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    In welchem Verhältnis stehen eigentlich die Begriffe Geistliche Konzerte - Kantaten? Wurde das seinerzeit deckungsgleich verwendet?

    "Kantate" wurde damals nur für weltliche Solo-Kantaten verwendet, heute kommt man von Bach und versucht, im 17. Jahrhundert eine Kantaten-Gattung zu konstruieren, die auf Bach zuläuft. Wahrscheinlich ist bei Weckmann "geistliches Konzert" besser.


    Ich höre gerne meine cpo-Aufnahme mit folgendem Programm:


    1. Zion spricht, der Herr hat mich verlassen

    2. Wenn der Herr die Gefangnen zu Zion erlösen wird

    3. Gegrüsset seyst du, Holdselige

    4. Herr, wenn ich nur dich habe

    5. Wie liegt die Stadt so wüste

    6. Der Tod is verschlungen

    7. Freue dich des Weibes deiner Jugend

    8. Weine nicht, es hat überwunden


    Himlische Cantorey



    Was gut ist, kann man ja durchaus des öfteren mal genießen (essen, trinken, hören), aber Musik, die nicht schmeckt, würde ich sofort abschalten.

    Durch meine Methode der ständigen Selbstschulung - also Hinterfragen der nicht befriedigten Erwartungshaltung, Nachvollziehen, warum etwas beliebt/berühmt ist, daraus folgend die Entwicklung der Genussfähigkeit - gibt es das fast nicht, dass ich Musik höre, die nicht schmeckt - schließlich habe ich den Player unter Kontrolle.

    :saint:

    Da ich weniger nach spontanem Gefallen als nach Geltung sammle, ist die Gefahr gering, dass bedingt durch temporäre Geschmacksverwirrung Sondermüll in der Sammlung lagert. Die nun wirklich "Unberühmten" wie bspw. Emil Bohnke werden auch ab und an wieder mal gehört (wie alles andere auch) und sie gefallen mir immer noch, nur ganz weniges finde ich eher doof, und das ist wohl fast ausschließlich jünger als 50 Jahre, z.T. von den Komponisten geschenkt, was soll man da machen ...


    Aber selbst Musik, die ich nicht schätze, stört mich erst ab einer gewissen Spieldauer oder Wiederholungsfrequenz. Grundsätzlich finde ich wohl inzwischen jede Musik erstmal irgendwie interessant und lasse mich (zumindet kurz) darauf ein. Das ist also eine Art wissenschaftlichen Zugangs, auch wenn ich dann nicht wissenschaftlich arbeite. Da ich keiner Zwangsbeschallung unterliege (und die paar Minuten im Supermarkt stören mich auch nicht mehr) kann ich meine Offenheit gut bewahren, ich höre in Summe wahrscheinlich vergleichsweise wenig Musik.

    Ich habe letzthin meine Hörgewohnheiten dahingehend geändert, dass ich nun bei Vokalmusik meistens den Text mitlese. Dadurch wird das bildliche Sich-etwas-Vorstellen, das mir über längere Zeit eher albern vorgekommen war, reaktiviert. Das war aber natürlich nicht der Zweck der Sache, und ist nach wie vor eher nebensächlich.


    Interessant ist ja doch die Frage, was man beim Musikhören bezweckt, und die Aufforderung, dahingehend die Hörerfahrungen zu analysieren. Genuss und Erkenntnis resp. Nachvollzug von Urteilen sind die beiden Aspekte, ohne die ich wohl keine Lust hätte, Kunst zu konsumieren. In beiden Fällen gehe ich aber nicht zum Extrem. Vertiefen in Fachliteratur und in eigene Analyse können dazu führen, dass ich etwas längere Zeit gar nicht mehr hören mag. Und Genusssteigerung durch oftmalige Wiederholung der Zufuhr habe ich auch abgestellt, am meisten interessiert mich, etwas genießen zu lernen, das mir bislang nicht so nahe war, oder, das schon stark verblasst ist. Das ist nun ohnehin der Dauerzustand, da meine Sammlung auf Werkvielfalt abzielt, und mein Gedächtnis stark überfordert (also ich weiß, was ich habe, aber nicht genau, wie es klingt).


    Ich fürchte aber, dass ich wieder an den Fragen vorbeigeschrieben habe.

    "Welche Rolle spielt eure Ersterfahrung mit einem speziellen Werk oder auch mit der Musik überhaupt für eure Rezeption? Gibt es bestimmte Vorlieben oder auch Abneigungen, die sich auf diese Ersterfahrungen zurückführen lassen?"


    Keine Ahnung, kann mich nicht erinnern. Dürfte also keine besondere Rolle gespielt haben.

