Beiträge von Josquin Dufay

    EAN: 4015245408036


    (P) 1973 FSM 33 108/110 (3 LPs) [163:43]

    rec. September 1972 (Martin-Luther-Kirche, Böblingen/Baden-Württemberg)


    Maria Friesenhausen (s)

    Hildegard Laurich (a)

    Peter Wetzler (t)

    Bruce Abel (b)

    Schwäbischer Singkreis Stuttgart

    Stuttgarter Bachorchester [Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim]

    D: Hans Grischkat


    Im Jahr 1972 unternahm Grischkat die letzten Aufnahmesitzungen, um Bachs Musik auf Platte zu bannen - neben einigen Kantaten war es dieses WO, mit Kräften aus dem Stuttgarter Umfeld.


    Die Solisten sind jener letzten Generation entsprungen, die Bach noch mit Vibrato und großer Geste erlernt haben; allerdings wirkt ihr Vortrag nicht überfrachtet, sondern bleibt zurückhaltend und würdig. Der Chor ist groß, aber gut positioniert; die Deklamation ist erstaunlich deutlich, die Intonation ordentlich. Das Orchester spielt sehr fein abgestimmt und mit würdiger Artikulation.


    Hans Grischkat wählt ein mittleres Tempo mit stetigem Duktus und feinem Ausdruck. Temporückungen treten kaum auf, große Dynamiksprünge kommen auch kaum vor. Insgesamt ist es eine Interpretation mit würdiger Abgeklärtheit - vielleicht nicht besonders eigenwillig oder wuchtig, doch von jener Professionalität, für die fähige Dirigenten immer garantieren können.


    Klanglich ist das Ganze gut eingefangen worden: sehr nah abgenommen, dennoch gut aufeinander abgestimmt, recht füllig mit geringem Hallanteil. Gute deutsche Wertarbeit, wie man so sagt.


    Fazit: fein... *yepp*

    Lustig - daß ausgerechnet Band Of Brothers zu solch einer Diskussion führt. Vielleicht nicht abwegig, aber immerhin.


    Ich habe die Serie nie als Kriegsfilm im eigentlichen Sinne betrachtet, sondern als Kriegsdrama. Daß der Blickwinkel nur aus der Kompanie heraus gewählt wurde, soll ja gerade der Identifikation dienen. Im Prinzip soll diese Beschränkung das Grauen der Ereignisse und andererseits den Mut der Beteiligten einigermaßen fühlbar machen, denn es gibt nur sehr wenige Menschen, die einen Krieg hautnah miterlebt haben - auch während eines solchen.


    Letztendlich hat sich diese US-amerikanische Produktion dazu entschlossen, den US-amerikanischen Blickwinkel einzunehmen, zunächst eine ganz profane kommerzielle Entscheidung. Daß sie sich auf die Infanterie beschränkt (speziell diejenige, die ganz vorne operiert), ist auch eine Frage der Akteure. Was machen sie, wie riskant ist ihre Aufgaben, wie stellen sie sich dabei an. Je mehr Personen man einführt, desto oberflächlicher gelingen die Charakterisierungen - es sollte keine Überraschung sein, daß Hauptakteure eine wichtige dramaturgische Funktion innerhalb einer Story haben.


    Bei so einem komplexen Geschehen wie den kriegsbedingten Abläufen dieser Kompanie über Jahre hinweg sind Kürzungen, Vereinfachungen und/oder dramaturgische Veränderungen für eine erzählende Handlung leider notwendig. Im Roman kann man alles ausführlich ausarbeiten, in einem Kinofilm muß es aufs Notwendigste reduziert werden; bei einer zehnteiligen Miniserie liegt es dazwischen.


    Kann man dem Thema Krieg umfassend entgegenkommen, wenn man es filmisch adaptiert? Nein. Ist das nicht eine Verfälschung? Möglich. Ist es daher unpassend? Ganz - bestimmt - nicht!


    Ich habe noch nie einen Kriegsfilm gesehen, der alle Aspekte überzeugend umfaßt; aber das ist eigentlich auch gar nicht notwendig. Das erste, was ein Film tun muß, ist: nicht langweilen. Film ist immer noch ein sinnliches Erlebnis, auch wenn das sehr oft vergessen wird. Fakten sind das Fleisch eines Plots, aber die Knochen bilden das Gerüst, an dem alles Fleisch aufgehangen wird. Man muß sich als Filmemacher entscheiden, wovon man erzahlen will, und danach richtet sich alles. Auch die Fakten.


