Beiträge von Josquin Dufay

    Heute Mittag:



    Anton Bruckner

    Symphonie Nr. 8

    Wiener Philharmoniker

    D: Carlo Maria Giulini



    Nun gerade:



    Anton Bruckner

    Symphonie Nr. 5

    Gewandhausorchester Leipzig

    D: Franz Konwitschny


    Mir ist heute nach Wucht und Größe...*wind*

    In Paumanns Fußstapfen folgten einige weitere Persönlichkeiten, aber Arnolt Schlick (c1460-c1521) ist sicherlich der bekannteste von ihnen. Er ist speziell für seine Tätigkeit als Organist und Orgel-Sachverständiger nicht zu unterschätzen, zumal er im Jahre 1511 den Spiegel der Orgelmacher und Organisten veröffentlichte - die erste umfangreiche Abhandlung über alle Aspekte des Orgelbaus und deren Stimmung. Bis heute ist dies die zentralste Quelle über den damaligen Orgelbau.


    Im Jahr darauf brachte er einen weiteren Druck heraus: Tabulaturen etlicher lobgesang vnd lidlein vff die orgeln vn lauten, in denen die ältesten gedruckten Orgelkompositionen überhaupt zu finden sind. Neben vierzehn Stücken für die Laute befinden sich folgende Stücke für die Orgel darinnen:

    • Benedictus
    • Christe
    • Da pacem (Vers I, II & III)
    • Hoe losteleck
    • Maria zart
    • Pete quid vis
    • Primi toni
    • Salve Regina

    Außerdem ist noch ein Stück dabei, welches nur als Manuskript überliefert wurde:

    • Ascendo ad patrem

    Das sind sämtliche Stücke, die von Schlick erhalten sind.


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    Es gibt eine CD, die diese Stücke komplett vereinigt:



    (P) 2012 Loft Recordings LRCD-1124 [55:42]

    rec. 04.-05. Januar 2012 (Arizona State University, Tempe/Arizona)


    Kimberly Marshall

    [Orgel: Paul Fritts & Company op. 12 (Tacoma 1991)]

    Disposition: 2 Manuale, 29 Register


    Schlick war etwa dreizehn Jahre alt, als Paumann starb; ob der alte Meister ihn persönlich unterrichtete, ist sicherlich eher Wunschdenken, doch dessen Schriften kannte Schlick ganz bestimmt. Er führte dessen Vorgaben weiter und fügte weitere Elemente hinzu: neben der Cantus-Firmus-Technik die Imitation und die Kadenzierung, die er aus der Vokalpolyphonie übernahm. In seinen Werken kommen auch besondere Details zum Vorschein, die so nur bei ihm zu finden sind: er war deutlicher Befürworter des Pedals, was in Italien noch gar nicht verwendet wurde, aber in Deutschland schon; er hatte außerdem Register mit 12' Länge propagiert, die damals noch eher selten waren; und im Da pacem II ließ er den Ton As auftreten, welcher in der mitteltönigen Stimmung deutlich über Gis liegen mußte. Es ist übrigens auch dieses letzten Punkts geschuldet, daß Kimberly Marshall eben keine historische Orgel verwendete, sondern einen Neubau.


    Das umfangreichste Stück ist das neunteilige Salve Regina, welches nur die ungeraden Verse vertont; die geraden Verse werden gesungen. Schlick legt den Cantus firmus pro Vers in eine andere Lage und umspielt ihn mit bis zu drei weiteren Stimmen. Hoe losteleck, Maria zart und Pete quid vis sind drei Intabulierungen weltlicher Lieder, während das Benedictus, das Christe und das dreiteilige Da pacem eindeutig auf das Ordinarium hinweisen. Es zeigt sich hier, daß die Praxis, Ordinariumsteile gegen eine instrumentale Umsetzung zu ersetzen, bereits voll entwickelt war.


    Besonders muß das Ascendo ad patrem erwähnt werden; es taucht in einem Brief auf, den Schlick an Bernhard von Cles (1485-1539), dem damaligen Bischof von Trient, gesandt hatte. Schlick setzt es tatsächlich 10stimmig um - 4 Stimmen im Pedal, 6 Stimmen im Manual! Zum ersten Mal hört man eine Textur, die weit über jede bisherige Größe in der Instrumentalmusik hinausging. Dementsprechend fett klingt das dann auch.


    Die CD enthält aber noch weitere Stücke von anderen Komponisten:


    Hans Kotter:

    • Salve Regina

    Paul Hofhaimer:

    • Was ich durch Glück
    • Zucht, Ehr und Lob

    Heinrich Isaac:

    • Benedictus

    Conrad Paumann:

    • Incipit Fundamentum
    • Sequuntur Redeuntes
    • Redeuntes in idem

    Leonhard Kleber:

    • Maria zart

    Hans Buchner:

    • Agnus Dei primum, ad festum trium regum
    • Agnus Dei secundum


    Paumann ist der älteste von ihnen, mit drei Stücken aus seinem Fundamentum organisandi (1452): einerseits zeigen die Stücke die Cantus-Firmus-Behandlung deutlich, andererseits bemerkt man auch in Redeuntes in idem den improvisatorischen Ansatz, weil die Verzierungen der Oberstimme über einen gehaltenen Baßton erklingen; erst in den letzten Takten wird das aufgegeben für ein kadenzähnliches Finale.


    Heinrich Isaac ist ja eher als Vokalkomponist bekannt, doch er scheint auch für die Orgel geschrieben zu haben; sein Benedictus ist dreistimmig und wird nur auf dem Manual ausgeführt. Von Paul Hofhaimer - dem österreichischen Gegenstück von Schlick - sind nur wenige Stücke für Tasteninstrumente erhalten geblieben; hier hört man zwei Intabulierungen zweier deutscher Lieder. Hans Kotter und Hans Buchner stellen schon die Generation nach Schlick dar, in der sie Schlicks Erbe weiterführen; Leonhard Kleber war wohl Schüler Schlicks gewesen und hat 1524 eine umfangreiche Sammlung mit Intabulierungen von über einhundert Stücken veröffentlicht. Sein Maria zart zeigt eine andere Facette als die Umsetzung von Arnolt Schlick: eine elegante Ausgewogenheit von Polyphonie und Begleitung, die sicherlich auch von den großen Vokalkomponisten jener Zeit beeinflußt wurde.


    Kimberly Marshall hat sich sehr genau überlegt, welche Register sie für die Stücke verwenden soll: aus dem Spiegel der Orgelmacher hat sie seine Beschreibungen der Register als Basis für ihre Registrierungen übernommen. Dementsprechend erklingen die Stücke mit einer durchaus adäquaten Klanglichkeit, die auf einer historischen Orgel nicht groß anders wäre. Dennoch hat die Orgel ordentlich Dampf, wenn sie das 10stimmige Ascendo ad patrem anstimmt. Dazu kommt eine blitzsaubere Klangqualität, die das Instrument vorzüglich einfängt.


    Insgesamt eine sehr gute Darstellung des Schlick-Oeuvres - und ein gute Ergänzung zur Paumann-CD darüber. Yo...

    *yepp**yepp**yepp*