Beiträge von Hermann

    Was den Knappertsbusch-Ring von 1958 angeht, kann ich mich im Augenblick nur zur Walküre äußern und da haben es mir ganz besonders Jon Vickers als Siegmund und Hans Hotter als Wotan angetan. Ich sehe mich hier ja nun gezwungen, vor allem zwei Übel miteinander auszutarieren. Das eine ist mangelhafte Klangqualität und das andere ist die mitunter mangelhafte Qualität der Stimmen und da gibt es bei der Besetzung speziell des Siegmund, aber eben auch aller anderen Rollen in diesem brachialen Zyklus, nicht so sehr viele gute oder sehr gute Alternativen, Jon Vickers gehört für mich ganz klar dazu, weil er eben nicht nur die leisen, lyrischen Töne, sondern auch die lauten bis sehr sehr lauten überzeugend gestaltet. Hier ist allerdings nicht nur die stimmliche, sondern auch die Aufnahmequalität gefragt und die ist bei Knappertsbusch '58 in meinen Ohren um Längen besser als z.B. bei Kraus '53. Ich sehe sogar die (preislich) extrem gehypte erste Stereo-Aufnahme von Keilberth hier nicht im Vorteil. Das dritte Kriterium ist natürlich das Dirigat etc. und da geht Knappertsbusch nun extrem langsam - in der ganzen Ring-Einspielung - zur Sache. Beim Hören ist dennoch für mich der Gesamteindruck sehr stimmig. Bis jetzt hat mich keine Aufnahme mehr beeindruckt.

    Dass das Set als "The virtual Haydn" firmiert, hätte mich erstmal eher abgeschreckt, wenn mich nicht der derzeit sehr günstige Preis , verbunden mit der Möglichkeit eine Gesamteinspielung zu erwerben, die die Klangmöglichkeiten unterschiedlicher Instrumente stärker ausnutzt als die Brilliant-Einspielung, so sehr interessiert hätte. Ich kann nicht sagen, wie viel die virtuellen Räume zu der großartigen Wirkung, die diese Einspielung auf mich macht, beitragen. In jedem Fall finde ich das extrem differenzierte Spiel Tom Beghins und sein Ausspielen der klanglichen Möglichkeiten der Instrumente beispielhaft.

    Mozart: Sinfonien

    Christopher Hogwood (Dirigent), Academy of Ancient Music



    Nachdem ich nun schon Jahre lang darum herum geschlichen bin ...

    Mit zunehmender Begeisterung - allerdings bisher nur No 39 und 41 -da gerade erst eingetroffen.

    Erster Eindruck: Das sind Leute, die sich zumindest sehr genaue Gedanken gemacht haben, wie sie diese Sinfonien optimal im Sinne des Komponisten und seiner Zeit aufführen können und das hört man auch. Mehr als bei allen anderen mir bis jetzt bekannten Einspielungen.

    Dabei hat das Ganze ordentlich Schwung, wirkt auf mich rhythmisch und dynamisch sehr packend und klanglich sowieso.

    Das ist mal der erste Eindruck. Vielleicht das Beste, was ich bis jetzt an Einspielungen dieser beiden Sinfonien gehört habe.

    Das Hammerklavier, von dem aus Hogwood ja anscheinend dirigiert, wenn ich das richtig verstanden habe, habe ich bis jetzt noch nicht heraushören können. Vielleicht liegt's auch an meinen Ohren.

    Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)

    Symphonien Nr.39-41

    Le Concert des Nations, Jordi Savall



    Ich stelle das mal hier ein, es könnte auch bei Nr. 39 oder 41 stehen. Nun hat mich bei dieser neuen Einspielung von Savall die Nr. 40 am stärksten beeindruckt, daher hier.

    Savall nähert sich mit seinem ich sage mal OPI-Kammerorchester Le Concert des Nations den drei späten Mozart Sinfonien. Genauere Auskünfte zu den Instrumenten und inwiefern sie auf die Mozart-Zeit abgestimmt sind, habe ich nicht gefunden. Savall und sein Co-Autor Victor Garcia de Gomar beziehen sich - auch explizit - auf Harnoncourts Auffassung, diese drei Sinfonien als Einheit zu betrachten. Dem ist der Einfall geschuldet, die Nr. 40 auf CD 1 an zweiter Stelle und auf CD 2 an erster Stelle vor der Nr. 41 zu bringen, auf dass man bruchlos den Übergang vom Finale der vorausgehenden zum ersten Satz der folgenden Sinfonie zu hören vermag. Mit dem kleinen Nebeneffekt, dass man, um in diesen Genuss zu kommen, wenn man das ganze Oratorium am Stück hören wollte, dann eben die Nr. 40 zweimal hören muss. Nun ja, alternativ hätte man auch noch eine weitere Sinfonie aufnehmen können.

