Beiträge von pm.diebelshausen

    Und noch auf des Komponisten eigenem Bösendorfer einige Humoresken.


    Kannst Du dazu noch etwas mehr sagen? Ich habe die (und die beiden anderen Kapvil-Bösendorfer) nämlich seit einer Weile auch ins Auge gefasst. Kvapil ist wohl Spezi für tschechisches Klavier, nicht nur Dvořák. Und es gibt auch eine Dvořák Piano Works Complete von ihm, da aber leider, leider nicht opi und, wenn ich das jetzt richtig im Kopf habe, mit teils deutlich älteren Aufnahmen. Deshalb frage ich mich (oder eben Dich), ob seine Spielweise auf dem historischen Instrument taugt.

    Lief heute auch bei mir. Very well. "Cloudburst" - was für ein Rausch. Mit Mississippi konnte ich weniger anfangen, scheint mir nah an Gershwin, wohingegen die anderen beiden Gewässer, vor allem Niagara, ganz andere, spannungsreiche Tiefen bieten. Ein gewisser, verschmitzt-verspielter Witz ist aber in allen dreien zu finden.


    *sante*

    Habe mal rumgeklickt, so richtig fündig zu den blauen U-Bahn-Schildern wurde ich nicht, reime mir aber zusammen: gab's, allerdings damals noch in schwarzweiß. :-|


    https://c2.staticflickr.com/6/…68666254_9de14f3c45_b.jpg

    https://i.pinimg.com/736x/c7/5…e8ef3471dacc7fc7c3d1a.jpg

    Abends mit Beleuchtung: http://www.cabaret-berlin.com/…_vaterland-aussen-05.jpeg

    Und hier in blau, allerdings wohl etwas später: https://i.pinimg.com/originals…be0d09a14ff07c915aa35.jpg


    Und nochmal danke, jetzt da ich die CDs mehrfach gehört habe - mal aufmerksam, mal nebenbei. Transkription und Interpretation sind gleichermaßen transparent, direkt, kraftvoll: ein deftiger Zugriff auf Bachs Werk, der nicht verhätschelt, sondern ohne Umschweife zum wesentlichen Kern kommt und dabei ganz wunderbar stetig fließt. Gefällt mir sehr gut.


    *sante*




    EMI 1985 (173:35 min)

    Dresdner Fassung


    Klaus König - Tannhäuser

    Bernd Weikl - Wolfram von Eschenbach

    Lucia Popp - Elisabeth

    Waltraud Meier - Venus

    Kurt Moll - Hermann, Landgraf von Thüringen

    Siegfried Jerusalem - Walter von der Vogelweide

    Walton Groenroos - Biterolf

    Donald Litaker - Heinrich der Schreiber

    Rainer Scholze - Reinmar von Zweter

    Gabriele Sima - Ein junger Hirt


    Bernard Haitink


    Chor & Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks


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    Das war nun also heute mein Einstieg in die Wagnerwelt: ich saß teilweise vorne auf der Sesselkante. Mit so einer Spannung hatte ich nicht gerechnet, allein schon die nicht lineare Erzählweise hält ordentlich wach und den Spannungsbogen aufrecht. Wahrscheinlich war es gar nicht schlecht, zunächst einmal ein recht frühes Werk mit noch vorhandenen Anteilen der später zunehmend von Wagner hinwegentwickelten traditionellen Oper zu hören.


    Beeindruckend die geradezu visuelle Malerei durch den Klang des Orchesters. Ich sah alles vor mir, im Hintergund sich entfernende Waldlandschaft, vorüberziehende Pilgergruppen, das idyllische Licht im Tal nach dem Venusberg, die trostlos gewordene Idylle als Tannhäuser nicht unter den zurückkehrenden Pilgern ist. In dieser Aufnahme gefällt mir ganz besonders Weikl als Wolfram. Ohnehin eine sehr hintergründige Figur, die still-unerkannte, einsame Verabschiedung von Elisabeth in der Abendstern-Arie, wie demütig und tapfer, das alles konnte ich in Weikls Gesang hören. Und durchaus auch Königs Tannhäuser, voller Manneskraft, die verstehen lässt, warum selbst Venus so auf ihn abfährt, hoffnungsvoll mitunter, dann völlig gebrochen und an den entscheidenden Stellen fast wahnsinnig aufbrausend. Kurt Moll: wie behutsam sein Landgraf Elisabeth bei ihrer Rückkehr in die Sängerhalle anspricht. Lucia Popp ruht in sich selbst und in der frommen Zuversicht ihrer Figur, wohingegen Waltraud Meiers Venus ordentlich austeilt, mir zwar manche Worte in den Höhen zu unklar sind (wenn "Quelle" genausogut "Qualle" sein könnte) und ich sie mir etwas boshafter, entsetzter, entrüsteter gewünscht hätte: als Antipodin ein und desselben mit Elisabeth/Popp ergibt sich dennoch ein für mich ganz stimmiges Bild. Bin beeindruckt.

    Für mich eine der herzöffnendsten Szenen: in "Der Name der Rose" als Adson seine amouröse Verwirrung William beichtet. So viele problematische Aspekte bis hin zu Abgründen in einem so kurzen Dialog gefasst und auch noch mit reichlich Augenzwinkern versehen - ich liebe es.



