Beiträge von Josquin Dufay

    Das hier bringt mich wieder an das Thema - konkret auf Bachs h-moll-Messe bezogen:

    Zu dieser Frage hatte ich bereits an anderer Stelle berichtet.

    Ach, das hatte ich ganz vergessen. 32 plus weitere - gut 40 jetzt?

    Ich habe mehr ... *bunny*

    Und wenn schon - ich habe weniger und weiß einfach nicht mehr, was ich da noch dazukaufen soll. Ich bin zufriedenstellend abgedeckt.

    Und wenn schon? *lol*Wie alt bist du? Vier? *brav*:love:


    Ich kaufe JEDE h-Moll, die mir unter die Finger kommt. *yes*

    Wär mir auf Dauer zuviel - sie sollen ja alle auch gehört werden.

    Wenn es danach ginge, dass das, was man jemals ais kaufwürdig erachtet hat auch in Gänze gehört werden sollte, stände ich ohne Zweifel auf verlorenem Posten.

    Das Gefühl kenne ich. Und dennoch möchte ich alles irgendwann mal wenigstens zweimal gehört haben.


    Der jüngste Stand bei der Messe laut bach-cantatas: 314 Einspielungen [Stand: 25.08.19].


    Tatsächlich ist es so, daß sich die Online-Einspielungen à la youtube häufen (28 der ab 2010 gelisteten Einspielungen sind nur darüber verfügbar), sind allesamt Mitschnitte von Konzerten.


    Aber selbst wenn man alles reduziert auf reine Tonaufzeichnungen, die regulär (also nicht lokal) veröffentlicht wurden, bleiben 17 Stück übrig. Und wenn ich die alle betrachte, würde ich mir diese vielleicht noch zulegen:



    Das wären die vielversprechendsten Kandidaten der letzten zehn Jahre. Aber: Gardiner und Herreweghe muß ich nicht unbedingt haben, weil ich schon andere Einspielungen von ihnen habe, die ich sehr gut finde; Christie und Mortensen wären mittel-interessant für mich, Seymour etwas begehrlicher - sie allesamt kenne ich aber nicht; die oberen vier (Layton, Cohen, Luks, Savall) würde ich als Blindkauf die größte Chance geben.


    Welche habe ich davon? Keine.


    Meine jüngste ist die von Kuijken (Challenge 2008). Und ich habe nicht das Gefühl, daß mir wirklich noch was fehlt. Ich habe insgesamt 17 Einspielungen, davon 8 opi. Und ich bin zufrieden, weil ich eine gute Bandbreite in Besetzung und Umsetzung abgedeckt habe. Mein Interesse an der Schellackzeit ist ebenso erfüllt wie der obligatorische Karl Richter, Karajan fehlt auch nicht. Der omi-Rest hat sich unerwartet oder günstig dazugesellt, die opis habe ich mir aber häufig gezielt ausgesucht. Allgemein gibt es noch einige Ensembles oder Dirigenten, denen ich nicht abgeneigt wäre (Dunedin/Butt, BCJ/Suzuki), doch generell empfinde ich keinen Drang, mehr anzuschaffen.


    Der Grund: ich denke, es liegt daran, daß ich ohnehin nicht mehr an den Punkt bin, das Werk kennenzulernen, sondern es schon gut erfaßt habe; also achte ich auf die Umsetzung, auf die Details usw. und habe auch da ein Profil entwickelt, wie ich es am Liebsten höre. Und da ich kein Hardcore-Fan der Messe bin, reicht mir das Bisherige. Jedenfalls im Augenblick.


    Ich scheine generell niemand zu sein, der unbedingt alle Facetten eines Werkes ausloten muß - ich muß nicht alle Einspielungen eines Werkes haben, um jeden Aspekt nachzuvollziehen. Wenn es nur 2-3 gibt, dann läßt sich das noch gut realisieren - aber ab 20 aufwärts kann man auch erwarten, daß nicht alle maßgeblich sein müssen. Und alles jenseits von 50 ist purer Archivierungszwang, wenn man alles haben will.