    Die Musik klingt für mich insgesamt etwas (zu) wuchtig, was auch z.T. dem leichten Hall geschuldet sein mag. In Nr. 39 gibt es im Kopfsatz für meinen Geschmack zu starke Temposchwankungen, was die Dramatik nochmals unterstreicht. Wie gesagt, am stärksten hat mich Nr. 40 beeindruckt, da hier für mein Empfinden eine melancholische Grundstimmung überzeugend vermittelt wird. Abgesehen von den genannten Temposchwankungen, finde ich die Tempi, besonders bei etwas verhalten und gut gewählt (allerdings bleibt der Schlussatz von Nr. 41 trotzdem zu hastig).

    Die Einspielung hat meine Hoffnungen nur etwas enttäuscht, etwas mehr Leichtigkeit im Ganzen fände ich schöner. Savall zeichnet in seinem Aufsatz ein sehr tragisches Bild der letzten Lebensjahre Mozarts, was für mich etwas romantisierend klingt und sich vielleicht in der dramatischen Auffassung des sinfonischen Oratoriums widerspiegelt.

    Entwarnung

    Gustav Mahler (1860-1911): "Titan"

    Les Siecles, Francois-Xavier Roth

    Nachdem ich nun gestern und heute Gelegenheit hatte, diesen Titan zu hören, kann ich vermelden, dass es sich aus meiner Sicht um eine herausragende Einspielung handelt. Entscheidend ist für mich zunächst einmal: Es ist die erste OPI-Aufnahme und ich höre den Unterschied. Les Siècles haben sich tatsächlich um Instrumente bemüht, die denen der frühen Mahler-Zeit entsprechen, das wird im Booklet erläutert.

    Für mich ist die Aufnahme vor allen Dingen (aber nicht nur) ein Klangerlebnis und Mahler ist ein Komponist, der gerade auf die Klänge höchsten Wert legt. In Bezug auf Tempo, Kontraste (Biss) und Steigerungen machen Les Siècles alles richtig. Die enorme Transparenz ist ein Surplus, der natürlich auch einer sehr guten Tontechnik geschuldet ist.

    Der erste Satz ist ein Schwelgen und ein sich Verlieren in Klängen , die kommen und wieder vergehen. So stark habe ich den Bezug zu Mahlers Kindheitserlebnis noch in keiner Aufnahme wahrgenommen.

    Die kurze Blumine fügt sich perfekt zwischen Allegro comodo und Scherzo. Der Gedanke, dass Mahler es aus persönlichen Gründen später als "Eselei" verworfen haben könnte, finde ich nicht abwegig.

    Herausragend finde ich den durchaus zurückhaltenden ("Todtenmarsch in Callots Manier"). Das Bild des Jägers, der von den Waldtieren zu Grabe getragen wird wurde noch nie so schlüssig ausgemalt.

    Ebenso herausragend das Finale, in dem sich ab dem Moment, in dem die Themen des ersten Satzes wieder aufgegriffen werden, zunächst fast unmerklich Spannung aufbaut, die sich schließlich am Ende in einer wiederum auf den Punkt gesteigerten Klimax entlädt, was ich wiederum so noch nicht gehört habe. Ein Fest für Freudianer.

    Insgesamt zeigt sich Roth mit Les Siècles als Meister der Disposition. Der Charakter der Tondichtung kommt in dieser Aufnahme stärker als bei anderen zur Geltung, was wiederum eine Rechtfertigung der Entscheidung beinhaltet, die Hamburger Fassung "Titan" einzuspielen. Natürlich fände ich es darüber hinaus sehr schön, von dem gleichen Orchester auch die Endfassung der 1. Sinfonie zu hören. Ebenso wie weitere Mahler-Sinfonien. Eine Hoffnung, der durch Roths Interview im Booklet Vorschub geleistet wird.

