Beiträge von pm.diebelshausen

    Gerne doch [etc.]

    Ha, klasse! Genau auf so ein Posting hatte ich spekuliert, danke!


    Den Trenck hatte ich vor langer Zeit anvisiert, allein schon weil ich Matthias Habich im Klemperer-Mehrteiler grandios fand, aber ich habe ihn noch nicht gesehen. Kann sein, dass ich die DVDs sogar irgendwo hier habe.


    "Christian Hahn" und "Der Winter..." klingen gerade recht für mich, werde ich ins Auge fassen. :thumbup:


    Ich hatte vor längerer Zeit (und kommt sicher wieder mehr nach vorne) ein Faible für derlei Produktionen, aber vor allem chronikhafte über die Zeit vom 19. Jahrhundert über das Dritte Reich in die Nachkriegszeit/Gegenwart. Nicht selten geht das zwar leider in eine zu behäbig-seichte Richtung, aber grundsätzlich stört mich das "etwas Angestaubte" gar nicht. Ist ja auch ein wenig Kindheits-Fernsehgeschichte-Nostalgie. Da gefällt mir auch Die Chronik der Familie Nägele (Verlinkungen diesmal unten), von mir aus werde ich alt, völlig wurscht. Ein Freund sagte mir mal, als ich nach dem Essen ein Stück Kuchen bestellte, ob ich jetzt ein Rentner sei - nö, ich möchte Kuchen schon als Kind und habe halt nicht aufgehört ihn zu lieben, was für ein Blödsinn.


    Die Heimat-Reihe von Edgar Reiz muss ich wohl kaum erwähnen, ist hinlänglich bekannt und faszinierte mich als 10-Jährigen sehr. Die Elsässer gehören mit ihrem Blick auf 1870 bis 1953 in vier Episoden leider zum überhaupt nicht in Erinnerung Gebliebenen. Vielleicht muss ich das ja doch nochmal sehen, nachdem ich 2019 im Elsass wanderte und deshalb nicht nur durch eine erstklassige Stadtführung in Strasbourg und wegen der wunderbaren Küche viel für die Region und ihre extrem wechselvolle Geschichte übrig habe. Jedenfalls war mir die Serie seinerzeit (eher ihrerzeit) zu unprägnant.


    In dieser Hinsicht als "naja, einerseits, andererseits" habe ich Ringstraßenpalais gesehen. Auch da ist ein guter Teil Groschenroman drin, aber es gibt auch Stärkeres und die Idee, die Geschichte (drei Staffeln von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 1980er) im sozialen Spannungsfeld Aristokratie und neureiches Großbürgertum an einem einzigen Gebäude dingfest zu machen, finde ich absolut reizvoll.


    Tadellöser & Wolff gehört mit Kempowskis detailreicher Zeitzeugenart neben "Heimat" wohl zum besten, was ich in der Richtung gesehen habe. Neben der hervorragenden Besetzung sind es die Schrulligkeiten, der Sprachwitz, der kleine Horizont und das dahinter oder darin lauernde Geschichtsbuch 1939-45 - finde ich großartig. Als könne man das Nazireich auch anhand einer alten Kaffeemühle erzählen. Kann man. Die vier Jahre später produzierte Fortsetzung Ein Kapitel für sich und szenenidentisch mit dem Einmarsch der Russen in Rostock (typisch Kempowski: ein alltägliches Gespräch auf dem Balkon, der Kriegslärm kommt näher, "Ich glaub', wir gehen rein." - grandios) fällt dagegen leider stark ab, wenn auch wieder Eberhard Fechner Regie führte. Dieser unverwechselbare Atem war weg.


    Sehenswert, wenn auch zwiespältiger, eher wie "Ringstraßenpalais" sah ich Die gläserne Fackel über die Zeiss-Werke in Jena. Mit der fiktiven Familie Steinhüter wird die Werksgeschichte von der Gründung 1846 bis in die frühen 1980er erzählt und das hat seine starken Seiten. Als die Produktion 1989 ausgestrahlt wurde, hatten viele wohl etwas anderes im Kopf, als sich eine Bau-auf-Serie im Fernsehen anzuschauen, während die Mauer bröckelt. Für mich war sie im Nachhinein aber sehenswert. Ja, auch wegen des Abstands zwischen Erzähltem und den Ereignissen von '89 und insofern ein unbeabsichtigt auf der Metaebene wirkendes Zeitdokument , aber auch zum Beispiel wegen einer fesselnd dargestellten Version des Prof. Dr. Ernst Abbe durch Jürgen Reuter.


    *sante*










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    Wenn der Lullist noch mehr weniger schmerzvolle Sehtipps zum Barock hat: immer gerne her damit. Es ist immer furchtbar, wenn man sich mit etwas spezialisiert auskennt und den ganzen Quatsch durchschaut. Aber umso beglückender ist dann doch die seltene Freude, wenn man bemerkt, dass da irgendwo etwas von anderen ziemlich gut gemacht wurde.


    *sante*

    Grübel: Sitzt auch unser Max manchmal nachts sturzbetrunken am Rechner? *cute*

    Hoffentlich.


