Beiträge von Josquin Dufay

    Neben der wirklich gelungenen Dramaturgie und Charakterkonstellationen ist es auch diese Verruchtheit, die damals noch ein Novum war: eine Figur, die keine Berührungsängste mit dem Verbrechen hatte, weil sie die eigene Freiheit mehr schätzt als ihr guter Ruf; die kein Problem hat, ihre Liebhaber aus der Bürgerlichkeit zu ziehen, weil sie speziell das "Verführen" reizt - auch im übertragenen Sinne; die wenig gibt auf das Bild "Heimchen am Herd" und schnell einer Eroberung überdrüssig wird. Es steckt viel versteckte Erotik im Sujet, viel Andeutung - und der klare Hinweis, daß hier sexuelle Erfüllung als wilde, ungezähmte Lustbefriedigung stattgefunden hat. Eigentlich zuviel für ein bürgerliches Publikum Ende des 19. Jahrhunderts.


    Heute dagegen ist diese Erotik eher das Salz in der Suppe, weil sie heutzutage nichts Skandalträchtiges mehr hat. Es stimmt schon: ein nicht besonders leidender Don José wirkt unbefriedigend, eine brave, unerotische Carmen bringt alles zu Fall. Da muß Gas gegeben werden bis zur Erschöpfung, jedes Mal aufs Neue.

    hier fehlen die rechten Ansprechpartner.

    *yes*


    Meine Erstbegegnung mit der Oper war in Form dieses Kinofilmes:



    Frankreich-Italien 1984

    Regie: Francesco Rosi


    Carmen - Julia Migenes-Johnson

    Don José - Plácido Domingo

    Micaëla - Faith Esham

    Escamillo - Ruggero Raimondi

    Frasquita - Lilian Watson

    Mercédès - Susan Daniel

    Le Dancaïre - Jean-Philippe Lafont

    Le Remendado - Gérard Garino

    Moralès - François Le Roux

    Zuninga - John-Paul Bogart

    Choeur de Radio France

    Orchestre National de France

    D: Lorin Maazel


    Habe ich bereits als Jugendlicher auf VHS gesehen, konnte ich aber damals nicht viel mit anfangen; dennoch ein gut gemachter Film, den ich heute bestimmt mehr schätzen würde.

    hier fehlen die rechten Ansprechpartner.

    *yes*


    Ich habe bis vor Kurzem nicht mal gewußt, daß es zwei Fassungen von Carmen gibt:

    1. die Pariser Fassung mit Gesang und gesprochenen Dialogen (Uraufführungsfassung)
    2. die Wiener Fassung mit Gesang, Balleteinlagen und Rezitativen (bearbeitet von von Ernest Guiraud)

    Soweit ich weiß, wird die Wiener Fassung am Meisten gespielt.


    Die umfangreichste Diskographie findet sich hier: Operadis


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    Ich selber habe zwei Einspielungen:


    Karajan (1964)

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    (P) 1964 RCA Victor "Red Seal" LDS 6164 (3 LPs)

    rec. 18.-22. & 25.-27. November 1963 (Sofiensaal, Wien)

    Wiener Fassung


    Carmen - Leontyne Price

    Don José - Franco Corelli

    Micaëla - Mirella Freni

    Escamillo - Robert Merrill

    Frasquita - Monique Linval

    Mercédès - Geneviève Macaux

    Le Dancaïre - Jean-Christophe Benoit

    Le Remendado - Maurice Besançon

    Moralès - Bernard Demigny

    Zuninga - Frank Schooten

    Chor der Wiener Staatsoper

    Wiener Philharmoniker

    D: Herbert von Karajan


    Eine ziemlich saftige Angelegenheit, was Stimmen und Interpretation angeht; doch bleibt es immer noch eine wirkungsvolle Umsetzung. Die Klangqualität ist für das Alter wirklich grandios (und ich habe die CD-Erstausgabe von 1988).



    Maazel (1971)


    (P) 1971 Eurodisc XG 80489 R (3 LPs)

    rec. 1970 (Berlin)

    Pariser Fassung


    Carmen - Anna Moffo

    Don José - Franco Corelli

    Micaëla - Helen Donath

    Escamillo - Piero Cappuccilli

    Frasquita - Arleen Augér

    Mercédès - Jane Berbié

    Le Dancaïre - Jean-Christophe Benoit

    Le Remendado - Karl-Ernst Mercker

    Moralès - Barry McDaniel

    Zuninga - José van Dam

    Chor & Orchester der Deutschen Oper Berlin

    D: Lorin Maazel


    Finde ich auch nicht schlecht, wenn auch nicht so spektakulär wie die Einspielung von Karajan - die Dialoge sind komplett vorhanden. Sehr gute Klangqualität.

     CD 34


    Georges Bizet

    Petite suite d'orchestre

    La Jolie Fille de Perth

    Emmanuel Chabrier

    Suite pastorale

    Ode à la musique

    Le Roi malgré lui

    Claude Debussy

    La Damoiselle élue

    Paris Conservatoire Orchestra

    D: Édouard Lindenberg, Jean Fournet

    Weiter mit der Box:


     CD 3


    Sergei Rachmaninoff

    Die Toteninsel

    Paul Dukas

    La Péri

    Paris Conservatoire Orchestra

    D: Ernest Ansermet

    Claude Debussy

    Six Épigraphes antiques

    Jeux

    Orchestre de la Suisse Romande

    D: Ernest Ansermet

     CD 18


    Arthur Honegger

    Symphonie Nr. 3

    Chant de joie

    Paris Conservatoire Orchestra

    D: Robert F. Denzler

    Conrad Beck

    Violenkonzert

    Walter Kägi (Viola)

    Orchestre de la Suisse Romande

    D: Jean Meylan

    Bernard Reichel

    Klavier-Concertino

    Christiane Montandon (Klavier)

    Orchestre de la Suisse Romande

    D: Edmond Appia

    Boah, bist du schnell...


    Sagt meine Gute auch immer. *lol*

    :D


    Dann muß das Vorspiel aber lang sein...gut, lassen wir das... *shutup*


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    Die Henze-Box enthält aber nur die Aufnahmen von der DG auf 16 CDs - es sind z.B. nicht alle Symphonien drinne, die er komponiert hat. Und es ist stellenweise harter Tobak, so wie bei Schnittke (habe gerade die 6. gehört).

    Max

    Würde heutzutage so ein Ensemble mit dieser Repertoirebreite und Besetzung Barockmusik noch omi realisieren? Ich zweifel dran, auch wenn ich es ebenfalls nicht näher bestimmen kann, ob die h-moll-Messe opi ist oder nicht.


    Aber es ist eh egal - du kaufst sie nicht, keiner von uns hat sie und kann es näher bestimmen.


    Allerdings wird die bestimmt opi sein:


    Robert King (1997)

    für 3,61 € + Versand