    Sehr allgemein findet sich hier etwas:

    Zitat

    Die Hamburger Fassung der Ersten Sinfonie unterscheidet sich von der normalerweise gespielten, späteren Version aber auch durch zahlreiche instrumentatorische und dynamische Details sowie durch den hier noch erhaltenen, wunderschönen Satz mit dem Titel "Blumine". Zusammen mit den programmatischen Titeln wurde er später bei der Drucklegung wieder entfernt.

    Und noch etwas eingehender hier.

    Offensichtlich gibt es deutliche Unterschiede , v.a. in der Instrumentierung, weshalb Norringtons Einspielung der 1. Sinfonie (in der revidierten Fassung) mit eingefügter Blumine hier kritisiert wird.

    Ich für mein Teil bevorzuge eigentlich immer die Endfassung eines Werks, da er die nach dem Willen des Komponisten gültige Fassung darstellt. Frühere Versionen finde ich schon auch interessant. Trotzdem finde ich es schade, wenn ein Werk von dem bislang wenige (wenn überhaupt) OPI-Fassungen vorhanden sind von einem Spitzenorchester dann in der vom Komponisten verworfenen Fassung eingespielt wird. Nichts gegen den Blumine-Satz, aber den könnte man ja auch anhängen.

    Jetzt müsste man die Partituren natürlich systematisch vergleichen (wozu mir gerade die Zeit fehlt), aber allein die vorgenommenen Änderungen an der Instrumentierung dürften schon hörbar sein.

    "Titan" wurde ursprünglich für dreifach besetzte Holzbläser, 4 Hörner, 4 Trompeten, 3 Posaunen, Tuba, Pauken, Schlagzeug, Harfe und Streicher geschrieben. Mahler ließ das Werk von seinem regulären Hamburger Kopisten reproduzieren. Dies war die Partitur, aus der er beide Aufführungen von „Titan“ dirigierte.

    Er begann fast unmittelbar mit der Überarbeitung der Besetzung. Bis zur zweiten Aufführung beim Festival des Allgemeinen Deutschen Musikvereins in Weimar am 3. Juni 1894 hatte er das Orchester um drei Hörner, eine zusätzliche Oboe, Es-Klarinette und Tamtam erweitert.

    Ich warte also nach wie vor (un)geduldig auf die Lieferung, da ich mir - wie dem auch immer sei - von Les siècles mit Roth viel verspreche. Was hier bemängelt wird könnte - so meine Annahme - also tatsächlich mit dem abweichenden Notenmaterial zusammenhängen.

    Zu diesem Thema habe ich neulich in einem Interview mit Stefano Aresi in der März/April-Ausgabe von Concerto etwas gelesen. Aresi wird als Musikwissenschaftler und Ensembleleiter von Stile Galante vorgestellt. Mit diesem Ensemble hat er sich besonders um das Werk von Nicola Porpora verdient gemacht. Davon handelt auch der größte Teil des Interviews. Gefragt nach der derzeitigen Vorliebe für Countertenöre, bezeichnet Aresi diese mit Verweis auf die "neuesten musikwissenschaftlichen Studien" als "widersinnig". Countertenöre als Opernstars seien eine "moderne Erfindung". Früher hätten die Theater, wenn Kastraten nicht verfügbar gewesen seien, selbstverständlich Frauen engagiert. "Da kann ich jede Menge Quellen liefern." Dafür bringt er auch Beispiele. In der heutigen Allgegenwart von Countertenören spiegele sich eine "moderne Idee von Männlichkeit". Diese sei im 18. Jahrhundert ganz anders belegt gewesen.

    Zitat


    Kastraten sah man einfach als große männliche Kinder. Diese Macho-Kultur, hoch singende Männer mit nacktem Oberkörper, gab es auf der barocken Opernbühne nicht. Die Sänger trugen Kostüme, die die Form ihres Körpers verhüllten. Es ging mehr ums Platonsiche, um Symbole. (Stefano Aresi in: Concerto Nr. 284, S. 28)

    Countertenöre, die die Falsettlage "unglaublich gut" beherrschten, rät Aresi, die für diese Stimmlagen geschriebenen Partien zu singen. Kastraten werde es hoffentlich nie wieder geben. Von daher sei die Lösung wie im 18. Jahrhundert: "Sängerinnen!"


    Ich finde diese Gedanken durchaus überzeugend, abgesehen davon kann ich auf Tonaufnahmen allerdings auch nicht den substantiellen Unterschied zwischen sehr guten Countern und Altistinnen erkennen. Insofern handelt es sich bei Aresis Argumentation zweifellos um eine strenge Auslegung der OPI-Interpretation im Sinne des Originalklangs.

