Beiträge von Ulli

    „Überraschend opernhaft“

    Die Frage ist nur, ob z.B. durch eine solistische Besetzung und vibratofreien Gesang diese Wirkung nicht in ein anderes Maß gebracht werden könnte, ohne dabei die grundsätzliche Nähe der Musik zur Oper der Zeit zu verleugnen. Ich könnte mir z.B. gut vorstellen, dass eine Aufnahme der Kuijkens hier zu deutlich anderen Ergebnissen käme. Im Übrigen wird ja auch Bachs Oratorien und Passionen diese Nähe zur Oper mitunter nachgesagt, ich empfinde sie aber bei den Stücken von Pergolesi deutlich stärker ausgeprägt.

    Also meintest Du eher „überraschend wagner-/verdihaft".


    *flöt*

    Wieso?

    Wie gesagt: "für mich überraschend". Ich kenne mich zum einen bei Pergolesi nicht so gut aus und hatte zum anderen bei der Messe einen etwas intimeren Klang erwartet.

    „Überraschend opernhaft“ sind viele geistliche Werke, vor allem auch der Nachfolgezeit um/bis ca. 1780. Mozart ist da eher die Ausnahme, der sich auf ältere Traditionen beruft. Insbesondere Oratorien tauchen weitestgehend im Opernstil auf (vielleicht abgesehen von ein paar traditionell verhafteten kontrapunktischen Teilen, die aber auch der Oper nicht fremd sind; vgl. Finale Don Figaro/Cosí). Das (von mir sog.) „Operatorium“ entstand mitunter aus der Not heraus, daß es an bestimmten Tagen nicht gestattet war, Opern im Theater aufzuführen. So entschied man sich eben dafür, geistliche Werke (zumindest inhaltlich) zu komponieren und darzubieten, die musikalisch aber kaum einen Unterschied zur weltlichen Musik ausmach(t)en. Das überrascht heute immer noch (zu) viele Menschen; es ist eben ein Irrtum zu glauben, ( - Gedankenpause - ) geistliche Musik müsse wie Bach klingen und überwiegend aus Fugen bestehen ...

    Bei mir werden nur die Rezensionen 1-2/2 angezeigt, idiotischer Weise 3 an der Zahl: Johann, CM, C. Wake ...


    *hä*:?:


    Edit(h) says: falsche CD gewählt ... inzwischen gefunden. Nichtsdestotrotz konnte ich einen direkten Kommentar nicht finden; meinst Du saggit?

    Edit(h) says again: inzwischen auch den Kommi („Altes Medium“) gefunden; meine Fresse, ist das kompliziert. Kann man das nicht einfach direkt anzeigen?

    wie bei Furtwängler, Bernstein, Klemperer, Kleiber.

    ... die zählen in diesem Thread nicht und haben definitiv keine Bedeutung; wenn man sich in HIP/opi eingehört hat, hat Wuchtigkeit eine völlig andere Bedeutung als bei diesen völlig desinterpretierten Wagnerdeutungen. Sorry. Und wir wollen bitte die Kirche im Dorf lassen und nicht wieder Tomaten mit Thunfisch vergleichen.


    Stellenweise ist die Aufnahme ggfs. in der Tat zu artig, zu einfühlsam, aber - zumindest für mich - kommt keine Langeweile auf, im Gegenteil: die Spannung bleibt über lange Strecken erhalten und wird z.T. gesteigert (wenn auch die Auflösung nur allzu bekannt ist); das will schon etwas heißen, oder? Es ist nicht bloß eine „schöne“ Aufnahme, es ist eine der richtig guten, wie ich finde (und klar: ich habe auch eine andere Favoritin; dazu aber später mehr). Und Dank der tollen Hörner ist sie eben stellenweise auch unartig.


    Ich kann allerdings nachvollziehen, warum Dir das zu brav und herkömmlich vorkommt: weil Du eben mit Aufnahmen aus einem anderen Universum vergleichst; die müssen dafür aber aus dem Gedächtnis gestrichen werden, ansonsten ist ein Fairgleich unmöglich (mir ist das auch gelungen; inzwischen habe ich gelernt, altes, unpassendes aus meinem Leben komplett zu löschen; als sei es nie da gewesen.).


    Oder als praktischer Sofortdownload vor Erscheinungstermin inkl. digitalem Lepörellchen:


    51ajhFg73cL._SS500.jpg


    inkludiert auch das vierte Clavierkonzert G-Dur op. 58 mit G. Wallisch, Fortepiano Franz Bayer (Wien c1825; Sammlung Gerd Hecher)


    Orchester Wiener Akademie

    Martin Haselböck


    Die Vierte wurde im opi-Bereich noch gar nicht gewürdigt; vielleicht starten wir mit dieser unartigen Aufnahme? 8-)


    Ich empfinde sie als schlank, einfühlsam und - wo angebracht - wuchtig und mitreißend.


    Jan Ladislav Dussek (1760-1812)

    Konzert B-Dur für 2 Claviere op. 63

    Clavierquintett f-moll op. 41

    Notturno concertant Es-Dur op. 68


    Olga Pashchenko, Alexei Lubimov,

    Meta4, Finnish Baroque


    Mal wieder keine Angaben über die verwendeten Instrumente ... aber: geiles Cover!

    Und dankeswerter Weise eine neue:



    Oder als praktischer Sofortdownload vor Erscheinungstermin inkl. digitalem Lepörellchen:


    51ajhFg73cL._SS500.jpg


    inkludiert auch Sinfonie Nr. 4 B-Dur op. 60


    Theophilus Wallisch, Fortepiano Franz Bayer (Wien c1825; Sammlung Gerd Hecher)

    Orchester Wiener Akademie

    Martin Haselböck


    ... das Vierte überwältigt mich immer wieder, eigentlich egal, in welcher opi-Einspielung ... dieses hier ist sehr expressiv und die einzige Aufnahme aus dem Uraufführungsort. Ich zumindest höre den genium loci.


    :beatnik:


    Ich empfehle jedem Wienbesucher, das Museum Palais Lobkowitz anzuschauen. Wenn man Glück hat - und das hat man oft - ist man ganz alleine im Eroica-Saal; und wenn man ganz, ganz still ist: hört man noch den Nachhall der UAen von opp. 55, 58 und 60 ... und spürt die Anwesenheit dieser genialen Klänge, sie sind in den Wänden aufgesogen, im Deckenfresko, im Parkett ... ein wahrer Tempel - oder eher ein Gotteshaus? Jeder, wie wer mag ...


    Der Kopfsatz mutet schon etwas lang an und nimmt den Platz einer knappen Drittel Stunde ein; das mag die eine oder den anderen langweilen, ich nenne es „zelebriert“; etwas ungewöhnlich, aber doch hör- und genießbar; gleichwohl ist die Dauer im Vergleich so ungewöhnlich dann doch nicht:


    Badura-Skoda (Collegium Aureum) 17:50 opi
    Levin (Gardiner) 18:35 opi
    Gould (...) 12:11 (!?) omi
    Levin (Kammerversion) 17:20 opi
    Schoonderwoerd (Cristofori) 16:22 opi
    Berezowski (Dausgaard) 18:11 omi
    Lubin (Hogwood) 18:26 opi
    Immerseel (Tafelmusik; Weil) 18:51 opi


    Insgesamt eine sehr feine, runde Sache! Ich liebe hier besonders den nicht überzelebrierten Mittelsatz und das Stretto des Finales!


    Spinn' ich oder hat Immerseel „vergessen“, die Clavierkonzerte mit AnimÆterna aufzunehmen?