Beiträge von pm.diebelshausen

    Da geht es mir ähnlich, aber nicht ganz. Der Vormittag und die Mittagszeit ist wenn, dann meiner Vorstellung einer Matinee vorbehalten: keine große Herausforderung bitte, aber ohne Verzicht auf Qualität. Vielleicht hat das mit der Kindheitserfahrung des sonntäglichen Vormittagsprogramms im Fernsehen zu tun, jedenfalls denke ich bei Matinee zuerst in Richtung tschechischer Märchenfilme.


    Und dann: am Nachmittag geht prinzipiell alles inlusive konzentriertem Hören, aber da ich abgesehen von beruflicher Erschöpfung abends und nachts am wachesten bin, gehört da auch die fokussierte Zielsetzung beim Hören hin, wie auch beim Lesen, Schauen, Trinken und Machen. Könnte sein, dass dem so wegen der leichter fallenden Gelassenheit ist. Wenn ich das Tagewerk um mich herum als beendet und die Stadt um mich herum als genießend, ihren privaten Dingen fröhnend oder auch einfach schlafend denken kann, fällt es mir leichter, selber vom alltäglichen Gebraus zu lassen, möglicherweise. Oder anders: tagsüber Gebräu, ab abends distinguierter, gerne auch irritierender. Allein die Dunkelheit reduziert schon Reize und die Tageszeit anscheinend auch, derzeit ist um 19:35 Uhr Sonnenuntergang.


    Da ist so eine Konzertnacht von 20:00 bis 1:00 Uhr herrlich und perfekt für mich, aber auch ein Konzerttag wie dieser von 11:00 bis 22:00 Uhr war völlig reizvoll im Tagesverlauf, der Bewegung durch Ortswechsel und die sich entwickelnden Stimmungen und eigenen Befindlichkeiten und Perspektiven zu unterschiedlichen Tageszeiten.


    Bloß schwer zu erkennen, was an den eigenen Vorlieben nun persönlichkeitsgebunden und was aus gesellschaftlicher Zeitstruktur geboren ist. Bzw.: blöder Satz, da beides wechselwirkend ein und dasselbe ist.


    *sante*

    Seit März bin ich vermehrt auf der Spur dessen, was ich denn selber musikalisch mache. Wenn Ihr Euch traut, könnt Ihr auf YouTube mal bei Sansensemble und Richard Clayderhaken reinschauen. Eine Weile hatte ich es ja mit klassischer Gitarre versucht, denn Saiten sind noch am ehesten das, was mir liegt. Aber nach getaner Arbeit hatte ich leider kaum Raum für den wenn auch sehr entspannten und sympathischen Unterricht. Wie auch immer, jetzt sind auch die elektrischen Gitarren nach über zehn Jahren wieder ins Zimmer gelangt und haben Familienzuwachs bekommen. Ich schaue also wieder mehr auf das, was ich halt kann. Mal einfach ein akustisches Instrument nehmen, mal mit Elektronik und Overdubs an zahlreichen Sounds schrauben.


    Was ich aber eigentlich erzählen wollte, ist eine überaus erfreuliche Wiederbegegnung, die mir tatsächlich die Woche versüßt hat. Mir fiel wegen Unstimmigkeiten mit einem erworbenen Fender-ähnlichen Pseudobaus eine Bekanntschaft ein, der ich seit wohl 25 Jahren nicht mehr begegnet war. Milenko Katanic ist der Vater eines Schulfreundes, baute in seiner Jugend seine erste Gitarre und gründete im Rentenalter seine eigene Werkstatt und Firma. Seit 9 Jahren gibt es Electric Guitar Design und er entwirft seine ganz eigenen cleveren Modelle mit hohem Anspruch bis ins Detail, fräst seine Hölzer, wickelt seine Tonabnehmer. Natürlich konnte er mit bester Laune mein Problem lösen, aber vor allem hatte ich am Mittwoch Gelegenheit, stundenlang etliche seiner Prototypen und aus seinem stock anzuspielen und kann mit leuchtenden Augen sagen, dass sie klasse sind. Ich war skeptisch ob der kleinen Korpusse, ihrer gewitzten Shapes und der Balance, aber nein: sie liegen flott angenehm in Hand und Schoß (wo meine Gitarren hingehören). Und die Verarbeitung bringt umgehend Geschmeidigkeit, die Bünde sind spiegelglatt, alles von der Saitenlage über den knackigen Sound bis zur Variabilität der Schaltungen macht einfach Spaß, gerade richtig auch für einen Unvirtuosen wie mich.


    War ja klar, dass ich gestern nicht nur mit meiner, sondern auch mit einer seiner Standards wieder ging. Darüber hinaus baut er mir ein Unikat aufgrund der Gitarre, die mir auf Anhieb rundum bestens gefiel. Herrlich.


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    *sante*

    Da habe ich meist gut Portionierbares, seit längerem eigentlich nur die Zeitschrift "Zenith" und immer wieder Wanderführer, in denen ich kreuz und quer blättere, um auf dem stillen Örtchen auf andere Örtchen zu kommen. Aber ich hatte da auch eine Weile Matthesons Capelleister, wegen der überschaubaren Paragraphen.