    Gestern Abend


    Am 01.03.2019 veröffentlicht Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 4 G-Dur für Sopran und Orchester | Live-Konzert, Liederhalle Stuttgart, 22.2.2019
    00:00:03 - I. Bedächtig. Nicht eilen
    00:18:23 - II. In gemächlicher Bewegung ohne Hast
    00:28:35 - III. Ruhevoll
    00:50:32 - IV. Sehr behaglich

    Christina Gansch, Sopran
    SWR Symphonieorchester
    Dirigent: Teodor Currentzis

    SWR Classic - Klangvielfalt erleben!


    Eine Interpretation, die bei mir (großes) Wohlgefallen auslöste.


    Johann Sebastiani (1622-1683): Matthäus-Passion

    Künstler: Colin Balzer, Christian Immler, Ina Siedlaczek, Nathan Medley, Jonathan Woody, Boston Early Music Festival Chamber Ensemble, Stephen Stubbs, Paul O'Dette


    Großartige, vorbildliche Interpretation einer Matthäuspassion, die 1672 mehr als zehn Jahre vor Bachs Geburt veröffentlicht wurde. Ein Werk, dass sich in manchem als Vorläufer der großen Bachschen Passion bezeichnen lässt. Ergreifend das "Eli, Eli, lama asabthani?" in Sebastianis Vertonung nur von der Orgel begleitet.

    Sebastiani findet sich im Übrigen noch nicht im Komponisten-Forum, zumindest habe ich ihn nicht gefunden.

    Meine Empfehlung: Meditiere doch einmal diesen Satz

    es ging um die Wehrmacht als militärischen Verband. Dass sie in Kriegsverbrechen verstrickt war, ist bekannt; genauso wie jede andere Armee der Welt.

    Ich hatte übrigens schon lange den Eindruck, dass du mit Wikipedia-Artikeln nichts anfangen kannst. Der Text, den du als "Unsinn" verlinkt hast, wäre im Übrigen auch eine interessante Lektüre für dich, aber ich denke nach wie vor Wikipedia wäre ein geeigneter Einstieg, nicht zu komplex in der Argumentation.

    Wer so einen unhistorischen Unfug schreibt, sollte besser schweigen; das ist keine Geschichtswissenschaft, sondern ideologisch verbrämtes Verurteilen ohne Kenntnis der Faktenlage und Zusammenhänge. Die Geschichte der Wehrmacht und des 2. Weltkrieges ist inzwischen gründlich aufgearbeitet, vor allem auch von angloamerikanischen Historikern und die objektive wissenschaftliche Beurteilung des Komplexes widerspricht deinen emotionalen Einlassungen deutlich. Ich hoffe, du erzählst deinen Schülern nicht solchen Unsinn.


    Zitat

    die Wehrmacht, nach Ansicht all ihrer Gegner die beste und effizienteste Armee des 20. Jahrhunderts, hatte trotz jahrelangen Widerstandes keine Chance gegen die Alliierten im Zweifrontenkrieg

    Es ist dir vielleicht nicht aufgefallen, aber trotz deiner stark beschönigenden Herangehensweise an die Verbrechen der "Wehr"macht (ich habe dir mal den Wikipedia-Artikel zur "Wehrmachtsausstellung" verlinkt), habe ich auf persönliche Herabwürdigung verzichtet. Ich wäre dir dankbar, wenn du dir auch einen angemessenen Stil zu eigen machen könntest. Was diese Verbrechen der "Wehr"macht betrifft gibt es darüber hinaus einen eigenen Artikel, den ich dir ebenfalls zur Lektüre empfehle. Du arbeitest ja gerne und viel mit Wikipedia und es ist zwar ausführlich dargestellt, aber du bist ja historisch interessiert, wenn auch offensichtlich sehr einseitig in der Quellenauswahl. Vielleich möchtest du dir ja, quasi als Einstieg, einmal eine elementare Grundlage aneignen. Weiterführende Literatur ist am Ende des Artikels ausführlich aufgeführt.

