionen, also Musiken, die in der Kirche gespielt wurden, auf eine Maximaldauer von 45 Minuten, andererseits war er selbst ein ambitionierter Geiger. So bestellte der Graf bei Michael Haydn, der ja in seinen Diensten stand, sechs Duette für Violine und Viola. Michael Haydn komponierte und komponierte: Vier Duette hatte er fertig gestellt, als er so schwer erkrankte, dass er seine Bestellung vorerst nicht zu vollenden im Stande war. Vermutlich durch Intrigen gelangte die Nachricht von des Compositeurs Erkrankung nicht oder nicht vollständig zu seinem Auftraggeber, so dass dieser wutentbrannt seinem Komponisten mit dem Entzug der Besoldung drohte. Glücklicher Weise befand sich just in diesem Spätsommer 1783 Wolfgang Amadeus Mozart in Salzburg ein. Natürlich besuchte er seinen schwer erkrankten Freund Michael Haydn täglich, wie es heißt und erfuhr auch von den widrigen Umständen. Kurzentschlossen komponierte Mozart die beiden noch ausstehenden Duette für Violine und Viola innerhalb weniger Tage und das Kompendium aus sechs Duetten wurde dem Auftraggeber überreicht – natürlich ohne die Nennung von Mozarts Namen. So half Mozart angeblich dem Freund Michael Haydn aus der Not.


    Ob diese von dem Mozartbiografen Georg Nikolaus Nissen überlieferte Anekdote vollumfänglich der Wahrheit entspricht, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, jedenfalls spricht einiges dafür: Auf den Originalmanuskripten Mozarts findet sich beispielsweise sein Name, den er üblicher Weise aufträgt, nicht. Auch wurden von fremder Hand die Nummerierungen der Duette vollzogen. Dafür spricht meines Erachtens auch, dass Mozarts Duetten-Paar um einiges schwieriger zu spielen ist, als die von Michael Haydn auf den Auftraggeber zugeschnittenen vier Duos. Ich könnte mir gut vorstellen, dass Mozart hier absichtlich dem verhassten Colloredo eins auswischen wollte. Der Mozartbiograph Alfred Einstein beharrt jedoch darauf, daß Mozart auf sein 'Eigentumsrecht' nicht verzichtet hat. Dies begründet er mit der brieflichen Anforderung der beiden Violinduetten am 6. und 24 Dezember 1783 vom Vater. Von Michael Haydn sind - zur Unterstützung der Anekdote - vier solcher Duos bekannt: C-Dur (MH 335), D-Dur (MH 336), E-Dur (MH 337) und F-Dur (MH 338).


    Divertimento Es-Dur KV 563


    Nach Abschluß der grandiosen Sinfonien-Trias, zwischen einigen Kanonstudien und vor dem Klaviertio G-Dur KV 564, den letzten beiden Quartetten KV 575 und 590, den letzten beiden Quintetten KV 593 und 614 vollendet Mozart am 27. September 1788 ein Streichtrio - jenes in Es-Dur, KV 563: sein einziges, wenn man von der 2sätzigen Sonate (bestehend in einem Adagio und einem Menuett nebst Trio) B-Dur für 2 Violinen und Bass KV 266 (271f) absieht. Betitelt hat Mozart es in seinem Verzeichnüß aller meiner Werke mit


    Ein Divertimento à 1 Violino, 1 Viola e Violoncello; di sei pezzi.


    Das hat nichts mit Bären zu tun, sondern weist nur daraufhin, dass es gar in sechs Sätzen (Stücken) besteht. Das Werk komponierte Mozart für seine "Hausbank" Michael Puchberg; aus Dankbarkeit für das Vertrauen und die Gütigkeit des Logenbruders. Auch das Klaviertrio E-Dur KV 542 (kurz zuvor entstanden) ist vermutlich für Puchberg komponiert worden. Vielleicht hat die Zahl drei hier eine besondere Bedeutung? Für mich von KV 563 am schönsten ist das 2. Thema des ersten Satzes ab Takt 26 - das könnte ich endlos hören. Eine der wenigen wirklich freudvollen Stellen in Mozarts "Spätwerk" - obwohl auch hier wieder so eine Sehnsucht durchschimmert.