    *sante*

    Badewanne bei Euch allen nicht? (Saunagang fällt hier ja wohl definitv aus, Yorick.) Früher, in meiner späten Schul- und frühen Studienzeit, las ich bis zur Verschrumpelung in der Badewanne. Jetzt habe ich leider nur eine Dusche.


    Ich muss sagen, dass mir die Gelegenheit am Stehpult sehr gut gefallen hat, kannte ich noch nicht. Das ist ein ganz anderes Aufmerksamkeitsgefühl, mit einem gewissen Aufwand (der Körperhaltung) und einer gewissen Entlastung zugleich. Selbst Unbequemlichkeit kann der Aufmerksamkeit förderlich sein, siehe die frühesten Universitätsbestuhlungen in Hörsälen. Letztlich verfechte ich aber, dass die legitimen Rechte des Lesers unbedingt sehr weit gehen, womöglich erst bei Zerstörung enden. Alles weit besser, als nicht zu lesen. In diesem Sinne:


    *sante*

    Mich interessiert, wie Ihr Bücher lest, insbesondere die Schwergewichte.


    Kürzlich hatte ich Arno Schmidts "Zettels Traum" in Händen, die 1334-seitige Ausgabe des Typoskripts vom S.Fischer Verlag. Das sind knapp 7 Kilo. Glücklicherweise war da ein Lesepult zur Hand und schon schwebte das Buch, dieses Buchkunstwerk vor mir und sowohl das sprachgewaltige wie auch das physische Gewicht machte reiner Faszination Platz und ich dachte: vor so einem Buchkunstwerk hat man sich gefälligst zu erheben.


    Vor einiger Zeit besorgte ich mir ein Laptoptischchen, das gut im Bett funktioniert und auch besser als der Schoß, für Bücher gleichermaßen. Aber Zettels Traum hat darauf keine Chance. Wie organisiert Ihr Euch an Tischen, auf Sofas oder in Sesseln und im Bett, bevor die Arme schwer werden?


    *sante*

    Hab's mal für Dich nachgeschaut: die Schreibweise in der Forschung wurde seit Wiederentdeckung der Manuskriptfragmente um 2000 herum von "Montezuma" in das originale "Motezuma" geändert. Mit letzterer griffen Vivaldi/Giusti die Schreibweise "Motēcuhzōma" auf, wie sie in Nahuatl, der präkolumbischen Sprache der Azteken und verwandter Völker, üblich ist.


    *sante*

    Gehört zu meinen intensivsten und deshalb liebsten Filmbegegnungen. Brilliant in jeder Hinsicht bis hin zu dem genialen Einfall, einen Travolta als Noltes Vorgesetzten zu besetzen. Ich kenne auch kaum einen insgesamt prominent gecasteten Film, bei dem die bekannten Gesichter dermaßen in Story und Setting aufgehen, von der existenziell philosophisch reflektierenden Perspektive im Kriegsgenre ganz zu schweigen. Und ich bin meist kein Freund von Off-Stimmen. Neben "Days of Heaven" für mich Malicks bester.


    *sante*

    Ohne überheblich wirken zu wollen, gleichwohl wissend, es zu sein: alle Welt wartet wohl auf meine Einschätzung der neuen Savallschen 'Eroica' ...

    Hehe, habe ich stillschwiegend tatsächlich. Von Leuten, deren Meinung mich interessiert, las ich geradezu Lobeshymnen und Sensationszuweisungen bezüglich der neuen 1-5. Das freut mich sehr, da ich Savall bei all seinen immensen Verdiensten oft als zu akademisch empfunden habe. Dennoch macht mir das Geschehen um die neue(n) Einspielung(en) gehörig Lust, denn wo es rappelt und scheppert, gehöre ich definitiv hin. Ich schiebe es derzeit noch auf, da mich aktuell völlig anderer Sound im Griff hat, aber ganz oben steht jetzt Savallkravall. Dein Beiträgchen ist nun der letzte noch nötige Tritt.


    *sante*

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    Noch nicht auf der Alphaseite, noch rudimentär auf Amazon, erscheint am 11.09.2020:


    What's Next, Vivaldi?

    Patricia Kopatchinskaja - Violine

    Il Giardino Armonico

    Giovanni Antonini - Blockflöte und Leitung


    Bei diesen Interpreten dürfte es gepflegt rappeln, aber über den Inhalt habe ich noch nichts gefunden, das Liveprogramm sieht wohl folgendermaßen aus:




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    *sante*

    Die letzten in meinem Player:



    Alles Geld der Welt

    Ridley Scott, 2017


    Ich verfechte generell, dass Filme von Ridley Scott reifen müssen und oft erst bei der zweiten oder dritten Sichtung greifen. So ist auch dieser bei mir bis auf Weiteres nicht angekommen. Erstklassig ausgestattet, fotografiert, geschnitten, besetzt (wenn auch mit dem unangenehmen Beigeschmack des Nachdrehs) und doch erstmal mau im Gedächtnis geblieben. Irgendwann freue ich mich also auf eine Zweitsichtung.




