Beiträge von pm.diebelshausen

    Geht mir genauso. Neben der Episode "Die schwarze Katze" in "Der grauenvolle Mr. X", in der Price und Peter Lorre so grandios zusammenspielen (mit Absicht nicht getrennt geschrieben) ist das für mich das beste, was man von ihm zu sehen bekommen kann - stilvoll, morbid, schaurig, brutal, gewitzt, rabenschwarz, komödiantisch, scheußlich, leichtfüßig, wo sonst gelingt eine solche Mischung?

    Aber nicht neu, siehe Das Echolot von Walter Kempowski, neuerdings ja auch im TV als Format etabliert.

    Warum "aber"? Klingt als gebe das Projekt vor, etwas ganz Neues zu machen, oder als müsste es das. Kempowskis Collage, die auch ihr Vorbild hat, ist eine literarische, auch deutlich literarisch-gestalteter, diese hier eine aus Tondokumenten, und auch das ist selbstverständlich nicht neu.


    Meine Geschichte: Zeitzeugen erzählen - 100 Jahre Deutschland

    13 CDs, ca. 894 Minuten


    Bei mir über Audible, höre ich meist vor dem Einschlafen. Dementsprechend komme ich langsam voran, befinde mich jetzt nach Ende des 1. Weltkriegs. Und bekomme genau, was ich erhofft hatte und darüber hinaus mehr.


    Das Ganze besteht ausschließlich aus O-Tönen sich erinnernder Menschen, manchmal einzelne Sätze, oft längere zusammenhängende Anekdoten, Reflexionen, zusammenfassende Zeitbilder, konkrete Einzelsituationen. Unterschiedliche Milieus, unterschiedliche Regionen, unterschiedliche Sichtweisen. Keine redaktionellen Kommentare, aber eine Montage, die sich am chronologischen Fortlauf orientiert und um Themen zentriert und in der sich die einzelnen Stimmen ergänzen, manchmal auch voneinander abgrenzen oder gar widersprechen. Die ältesten Stimmen sind gerade noch am Ende des 19. Jahrhunderts oder um die Jahrhundertwende geboren. Manches ist ganz persönliche, eigentlich private Biografie, manches ist ein Abbild größerer sozialer Perspektive. Das ergibt wunderbar authentische Einblicke, bei denen die Bedeutung von Kaisers Geburtstag zu den frühesten Erinnerungen zählt. Armut, Glaube, Schule, Vaterrollen, Kriegsbegeisterung, Berufswahl, Medien, Politik, Weltwirtschaftskrise, Jugendbewegung (sie nennen sich selber "Jugendbewegte", kannte ich so noch nicht) - und dabei bin ich ja nichtmal bei einem Viertel dieser 100 Jahre angelangt. Vierzehn belebtere Geschichtsstunden gibt es wohl kaum. Herrlich dann auch, dass eine der dokumentierten Damen offensichtlich ihre Kindheit in meinem Stadtteil erlebt hat. Kann ich sehr gerne jedem empfehlen, der ein wenig nachspüren möchte, woher wir und unsere jetzige Welt kommen. Der Weg war weit.

      


    John Tavener: Total Eclipse (1999) und Agraphon (1995)


    Patrizia Rozario: Sopran

    John Harle: Saxophon

    Christopher Robson: Countertenor

    James Gilchrist: Tenor


    The Choir of New College, Oxford

    Max Jones: Knabensopran

    Edward Higginbottom: Leitung


    The Academy of Ancient Music

    Paul Goodwin


    War gestern in mein Ohr gewandert und ich war fasziniert, sowohl von der Begegnung von barocken und modernen Instrumenten wie auch von archaisch-östlichen Phrasen und Modernem im Gesang. Die metaphysische Stimmung erinnerte mich an Pasolinis "Das 1. Evangelium - Matthäus" oder auch den Beginn von Kubricks "2001". Wirkte auf mich also durchaus innerlich visuell. Hat mich ganz schön weggetragen und gefiel mir so gut, dass ich auch auf die vorangegangene Produktion von Tavener und der Academy, "Eternity's Sunrise", zugehen werde.