    Mozart hat das Werk auf seine Berlinreise mitgenommen und ließ es am 16. April 1789 in Dresden spielen: [...] ich gab bei dieser kleinen Musik das Trio welches ich Hr. v. Puchberg schrieb, - es wurde so ganz hörbar executirt. Ein knappes Jahr später wird es wieder gespielt: Morgen freytag hat mich graf Hadick gebeten ihm des Stadlers Quintett, und das Trio so ich für Sie geschrieben, hören zu machen, ich bin so frey Sie dazu einzuladen; [...].


    Vielleicht ist Mozart durch seine Bearbeitungen der Bachfugen für Streichtrio auf die Idee zu diesem Werk gekommen? Jedenfalls liess er einen früheren Versuch in G-Dur KV 562e nach 100 Takten (vollständiger Exposition also) liegen...


    Hubert Unverricht fasst zu KV 563 zusammen:


    [...] An Größe, Geschlossenheit und Ausdruckskraft kommt kein Streichtrio des 18. Jahrhunderts diesem Werk Mozarts gleich [...] In diesem seine Zeit überragenden Werk ist genial alles zusammengefaßt, was bis dahin im Streichtrio als Sonderbildungen entstanden war; und in nuce ist vorwegnehmend bereits vorhanden, was erst in späteren Trios wirksam werden sollte. Zum Beispiel knüpft der junge Beethoven mit seinem ebenfalls in Es-Dur komponierten Streichtrio op. 3 unmittelbar an.


    Mozart selbst bezeichnet das Werk einerseits als Divertimento, was fraglos richtig ist, denn der Aufbau spricht ganz dafür: 6 Sätze, darunter 2 Menuette und 2 langsame Sätze, umschlossen von zwei schnellen Sätzen. Es ist aber reinste Kammermusik, keine belustigende Freiluftmusik - wie für Divertimenti dieser Zeit üblich. Somit ist es durchaus schlüssig, wenn Mozart umschwenkt und das Werk fortan als Trio bezeichnet. Aber es wird wohl eine großartige Mischform bleiben.


    Das vollendetste, feinste Trio, das je in dieser Welt hörbar geworden ist, meint Alfred Einstein

    Clavier-Quintett Es-Dur KV 452


    - durch meine 3 Subscriptions Academien habe ich mir sehr viele Ehre gemacht. - auch meine Academie im Theater ist sehr gut ausgefallen. - Ich habe 2 grosse Concerten geschrieben, und dann ein Quintett, welches ausserordentlichen beyfall erhalten; - ich selbst halte es für das beste was ich noch in meinem leben geschrieben habe. - es besteht aus 1 oboe, 1 Clarinetto, 1 Corno, 1 fagotto, und das Piano forte; - Ich wollte wünschen sie hätten es hören können! - und wie schönes aus ausgeführt wurde!


    Die drei Subskriptions-Akademien, von denen Mozart hier am 10. April 1784 an seinen Vater berichtet, fanden am 17., 24. und 31. März 1784 statt. Die Uraufführung des Quintetts KV 452 war am 1. April 1784 im Burgtheater (k. k. National-Hoftheater) gewesen. Dabei erklangen auch die Clavierkonzerte B-Dur KV 450 und D-Dur KV 451. Eine weitere Aufführung des Quintetts fand am 13.06.1784 während eines Privatkonzerts bei dem Salzburger Hofagenten Ployer in Döbling statt. Gottfried Ignaz Edler von Ployer war der Cousin des Vaters von Babette Ployer (1765-1810), zugleich Ziehvater der Pianistin, welcher Mozart seine Clavierkonzerte Es-Dur KV 449 und G-Dur KV 453 widmete.