    Daher ist der Vorwurf der Einseitigkeit zwar korrekt, aber eben auch uninteressant. Wäre das so, würden bestimmte Filme prinzipiell gar nicht funktionieren. Und bei diesen Sujet hier wäre eine umfassende Darstellung der Ereignisse schlicht und einfach zuviel.


    Innerhalb seiner Grenzen funktioniert Band Of Brothers wirklich sehr gut; daß man hier auch nur eine Heldengeschichte vorgesetzt bekommt, ist nun wirklich keine große Neuigkeit mehr - der Kriegsfilm ist in dieser Hinsicht verseucht bis auf die Knochen. Da freue ich mich auf die Beispiele, die möglichst wenig Heldenklischees verbrät.


    Gold

    Deutschland 1934


    Wieder so ein Fall: vom Titel her mir lange bekannt, doch erst jetzt zum ersten Mal gesehen. Ein deutscher SF-Film um das Thema des Goldherstellens aus Blei, der alte Menschheitstraum. Hans Albers spielt einen Wissenschaftler, der sich mit sinistren Kräften auseinandersetzen muß, die die Goldherstellung zugunsten ihrer eigenen Vorteile sabotieren. Es kommt Vieles zusammen - Begierde, Rache, Bedenken, Zweifel, Entschluß, Tat. Technisch hervorragend umgesetzt, wirkt der Film durch Albers' Art auch etwas hemdsärmelig; aber dazu kommt eine seltsam entschwebte Stimmung, die die Brisanz des Themas etwas unterminiert: zuviel Vertrauen wird vorausgeschickt, zu deutlich ist das Fatale am Gelingen, als daß sich so wenig Widerstand zwischen den Charakteren bilden könnte. Was bleibt, ist ein interessantes Beispiel für die technische Utopie früherer Generationen, gesehen aus einer speziellen Situation heraus.


    Es liegt eine restaurierte Qualität vor: das Bild hat viele Artefakte aufzuweisen, ist aber dennoch beständig und stabil. Es liegt stellenweise noch jener Zauber der Stummfilmzeit in den Bildern, der sich erst gegen Ende der Dekade in den Dialogen verlieren wird.


    Fein... *yepp*


    Asylum - Irrgarten des Schreckens

    GB 1972


    Vom Titel her mir ewig bekannt, aber heute endlich mal gesehen - er lief im TV nachts um 3:00 Uhr. Bisher waren Episodenfilme immer so eine Sache, doch seit ich Die Todeskarten des Dr. Schreck gesehen habe, hat sich das deutlich relativiert. Und so stürzte ich unvermittelt in ein Vergnügen, welches ich gar nicht erwartet hatte. Hier geht es um einen jungen Psychiater, der in einer Anstalt vier Patienten in Augenschein nimmt, um zu ermitteln, wer der ursprüngliche Anstaltsleiter ist; dieser hat nämlich die "Seiten" gewechselt und ist nun selber Patient. Der junge Doktor hört sich vier makabre Geschichten an und muß dann entscheiden, wer nun der Leiter ist. Wie zu erwarten, ist das Ergebnis für uns Zuschauer überraschend und für ihn fatal. Und tatsächlich schafft es dieser Film, die Spannung bis zuletzt aufrechtzuerhalten und mit einer etwas gemeinen Pointe zu enden, die so typisch britischer Humor ist.


    Eine echte Perle... :jubel::jubel::jubel::jubel:


    L'Arte del Madrigale (1586-1616)


    Wert: La Gerusalemme Liberata; Il Pasto Fido
    +Marenzio: Madrigali Libri 6 & 9
    +Luzzaschi: Madrigali Libro 5; Madrigali Concerto dell Dame“
    +Gesualdo: Madrigali Libri 4 & 5
    +d'India: Madrigali Libri 1 & 3


    La Venexiana

    1997-2009


    Madrigale aus der goldenen Zeit von 1586-1616... :love:

    Bernardo Bertolucci (1941-2018)


    ein großer diesmal - erfolgreich, aber auch umstritten. Seine Filme hatten immer etwas Erlesenes, brachen gerne mit Tabus (genauer gesagt: scherten sich nicht um Konventionen). Seine frühen Filme waren die eines angry young man, seine späteren waren gemäßigter, aber auch unverbindlicher. Erstaunlich, daß er schon mit 21 sein Regiedebüt gab (mit La commare secca, 1962).