    Komme gerade von Isabelle Fausts Konzert in der Kölner Philharmonie, dessen zweiter Teil das Oktett F-Dur von Schubert war. Würde gerne einen kleinen Konzertbericht dazu schreiben, weiß aber nicht sicher, ob ich am Wochenende dazu komme. Deshalb hier: thematisch war dieser Schwerpunkt des Konzerts durch die erste Hälfte in den Kontext der Entwicklung des Streichquartetts gesetzt, mit einem großen musikhistorischen Spagat von Haydns Innovation in Form von dem Quartett B-Dur op. 33,4, das eingerahmt wurde von Weberns Sechs Bagatellen op. 9. Das war sinnig, machte es doch ein zwar weites, aber Zugang ermöglichendes Feld auf.


    Zum Kammermusikalischen: ja, gerade bei Schubert klingt das deutlich wie eine Vorbereitung aufs große Sinfonische, was dann im folgenden Jahr nur fragmentarisch die in C-Dur wurde, hätte werden können. Aber dieses Zwitterding zwischen klassisch kleinerer, kammermusikalischer Besetzung und voluminösem Orchester hat seinen eigenen Charme, weil es leistet, was beide Formen nicht unbedingt können: sowohl die große Geste wie man sie mit dem sinfonischen Klang verbindet und erreicht (für mich vor allem durch das Horn und die Erweiterung durch den Kontrabass) als auch die intimen, leisen Passagen sind möglich. Und wurden bei diesem Konzert auch ausgekostet. Die zweite Violine und die Viola traten größtenteils eher zurück, im Vordergrund stand bei mir der Dialog von Violine und Klarinette (großartig: Lorenzo Coppola). Übrigens war das heute eine Mischung aus opi und modern, Cello, Bass und Bläser waren historisch. Ich fand das Oktett (und das Ensemble) beweglicher im Spiel mit Wienerischem und Abgründigem als das wohl mit einem vollen Orchester möglich wäre. Insofern ein reizvolles, facettenreiches Stück, beinahe ein Experiment.

    Man könnte aber auch annehmen, daß die Stücke so erklingen, wie es um 1800 möglich war. Ist doch auch eine opi-Überlegung, oder?

    Hebelt dann aber ein paar pro-opi-Argumente aus, oder? Beispielsweise die Perspektive auf den Einfluss technisch-klanglicher Eigenschaften, Möglichkeiten und Grenzen von verfügbaren Instrumenten aufs Komponieren. Und: gibt es dann noch eine Grenze oder wird nicht alles opi, auch im Sinne von heutigen Instrumenten, was dann halt ein Erklingen der Stücke wie es um 2000 möglich war darstellt? Das ist kein falscher Gedanke, aber er überstrapaziert den Begriff opi und macht ihn wohl unpraktikabel.


    Andererseits ist die Datierung des Instruments hier immernoch im Bereich der Lebenszeit des Komponisten, vielleicht spielt auch das eine Rolle. Kozeluchs Sonaten, wie sie gegen Ende seines Lebens zu klingen vermochten. Ob er sie selber je so gehört hat? Wie sehr up to date waren Komponisten mit ihren Instrumenten? Wohl keine Frage, dass auch um 1800 gut und gerne auf einem gerade mal 20 Jahre alten Hammerklavier musiziert worden sind. Spannende Fragen vielleicht auch bloß Spitzfindigkeiten, wenn auch für mich und wohl uns am Ende ohnehin übrigbleibt: wirkt die Einspielung und entfesselt, was nur Musik entfesseln kann, oder packt sie einen nicht.


