Beiträge von pm.diebelshausen

    Eines dieser beiden?


    Michael J. Lewis: Organo Primo & Organo Secundo


    In der Szene, die Du meinst, ist der damalige Organist der Bristol Cathedral zu sehen, Clifford Harker.





    Dan Tepfer, französisch-amerikanischer Jazzpianist und Komponist, spielt die Goldbergvariationen auf einem Yamaha Disklavier (das ist sehr omi) und lässt seine eigens geschriebene Software dann die Umkehrung, gespiegelt an der Achse zwischen e und f, wiedergeben. Heraus kommt etwas neues Altes nach gestrengen Regeln, ganz eindeutig nicht aus der Zeit stammen könnend und doch im Ton nah dran, mit sanftem Kontrast sozusagen, und mit einer Wechslung von Dur und moll. Ganz anders als seine Ergänzungen der GBV durch eigene Impro-Variationen auf seiner CD Goldberg Variations/Variations aus 2011. Ist mal ein Ohr wert.


    Wenn Ihr auf den Titel oben links im YouTube-Fenster klickt, gelangt Ihr zur Playlist.


    *sante*




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    Zum Clavichord schreibt die Stiftung Mozarteum unter anderem:


    "Gemäß einem Zertifikat von der Hand Constanze Mozarts im Inneren des Clavichords war es 'Mein liebes Clavir worauf Mozart so viel gespielt und componir[t] hat als die zauberflöte, la Clemenza di Tito das Requiem und eine freumaurer Cantate ….. Mozart hatte das Clavir so lieb, und deswegen habe ich es doppel lieb!'"


    *sante*

    Wie wär's mit opi?



    Gershwin, George (1898-1937)


    Catfish Row I-V

    Summertime

    By Strauss

    An American in Paris

    The Man I Love

    My Man Is Gone Now

    I Got Rhythm

    Rhapsody in Blue


    Claron McFadden - Soprano

    Bart van Caenegem - Piano: Steinway & Sons 1906


    Anima Eterna Brugge

    Jos van Immerseel

    2017


    *sante*

    Ich habe mir folgende vier angehört und möchte vergleichsweise zum Klangeindruck etwas sagen:



    Bart van Oort (1996): Salvatore Lagrassa ca. 1815 (restauriert 1993 durch Edwin Beunk und Johan Wennick)




    Alexei Lubimov (2012): Erard 1802 (Nachbau von Christopher Clarke)



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    Michele Bolla (2015): Anton Walter ca. 1800/05 (Nachbau von Ugo Casiglia 2014)



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    Alexei Lubimov (2020): ? (Nachbau von Paul McNulty)



    Bei van Oort fällt mir vor allem auf, dass sich das obere Register gegen Bass und Mitte kaum durchsetzen kann. Und wenn es das aber muss, dann schafft es das nur plärrend. Insgesamt klingt das Instrument wenig druckvoll, eher undifferenziert, schwimmend, eindimensional, beinahe leise und dumpf. Ist das seinem Alter geschuldet? Der Tastenanschlag ist in seiner Mechanik zu hören, aber ansonsten bleibt das Instrument eher körperlos.


    Bezüglich Lubimov 2012 bin ich verärgert. Für meine Ohren wurde bei dieser Produktion ordentlich am Bassanteil gedreht. Ergebnis ist kein natürlich wirkendes Abbild des Instruments sondern eine in den Tiefen undifferenziert wummernde und grummelnde Aufnahme. Besonders deutlich ist das an den Resonanzanteilen, dem Holz des Instruments, der Mechanik des Anschlags zu hören. Schön, wenn ich das Gebälk höre. Nicht schön, wenn es mich an überbetonte Subbässe aus der Boseröhre eines Multiplex erinnert, statt an ein Fortepiano im Raum. Insgesamt wirkt die Aufnahme entfernter abgenommen. Bei Oort wirkt das Instrument etwas dumpf, hier tut es die Aufnahme. Schade, denn der Klang des Instruments ist ausgewogener als Oorts Lagrassa, die hohen Lagen können wesentlich besser bestehen.