    Grundsätzlich bin ich dafür, wenn wir uns auf wissenschaftliche Faktenlagen beziehen, Quellen bzw. Belege möglichst zu nennen oder zumindest eine Richtung anzudeuten, Namen zu nennen, wo solche Belge zu finden sein könnten. Was nun meine Formulierung betrifft, die du als Unfug bezeichnet hast. Vielleicht ist dir bekannt, dass der Krieg in den Osten von Deutschland begonnen und geführt wurde unter der Parole "deutschen Siedlungsraum für ein künftiges „Großgermanisches Reich“ zu gewinnen" (Wikipedia-Artikel zum 2. Weltkrieg). Dieser Krieg wurde als "Vernichtungskrieg" geführt. Diese Aussagen lassen sich im Übrigen über Wikipedia hinaus ohne Weiteres durch entsprechende Primärquellen (historische Reden der befehlshabenden Verbrecher) belegen. Ich halte es für angemessen einen Krieg, der auf die Ermordung der ansässigen Bevölkerung und die Inbesitznahme ihres Territoriums abzielt, als raubmörderisch zu bezeichnen. Die Ausführeden dieser Befehle sind natürlich nicht die primär Schuldigen, doch sie haben sich im Rahmen dieser Verbrechen selbstverstädlich auch persönlich schuldig gemacht.


    Der Rest deiner Replik besteht aus Behauptungen auf dem gleichen Niveau, wie ich sie hier exemplarisch aufgezeigt habe. Es ist nicht verboten, so zu denken, aber du musst, wenn du es öffentlich verbreitest, schon auf Widerspruch gefasst sein.

    Hab die Technik noch nicht raus, wie ihr die Zitate einfügt...

    Zitat

    Der moderne Massenkrieg seit spätestens 1914 wird durch Menschen und Material entschieden, durch Wirtschaftskraft, Geld und Vorsprung an Technik und nicht durch militärisches Können. Das Heer des Deutschen Kaiserreiches kämpfte jahrelang auf fremdem Boden und ließ feindliche Truppen nicht ins Land, musste aber dennoch der Übermacht der Entente weichen; die Wehrmacht, nach Ansicht all ihrer Gegner die beste und effizienteste Armee des 20. Jahrhunderts, hatte trotz jahrelangen Widerstandes keine Chance gegen die Alliierten im Zweifrontenkrieg.

    Also die deutsche sog. "Wehr"macht war ja mal vor allen Dingen eine Truppe, die in alle Richtungen auf Raub ausgeschwärmt ist. Räuberbande wäre eigentlich der treffendere Name, wenn es nicht so niedlich nach Ali Baba und den 40 Räubern klingen würde. Also Raubmörderbande von mir aus. Mein lieber Opa war auch mit dabei, um das mal gleich zu sagen, der mütterlicherseits ist nicht mehr zurückgekommen, der väterlicherseits war mir in meiner Kindheit ein lieber Mensch, der mir vieles beibrachte und unter anderem zeigte, wie man Obstbäume veredelt. Diese effiziente Mörderbande wurde allerdings auch von Menschen befehligt, die so böse waren, dass sie dadurch auch noch strohdumm waren, weil sie ja ihre Bosheit zuallererst ausleben mussten, und also nach der Devise viel Feind viel Ehr mal eben gegen die ganze Welt Krieg führen und dann natürlich auch die ganze Welt unterjochen wollten. Wenn du meinst, dass sei kein Ausweis mangelnden strategischen Denkens, dann weiß ich auch nicht und was den ersten WK betrifft. Nun ja, sich so in die Scheiße zu reiten, das gar gar nichts mehr geht, selbst nachdem die eine Front beruhigt ist, und dann noch anderen erfolgreich die Schuld dafür in die Schuhe zu schieben. Das zeugt schon auch von einer seltenen Mischung aus totaler Unfähigkeit (auf militärischem Gebiet) und Gerissenheit im Politischen.


    Was soll ich sagen, der ganze Text strotzt mal wieder von Verallgemeinerungen. Wer lieber tot sein will, als zu humpeln, dem sei das gegönnt. Die rollatorerzeugende Industrie wird es ihm wohl nicht danken.