    Nichtsdestotrotz bin ich ja sofort dabei, wenn es um Hörgenuss vor unserem zeitgenössischen Instrumentarium geht - da bietet "um 1800" trotz Abstand zur tatsächlichen Entstehungszeit zweifellos immernoch eine große klanglich-interpretatorische, reizvolle Alternative. Ich finde allerdings, dass eine Veröffentlichung mit solchem Ansatz diesen ruhig betonen dürfte. Mir würde es jedenfalls helfen, mich zu orientieren, wenn da Transparenz herrscht. Klar, man kann eins und eins zusammenzählen, wenn die Zeit des benutzten Instruments auch bloß genannt wird, aber schöner fänd' ich dann schon eine klare Erläuterung, warum man zur Nutzung welchen Instrumentes kam. Vielleicht stand auch einfach grad kein angemesseneres rum. *hide*


    *sante*

    Man könnte aber auch annehmen, daß die Stücke so erklingen, wie es um 1800 möglich war. Ist doch auch eine opi-Überlegung, oder?

    Hebelt dann aber ein paar pro-opi-Argumente aus, oder? Beispielsweise die Perspektive auf den Einfluss technisch-klanglicher Eigenschaften, Möglichkeiten und Grenzen von verfügbaren Instrumenten aufs Komponieren. Und: gibt es dann noch eine Grenze oder wird nicht alles opi, auch im Sinne von heutigen Instrumenten, was dann halt ein Erklingen der Stücke wie es um 2000 möglich war darstellt? Das ist kein falscher Gedanke, aber er überstrapaziert den Begriff opi und macht ihn wohl unpraktikabel.


    Andererseits ist die Datierung des Instruments hier immernoch im Bereich der Lebenszeit des Komponisten, vielleicht spielt auch das eine Rolle. Kozeluchs Sonaten, wie sie gegen Ende seines Lebens zu klingen vermochten. Ob er sie selber je so gehört hat? Wie sehr up to date waren Komponisten mit ihren Instrumenten? Wohl keine Frage, dass auch um 1800 gut und gerne auf einem gerade mal 20 Jahre alten Hammerklavier musiziert worden sind. Spannende Fragen vielleicht auch bloß Spitzfindigkeiten, wenn auch für mich und wohl uns am Ende ohnehin übrigbleibt: wirkt die Einspielung und entfesselt, was nur Musik entfesseln kann, oder packt sie einen nicht.


    Nichtsdestotrotz bin ich ja sofort dabei, wenn es um Hörgenuss vor unserem zeitgenössischen Instrumentarium geht - da bietet "um 1800" trotz Abstand zur tatsächlichen Entstehungszeit zweifellos immernoch eine große klanglich-interpretatorische, reizvolle Alternative. Ich finde allerdings, dass eine Veröffentlichung mit solchem Ansatz diesen ruhig betonen dürfte. Mir würde es jedenfalls helfen, mich zu orientieren, wenn da Transparenz herrscht. Klar, man kann eins und eins zusammenzählen, wenn die Zeit des benutzten Instruments auch bloß genannt wird, aber schöner fänd' ich dann schon eine klare Erläuterung, warum man zur Nutzung welchen Instrumentes kam. Vielleicht stand auch einfach grad kein angemesseneres rum. *hide*


    *sante*

    Am 1. November geht es nach Gelsenkirchen in die Matthäuskirche: dort gastiert der Kammerchor Stuttgart

    Nun, genauer sieht das Programm wohl so aus:


    Johann Christoph Altnickol Befiehl du deine Wege

    Theodor Fröhlich Selig sind die Toten

    Hanns Eisler «Gegen den Krieg» Thema und Variationen für gemischten Chor a cappella op. 55

    Krzysztof Penderecki Agnus Dei

    Maurice Ravel Deux mélodies hébraiques

    Claude Debussy Les Cloches

    Claude Debussy Des pas sur la neige

    Claude Debussy Paysage sentimental

    Felix und Fanny Mendelssohn Weltliche Chorlieder


    Das heißt: viele Facetten, der Kammerchor Stuttgart darf gerne glänzen. Also: auf!