    Die Oper ist leider nicht ungekürzt zur Aufführung gebracht worden: von den 70 Arien und Duetten kamen nur 55 auf die Bühne, doch fällt das vielleicht gar nicht so sehr ins Gewicht. Die Arien sind von erstaunlicher Kürze, zum Teil nur eine Minute lang und unterliegen auch nicht der üblichen Dacapo-Form, wie sie Händel verwendete. Hier wechseln sich die Rezitative und Arien recht flott ab, wodurch die Oper nie wirklich in Längen verfällt. Dabei wird die Handlung immer weiter vorangetrieben, und Sartorio nutzt jedes musikalisches Mittel. Die Arien sind stets mit feinen melodischen Ideen umgesetzt, die Rezitative bleiben kurz und knackig - Melismen werden höchstens moderat in den Arien eingesetzt.

    Ich höre gerade seinen etwa gleichaltrigen Orfeo, was mich an Deiner Charakterisierung etwas Zweifel aufkommen lässt. Ein Vergleich mit Händel zeigt ja nun eher, dass die beiden ca. 50 Jahre voneinander entfernt verschiedene Stadien der Operngeschichte repräsentieren, die Entwicklung von den Anfängen mit einer auf Dramaturgie abzielenden dienenden Musik bei Monteverdi zu einem antidramatischen Wechsel von Rezitativ und langer Arie, die hauptsächlich musikalischen Gesetzmäßigkeiten folgt, ist hier auf halbem Weg zu besichtigen, somit sind die kurzen Arien alles andere als erstaunlich, die Arie emanzipiert sich allmählich. Dass Du keine Dacapo-Formen hörst, wundert nun mich, da im Orfeo sehr viele ABA-Arien sind. Dabei ist das A allerdings nur eine bis zwei Textzeilen lang. Typisch für die späte venezianische Oper ist die verwirrende Fülle von Personen und Nebenhandlungen, die zum Spektakel beitragen, dazu passend die vielen kurzen musikalischen Einheiten, die bei Sartorio ein sehr abwechslungsreiches Ergebnis erzeugen mit einfachen aber auch virtuosen Gesangspartien. Die Melismen dann als "moderat" zu empfinden, scheint mir ebenfalls einen anachronistischen Blick des Rezensenten zu belegen. Wobei ich ja nun leider nur den Orfeo kenne, aber die virtuosen Melismen, die Absonderung der Arien, die ABA-Form und die Fülle der Gestaltungen sind die modernen Aspekte, das sind quasi die frischen Sensationen und nicht das Bekannte, das hier nur "moderat" vorkäme.

    Ich bin bei meinem letzten Umzug zum Schluss gekommen, dass CDs eigentlich gar keinen Platz wegnehmen. Sie stehen nämlich an den Gang-Wänden, wo sonst ohnehin nichts Platz hätte.

    *bunny*

    Meine Frau und ich schätzen die Menge auch vierstellig mit ca. einer 2 vorne. "Normale" Gäste machen meistens ziemlich große Augen, Musiker weniger.

    Gerade 1 und 6 sind die, die ich auch habe von den Sinfonien. Die 1. gehört in die "wilde Phase", die 6. ist wenig persönlich.

    Das Highlight ist Ballet mécanique, außerdem andere Stücke der frühen 20er Jahre, insbesondere für Klavier. Die späteren Werke sind damit nicht mehr vergleichbar.

    Naja, Praktiker, was soll das heißen ... ich kann Aufnahmen überhaupt nicht bewerten, dafür müsste man sowohl den Notentext als auch die Forschungslage zum Werk und zur Aufführungspraxis kennen, und dann wäre immer noch offen, was man nun ästhetisch vom Interpreten wünscht. Da ich viel Ausgefallenes sammele, gibt es oft nur eine Aufnahme, oft orientiere ich mich am Preis und an Sonderangeboten. Was soll es für mich ausmachen, wenn bei irgendjemandem irgendeine Aufnahme "einschlägt"? Das hat nichts mit meinem Qualifikationsgrad zu tun.

    Insgesamt erinnern mich diese frühen Sinfonien, die entstanden, bevor Schmitt das Kloster Eberbach verließ und nach Holland auswanderte, insbesondere an die Hamburger Sinfonien Carl Philipp Emanuel Bachs: die plötzlichen harmonischen Schrägstände, das agile, vorantreibende und nervöse Innenleben. Der Bookletautor verweist hier eher an Abel, der ja aber auch CPE Bach sehr nahe stand (Bach-Abel-Konzerte).

    Die Bach-Abel-Konzerte waren aber mit Johann Christian Bach, der jetzt weniger die "plötzlichen harmonischen Schrägstände, das agile, vorantreibende und nervöse Innenleben" kultivierte ...