Beiträge von Mordent

    Mit dieser Auffassung des Begriffs musst du aber in manchen Kontexten aufpassen, denn Mainstream wird in Genrekreisen oft einfach nur wertfrei benutzt, um Nicht-Genre-Werke abzugrenzen.


    Egal wie man den Begriff nun benutzt, mir wäre es zu anstrengend, etwas zu meiden, nur weil es ein Etikett wie Mainstream, zu viel oder zu wenig Erfolg hat. Und ich sehe auch wirklich den Zusammenhang nicht (immer) zwischen Massenwirksamkeit und Qualität. Wenn mir etwas gefällt, dann gefällt es mir, ob das nun ein pöser Blockbuster ist oder nicht. Und ich freue mich über alle künstlerischen Zugeständnisse an mich! :D


    Es gibt Änderungen, klar, und langsam verursachen sie sogar schon erhebliche Abweichungen, aber der Geist der Bücher wurde trotzdem beibehalten, wie auch die wichtigsten Ereignisse nehmen denselben Lauf.

    Ich wäre sogar begeistert, wenn sich Serie und Bücher noch weiter auseinander entwickeln würden. Beide sind bisher richtig gut, wie ich finde, und was wäre das für ein Luxus, wenn man am Ende zwei geile Versionen der Geschichte hätte! Ich hoffe sehr, dass es in diese (beiden) Richtung(en) gehen wird.

    Weiß Gott! ich habe alle zehn Bände gelesen und bis Staffel 3 geschaut und mich erst ausgeklinkt, als es begann, Mainstream zu werden.

    Würde mir nicht einfallen, einen Autor, der mir gefällt oder mich gar begeistert, nur deshalb nicht mehr zu lesen, weil er plötzlich ein paar Tausend Bücher mehr verkauft.


    Es ist wohl ein allgemeines „Problem" bei Serien, daß sie irgendwann im Verlauf ihre Individualität zu Gunsten des Mainstream aufgeben; ich betrachte das Wort Mainstream hier in diesem Kontext in der Tat negativ konnotiert: es scheint relativ selten, daß das Gewisse Etwas verfeinert und von Staffel zu Staffel noch subtiler wird - wie z.B. bei TBBT. In vielen Fällen artet alles irgendwann in „mehr, größer, böser" usw. aus - das macht dann keinen Spaß mehr und ergibt auch für mich keinen Sinn; dann ist es besser, gezielt einen Endpunkt der Serie zu setzen.


    Bei vielen Serien nervt mich auch deren Konfusität im Verlauf: ich habe den Eindruck, daß die Serien quasi beim Drehen weiterentwickelt und daher z.T. nicht ganz schlüssig fortgesetzt werden: gewisse hochinteressante Stränge laufen in eine Sackgasse, andere Nebenstränge werden plötzlich hervorgehoben. Das liegt vermutlich daran, daß z.T. auch unterschiedliche Autoren für einzelne Staffeln oder Episoden verantwortlich sind. Wie heißt es? „Viele Köche..." - Da lobe ich mir „Under the Dome"; hier orientiert sich die Serie relativ nah an dem Text von Steven King (ein paar Kleinigkeiten wurden für die Serie geändert), aber insgesamt ist hier eine Stringenz und Konsequenz zu erkennen und mitzuerleben, wie es bei Serien selten der Fall ist.

    Ich möchte nur mal bezüglich meines obigen Posts anmerken, dass ich Mainstream an sich überhaupt gar nicht negativ konnotiere und auch nicht einsehe, warum man das machen sollte. Es gibt genügend Beispiele für Genre- und Nischenmachwerke, die unter denselben Qualitätsmängeln leiden wie Mainstreamprodukte. Und nur weil viele Leute etwas toll finden, muss das ja noch nicht heißen, dass es Schrott ist. Innerhalb der klassischen Musik haben wir dafür ja die besten Beispiele. Bloß weil Bach und Mozart zum Klassik-Mainstream zählen und in den Konzertsälen rauf und runter gespielt werden, sind sie noch lange nicht schlecht ...


    nach anfänglichen Schwierigkeiten konnte ich mich auch für die aktuelle Mainstreamserie "Game of Thrones" begeistern.
    Allerdings erst nachdem ich die 1. Staffel nach einiger Zeit ein zweites Mal angesehen hatte.
    (Ebenfalls nur auf DVD)

    Dass man Game of Thrones als Mainstreamserie bezeichnen muss/kann, finde ich immer noch ein bisschen kurios. Als das erste Buch der Serie Mitte der Neunziger rauskam, hat das Teil Kritiker und Kollegen geflasht, weil es eben nicht dem Fantasy-Mainstream gefolgt ist (damals haben Leute wie Donaldson, Jordan, Goodkind, Feist und Salvatore den Ton angegeben). Bei den Lesern jedoch hat es sich nur ganz allmählich durchgesetzt. Ab Anfang 2000er tauchten dann die ersten Autoren auf, die sich von Martin inspirieren ließen, und irgendwann wurde daraus schließlich der neue Trend in der Fantasy.