    *sante*


    Erstaunlich: mir gefiel von Anfang an nicht, dass der Film sehr sprunghaft, schlaglichtartig erzählt, kaum eine Szene länger ausführt (was dann im letzten Drittel doch kam: Aussprache Wieck/Schumann, Gerichtsszene) und auch der auf Musikfilme immer lauernden Gefahr anheimfällt, eine Kette von Konzertenden zu werden (Pling Ploing Plang, Applaus) - und dennoch ging von diesem Duktus ein Sog aus, der mich ausreichend fesselte. Und auch erstaunlich: für mich weniger ein Film über Robert und Clara, die bleiben dürftiger gezeichnet, sondern vor allem über Friedrich Wieck, den Rolf Hoppe großartig darstellt: sich selbst ausgeliefert, zerrissen, als wüsste er, er hat in gewisser Weise seine Seele dem Teufel vermacht ("Weil ich nur ein Leben zu verschenken habe."), schmerzhaft lächelnd, im Blick so vieles andeutend, widerlich, bemitleidenswert. Große Klasse und sehr sehenswert.

    Und weil das ein langes Wochenende wird und ich mich auch danach gerne auf was freue, habe ich vorhin für die Kölner Philharmonie noch nachgelegt. Für beide Konzerte gab es noch ne Karte im idealen Bereich der Sitzplätze:


    2. November: Musik der Zeit - Ongaku


    Kei Daigo: The Northern Camellia (Gradation of Sounding Amity no. 2) (2015–17)
    Tōru Takemitsu: Autumn (1973)
    Toshio Hosokawa: Sen VI (1993)
    Dai Fujikura: Glorious Clouds (2017)

    Kaoru Kakizakai Shakuhachi

    Kakujo Nakamura Biwa

    Isao Nakamura Schlagzeug

    WDR Sinfonieorchester

    Peter Eötvös



    7. November: Isabelle Faust und Freunde - Kammermusik


    Anton Webern: Sechs Bagatellen für Streichquartett op. 9 (1911/13)
    Joseph Haydn: Streichquartett B-Dur op. 33,4 Hob. III:40
    Anton Webern: Sechs Bagatellen für Streichquartett op. 9 (1911/13)
    Franz Schubert: Oktett F-Dur op. 166 D 803 (1824)

    Lorenzo Coppola Klarinette

    Javier Zafra Fagott

    Teunis van der Zwart Horn

    Isabelle Faust Violine

    Anne Katharina Schreiber Violine

    Danusha Waskiewicz Viola

    Kristin von der Goltz Violoncello

    James Munro Kontrabass


    *sante*

    Am 1. November geht es nach Gelsenkirchen in die Matthäuskirche: dort gastiert der Kammerchor Stuttgart mit einem Programm zu seinem 50-jährigen Bestehen bzw. zur 20-jährigen Förderung des Vereins KeK - Kunst entdeckt Kirche e. V. durch die Volksbank Buer: so richtig was finde ich nicht dazu im Netz, aber es geht wohl um Hans Eisler, Maurice Ravel und Claude Debussy.


    *sante*

    Das kleine, große Unikum in Saint-Saëns' Werk, ein Selbstverständlichkum bei an klassische Musik herangeführte Kinder und ein in diesem Zusammenhang meist von seinem kammermusikalischen, gewitzten Kern weit weg geführtes Stück Musikgeschichte: Der Karneval der Tiere ohne Opuszahl gehört zu jenen Musiken, deren Melodien man schon immer gekannt zu haben glaubt - und die gerade deshalb einen frischen Wind ins Ohr verdienen.


    Camille Saint-Saëns komponierte mit dem Karneval im Januar 1886 ein Gelegenheitsstück, in dem er frühere Skizzen aus der ersten Hälfte der 1860er Jahre verarbeitete. Die Gelegenheit: das jedes Jahr am Karnevalsdienstag bei dem befreundeten Cellisten Charles Lebouc stattfindende Salonkonzert. Dort wurde die Suite also uraufgeführt, am 09. März 1886, kammermusikalisch, im Kreise Befreundeter und Geladener. Einem breiteren Publikum wurde der Karneval erst ab 1922 anvertraut, denn Saint-Saëns ließ zeitlebens weder die Partitur drucken noch erlaubte er eine Aufführung - mit Ausnahme von Le Cygne (Der Schwan), Andantino grazioso. Der Karneval sollte ein Insider bleiben, ein privates Kabinettstückchen, eine freche Augenzwinkerei, die vordergründig Tiere, hintergründig aber Musiker und Musikgepflogenheiten satirisch aufs Korn nahm. Immerhin zählen zu den in ihm aufgeführten Tieren auch die Pianisten, womit der selbst Mittelmaß als Attraktion veranstaltende Konzertbetrieb (wenig gelungene Czerny-Übungen klingen an) als zoologische Zurschaustellung persifliert wird. Insofern gab die Zeit dem Komponisten und seinem vielschichtigen ironischen, auch selbstironischen Scherz recht: Der Karneval der Tiere wurde auf seine imitatorische Klangmalerei reduziert und dient seither gerne in Orchesterfassung als pädagogische Tür für Unbelastete in den Konzertsaal - und belastet gerade dadurch: "Je l'ai su", hört man Camille sagen.