    Was die großzügige Vergesellschaftung deines (verzeih) etwas larmoyanten Kriegsfatalismus betrifft, kann ich mich nur wundern. Es gab und gibt immer Menschen, die vom Krieg kräftig zu profitieren meinen, sie ziehen materiellen Gewinn aus den erfolgreichen Raubzügen und bei Bedarf auch aus den Niederlagen. Was sie dabei mit ihren Seelen veranstalten, wie sie sie verunstalten, steht auf einem anderen Blatt, da werden sich wohl die wenigsten drum kümmern (zu Lebzeiten). Aber dass alle Menschen von dieser ehrenvollen Todesbegeisterung für's Vaterland, von dieser geistigen und seelischen Verrohung infiziert wären, halte ich für vollkommen haltlos. Natürlich gibt es Kriege in allen Kontinenten, aber das Ausmaß dieser Kriege wurde in den letzten paar hundert Jahren ganz wesentlich von der europäischen Zivilisation geprägt und das bis heute. Die Techniken der modernen Kriegsführung stammen aus Europa und damit von der effizientesten Räubmörderzivilisation der Menschheitsgeschichte. Daneben gab und gibt es selbstverständlich auch friedliebende Völker und friedliebende Menschen sogar in großer Zahl. Selbst die Mitläufer der Raubmörderarmee, die in den 40er Jahren Europa verwüstet hat, waren ja zum größten Teil überhaupt nicht begeistert und überhaupt nicht darauf aus, in den Krieg zu ziehen. Zu Beginn des WK I scheint die Situation etwas anders gewesen zu sein.

    Dass uns nun der Krieg ernährt, nun ja, man mag es für die Vergangenheit annehmen, dass der permanente Kriegsexport in Europa und in den USA zum Wohlstand beigetragen habe. Also, wer ist dann "uns"? Die Menschen im Kongo, also die Mehrzahl der Menschen dort ganz sicher nicht. Das ist also wohl eher ein national gedachtes "uns". Es ist ja gar nicht auseinander zu halten. Aber ob diese Ernährungsstrategie tatsächlich aufgeht und ob sie in der Vergangenheit für das uns tatsächlich aufgegangen ist? Ob wir also - und sei es nur materiell - besser gelebt haben dank dieser kriegerischen Kultur? Das ist bestenfalls eine offene Frage.

    Nun ja, ich verspreche mir einiges von dieser Aufnahmen, ist allerdings eine andere Oper. Mit der Zeit, werden wohl die ganzen sogenannten klassischen Interpretation des 20. Jh. durch angemessenere OPI-Einspielungen ersetzt werden. Das dauert zugegebenermaßen ...*wait* Für das späte 19. Jahrhundert erleben wir gerade erst die Anfänge.


    Cembalosonaten Wq.52 Nr.1-3, Wq.60, Wq.62 Nr.24 (CD Nr. 28 der Gesamtaufnahme)

    +1.Satz aus der Sonate Wq. 52 Nr. 3 (embellished version)

    Künstler: Miklos Spanyi (Clavichord)


    Spanyi behält dieses sehr klangreiche Clavichord als Instrument bis zu den Sonaten und Rondos für "Kenner und Liebhaber" (CD 32) bei, indem er sich und uns spielerisch das Schaffen von C.P.E. Bach weitgehend in chronologischer Reihenfolge erschließt. Das Clavichord ist ein Nachbau von 1999 eines Originalinstruments von 1785 von G. J. Horn. Eine Fotografie auf dem Booklet (Innenseite) zeigt das Instrument geöffnet, so dass das Prinzip der Klangerzeugung anschaulich wird. Die quer verlaufenden Seiten werden wohl direkt über den Tastendruck angeschlagen. Die Tasten nehmen nur ca. die Hälfte der Vorderseite ein, daneben befindet sich in gleicher Breite der Resonanzkörper, über den die Seiten gespannt sind. Die tiefen Seiten entwickeln bei starkem Anschlag einen durchaus perkussiven, schnarrenden Beiklang, der einen starken Kontrast zu den zarteren hohen und mittleren Tönen erzeugt. Insgesamt scheint das Instrument rein über den Anschlag seine ungemein differenzierte klangliche Gestaltung zu ermöglichen, was diesen komplexen Sonaten in besonderer Weise gerecht wird. Freilich ist es kaum für einen Konzertsaal geeignet, sondern für das private häusliche Musizieren.

    Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788)

    Cembalosonaten Wq.52 Nr.1-3, Wq.60, Wq.62 Nr.24 (CD Nr. 28 der Gesamtaufnahme)

    +1.Satz aus der Sonate Wq. 52 Nr. 3 (embellished version)

    Künstler: Miklos Spanyi (Clavichord)

    Spanyi behält dieses sehr klangreiche Clavichord als Instrument bis zu den Sonaten und Rondos für "Kenner und Liebhaber" (CD 32) bei, indem er sich und uns spielerisch das Schaffen von C.P.E. Bach weitgehend in chronologischer Reihenfolge erschließt. Das Clavichord ist ein Nachbau von 1999 eines Originalinstruments von 1785 von G. J. Horn. Eine Fotografie auf dem Booklet zeigt das Instrument geöffnet, so dass das Prinzip der Klangerzeugung anschaulich wird. Die quer verlaufenden Seiten werden wohl direkt über den Tastendruck angeschlagen. Die Tasten nehmen nur ca. die Hälfte der Vorderseite ein, daneben befindet sich in gleicher Breite der Resonanzkörper, über den die Seiten gespannt sind. Die tiefen Seiten entwickeln bei starkem Anschlag einen durchaus perkussiven, schnarrenden Beiklang, der einen starken Kontrast zu den zarteren hohen und mittleren Tönen erzeugt. Insgesamt scheint das Instrument rein über den Anschlag seine ungemein differenzierte klangliche Gestaltung zu ermöglichen, was diesen komplexen Sonaten in besonderer Weise gerecht wird. Freilich ist es kaum für einen Konzertsaal geeignet, sondern für das private häusliche Musizieren.

    Morgens diese wunderbare Aufnahme:

    Johannes Ockeghem (1430-1497)

    Missa "L'homme arme"

    Agricola: Cecus non iudicat de coloribus

    +Busnoys: In hydraulis

    +Morton oder Dufay: Il sera par vous - l'homme arme

    Künstler: Ensemble Nusmido

    Erscheinungstermin: 23.3.2015


    und nachmittags etwas Beschwingtes:

    Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788)

    Cembalosonaten Wq.62,17 & Wq.65 Nr.28

    +Petites Pieces Wq. 117 Nr. 17, 18, 26, 28, 30-33, 37

    Künstler: Miklos Spanyi (Clavichord)Erscheinungstermin: 19.6.2002

    Inzwischen habe ich die Sammlung erweitert und hoffe, sie im Lauf des kommenden Jahres zu komplettieren. So viel schöne bereichernde Claviermusik!

    Nr. 1-2 bringen die Preußischen Sonaten

    Cembalosonaten Wq.48 Nr.1-4

    +Cembalosonate Wq. 65, 2

    Künstler: Miklos Spanyi, Clavichord

    Erscheinungstermin: 1.1.1996



    Cembalosonaten Wq.48 Nr.5 & 6

    +Cembalosonaten Wq. 65 Nr. 5, 8, 9

    Künstler: Miklos Spanyi, Clavichord

    Erscheinungstermin: 1.1.1996


    Nr. 3-4 frühe Sonatinen und Sonaten


    Sonatinen für Cembalo Wq.64 Nr.1-6

    +Cembalosonate Wq. 65, 7

    Künstler: Miklos Spanyi, Clavichord

    Erscheinungstermin: 4.2.1999


    Bis CD-Nummer 15 weitere Sonaten und Sonatinen diverser Reihen


    Cembalosonaten Wq.62 Nr.18 & 20

    +Leichte Claviersonaten Wq. 53 Nr. 4-6

    Künstler: Miklos Spanyi, Clavichord

    Erscheinungstermin: 19.2.2001


    CD Nr. 16-17 bingen die sogenannten Württembergischen Sonaten


    Cembalosonaten Wq.62 Nr.8 & 10;Wq.65 Nr.22,23,25

    Künstler: Miklos Spanyi, Cembalo

    Erscheinungstermin: 15.10.2001



    Cembalosonaten Wq.62,17 & Wq.65 Nr.28

    +Petites Pieces Wq. 117 Nr. 17, 18, 26, 28, 30-33, 37

    Künstler: Miklos Spanyi (Clavichord)

    Erscheinungstermin: 19.6.2002



    Sinfonias Wq. 122 Nr. 1 & 2; Sonaten Wq. 65 Nr. 24 & 29; Allegretto & Variationen Wq. 118 Nr. 5; Fantasia & Fuge Wq. 119 Nr. 7

    Künstler: Miklos Spanyi, Klavier

    Erscheinungstermin: 24.2.2005



    Wq. 49 Nr. 1-3

    Künstler: Miklos Spanyi, Cembalo

    Erscheinungstermin: 20.2.2007



    Wq. 49 Nr. 4-6

    Künstler: Miklos Spanyi, Clavichord

    Erscheinungstermin: 28.8.2007



    Cembalosonaten Wq.63 Nr.1-6 "Probestücke"

    Künstler: Miklos Spanyi, Clavichord

    Erscheinungstermin: 19.1.2011


    Ab Nummer 32 dann die Sonaten und Rondos Kenner und Liebhaber, die auch Pieter Jan Belder bei Brilliant eingespielt hat.