    Als dann so nach und nach klar wurde, dass HBO tatsächlich eine Serie daraus machen würde, war von Mainstream erst mal noch keine Spur. Viele Leute (Kunden), denen ich damals davon erzählt hatte, kannten HBO gar nicht. Sex & the City war hierzulande noch die bekannteste Serie des Senders. Die allermeisten HBO-Serien waren im TV eher das, was man bei Filmen Programmkino nennt. Das sah man ja auch an den Einschaltquoten. Man vergleiche mal Sopranos (die damals erfolgreichste HBO-Serie) mit richtigen Mainstream-Serien wie Dr. House, Friends etc. Mit dem, was die stärksten HBO-Serien an Quoten erreichten, wurden bei anderen Sendern Serien schon nach zwei, drei Folgen abgebrochen.


    Von daher finde ich es echt verblüffend, wie sehr sich das dann doch durchgesetzt hat und tatsächlich Mainstream geworden ist. Manchmal setzt sich Qualität halt doch durch ... :D

    Bei den Sitcoms sind meine Lieblinge:


    Big Bang Theory
    Community


    Wobei mir Sitcoms auch nicht so sehr liegen. Von den älteren hat Home Improvement/Hör mal wer da hämmert einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen.


    Bei den Komödien würde ich als meine Lieblinge bezeichnen:


    Girls
    Arab Labor
    Hung
    Party Down
    Entourage
    "Mesudarim" (israelische Serie über vier Jungs, die ihr IT-Start-Up verkaufen und plötzlich Millionäre sind)


    Wobei Girls für mich wirklich voll ins Schwarze trifft.


    Oh, und Portlandia bekommt noch eine Nennug ehrenhalber!


    Dann habe ich eine immense Schwäche für Highschool/Teendramen, und in dem Bereich gibt es dreieinhalb ganz großartige Würfe:


    Skins
    My so called life
    Freaks and Geeks
    Life as we know it


    Es gäbe in der Liga Downtown Abbey, Tudors, Weeds etc. sicher noch viele Serien zu nennen, die ich mit Begeisterung sehe, ich muss vielleicht auch meine Schwäche für Gossip Girl hier outen, aber wirklich, wirklich großartig unter den Dramaserien finde ich:


    Big Love
    Mad Men
    Breaking Bad
    Carnivale
    Deadwood
    Friday Night Lights


    Dann gibt es ja auch noch die vielen -- vor allem britischen -- Miniserien, oft Literaturverfilmungen. Und ganz, ganz viele andere Serien, die ich jetzt vergessen habe. Bloß Vieles, was mit Polizei/Ermittlung zu tun hat, und Krankenhaus sind so Themen, die mich nicht sonderlich ansprechen.


    Ich warte gerade auf:


    Game of Thrones 5
    Mad Men Final
    The Expanse (läuft erst noch an)
    The Magicians (läuft erst im Januar an)


    Mal sehen.

    Alles, was Du da so schreibst, oder was ihr so schreibt, habe ich in meinen Musikgeschichte-Vorlesungen im Studium auch genauso gelernt. Und ich finde Beethoven auch unheimlich strukturiert, verständlich. Man teilt das Beethovensche Werk ja in drei Phasen ein, die erste, noch an Mozart anknüpfende eher klassische Phase, dann die quasi explorative, evolutionäre Phase, wo die klassische Musikgrammatik und die Sonatenhauptsatzform quasi bis in ihre letzten Winkel ausgereizt wird, und das Spätwerk dann als das "transzendierende" oder "auflösende", wo die Auslotung der motivisch-thematischen Kompositionsweise gesteigert und gewissermaßen aufgebohrt wird. Und ich finde, dass das sogar für mich recht gut hörbar ist. Und die zweite, vor allem die dritte Phase kann man durchaus als "Schnitt" bezeichnen (wobei es zeitgleich -- z.B. Schubert, Rossini -- ja auch noch ganz andere Schnitte gab, die aber halt nicht so konsequent wirken wie die unerbittliche Weiterentwicklung bei Beethoven.


