Beiträge von pm.diebelshausen


    Eugen d’Albert: Tiefland


    Isabell Strauß - Soprano (Marta)

    Martha Musial - Sopran (Pepa)

    Alice Oelke - Sopran (Antonia)

    Margarete Klose - Alt (Rosalia)

    Angelika Fischer - Sopran (Nuri)

    Rudolf Schock - Tenor (Pedro)

    Karl-Ernst Mercker - Tenor (Nando)

    RIAS-Chor

    Berliner Symphoniker

    Hans Zanotelli

    1962


    Vorgestern Abend, hat mich erreicht. Der aus großer Stille heraus gemalte Anfang (Klarinette solo) litt zwar etwas unter dem Rauschen der Sechziger und es gibt ein paar kleine drop-outs auf dem linken Kanal, aber das tat nicht weh. Rudolf Schock zeichnet seine zwischen zuversichtlich-gottesfürchtig-naturverbunden und cholerisch changierende Figur exzellent energisch und Isabell Strauß gibt ein ebenbürtiges Gegenüber - am sympathischsten fand ich jedoch Angelika Fischer, die geradezu kleinlaut die aus den tratschenden Weibern herausstechende Nuri ohne jede Bravour inmitten der starken Stimmen platziert (besonders in dem einfach nur hübschen Morgenlied "Die Sterne gingen zur Ruh").


    Weil mich die Musik gleich packte, wurde auch d'alberts "Golem" bestellt...


    *sante*

    auf meinem Clavichord; vorausgesetzt, alle Saiten sind eingebaut und gestimmt (derzeit liegt das f' irgenwo herum, da Saite gerissen ... und zum Stimmen habe ich keine Lust

    Langsam sind mir gewisse Übereinstimmungen unheimlich. Bei mir sind es zwar derzeit mehr Cachaça und Genever als Whisky (im Dienste der Sache nur ein haarspalterischer Unterschied), aber mein Spinett steht hier gleichfalls ungestimmt und mit einer gerissenen g'''-Saite. (Ehrlicherweise: nicht, dass ich darauf überhaupt etwas Nennenswertes spielen könnte.) Welche Marke rauchst Du?

    Puh, das war - laut. Rund 30 Musizierende (Mitglieder der Aachener und der Bergischen Sinfoniker) in einer durchschnittlich großen Hallenkirche von 1877. Das gab einen geilen, fetten Sound. Alles war präsent, die Schlaginstrumente rappelten, der eine Kontrabass setzte da unten ein sattes Futter. Der Laienchor hatte dadurch etwas Mühe, durchzudringen. Ebenso, doch nur teilweise, die gewinnende Sopranistin Elena Fink, die ich beeindruckend fand (nicht nur, weil ich zwei Armlängen vor ihr saß), so eine warme Stimmfarbe, präzise, mühelos scheinend. Ein paar Überraschungen gab es mit einer Komposition unseres Organisten Alain Gehring und zwei Uraufführungen des ebenfalls anwesenden David Fisher, der heute auch noch Geburtstag hat. Thomas Höft, gewohnt charmant wortgewandt und souverän humorvoll, trug dazu bei, all dem Zuckerguss des überwiegend dem anglo-amerikanischen Weihnachtsgestus verpflichteten Programms gedankliche Tiefe mitzugeben. Ein begeisterndes Konzert, nicht nur wenn man bedenkt, dass es sich um eine einfache Kirche einer einfachen Gemeinde handelt: das ist Kulturschaffen in bester kirchenmusikalischer Tradition und zugleich modern. Was Diessner jährlich auf die Beine stellt, finde ich grandios.


    *sante*

    Heute Abend in "meiner" Ehrenfelder Friedenskirche:

    'Tis the Season

    Weihnachts-Gala mit Chormusik von Bach bis Musical


    Weihnachtliche Chormusik, Lieder, Carols aus verschiedenen Ländern und Epochen. Werke für Solisten, Chor und Orchester. Musik von Bach, Rutter, Clydesdale,
    Fisher, Waldteufel, Humperdinck u. v. a.

    Elena Fink, Koloratursopran

    Suzanne McLeod, Mezzosopran

    N.N., Tenor


    Ehrenfelder Kantorei

    Orchester der Friedenskirche Köln

    Leitung: Joachim Diessner


    Eintritt frei, "Gala" ist eigentlich nicht so mein Ding, aber Joachim Diessner macht eine niveauvolle opi-orientierte Arbeit als Kirchenmusiker und der von mir sehr geschätzte, umtriebige Thomas Höft (seit 1994 Dramaturg des Festivals styriarte Graz, 2012 - 2018 Direktor des Kölner Zentrums für Alte Musik, Gründer der Kölner Offenbach-Gesellschaft, 2019 Co-Curator des Festivals Oude Muziek in Utrecht usw. usw. usw.) moderiert den Abend - da gehe ich zweifellos hin.