    Jedenfalls, Max, lege ich die Uri Caines auch gerne auf, mein Liebling sind die Kaffeehausbearbeitungen bezüglich Wagner. Die haben einen so luftigen, charmanten Schmiss, den können nur Könner zuerst überhaupt sehen und dann auch noch zur Welt bringen. Außerdem gehört das Design der Winter&Winter Editionen zum Schönsten, was man auf dem CD-Markt in die Hand nehmen kann. Ich kann Dich zur gestrigen Nacht also ausschließlich beglückwünschen.


    *sante*

    Fand ich erstaunlich nichtssagend für einen Akin. Wenn er seinen Figuren ihre Würde bewahren wollte, wie er es in Interviews erklärt, hat das bei mir nicht verfangen. Ich sah nur einen zähen Ablauf wohl in Geschundenheit bis Pathologie begründeter Verhaltensweisen, die trotz aller Drastik vor dem Hintergrund eines viel zu wuchtig karikierten Zeitkolorits verblassten, und habe mehr an Helge Schneider als wie Akin an Charles Bukowski denken müssen.


    *sante*

    Da ich mir aus nostalgiepflegerischen Gründen - ich mag ja unterschiedliche Handlungen mit und Zustände durch unterschiedliche Medien statt dem formalen Einerlei, alles vom Tablet aus zu machen - einen Plattenspieler mit Bluetooth-Verbindung angeschafft habe, stieg ich kürzlich in Kellertiefen hinab und fand ohne Absicht diese Scheibe, die sich nun dreht. Ich wusste nicht, dass ich schon zu meinen Vinylzeiten so etwas besaß, zumal sich in der Sammlung nur eine Handvoll Klassikaufnahmen befindet.


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    *sante*

    Als Digestif nach getanem Tagewerk, nämlich Umgrabung meiner Balkonkästen und Inbetriebnahme von Veilchen, Hyazinthen und Narzissen, diese eine meiner Lieblings-CDs (bei mir die alte Ausgabe):



    Buxtehude

    Ciaccona: Il mondo che gira


    Maria Cristina Kiehr - Sopran

    Victor Torres - Bariton

    Stylus Phantasticus


    *sante*

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    Da Henry James' "The Turn of the Screw" gerade Aufmerksamkeit bekommt und ich Folgendes kürzlich sah:


    Auf Netflix gibt es die Antologieserie (sprich: die beiden bisherigen Staffeln sind voneinander unabhängige Geschichten) "The Haunting of..." gesehen. Die erste Staffel "The Haunting of Hill House" (10 Folgen, neuneinhalb Stunden) ist eine gelungen selbstständige Verarbeitung von Shirley Jacksons Roman (man erinnere sich an den großartigen "The Haunting" aus 1966, zu Deutsch "Bis das Blut gefriert") und klasse. Dem Thema Geister werden ein paar eigenständige Aspekte entlockt, ein paar Schockmomente gehen klar, weil die Gesamtstimmung unbedingt unheimlich ist, die Geschichte wird konstant vorangetrieben, Farbgestaltung, Kamera und Schnitt sind top da im Dienste des Erzählens präszise eingesetzt, die Figurenzeichnung ist vielschichtig, auch durch Parallelerzählungen aus Vergangenheit (Kindheit) und Gegenwart reizvoll, und ganz besonders ans Herz legen kann ich für Liebhaber von Plansequenzen die grandiose sechste Episode. Lediglich die letzte Folge mag dann durch ein Übermaß an Rührseligkeit dem Vorangegenagenen nicht mehr gerecht werden, aber einige Fantheorien sind selbst da noch in der Lage, dem Ganzen eine fiesere Doppelbödigkeit zu verleihen. Dieses Haus ist voller Geister, man bemerkt sie nur meist nichtmal bewusst. :thumbup:


    Die zweite Staffel "The Haunting of Bly Manor" (9 Folgen, über acht Stunden) ist dann eine Verfilmung eben der "Schraubendrehungen" (mit Anleihen aus anderen James-Werken), allerdings muss ich hier deutlich vor großer Langeweile und Schwäche warnen. Das ist weit ab von der Qualität der Hill-House-Folgen, eigentlich schon erschreckend dünn, sowohl hinsichtlich dieser als auch der Kurzromanvorlage, redundant und auf der Stelle tretend. Und dass auch hier Geister in manchen Einstellungen versteckt sind, wirkt beinahe nur noch wie ein selbstreferenzieller running gag bzw. trägt eben nicht wie in der ersten Staffel zur latent unheimlichen Stimmung bei. Kann man sich also locker vor hüten, aber die erste Staffel sollte man als Gruselfan mal gesehen haben. Sie gehört für mich zum Besten, was ich in den letzten zehn Jahren oder so gesehen habe. :thumbdown:


    *sante*

    Wenn man bedenkt, dass die alte Verfilmung mit "Schloss des Schreckens" deutsch betitelt wurde, ist das hier schonmal besser, trotzdem unnötig daneben, eben überdreht: "Die Drehung der Schraube" oder "Schraubendrehung" kommt meines Erachtens ausreichend gut hin. Wobei für mich angesichts des sich verschärfenden Horrors im Buch (das ist ja gerade seine atemberaubende Stärke) auch ein "Das Festziehen der Schraube" treffend ist.


    *sante*