    Für Kenner und Liebhaber (Sammlungen 1 & 2)

    Sonaten Wq. 55 Nr. 1, 4, 6; Rondos Wq. 56 Nr. 1, 2, 3

    Künstler: Miklos Spanyi (Tangentenflügel)

    Erscheinungstermin: 30.11.2016



    Für Kenner und Liebhaber (Sammlung 3)

    Sonaten Wq. 57 Nr. 1-6; Canzhonetta mit 6 Variationen Wq. 118 Nr. 8

    Künstler: Miklos Spanyi (Tangentenflügel)

    Erscheinungstermin: 26.7.2017



    Für Kenner und Liebhaber (Sammlung 5)

    Sonaten Wq. 59 Nr. 1 & 3; Rondos Wq. 59 Nr. 2 & 4; Fantasias Wq. 59 Nr. 5 & 6; Variationen F-Dur über "Ich schlief, da träumte mir" Wq. 118 / 1: 2; Arioso Sostenuto A-Dur mit 5 Variationen Wq. 79

    Künstler: Miklos Spanyi (Tangentenflügel)

    Erscheinungstermin: 31.1.2018



    Für Kenner und Liebhaber (Sammlung 6)

    Klaviersonaten Wq. 61 Nr. 2 & 5, Wq. 65 Nr. 48 & 50; Fantasias Wq. 61 Nr. 3 & 6; Fantasia Wq. 67; Ronso Wq. 61 Nr. 1 & 4; Les Folies d'Espagne mit 12 Variationen

    Künstler: Miklos Spanyi (Tangentenflügel)

    Erscheinungstermin: 9.5.2018



    Nr. 8 Sonaten und 'Petites Pièces' hatte ich gerade im Ohr. Für mich klingt das Clavichord in dieser Aufnahme, wie Ulli schon amtlich bestätigt hat, ganz besonders schön, volltönend. Ich meine korrekt ausgeführte Vorschläge zu hören, aber da habe ich mich ja schon öfters geirrt, zumal mir kein Notenmaterial vorliegt. Ulli wird es besser wissen. In jedem Fall verfügt Spanyi, der sein Leben C. P. E. Bach verschrieben zu haben scheint, über eine sehr differenzierte Anschlagstechnik.

    Heute Abend in den Donauhallen, Donaueschingen, Strawinsky Saal habe ich , gemeinsam mit meiner Familie, es war der erste Konzertbesuch mit meinen Kindern (10, 14) das Ensemble Nevermind (Machtnix?) genossen. Ausführende waren Anne Besson (Querflöte), Louis Creac'h an der Violine, Robin Pharo (Viola da Gamba) und Jean Rondeau am Cembalo. Gespielt wurde ein französisch geprägtes Spätbarock-Programm mit Marin Marais, Francois Couperin, G. Ph. Telemann (zwei Pariser Quartette) und Jean-Baptiste Quentin. Zwei der vier Komponisten waren mir - bewusst - noch nicht begegnet. Die Musik wurde durchweg inspiriert vorgetragen. Besonders begeistert hat mich die Mischung der Instrumente, die ich im Konzert so noch nicht vernommen hatte. Eigentlich klingt ein solcherart besetztes barockes Quartett für mich viel interessanter als das bekannte klassische Format. Die Telemann-Quartette kannte ich und fand sie beschwingt und sehr mitreißend vorgetragen, auch die Kinder, die so etwas noch nicht erlebt hatten, waren begeistert, wenn auch die Kleine am Ende um 21:00 Uhr etwas müde. Sehr gut haben mir auch die Quartettsätze von Jean-Baptiste Quentin gefallen, die die auf englisch bewerkstelligte Ansage im Stil an Telemann orientiert verortete. Die Akustik des nicht zu großen Saals kam dem Votrag entgegen. Leider war der Saal nicht annähernd voll. Der Altersdurchschnitt dürfte um die 65 gelegen haben. Angesichts des hohen Alters war das Publikum am Ende ziemlich begeisterungsfähig, eine Zugabe (Telemann) wurde gegeben. Alles in allem ein sehr schöner Abend.