    Bolla war dann wieder ein Ohrenöffner. Die Aufnahme klingt präzise und klar, ausgewogen ohne Überbetonungen und bei aller Transparenz nicht steril sondern eben natürlich. Das Instrument wirkt plastisch präsent mit seinem ganzen Körper und die Höhen bauen wie mit Leichtigkeit Weiches und Energisches gleichermaßen auf die tieferen Register, ohne jeden Verzicht. Das ist erstklassig eingefangen und bildet hervorragend Bollas Ausschöpfen der Klangfarben ab. Was für eine glückliche Begegnung von tollem Instrument, tollem Instrumentalisten und toller Produktion!


    Lubimov 2020 steht klanglich ebenfalls ganz oben. Ein herrlich klares Bild von einem Hammerflügel, vielleicht noch ein wenig glänzender als bei Bolla. Es klingt etwas reinlicher als dessen Einspielung, die Mechanik des Tastenanschlags hält sich als Nebengeräusch vornehm zurück, das Gerät ist insgesamt weniger präsent - dafür um so mehr der Interpret, der beherzt schnauft. Abgesehen davon würde ich den Klang dieser Einspielung als eleganter bezeichnen, Bolla als etwas rabiater. Aber beide halten hinsichtlich des Klangergebnisses einen exquisiten und großen Abstand zu van Oort und Lubimov 2012.


    *sante*

    Auf der beiliegenden DVD befinden sich zwei kurze Interviews mit Michele Bolla und mit Ugo Casiglia, der das Instrument hinsichtlich der mechanischen Klangeigenschaften mit Bolla zusammen konzipiert hat. Ich zitiere mal ein paar Auszüge (gemäß den englischen Untertiteln), die noch etwas mehr über dieses Fortepiano verraten und außerdem Balsam für unsere opi-Seele sind:



    Michele Bolla:


    At the beginning I was interested in understanding which kind of instruments had the composer when they wrote their music, because so often we forget that the instrument which Mozart owned, the instrument that Beethoven owned, the instruments which Chopin had are very different from the modern piano. Now we perform an entire program with the same instrument, but at that time the instruments were different. So, playing an historical instrument gave me performance insights that then I could apply to the modern piano. And then a few years ago I told myself, why I could not play directly an historical instrument? And then I met Ugo Casiglia, who supplied me this wonderful instrument, and so I began to play it regularly. [...]


    This is a copy of an instrument of the early Nineteenth century, so let's say that on it we can play up to Beethoven's Opus 57, also just because of its range. The instrument has a keyboard of five and a half octaves, so already Beethoven's late sonatas cannot be performed on it, as well as all the Romantic repertoire, but it works perfectly for all the Classical repertoire. [...]


    Because some notes are lacking, exactly, but also the sound aesthetics has changed, we can say this is an Eighteenth-century sound. [...] At the level of the sound there would be many things to say, because by its very nature this instrument has a sound transparency which is different from that of a modern piano. It would suffice to think at the first chord of the Pathetique, where all the seven sounds which the chord is composed of, can be perceived, whereas in a modern piano often you hear a very denser sound, for sure, almost a kind of roar. [...]


    There is more transparency, of course less power, but more transparency. [...] The travel of the key is very reduced relative to the piano, the keys are lighter, narrower, shorter, so of course you have to be very light, use the thumb as rarely as you can, as the textbooks tell us, at that time it was rarely used, especially on the black keys, and then you should not push, not use the weight too much, because the travel of the key is very reduced and you have to be gentle.



    Ugo Casiglia:


    For a starter, we have to say that this is a copy of an instrument made by Anton Walter in Vienna at the turn of the Nineteenth century - we do not have an exact dating. The playing mechanism is of the kind that will be defined "Viennese". [...]


    Here we can see the evolutionary aspects, required by Anton Walter, which enabled the transition of this instrument to the 19th century, with an overwhelming development if we think of Beethoven's life - he lived a quarter of a century of almost yearly innovations of the instrument. In this case Anton Walter redesigned the geometry of the case, leaving out the aesthetical qualities of the harpsichord, which it derives from, added a third string in the high range of the instrument - so approximately a third of the instrument has three strings, whereas the harpsichord or Stein's instruments, for example, which were the instruments of the Viennese make so beloved by Mozart, had only two strings for each note, and mainly created some evolutions of the mechanics. At the same time inventing and thinking how to obtain an agile, quick playing mechanism, endowed with a very great flexibility. The key, the way we see it, embodies the percussion mechanism. His real invention was the so-called capsule, which is a fork, housing the samll steel axis which enables the absolutely free movement of the hammer. The hammer, thanks to the escapement which moves at the other end of the hammer, enables the bouncing towards the string with such a velocity and force to give a sound mass really more powerful, compared to the earlier instruments. [...]