    Das unter KV452a als verloren gemeldete Fragment zu einem Quintett für Clavier, Oboe, Clarinette, Bassetthorn und Fagott B-Dur ist im November 1990 wieder aufgetaucht und kann als Vorarbeit zum Quintett KV 452 gelten. Das Bruchstück wurde anlässlich des Mozartjahres 1991 von Mitsuko Uchida, Neil Black, Thea King, Julian Farrell und Robin O'Neill für die Complete Mozart Edition bei Philips eingespielt und ist doch im Schuber 'Raritäten & Besonderes' (Vol. 45) enthalten. Die Besetzung dieses Vorläufers war durch das vorgesehene Bassetthorn noch außergewöhnlicher als sie es ohnehin ist.


    Ludwig van Beethoven nahm sich dieses Kleinod für sein Quintett op. 16 als Vorbild: er haderte nicht, nebst der Besetzung auch die gleiche Tonart und Struktur zu wählen. Nach einer langsamen Einleitung folgt ein moderates Allegro. Im Zentrum steht anstelle des Larghettos bei Mozart ein cantables Andante und den Abschluß macht in beiden Fällen ein fröhliches Rondo. Die beiden Werke hat Jos van Immerseel mit dem Ensemble Octophorus auf einer CD vereint eingespielt (vgl. Parallelthread 'Einspielungen').


    Clavierquartette g-moll KV 478 und Es-Dur KV 493


    Die beiden Clavier-Quartette sind offenbar Folge eines Vertrages mit dem Wiener Verleger Franz Anton Hoffmeister (1754-1812), bei dem auch das Streichquartett D-Dur KV 499 im Erstdruck erschien und welches demzufolge gelegentlich als Hoffmeister-Quartett firmiert. Offenbar war KV 478 zunächst für eine andere Besetzung gedacht: davon zeugt, daß in allen drei Sätzen im Autograph zunächst anstelle des Altschlüssels für die Viola ein G-Schlüssel notiert ist. Eventuell war hier zunächst die Besetzung mit 2 Violinen konzipiert und später revidiert worden. Das Werk erschien verabredungsgemäß im Dezember 1785 im Verlag Hoffmeister, liess sich aber offensichtlich schwer absetzen, weshalb Mozart den Verleger von seiner Verpflichtung entband und kein geplantes drittes Werk mehr beisteuerte. KV 493 erschien dann auch beim Verlag Artaria & Co. und nicht mehr bei Hoffmeister. Der Mozartbiograph Georg Nikolaus Nissen (1761-1826), späterer Ehemann der Mozartwittwe, schrieb in seiner Biographie auf S. 633 diesbezüglich:


    Nur darum sprach Mozart's erstes Clavier-Quartett, Gb, anfangs so wenige an, daher der Verleger Hoffmeister dem Meister den vorausbezahlten Theil des Honorars unter der Bedingung schenkte, dass er die zwey andern accordirten Quartette nicht schrieb und Hoffmeister seines Contractes entbunden wäre [...]


    Sehr selten findet man bei Mozart einschneidende Änderungen in seinen Werken. KV 478 ist so ein Fall: die 8 Takte der Coda des ersten Satzes (T. 239-246) hat Mozart im Autograph mit der heute bekannten Version überklebt. Die ursprüngliche Komposition ist aber noch unter der Überklebung erhalten geblieben und kann wie folgt wiedergegeben werden:



    (Vergrösserung durch Anklicken möglich)


    Bedauerlich, daß es bis heute keine Einspielung des Werkes resp. Satzes in dieser ursprünglichen Form gibt.


    Integral.


    Michael Brüssing, Baryton
    András Bolyki,Violine u. Viola
    Maria Andrásfalffy-Brüssing, Barockcello u. Baryton


    Verwendete Instrumente:
    Baryton (Viola di bordone): Kopie nach dem Original von J. J. Stradlmann, das Fürst Esterházy selbst gespielt hat
    Viola Christian Franziscus Bartl fecit a.D. 1795 in Wien
    Violoncello Johann Huber, bürgerl. Lautten- u. Geigenmacher München 1809



    Auswahl. Transkription für Streichtrio.
    Trios Hob. XI Nrn. 14, 59, 80, 85, 96, 97


    Ensemble Rincontro
    Pablo Valetti, Violine
    Patricia Gagnon, Viola
    Petr Skalka, Violoncello