    Die Frau, die vorausgeht

    Susanna White, 2017


    Schmaler Film, nett und ein wenig aufregend mit einigen intensiven Momenten. Kein großes Ding, aber schön anzuschauen. Aber mit dem schlechtesten künstlichen Schnee, den ich je sah.




    Das war der Wilde Westen

    John Ford, Henry Hathaway, George Marshall, Richard Thorpe, 1962

    Gewaltiger Bilderbogen im seinerzeitig hochkarätigen Format auf allen Ebenen. Erzählerisch fast nicht seicht oder zu unangenehm altbacken und in manchem fesselnd. Dazu eine Bildkuriosität: Warner präsentiert den 3x35mm-Film auf Disc 2 als "SmileBox"-Format, das mit deutlich höherem Seitenverhältnis links und rechts die Räumlichkeit der Cinerama-Projektion in zwei Dimensionen nachahmt. Sehr ungewöhnlich und erst irritierend, dann aber verblüffend plastisch funktionierend, allerdings sicher nicht auf einem Bildschirm, es braucht schon eine gewisse Bilddiagonale. Würde auch andere Filme in diesem Verfahren sehen.




    Open Range

    Kevin Costner, 2003


    Gefiel mir damals, gefiel mir wieder. Ein ruhiger Western mit einem knallharten, schnellen, einem der besten Shootouts der Filmgeschichte. Es gibt Makel, auch in Kostners Regie und im Schnitt, aber insgesamt tragen die Figuren und ihre Darstellung (Robert Duvall bestens) souverän und angenehm unkonventionell warmherzig darüber hinweg. Wenn ein alternder Cowboy sich vor der vielleicht letzten Konfrontation erstmals in seinem Leben Schokolade kauft oder wenn ein anderer alternder Cowboy seinen Finger nicht weiß, wie mit dem zarten Henkel einer Porzellantasse umzugehen ist, dann bin ich dabei.




    Vice

    Adam McKay, 2018


    Oh, der hat Spaß gemacht. Das liegt nicht nur an den Darstellenden und dem stimmigen Zeitkolorit und den Machenschaften und der umwerfenden Make-up-Arbeit und der erstaunlich leichtfüßigen Aufbereitung komplexer Gespinste der jüngeren Politik. Es liegt vor allem an der überaus gewitzten Machart, dem überaus wachen und immer wieder überraschenden Schnitt, mit dem Adam McKay womöglich Oliver Stones beste Momente dieser Art übertrifft. Völlig frisches Biopic, das mich mitunter aus den Latschen gehauen hat.




    Valerian

    Luc Besson, 2017


    Schwach besetzt, wenn ich mal von einem tollen Auftritt Ethan Hawks absehe, und mit griffiger Story, die nicht weiter der Rede wert ist. Aber herrlich überdrehtes Eyecandy mit Ideen im Überfluss, was man so von keinem Star Wars oder Avatar bekommt. Eine dramatische Marzipan³-Torte von der Art, die ich absolut nicht täglich brauche, aber ab und zu darf das.




    The Sisters Brothers

    Jacques Audiard, 2018


    Noch ein Western der leisen Töne und mit einem treffenden Ensemble. Er wirkt vielleicht etwas verzettelter als Open Range, aber sein Blick auf ein paar Männer und ihre Themen im Rahmen des Goldrauschs reflektiert intensive Fragen zu Gier und gesellschaftlicher Vision. Und wenn ein alternder Cowboy sich seine erste Zahnbürste kauft, bin ich natürlich wieder dabei.




    Ride with the Devil

    Ang Lee, 1999


    Mit Abstand die Nullnummer unter den letzten Sichtungen, die mir gegen Ende nicht schnell genug zu diesem kommen konnte. Leere Figuren, ödes Gewese, von der Untiefe einer Pfütze. Die weitreichenden Themen des Sezessionskrieges derart auf die Pappbox eines Fastfoodburgers zu drucken, ermüdet mich nicht nur, sondern ist mir peinlich.


    *sante*

    Niemand? Been there, done that oder kein Interesse? Für mich ist Wense das singuläre Unikum meines Leselebens und in manchen Facetten seelenverwandt.


    *sante*

    Aus den gleichen Gründen wie hier liegen bei mir derzeit diese Bücher mit Werken Mark Twains oben auf.



    Collected Tales, Sketches, Speeches, and Essays Vol. 1 1852-1890




    A Tramp Abroad, Following the Equator, Other Travels


    *sante*


    The Innocents Abroad, Roughing It




    Life on the Mississippi



    Dass Twain Europa bereist und darüber geschrieben hat, war mir zuvor nicht geläufig - lieber Uli: im Anhang von "A Tramp Abroad" (und auch separat zu haben) befindet sich der aus englischsprachiger Sicht das Deutsche reflektierende Essay "The Awful German Language", der, so Du ihn noch nicht kennst, Dich sehr interessieren könnte!