    Camille Saint-Saens: Le Carnaval des animaux, Quintette op 14, L'Assassinate du duc de Guise

    1993


    Ensemble Musique Oblique:

    Pierre Roullier: Flöte

    Jacques Zannettacci: Oboe

    Rémi Lerner: Klarinette

    Olivier Sune: Fagott

    Hervé Joulain: Horn

    Alice Ader: Klavier, Harmonium

    Denis Pascal: Klavier

    Isabelle Berteletti: Xylophon

    Pascal Zavaro: Glockenspiel

    Elisabeth Glab, Bénédicte Trotereau: Violine

    Michel Renard: Bratsche

    Isabelle Veyrier: Violoncello

    Michel Maldonado: Kontrabass



    Ulli stellte nebenan schonmal in Zusammenhang mit Filmmusik für Orchester die Einspielung durch das Ensemble Musique Oblique vor. Gerade für den Karneval ist diese CD ein wunderschönes Beispiel von Wiederbelebung, denn hier widmet sich ein Kammerorchester den vielfältigen Klangfarben der Komposition und wir wähnen uns beinahe (wenn auch nicht opi, doch quasi HIP im Geiste) als Freund in Leboucs Salon sitzend und fasziniert einer überaus facetten- und abwechslungsreichen Instrumentierung lauschend, die seinerzeit bei einer zweiten Privataufführung auch Liszt beeindruckte. Wir sind abseits des zugeknöpften und ernsten Konzertsaals.


    Gemütlich wird es hier, geradezu intim, ein wenig karnevalistisch beschwipst dürfen wir ruhig sein, es bleibt alles unter uns. Die kleine Besetzung ist ungemein beweglich, setzt Pointen prägnant, ermöglicht es, Schwerfälligkeit ganz gezielt da einzusetzen, wo sie Sinn und Witz macht - und vor allem gelingt es ihr, dem breiten Spektrum an klanglichen Möglichkeiten, mit dem der Karneval so schillernd spielt, innerhalb der Stücke und auch in deren Abfolge, sein volles Potenzial zurückzugeben. Ein paar Beispiele? Da wird der Mittelteil von L'Éléphant mit dem Thema des Danse des sylphes aus La damnation de Faust von Hector Berlioz tatsächlich zu einer verträumten Maskerade eines schwergewichtigen Rüsseltieres, das sich danach sehnt, sylphengleich zu schweben. Da laufen die Czerny-Tonleitern der linken und rechten Hand auch mal leicht auseinander, ohne dass die selbstgewisse Attitüde dabei in Selbstzweifel fällt. Da erstaunt das Aquarium in seiner gläsernen Enge durch die in ihm enthaltene gesamte Weite ozeanischer Unterwasserlandschaft, die einer orchestralen räumlichen Größe in nichts nachsteht und gerade dadurch umso größer wird.


    Kurz: die Spannungsfelder, mit denen der Karneval auf zahlreichen Ebenen arbeitet, die Brechungen, Gegensätzlichkeiten, Vexierbilder und der Witz in seinem besten Wortsinne werden hier erst recht transparent ausgekostet und ohrenfällig. Der Karneval der Tiere mag ein Scherz sein, aber er ist einer mit menschlicher, eigentlich tragischer Größe, denn am Aschermittwoch ist alles vorbei. Hier kann man es hören.