    Davon sind wir drei in Bezug der Messe immer noch meilenweit entfernt, doch bei einer Auswahlmöglichkeit von gut 300 Aufnahmen sollte man das Definitive schon recht schnell finden können. Ansonsten bleibt nur Neugierde übrig - ganz gewiß nicht ein falscher Grund, Dutzende Einspielungen anzuhäufen.

    bach-cantatas spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle.

    :D


    Gut, klar - aber gewiß wirst du genau wissen, was dich erwartet, wenn du nach den Namensfetzen, die bei den Gebrauchtfritzen stehen, recherchierst.


    PS: wieviele 232er hast du den schon?

    Die habe ich auch nur in der Box:


    Wo treibst du nur immer diese Aufnahmen auf, die ich noch nicht habe?!

    bach-cantatas.com - solltest du dir doch denken können...*flirt*

    Letzte Nacht ... wenn das so weitergeht, kann ich ohne dieses Gezupfe nicht mehr einschlafen ...

    *brav*

    War gerade damit beschäftigt zerbröselte Schaumstoffmattenreste von CD 1 dieser Aufnahme mit Spucke und Geduld abzukratzen. Hier begegnete mir dieses Problem erstmalig.

    Inzwischen ist es ein akutes Problem - praktisch alle Matten haben sich in Dreck verwandelt. Vor zehn Jahren habe ich noch Matten gehabt, die noch einigermaßen stabil waren und sich noch einfach entfernen ließen. Siehe auch hier.

    Ich bin so bekloppt ...

    Tja - vorher immer nachprüfen. Muß ich auch immer.


    PS:

    Jetzt weißt du auch, warum ich die Boxen immer genau aufschlüssel - es hat auch mit Vermeidung von Doppeltbestand zu tun...*plem*

    Deio hatte die CD bereits gepostet, und ich habe sie mir inzwischen besorgt:



    Conrad Paumann und sein Umkreis

    Gotische Orgelmusik von 1380-1511

    (P) 2010 Cornetto COR 10014 [62:04]

    rec. 08. Juni 2010 (Grote Kerk Oosthuizen, Niederlande)


    Raimund Schächer

    [Orgel: unbekannt (16. Jahrhundert)] auch hier

    Disposition: 1 Manual (38 Tasten, FGA-g''/a''); 7 Register [Bourdon 16', Prestant 8', Octaaf 4' (im Diskant doppelt besetzt), Quinte 3', Woudfluit 2', Sexquialter II (Diskant ab c'), Mixtur II-III]; Stimmung: mitteltönig (a' = 465 Hz)


    Die Orgel zählt zu den ältesten Instrumenten weltweit: bereits 1521 (zur Fertigstellung der Grote Kerk) wird wohl ein Instrument aufgestellt worden sein; für 1548 ist es sicher nachgewiesen, daß es eine Orgel in der Kirche gab. Das jetzige Instrument hat jedoch eine Disposition, die erst seit ca. 1670 nachweisbar ist: Pieter Backer hatte damals der Orgel ein neues Register zugefügt (Sexquialter) und große Teile des alten Pfeifenmaterials und des Gehäuses neu verwendet; nur ist nicht klar, ob alles ältere aus der früheren Oosthuizener Orgel stammt oder auch von anderen gleichaltrigen Orgeln. Jedenfalls läßt sich der Umfang der Klaviatur sowie Bauweise der alten Pfeifen und des Gehäuses auf ein Alter zu Ende des 15. und Beginn des 16. Jahrhunderts eingrenzen. Nach der letzten Restauration 2002-2003 erklingt die Orgel wieder frisch und frei.