    We have to say that the hammers here are extremely small, they are made of lime wood, the first twelve are made of maple, because they have a greater mass, they are covered with skin, whereas in the modern instruments they are covered with felt. [...] The instrument required approximately eight months of daily work. [...] I would say that an instrument such as this one goes a little beyond the aesthetical qualities of the original, which it is modelled upon. [...]


    *sante*

    Ja, die Zeitwahrnehmung mag damals grundsätzlich, alltäglich eine andere gewesen sein. Zu Zeiten, in denen das Pferd das schnellste Transportmittel war, mag manches, was uns heute lahm vorkommt, kognitiv erstaunlich flott gewirkt haben.


    Bloß frage ich mich bei Wim Winters immer: legt man seine Temporekonstruktion zugrunde, gab es einfach keine schnellen Kompositionen, die das Menschlich-Physiologische und das Technisch-Mechanische der Instrumente ausgereizt hätte - und das kollidiert völlig mit meiner Auffassung des an sich getriebenen, Grenzen suchenden und überschreitenden Homo sapiens, zumal in der Kunst. Warum sollten Komponisten, die auf allen möglichen Ebenen des Komponierens (und Spielens) ohne Zweifel das konventionelle Fundament ihrer jeweiligen Zeit gesprengt, überwunden, ausgereizt und übergereizt, teils schockierend verlassen haben, dies nur hinsichtlich des Aspektes Tempo nicht getan und auch mal ein Doppelprestississimo notiert haben, um ein Tempo in Winters' Lesart zu erzielen, das uns heute als gängig schnell erscheint (den Unterschied zwischen Metronom- und Tempoangaben lasse ich mal weg)?


    *sante*


    Die Angaben im Booklet lauten folgendermaßen:


    The instrument is a reproduction of an historical instrument by Anton Walter (Wien 1800 ca)

    Maker: Ugo Casiglia - Year: 2014

    Keyboard: FF - c''''

    Two strings FF - a''; three strings b'' - c''''; A= 430 Hz

    Two knee levers: moderator, dampers


    Der italienische Booklettext gibt abweichend "Wien 1805 ca" an.


    *sante*

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    Ludwig van Beethoven (1770-1827)

    Claviersonate c-moll op. 13

    Claviersonate C-Dur op. 53


    Ferdinand Ries (1784-1838)

    Claviersonate fis-moll op. 26


    Michele Bolla, Fortepiano nach Anton Walter c1800/1805 made by Ugo Casiglia


    Das ist vom ersten bis zum letzten Ton absolut fesselnd. Dass es weitere Takes gab, bei denen das Instrument dann endgültig, gleichzeitig ex- und implodierte, ist zu erwarten. Ich nehme diese CD ab jetzt als Referenz-Demo für die Klangeigenschaften eines Fortepiano. Vom Schweiß auf der Stirn über selige Verträumtheit bis zur Schockgefrierung ist alles dabei. Herrlich, diese Aufnahme, die die Mechanik des Fortepianos, das Knarzen des Hockers, das Umblättern der Seiten mit abbildet.


    *sante*

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    Ludwig van Beethoven (1770-1827)

    Claviersonate c-moll op. 13

    Claviersonate C-Dur op. 53


    Ferdinand Ries (1784-1838)

    Claviersonate fis-moll op. 26


    Michele Bolla, Fortepiano nach Anton Walter c1800/1805 made by Ugo Casiglia


    Das ist vom ersten bis zum letzten Ton absolut fesselnd. Dass es weitere Takes gab, bei denen das Instrument dann endgültig, gleichzeitig ex- und implodierte, ist zu erwarten. Ich nehme diese CD ab jetzt als Referenz-Demo für die Klangeigenschaften eines Fortepiano. Vom Schweiß auf der Stirn über selige Verträumtheit bis zur Schockgefrierung ist alles dabei. Herrlich, diese Aufnahme, die die Mechanik des Fortepianos, das Knarzen des Hockers, das Umblättern der Seiten mit abbildet.


    *sante*