    *sante*

    Ich hätte beinahe ein neues Thema eröffnet, aber hier passt es schon.


    Interessieren würden mich mal mehr Beschreibungen Eurer Hörgewohnheiten. Dazu einige konkrete Fragen. Klar ist, dass ich hier ein paar alte Ohrhasen frage, die sich viele Kenntnisse über Kompositionen, Komponisten und Interpreten längst erarbeitet haben, wohingegen ich meist vor für mich (mal mehr mal weniger) Neuem stehe, nein sitze. Jede/r bringt einen eigenen Startpunkt mit. Vielleicht denkt Ihr beim Antworten einmal an Eure früheren Ansätze oder stellt Euch vor, dass Ihr einem Höranfänger antwortet (der ich ja nun auch längst nicht mehr bin, der aber über die Weiten des www vielleicht auch mal hier hin schwappt).


    Insbesondere die Frage wie und wann Ihr das eigentliche Hören der Musik mit anderen Informationsquellen anreichert. Lest Ihr Booklettexte vor, während, nach oder zwischen dem Hören? Und wie steht es darüber hinaus mit der eigenen Bibliothek, Lexika, Handbücher, Biografien, Werkbesprechungen sowie Onlinetexten? Hört Ihr die Partitur mitlesend, immer, manchmal, zielgerichtet, nie? Übrigens auch im Konzert: lest Ihr vorher Programmhefte und lest Ihr Libretti mit? Klar kennt man nach einer Weile manche Werke textlich sozusagen auswendig, aber bspw. eine noch unbekannte Oper kann aufgrund fehlender Fremdsprachenkenntnis oder auch einfach der Text(un)verständlichkeit der Aufführung/Einspielung ohne Lesen verschlossen bleiben.


    Lasst Ihr Euch bei Unbekanntem erstmal überraschen oder bereitet Ihr jeden Zugang vor?


    Welches Setting wirkt auf Euch optimal und ist vielleicht sogar ritualisiert? Ulli stelle ich mir immer mit einem guten Gesöff und einer Schachtel Fluppen im Stockfinsteren vor, was ungefähr auch auf mich zutrifft (und zu obiger Frage nach dem Lesen zurückführt - Nachtsichtgerät?), und Yorick dirigiert zwischen den Saunagängen ohne Auswirkung auf die CD mit. Dunkelheit wirkt bei mir auf jeden Fall so vorteilhaft auf die Konzentration auf Klang, dass mich schon die kleinsten LEDs an Steckdosenleisten stören können - aber Kerzenlicht funktioniert wiederum sehr gut.


    Und auch: was ist Euer kognitiver Modus? Oft wird die reine (vielleicht emotionale) Welt der Musik betont, andere verknüpfen Höreindrücke mit visuellen und metaphorischen Vorstellungen nicht nur bei Programmmusik bzw. aufgrund der eindeutigen (z.B. Passionen oder Battaglien) oder zumindest nahegelegten Realzusammenhängen (z.B. als Nebentiteln bei Symphonien). Was stellt Ihr Euch vor bzw. - und ja, das dürfte gar nicht allgemein und auch überhaupt nicht leicht zu versprachlichen sein - in welchen Zustand versetzt Euch Musik, sofern sich das kondensieren lässt? Ich meine das weniger als Beschreibung dessen, was Euch schon widerfahren ist, sondern im Sinne dieses Threads mehr in die Richtung: beabsichtigt Ihr in dieser Hinsicht etwas, wenn Ihr Musik hört, und was tut Ihr als Hörer dafür, dass Euch dieses angestrebte Erlebnis gelingt?


    Dazu noch: wer von Euch hat eigene Spielkenntnisse und welche? Manches habe ich natürlich auch da schon in oder zwischen den Zeilen hier gelesen, aber letztlich nicht so ganz eindeutig. Da würde mich (ja, das geht etwas über das eigentliche Thema hier hinaus) unter dem Vorzeichen des oben genannten Startpunkts beim Hören interessieren, inwieweit eigenes Musizieren einen anderen Zugang im Vergleich zu nicht-Notenlesenden/-Ausführenden bietet und inwieweit Ihr ggf. auch das einsetzt, um Euch einem Werk zu nähern. Das kann irgendwo zwischen einem dumpfen, rudimentären nachvollziehen Können, weil man auch mal ein Instrument in der Hand hat(te), bis hin zum selber Spielen einer Sonate für Pedalflügel verortet sein.