    Das Repertoire entstammt einer Epoche, die zeitlich noch vor dem frühesten Bau der Oosthuizener Orgel liegt: als Basis dient das Wirken Conrad Paumanns (c1410-1473), der sicherlich als die tragendste Musikerpersönlichkeit Süddeutschlands im 15. Jahrhundert gilt. Sein Fundamentum organisandi von 1452 ist eine Lehrschrift, die alle damals gängigen Praktikten des mittelalerlichen Orgelspiels vermittelt - in Form von kurzen Stücken, die als Basis für die improvisierte Praxis im täglichen Gebrauch dienen. In diesem Umkreis - Nürnberg um 1450 - wird die Entstehung des Lochamer-Liederbuchs verortet, welches neben Paumanns Orgelspiellehre weitere Orgelstücke enthält; die andere große Quelle aus dem 15. Jahrhundert - das Buxheimer Orgelbuch - weist ebenfalls Paumanns Fundamentum auf sowie viele Intabulierungen weltlicher Chansons.


    Fundamentum organisandi (1452):

    Conrad Paumann

    • Redeuntes
    • Titelloses Stück

    Lochamer-Liederbuch (um 1460):

    • Magnificat sexti toni
    • En avois
    • Wach auff mein hort der leucht dorther
    • Mit ganczem Willen wünsch ich dir
    • O clemens
    • Kes Klaffers neyden
    • Ellend du hast
    • Benedicte almechtiger got
    • Domit ein gut Jare
    • Mein Hercz in hohen freuden
    • Con lagrime
    • Wilhelmus Legrant
    • Paumgartner
    • Praeambulum super f
    • Praeambulum super fa
    • Praeambulum super re

    Staatsbibliothek Hamburg ND VI 3225 (1457):

    • Magnificat octavi toni

    Staatsbibliothek München Cod.lat. 5963 (um 1440):

    • Magnificat octavi toni quartuor notarum

    Staatsbiblliothek Breslau IF 687 (um 1450):

    • Mit ganczem Willen
    • Der Winter der wil weychen
    • Incipit bonus tenor Leohardi

    Bodleian Library Oxford D. MS 381 (um 1380):

    • Felix namque

    Nationalbibliothek Wien Cod. 3617 (um 1400):

    • Kyrie

    Predigtsammlung des Ludolf Wilkin (1431):

    • Wol up ghesellen yst an der tyet
    • Summum Sanctus
    • frysicum

    Codex St. Emmeram (um 1430):

    Hermann Erdelauer

    • 3 titellose Stücke

    Urbanus Kungsprung

    • Kyrie magnae Deus potentiae

    Buxheimer Orgelbuch (um 1470):

    • Christ ist erstanden
    • Christus surrexit
    • Christus surrexit
    • Christus surrexit

    Conrad Paumann

    • Ich beger nit mer
    • Bekenne myn klag
    • Jeloymors

    Oldenburg Cim I 39 (1445):

    Ludolf Bödeker

    • Praeambulum
    • Credo

    Musica getutscht (1511):

    Sebastian Virdung

    • O heilige unbefleckte zart innige Jungfrau Maria

    Trienter Tabulatur (um 1500):

    • Praeambulum in re


    Die ältesten Stücke entstammen noch dem Ende des 14. Jahrhunderts: Felix namque und das folgende Kyrie haben jenen Hoquetus-beeinflußten Klang der Ars subtilior mit ihrem recht kleinen Ambitus und einer Organum-ähnlichen Stimmführung. Die Stücke der Wilkin-Sammlung und des Codex St. Emmeram sind stilistisch noch nicht weit davon entfernt einzuordnen, erhöhen aber den Ambitus und unterbinden zunehmend das gesangliche Vorbild der früheren Epoche.