    Und dass Beethoven tatsächlich eine musikgeschichtliche Scheide darstellt, liegt eben auch daran, dass sich die meisten Komponisten von Rang und Namen nach ihm in irgendeiner Weise auf ihn bezogen haben. Die Schuhmann-Brahms-Traditionslinie, die in Beethoven die Formel für Symphonik gesehen hat. Die Avantgardisten wie Lizt und vor allem Wagner, zu denen Bruckner sich anscheinend ja auch eher gezählt hat, die der Meinung waren, dass Beethoven die Sonatenhauptsatzform bereits transzendiert habe, und aus seinem Werk dann die Konzepte von Programmsymphonie und der "Ewigen Melodie" entwickelt haben (Wagner war ja wohl tatsächlich der Meinung, er würde konsequent an Beethovens Neunte anknüpfen ...). Und die "Italiener" haben sich in sofern auf Beethoven bezogen, dass sie gesagt haben: Sonatenhauptsatzform und das alles schön und gut, aber das kümmert uns nicht besonders, weil es bei uns vor allem fetzen soll! Das bezieht sich natürlich vor allem auf die Oper.


    Für die meisten Komponisten des 19. Jahrhunderts spielte es weniger eine Rolle, wie sie sich zu Bach, Haydn oder Mozart positionierten, aber wie man zu Beethoven stand, das war eine Glaubensfrage.


    So jedenfalls stellte sich das mir bislang immer dar. Und insofern kann ich das Gesagte gut nachvollziehen.

    Bei Komplettboxen von Serien finde ich die Spindeln super und verfahre genau so wie Liebestraum, und wenn man die Scheiben der Reihe nach durchguckt, dann, @JD, erledigt sich das mit der Reihenfolge am Ende von selbst.


    Bei einer Box mit 10, 15, 20 oder gar mehr DVDs fände ich Slim-Einzelcases geradezu hirnrissig. So viel Plastik! Nene. Mit beweglichen Trays, wo auf jeder Seite nur eine DVD ist, kann ich aber auch gut leben.


    So, jetzt habe ich auch meine DVD-Verpackungsseelenprüfung abgelegt!

    Da hier Die galanten Indianer genannt worden sind - vielleicht daraus Die Wilden - Minkowski und seine Combo interpretieren das absolut faszinierend.

    Ich stehe gerade auf dem Schlauch. Gibt es eine Einspielung von Minkowski? Oder meinst Du die Teile, die in der "symphony imaginaire" (oder wie das Teil heißt) auftauchen?

    Also scheint die Sozialisation eben doch nur partiell entscheidend zu sein! Es muss schon auch mit dem innersten Wesen zu tun haben ...

    Ich bin mir nicht sicher, was ein innerstes Wesen sein soll und wie das mit dem Musikgeschmack zusammenhängen soll/kann/darf. Freilich gibt es unerklärliche Neigungen. Jedenfalls ist Sozialisation nur insofern entscheidend, als sie nicht mit irgendeiner Form von Aufklärung oder Entwicklung in Berührung kommt. Das kann man dann natürlich auch wieder (Re-)Sozialisierung nennen. Aber wenn meine Sozialisation entscheidend für meinen Musikgeschmack gewesen wäre, dann würde ich heute mit Vokuhila dasitzen und Scorpions hören oder so was. Denn das war das Milieu aufm Dorf. Dass ich mit Klassik in Berührung kam und mit 14 schon in die Kantorei eingetreten bin, das lag an Zufällen, die mir Neues eröffnet haben. Und dann kam halt erst mal das Bach-Evangelium. Und als Teenager habe ich mich auch total für Wagner begeistert.


    Nun ist aber das Leben nicht spurlos an mir vorübergegangen. Man könnte es auch Bildung nennen, aber das ist womöglich vermessen. Man erfährt Dinge, liest, studiert, macht Erfahrungen, und wenn man dann versucht, ehrlich mit sich zu sein, dann kommt es halt vielleicht zu Umwertungen. Und als älterer Mensch, der einen anderen Überblick hat und die Dinge vielleicht anders bewertet, finde ich viele Aspekte zum Beispiel der Wagnerschen Kunst einfach nur widerwärtig. Diese Aspekte haben den Jugendlichen, der auch an Schwulenwitzen nichts Verwerfliches fand, natürlich noch nicht gestört. Bach hat im Lauf der Zeit bei mir eben auch der zunehmenden Kritik nicht mehr ganz so widerstanden und musste vom dem Übergottpodest abtreten.