    Ich weiß, das ist insgesamt weit gefasst, aber ich finde schon, dass meine Fragen eine gemeinsame Ausrichtung haben, weshalb ich sie nicht in verschiedene Threads zerbröseln möchte, wenn sich auch manches mit anderen Orten im Forum überschneiden dürfte.


    Und zu guter Letzt: uns ist ja allen klar, dass es nicht um richtig oder falsch geht: ich bin einfach neugierig auf die unterschiedlichen, praktizierten Wege mit Musik und da seid Ihr meine richtigen Ansprechpartner.


    *sante*

    Das alles habe ich auch, aber nur 40 Stunden die Woche. Daheim lasse ich Krippe und Kerzen leuchten, bestelle den Rehrücken bei der benachbarten Jägerin ("In dieser wunderschönen Nacht/hat sie den Förster umgebracht") und genieße die Ruhe. Anders gesagt: ich mach's mir selbst und lasse mich vom Stress der anderen nicht weiter beeindrucken.


    *sante*

    Wie hätte ich Deiner Meinung nach, Yorick, die Frage anders formulieren sollen? Ich habe sie mir jetzt x-mal durchgelesen und finde sie nach wie vor logisch ...

    Hast schon recht, opi ist ein Akronym und es steckt im Namen "Chopin". Yorick und ich denken halt manchmal nicht logisch sondern kompliziert und haben Deine Quizfrage als "aus welchem Komponistennamen lässt sich als Akronym opi bilden?" missgelesen. Knoten im Kopf, da helfen auch keine unterschiedlichen Definitionen - im Nachhinein ist es glasklar und ich kann auch wieder schlafen. *hide*


    *sante*

    ist ja außerdem kein Akronym ...


    So habe ich auch gedacht, Yorick. Und seit Montag nicht mehr geschlafen. Aber opi ist bereits ein Akronym und so meint es wohl Ulli und deshalb liegt Siegfried wohl richtig. Falls doch nicht, fallen mir nur Onstantin Pikolajewitsch Igumnow, Ogismondo p’India und Otter Pracine Icker ein. *neee*


    *sante*

    Hatte mich gestern auch erst irritiert. Aber da kritische Ausgabe nach Erstauflage 1853 (und Einträge aus Handexemplar) gibt es sicher eine editorische Anmerkung dazu. In der Leseprobe findet sich das durchgehend, hat also nicht nur mit dem Titel zu tun: "Von dem trefflichen Werke Tzschirner’s", "der Einfluß des Christenthum’s", "zu Nero’s Zeit", "das Leben Sever’s" usw. Übrigens auch "in’s Haus", was Deinen Kauf noch zusätzlich unterbinden dürfte.


    *sante*

    Erwin Schulhoff

    Dem bin ich gestern auch begegnet, erstmals, und zwar mit



    Erwin Schulhoff


    Suite für Kammerorchester WV 58 (1921)

    Vier Lieder WV 19 op. 2 für Sopran und Kammerorchester

    Drei Stücke für Streichorchester WV 5 op. 6

    Doppelkonzert für Flöte, Klavier und Orchester WV 89 (1927)


    Norico Kimura: Sopran

    Peter Badstübner: Rezitation

    Wally Hase: Flöte

    Heidi Sophia Hase: Klavier

    Tritonus Wimares

    Walter Hilgers

    2000


    Derzeit beliebte Frage: warum? Stand halt hier rum. Gefiel mir auf Anhieb sehr gut im jeweils sicheren Umgang des Komponisten mit Klangfarben und unterschiedlichen Stoßrichtungen (schwerpunktmäßig sind das Jazzfrechheit in der Suite, kleinteilig differenzierte Moderne in den Vier Liedern, nordische Romantik in den Drei Stücken, in die 20er Jahre entführter Klassizismus im Doppelkonzert), was eine ganz schöne Bandbreite abbildet. Produktionstechnisch - nun ja, MDG halt, formidabel. Umgehend Biografie geordert:



    *sante*

    Durch das Hochwasser in Venedig sind im Archiv des Conservatorio Benedetto Marcello tausende Partituren und Manuskripte beschädigt und viele Freiwillige, vor allem aus den Reihen der Musikstudierenden, engagieren sich für die nötigen Sofortmaßnahmen, um die teils bedeutenden, seltenen, wertvollen Schriften vor der verheerenden Wirkung des Salzwassers zu retten. Online finde ich dazu noch nichts, sondern entnehme die traurige Nachricht (und die Frage, warum solche Schätze einer Stadt wie Venedig in unteren Regalfächern gelagert wurden) den Mitteilungen des Cellisten Enrico Bertolotti auf Facebook, der dort auch schmerzliche Fotos geteilt hat (die ich natürlich ohne seine Erlaubnis nicht hierhin kopiere).


    Aber dieser gestrige Beitrag von tg3 ist öffentlich: klick.