    Die Stücke ab 1450 dagegen zeigen einen anderen Charakter: ihre Behandlung der Themen wird freier und formenspezifischer, speziell die Orgelbearbeitungen des Lochamer-Liederbuchs haben eine große Vielfalt in ihren Stimmführungen aufzuweisen. Lange Haltetöne im Baß sind kaum vorhanden, die Oberstimmen agieren tonal nicht mehr so eng. Die Sätze aus den Buxheimer Orgelbuch nehmen schon fast den Charakter der späteren Generationen vorweg: hier ist nicht nur Stimmführung, sondern auch Registrierung ein wichtiges Merkmal, denn baulich war die Orgel schon längst nicht mehr ein Instrument mit Blockwerk und Pfeifen mit gleichgroßer Mensur oben drauf.


    Am Ende stehen die Trienter Tabulatur und Sebastian Virdungs Musica getutscht: man ist ganz im 16. Jahrhundert angekommen, hat eine sichere Klangsprache entwickelt und die Orgel als eigenständiges Instrument entdeckt. Ein Andrea Antico hat weitesgehend den gleichen Stand erreicht, und es wird noch vielversprechend weitergehen...


    Was mich speziell an diesem Repertoire fasziniert, ist die Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten, ohne dabei das bisher Erreichte aufzugeben - der klassische Beginn einer Emanzipation. Einerseits verändert sich die Harmonik deutlich weg von reiner Modalität zu einer durfreundlichen Klanglichkeit, andererseits wird die Behandlung des thematischen Materials freier umgesetzt, zumal viele frühe Stücke noch einen eher "akademischen" Charakter haben, weil sie zu Übungs- oder Lehrzwecken verfaßt wurden. Im Fundamentum organisandi ist der Aspekt der Lehre ein wichtiges Element: Verzierungen werden ausgeschrieben, Improvisationsmodelle werden präsentiert, Kadenzen werden erläutert. Was Paumann und seine Kollegen und Schüler um 1450 in Nürnberg lehrten, war ein wichtiger Impuls für die Zukunft und schwemmte die vorherige Tradition komplett hinweg. Paumann war sicherlich auch orgelbautechnisch weitesgehend auf dem damals modernsten Stand, denn viele seiner Stücke benötigen die Orgeln, wie sie ab 1430 gebaut wurden. Immerhin sind heute noch einige Instrumente aus dieser Zeit vorhanden.


    So ist die Wahl des Instruments, die Raimund Schächer vorgenommen hat, nicht ganz unpassend. Die Orgel gibt jede Stimme im Satz klar wieder und erreicht immerhin eine beachtliche Größe, wenn sie tutti spielt. Dabei gibt sie auch die gelegentliche Schieflage der mitteltönigen Stimmung wieder, wenn manche Töne doch nicht ganz zueinander passen. Früher war es halt eine Kunst, Disharmonien zu umspielen.


    Klanglich ist die Orgel nah und detailreich eingefangen worden, mit jeder Menge dynamischer Kraft und transparenter Detailliertheit.


    Fazit: es gibt nur sehr wenige CDs mit solch einem Repertoire; umso mehr freut es mich, daß diese hier ein lohnenswertes Unterfangen geworden ist. Klasse...*yepp**yepp**yepp**yepp*


    Olivier Messiaen

    Réveil des oiseaux*

    Oiseaux exotiques*

    Chronochromie

    Et exspecto resurrectionem mortuorum

    *Roger Muraro (Klavier)

    SWR Sinfonieorchester Baden-Baden & Freiburg

    D: Sylvain Cambreling


    Le Divin Arcadelt

    Candlemas in Renaissance Rome


    Jacques Arcadelt

    Missa Ave Regina caelorum

    Musica Contexta

    The English Cornett & Sackbut Ensemble

    D: Simon Ravens


    Eingebunden in eine liturgische Reise durch die Kirchen Roms des ausgehenden 16. Jahrhunderts, kann man hier Musik zum Hochfest Maria Lichtmeß am 02. Februar erleben. Herzstück ist die Messe Arcadelts, die auf einer Motette von Andreas de Silva basiert. Beide waren für die päpstliche Kapelle tätig gewesen.