Beiträge von 1481

    Natürlich gibt es Musik, die so intensiv des Menschen Kern und Seele trifft, das sie immer bekannt würde, ich denke an Bruckner;


    Gerade Bruckner war zu Lebzeiten nicht als gleichrangig mit Brahms anerkannt sondern eher bei Goldmark in der "zweiten Reihe". In Frankreich konnte man lange Zeit mit seiner wenig eleganten Musik wenig anfangen.

    Mal abgesehen davon, dass das so nicht stimmt; die Gleichrangigkeit wurde im Gegenteil energisch behauptet vom Fanlager, hat Bruckner aber schon einen Nerv der Späteren getroffen, wie Mahler auch, später Sibelius oder Schostakowitsch. Die meisten Genie kommen vorzeitig.

    Dass die Gleichrangigkeit vom Fanlager energisch behauptet wurde, liest sich als Bestätigung von "war zu Lebzeiten nicht als gleichrangig mit Brahms anerkannt". Denn wenn er es gewesen wäre, hätte die Fangemeinde nicht energisch Gleichrangigkeit behaupten müssen.

    Die meisten Genies erleben ihr Startum allerdings zu Lebzeiten, die "verkannten" sind die Ausnahme.

    Ich sehe schon, wir haben recht unterschiedliche Sicht auf die Materie.

    ;)

    Dass das "Urteil der Musikgeschichte" relativ stabil bleibt, ist dabei ein Glück, zumindest ein wenig Konsens ist da (bezüglich der Größe der herausragenden Meister). Das spöttische Herabblicken auf "Kleinmeister" hat sich zum Glück im Laufe des letzten halben Jahrhunderts weitgehend aufgehört - zumindest in der Literatur über Musik. Insofern vermag ich keinerlei "Ungerechtigkeit" wahrzunehmen.

    Das, glaube ich, ist eben das Problem, dass die Urteile stabil bleiben, die oft so zufällig zustandekommen. Den Konsens würde ich schon Frage stellen, gerade hier werden dir einige in Bezug auf die Zeit vor, während und nach JS Bach entschieden widersprechen. Schon der Begriff Kleinmeister ist doch eine Wertung, die allzuoft der Wahrheit entbehrt.


    Freilich hat fast jeder seine Favoriten, die er für "zu Unrecht vernachlässigt" hält - das wird aber statistisch eingeebnet. Ferner ist zu bedenken, dass die Einschätzung der Musiker eine andere ist als die der Musikwissenschaftler. Außerdem, dass es tatsächlich Musikwissenschaftler gibt, die meinen, dass die Stars quasi "zufällig" auf den Sockeln sitzen und andere genausogut gewesen wären. Welchen Anteil sie an der Gesamtzahl einnehmen, kann ich nicht abschätzen.


    "Kleinmeister" ist stets relativ und somit kann immer widersprochen werden, je nachdem aus welcher Warte man den Meister betrachtet - von oben oder von unten sozusagen. Milhaud wäre verglichen mit Strawinsky ein Kleinmeister, verglichen mit Tansman ein Großmeister. Trotzdem sind alle drei tolle Komponisten.

    Die Genannten sind zum Teil unter den Berühmtesten ihrer Zeit (Milhaud), zum Teil prominente Vertreter ihrer Generation (Toch, Mjaskowski), aber niemand ist dabei eine "Entdeckung der Musikwissenschaftler" - dafür waren sie nicht unbekannt genug, selbst Gouvy und Fricker sind vergleichsweise geläufig.


    Na ja, lieber Freund; ich weiß nicht, von wem du da sprichst; aber die Klassikhörer machen von den 100 Prozent Musikhörern vielleicht 1 Prozent aus und von denen schreibt und liest vielleicht ein Prozent in Foren wie diesem. Geläufig waren mir diese Komponisten jedenfalls nicht.


    Tut mir Leid, wenn ich Wert auf sprachliche Genauigkeit lege, aber "Entdeckung der Musikwissenschaftler" setzt voraus, dass etwas "verdeckt" war. Wenn sich die Fachwelt stets damit beschäftigt hat, so war es für die Musikwissenschaftler nicht verdeckt und kann daher nicht von ihr entdeckt werden. Höchstens die Musikliebhaber können etwas entdecken - für sich. Dafür brauchen sie aber Aufführungen oder Aufnahmen, keine musikwissenschaftlichen Texte. Was Du suggerierst hast: Die Musikwissenschaftler beschäftigen sich plötzlich mit etwas und daher bekommen mehr Musikliebhaber diese Musik nahegebracht, das ist für sämtliche von Dir genannten Fallbeispiele nicht der Fall. Wobei Milhaud jedem Leser von Konzertführern oder Musikgeschichtsbüchern für den Laien ein Begriff war und Fricker nach wie vor nur für Leute, die sich besonders für wenig Bekanntes interessieren. Dass Otto Normalverbraucher weder Milhaud noch Hindemith, Berg oder Reger was sagt, ist hier doch irrelevant.

