Beiträge von Josquin Dufay

    Stutzig werden? Weshalb? Weil das kein Bach ist?


    Volltreffer.


    Diese Stücke sind immerhin zwei Generationen vor Bachs ersten Versuchen komponiert worden. Sie unterliegen einer anderen thematischen Bearbeitung als sie im 18. Jahrhundert in Mode kam. Zeitgenosse waren ein Froberger, ein Weckmann, ein Kerll - sein Stil ist am nächsten mit Sweelinck verwandt. Ein Buxtehude ist knapp zwanzig Jahre jünger als van Noordt.


    Die Wahrheit ist: seine Musik zeigt einen Stand, wie er Mitte des 17. Jahrhunderts in den Niederlande praktiziert wurde - davor war es etwas anders, danach auch. In anderen Ländern war es auch nochmal etwas anders. Es mit Johann Sebastian zu vergleichen, ergibt leider keinen Sinn.


    Was die Orgel betrifft: worauf soll man van Noordts Musik spielen? Auf Orgeln von Arp Schnitger? Geht alles - ist nur nicht typisch niederländisch, was man hört. Vor JSB war es nicht normal, auf der Orgel etwas annährend "Symphonisches" zu realisieren, das zeigen auch andere Veröffentlichungen mit Orgelmusik vor dem 18. Jahrhundert. Bach bevorzugte Orgeln mit viel Baß im Pedal und vielen Registermischungen - alles unter zwanzig Register war bei ihm eine Beschränkung. Aber vor ihm waren die Organisten durchaus zurückhaltender.

    Druck: Tabulatuur-boeck van psalmen en fantasyen (Willem van Beaumont, Amsterdam 1659)

    Inhalt: 10 Psalmen & 6 Fantasien


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    Da gibt es diese Aufnahmen:


    Vol. 1

    Vol. 2


    (P) 1999 Naxos 8.554204 & 8.554205 (2 einzelne CDs) [130:55]

    rec. 01.-04. Dezember 1997 (Nieuw Kerk, Haarlem/Niederlande)


    Vol. 1: Peter Ouwerkerk

    Vol. 2: Cees van der Poel

    [Orgel: van Covelen/Heß 1523/1791]

    Disposition: 2 Manuale, 22 Register, Stimmung: Kirnberger/Bolt, a'=415 Hz


    Vol. 1:

    - Fantasien Nr. 1, 3 & 6

    - Psalmen Nr. 2, 6, 7, 15, 22 & 23

    Vol. 2:

    - Fantasien Nr. 2, 4 & 5

    - Psalmen Nr. 38, 50, 116 & 119


    Diese Orgel kann man als Work In Progress bezeichnen. 1523 baute Jan van Covelen für die Grote- of Sint Bavokerk in Haarlem ein Instrument mit 12 Registern auf fünf Werken; im Laufe der nächsten 150 Jahre wurde sie umgesetzt, restauriert und mit neuen Registern versehen. 1791 wurde sie in die Neuwe Kerk überführt. Baumeister Hendrik Hermanus Heß hat die Orgel am neuen Ort gleich mit weiteren Pfeifenreihen versehen, so daß sie 22 Register aufwies. Auch hier folgten danach Umbauten und Überholungen; im Jahr 1985 folgte dann eine Restaurierung, um sie auf den Stand von 1791 zurückzusetzen.


    Im Grunde besitzt diese Orgel Register aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die mit solchen aus dem 18. und 19. Jahrhundert erweitert wurde. Daher ist es nicht ganz unpassend, wenn die Organisten Ouwerkerk und van der Poel sich für dieses Instrument entschieden haben, um van Noordts Hauptwerk zu realisieren. Hier finden sich noch im Hauptwerk die typischen Register der damaligen Zeit wie Cornet, Vox humana oder Prestant. Dementsprechend klingen die Stücke auch: selten ein großes Tutti, sondern viel einzelne Register (1-2 pro Stimme), eine bedächtige Klangfarbe dank leisen und separierbaren Registern, eine transparente Durchhörbarkeit ohne Hast, ab und zu Baßregister mit deutlicher Tiefe.


    Die Stücke unterliegen einem gleichmäßigen Duktus, einer zurückhaltenden Registrierung und eines würdigen Tempos, der frei von jeder Hastigkeit ist - immerhin waren diese Stücke in der Liturgie eingesetzt worden, um Psalmverse zu umspielen oder Rituale musikalisch zu begleiten. Ouwerkerk und van der Poel treffen den Geist der Stücke überzeugend und ermöglichen dem Hörer eine faszinierende Reise in die Vergangenheit niederländischer Orgeltradition.


    Klanglich ist das Ganze sehr überzeugend eingefangen worden: nah, ohne den Hall zu vernachlässigen; imposant im Baß, klar und präsent in Höhen und Mitten. Nie geht die Durchhörbarkeit der Stimmen verloren, die Dynamik bleibt immer groß, wenn die Register an sich nicht viel Differenzierung haben. Eine superbe Leistung.


    Fazit: sehr gut... *yepp**yepp**yepp**yepp*

    Oh je, ich hätte doch die Naxos-Ausgabe nehmen sollen ...

    Bin gespannt auf eine nähere Erläuterung - dieses Remastering soll eigentlich der Knaller sein; ist ja von den Jungs in der Abbey Road gemacht worden, die nicht als Stümper gelten.