    *sante*

    Rubrik Ärger? Naja, was soll's:


    Der Medimops hat immer wieder mal Probleme bei den EAN-Zuordnungen. Heute bekam ich statt "Anton Reicha Flötenquartett op 98 Nr. 6 / Oboenquintett op 107" von Les Adieux eine CD, zu der im Netz weder unter ihrer EAN noch ihrem schönen Titel "Knaller 2000 - Die ultimative Party. CD 2" irgendwas zu finden ist. Ein seltenes Stück also, auf dem "Ich hab' Dein Knie geseh'n" wahrscheinlich noch der aufregendste Track ist. Das Problem geht aber womöglich noch tiefer als Mops, da die Amazon-Suche nach der EAN dieses Knallers ebenfalls einen (anderen) Eintrag der Les-Adieux-Scheibe ausspuckt. Naja, was soll's? Ich werde diese Rarität unerhörterweise aus dem Verkehr ziehen.


    *ägy*



    In Neuauflage 2016:



    Bei mir die alte Scheibe 2003:



    Venezia Stravagantissima

    Balli, Canzone & Madrigale (1550-1630) von Mainerio, Incerto, Guami, Vecchi, Picchi, Canale, Lappi, Zanetti, G. Gabrieli


    Capriccio Stravagante

    Skip Sempe



    Lag lange genug, nämlich seit März bei mir rum - dabei gibt mir diese CD genau, was ich an italienischer Renaissancemusik liebe. Wie konnte dieses Ensemble solange an mir vorbei gegangen sein, bzw. fairerweise: ich an ihm? Naja, ich musste erst über Mordents Lieblingsaufnahmen drauf gekommen. Immer wieder abwechslungsreich auch mit virtuos in den Vordergrund tretenden Instrumenten und zugleich im Gesamtsound so homogen bis das Ganze einen voluminösen Abschluss findet. Mehr Sinn kann ein Programm kaum machen. Im Vergleich mit Pluhar/Arpeggiata oder Beasley/Accordone scheint mir Sempé/Capriccio Stravagante etwas gedämpfter, wärmer, auch zurückhaltender, gefasster, weniger trunken und dabei doch ebenso lebendig und selbstverständlich in Instrumentierung, Verzierung, Improvisation. Ich finde es ganz wunderbar.


    *sante*

    Und noch auf des Komponisten eigenem Bösendorfer einige Humoresken.


    Kannst Du dazu noch etwas mehr sagen? Ich habe die (und die beiden anderen Kapvil-Bösendorfer) nämlich seit einer Weile auch ins Auge gefasst. Kvapil ist wohl Spezi für tschechisches Klavier, nicht nur Dvořák. Und es gibt auch eine Dvořák Piano Works Complete von ihm, da aber leider, leider nicht opi und, wenn ich das jetzt richtig im Kopf habe, mit teils deutlich älteren Aufnahmen. Deshalb frage ich mich (oder eben Dich), ob seine Spielweise auf dem historischen Instrument taugt.

    Lief heute auch bei mir. Very well. "Cloudburst" - was für ein Rausch. Mit Mississippi konnte ich weniger anfangen, scheint mir nah an Gershwin, wohingegen die anderen beiden Gewässer, vor allem Niagara, ganz andere, spannungsreiche Tiefen bieten. Ein gewisser, verschmitzt-verspielter Witz ist aber in allen dreien zu finden.


    *sante*

    Habe mal rumgeklickt, so richtig fündig zu den blauen U-Bahn-Schildern wurde ich nicht, reime mir aber zusammen: gab's, allerdings damals noch in schwarzweiß. :-|


    https://c2.staticflickr.com/6/…68666254_9de14f3c45_b.jpg

    https://i.pinimg.com/736x/c7/5…e8ef3471dacc7fc7c3d1a.jpg

    Abends mit Beleuchtung: http://www.cabaret-berlin.com/…_vaterland-aussen-05.jpeg

    Und hier in blau, allerdings wohl etwas später: https://i.pinimg.com/originals…be0d09a14ff07c915aa35.jpg