    Werke für Klavier, Gitarre und beides zusammen:

    Sonatinen opp. 68 & 163, 6

    Rondo militaire op. 150

    Scherzo & Allegro op. 151, 1

    Romanze

    Stücke für Gitarre & Hammerflügel op. 10

    Grande Sonate brilliante op. 102

    Sonate für Gitarre op. 29, 1

    Trauermarsch auf den Todt des Herrn Michael Haydn für Gitarre op. 20

    Walzer-Variationen


    Salzburger Hofmusik

    Wolfgang Brunner

    Die ältere Einspielung gibt es auch kombiniert mit fast allem von Varèse + etwas Carter und Berio:

    Ich kann auch keine Mängel am Klang bemerken, habe aber trotzdem die spätere Einspielung auch angeschafft - die vor allem "vollständiger" ist, da diverse nicht mit Opuszahl geadelte Werke und Fragmente aufgenommen wurden.

    Bei Boxen zögere ich gerne, sie zu öffnen, da die Menge des Inhalts mich einschüchtert ...

    Jetzt habe ich den kompletten Originalinstrumente-Chopin aufgemacht und das Hören macht mir viel Freude.

    Gekauft habe ich den Würfel im Mai 2012 (um € 99,99), macht mehr als 6 1/2 Jahre originalverpackte Wartezeit im Regal.

    Ich könnte jetzt noch eine Inflationskalkulation anstellen ...

    Man kann sich auch jeder Diskussion verweigern, indem man terminologische Spiegelfechtereien austrägt. Der Thread-Titel ist eine Hilfskonstruktion; was gemeint ist, kann man dem Eingangsposting entnehmen. Es geht um die Frage, WARUM DIE EINEN WERKE VERGESSEN SIND UND ANDERE NICHT!!!

    Die Kanonforschung ist ja eine der zentralen Spielwiesen der aktuellen Kultur-/Musikwissenschaft - also genau die Frage, wie und warum die kanonischen Werke und ihre Schöpfer kanonisiert wurden. Bei den "Wiener Klassikern" ging es, soweit ich mich erinnere, um die aktive Installation übergewaltiger deutscher Kulturschaffender nach dem Beispiel der bereits entsprechend eingerichteten "Weimarer Klassiker" als nationale Referenzpunkte und als Quell von Einnahmen durch Notenverkauf im frühen 19. Jahrhundert, also durchaus auch aus ökonomischem und nationalistischem Kalkül der Verleger, die durch verzerrende biographische Darstellungen einen absatztreibenden Geniekult auf den Weg brachten.


    Ich finde das nicht besonders spannend, und die Frage, ob das genauso mit anderen Komponisten funktioniert hätte, ebensowenig reizend. Klar ist, dass Mozart und Beethoven nicht nur allein durch ihre tollen Werke sprachen und die Konkurrenz posthum verdrängten, sondern, dass da vehement nachgeholfen wurde. Das Resultat ist eine geradezu absurd fokussierte Wirkgeschichte, die den herausragenden Rang unabänderlich einbetonierte. Ein Herausfallen Mozarts oder Beethovens aus dem Kanon der klassischen Musik ist also nicht mehr möglich, zumindest solange man nicht die ganze Epoche radikal umkrempelt.

    Ich merke es zur Zeit wieder verstärkt, da ich mich unbekannteren skandinavischen Komponisten widme oder solchen wie Toch, Gouvy, Fricker, Milhaud, Mjaskowski etc. - natürlich wird auch für diese bei T oder C hin und wieder ein Thread eröffnet und Grundlagenarbeit geleistet, aber meist kommen diese Fäden nicht über eine Seite hinaus, verkümmern und versiegen irgendwann. Da können die Musikwissenschaftler entdecken, wie sie wollen und die gutwiligen Label veröffentlichen sonder Zahl; das Urteil der Musikgeschichte hebt so leicht niemand auf. Die Ungerechtigkeit ist gewaltig!

    Die Genannten sind zum Teil unter den Berühmtesten ihrer Zeit (Milhaud), zum Teil prominente Vertreter ihrer Generation (Toch, Mjaskowski), aber niemand ist dabei eine "Entdeckung der Musikwissenschaftler" - dafür waren sie nicht unbekannt genug, selbst Gouvy und Fricker sind vergleichsweise geläufig.

    Erstens ist es toll, wieviel musikwissenschaftlich gearbeitet wird und auch wieviel inzwischen per Aufnahme jedermann verfügbar ist - das ist verglichen mit vor 30 Jahren ein unglaubliches Schlaraffenland.

    Dass der Hörer sich dann in der Masse verliert, und je zwei Hörer recht unterschiedliche Repertoires haben, ergibt sich von selbst. Nicht jeder ist so verrückt, tausende von Komponisten zu sammeln (wie ich das tue, müsste mal nachzählen).

    Dass das "Urteil der Musikgeschichte" relativ stabil bleibt, ist dabei ein Glück, zumindest ein wenig Konsens ist da (bezüglich der Größe der herausragenden Meister). Das spöttische Herabblicken auf "Kleinmeister" hat sich zum Glück im Laufe des letzten halben Jahrhunderts weitgehend aufgehört - zumindest in der Literatur über Musik. Insofern vermag ich keinerlei "Ungerechtigkeit" wahrzunehmen.

    ;)