    Insofern weiß ich nicht, ob Geschmacksveränderungen und -verlagerungen etwas mit einem inneren Wesen zu tun haben oder nicht vielleicht vor allem mit persönlicher Entwicklung, Horizonterweiterungen, -verschmälerungen. Jedenfalls bei mir habe ich den Eindruck -- vielleicht ist das auch nur Einbildung --, dass Geschmack keine reine Gefühlssache ist, sondern auch mit Denkprozessen zu tun hat. Sonst würde ich mich bei der schon immer sehr intellektuellen klassischen Musik übrigens auch nicht wohlfühlen, wenn das bei mir nur ein Aalen im Sinnesrausch und in künstlerischen Visionen wäre. Bei der sehr stark gefühlsbetonten und drogenbeeinflussten Rockmusik der 60er und 70er oder bei Phänomenen wie Punk lasse ich mir das schon eher gefallen, kann das Hirn aber auch da oft nicht ausschalten.


    Die dieser Suiten im Stil ganz ähnlichen, und in Qualität in keiner Weise minderen Gambensuiten französischer Meister werden vom Musikerpraxis ausgeblendet, und wurden gar erst in den letzten Jahrzehnetn entdeckt. Wie könnten die den Kampf mit zweihundert jahren Rezeptionsgeschichte aufnehmen?


    LG
    Tamás
    *castor*

    Schön, dass Du das ausgerechnet heute schreibst, denn nachdem ich gestern im Konzert des FBO die Follies d'Espagne von Marais in der Interpretation von Hille Perl gehört habe, musste ich denken: Was dem Tscha seine Rosenkranzsonaten sind, sind für mich die Gambenbücher von Marais und Sainte-Colombe!


    @Rezeption und Prägung allgemein:
    Ich bin zwar nicht aus Mitteldeutschland, aber mir wurde in der Jugend auch überall Bach um die Ohren gehauen, und ich habe mich dafür begeistert. Das ließ dann nach, und siehe, heute ist mir manch ein Franzose oder Italiener teurer als Bach, obwohl ich weder in Mittelfrankreich noch in Mittelitalien großgeworden bin und zumindest die Franzosen (bis auf den Eurovisions-Zimmermann) überhaupt gar nicht präsent waren in meiner ursprünglichen musikalischen Sozialisation. Die Herzensangelegenheiten der Musiknarren sind eben ein sonderbar Ding.

    Und wieviele der heutigen Komponisten sind "der Kirche" und/oder dem Glauben an sich überhaupt noch so verbunden wie die Komponisten bis Ende des 19. Jahrhunderts, so daß sie aus Überzeugung arbeiten?

    Olivier Messiaen und Penderecki haben, so scheint es mir als jemand, dem diese Namen fast immer nur auf CD/Covern und Konyertplakaten begegnen, doch relativ viele geistliche Werke komponiert, und ich es würde mich wundern, wenn das alles Auftragswerke gewesen wären. Da drängt sich mir immer der Verdacht auch, dass die das aus innerem Antrieb gemacht haben, aber wer weiß ...


    Ich kann da ja sowieso immer nur den Kopf schütteln ...

    Jetzt im Ohr (2015)


    Ich habe jar nüschte von Rosenmüller,

    Schäm dich! :D


    Eine, wie bei Amandine Beyer und ihren Gli Incogniti nicht anders zu erwarten, sehr schöne beherzte Aufnahme mit Sonaten und Geistlichem (auch wenn der männliche Solist zu wünschen übrig lässt, kann das den Gesamteindruck bei mir nicht trüben):


    Mir desweiteren sehr gefällig:


    Fester Bestandteil meines Weihnachtsrepertoires im Player:


    Und mir besonders lieb, weil ich Rosenmüller mit der CD entdeckt und lieben gelernt habe:

    Letzteres "Werk" -- (wenn ich das recht in Erinnerung habe, wurde die Vesper für die Aufnahme kompiliert) -- erreicht freilich nicht den Sensationsgrad der Monteverdischen Marienvesper, ist aber trotzdem großartig. Kommt in dieser Aufnahme im typischen Cantus-Cölln-Sound daher, was ja auch nicht das Schlechteste ist.


    Allerdings mag Dir Rosenmüller wenig sagen, wenn Cavalli auch nicht so Deins ist. Vielleicht wäre Dir darum so auch besser geraten: "Schütze, bleib bei Deinem Heinrich!"