    Adso of Melk: Master? Have you ever been in love?

    William of Baskerville: In love? Yeah, many times.

    Adso: You were?

    William: Yes, of course. Aristotle, Ovid, Vergil...

    Adso: No, no, no. I meant with a...

    William: Oh. Ah. Are you not confusing love with lust?

    Adso: Am I? I don't know. I want only her own good. I want her to be happy. I want to save her from her poverty.

    William: Oh, dear.

    Adso: Why "oh dear"?

    William: You are in love.

    Adso: Is that bad?

    William: For a monk, it does present certain problems.

    Adso: But doesn't St. Thomas Aquinas praise love above all other virtues?

    William: Yes, the love of God, Adso. The love of God.

    Adso: Oh... And the love of woman?

    William: Of woman? Thomas Aquinas knew precious little, but the scriptures are very clear. Proverbs warns us, "Woman takes possession of a man's precious soul", while Ecclesiastes tells us, "More bitter than death is woman".

    Adso: Yes, but what do you think, Master?

    William: Well, of course I don't have the benefit of your experience, but I find it difficult to convince myself that God would have introduced such a foul being into creation without endowing her with some virtues. Hmm? How peaceful life would be without love, Adso, how safe, how tranquil... and how dull.

    Oldörp wird auch im oben von mir verlinkten Text von Volker Straebel angesprochen. Eigenartig finde ich nun, dass der Artikel im Tages Anzeiger die Klangentstehung bzw. Kontrolle über die Tasten anders darstellt als Straebels Text oder der Wikipedia-Artikel zum Pyrophon (mehr Luftzufuhr hier vs. Kontrolle über Interferenzen zweier oder mehr Flammen da).

    Nun ja, genau das meinte und befürchtete ich mit "Icestorm". Leider kann man bislang auch nicht auf eine Veröffentlichung aus einem anderen Land ausweichen. Für die von Kropnyj Plan taugt mein Russisch nicht und ob da die Qualität besser ist, steht auch noch dahin. Criterion hat bislang wohl kein Interesse, sich derartigem aus Russland anzunehmen. Da muss mir dann die bisherige DVD reichen.


    Befreiung: Teil 1: "Der Feuerbogen"

    Wie ist denn Deine Einschätzung der Bildqualität? Lohnt sich eine Neuanschaffung, wenn ich "Befreiung" auf DVD gesehen habe? Gerade die irrwitzig riesigen Schlachtenszenen mit ganzen Komparsenarmeen und Originalfahrzeugen fand ich gerade sehenswert. Icestorm ist hierzulande ja leider auch bei vielen TV- und DEFA-Dingen die einzige Quelle, hauen die Sachen aber ziemlich lapidar raus (vor allem auch ohne Originalton/Untertitel) - ich sag nur Tarkovsky.

    Eine recht kuriose Variante der Orgel ist das Pyrophon: ein 1875 von Georges Frédéric Eugène Kastner erfundenes Tasteninstrument, dessen Töne mit Gaslicht erzeugt werden, wobei die Tasten die Teilung der in Glasröhren befindlichen Gasflammen steuern. Besonders interessant an diesem weitestgehend vergessenen Instrument ist seine künstlerische Realisation des romantischen Gedankens der tönenden, klingenden Natur: "schläft ein Lied in allen Dingen". Dazu schrieb Henry Dunant, der den Klang der Flammenorgel mit dem der menschlichen Stimme und der Aeolsharfe verglich:


    "Hiermit ist die bescheidene harmonica chimique, das lumen philosophicum der Naturforscher, im Pyrophon zum Musikinstrument herangereift; dieses erfreuliche Ergebnis stützt die Überlegung, daß die Untersuchung der Natur des Klanges den Menschen, wenn schon nicht wirklich zur Erfindung der Musik, so doch wenigstens dahin führen wird, diese Kunst mit Mitteln auszustatten, die ihre Macht stärken."

    (Henry Dunant: Description of M. Kastner's new musical instrument, the Pyrophone, in: Journal of the Society of Art [London] 23 (1875), S. 293, zitiert nach http://www.straebel.de/praxis/…praxis/text/t-flammen.htm)


    Ich stolperte über diese Flammenorgel aus dem Jahr 1876 im Musée Historique in Straßburg - glücklicherweise ohne weitere Verletzungen, da sie nicht mehr mit Wasserstoff befüllt war. Ein kurzes Klangbeispiel ist dort zu hören. Vielleicht kennt jemand hier im Forum Aufnahmen mit zeitgenössischen Kompositionen?


    Flammenorgel/Pyrophon, Musée Historique, Straßburg Flammenorgel/Pyrophon, Musée Historique, Straßburg

    Im letzten Moment vor der Abreise holte ich "Tschaikowskys Tod" doch wieder aus dem Rucksack, weil ich dachte, das passt dann doch schlecht zu Sommer, Sonne, Urlaub, und ergriff stattdessen Tabucchis "Erklärt Pereira" - richtige Entscheidung. So leicht wird selten vom Ernsten geschrieben, die Redundanzen und die Einfachheit erzeugen einen wunderbaren Rhythmus und eine unterschwellige Spannung, trotz des historischen Settings 1938 atmet das Buch europäische Gegenwartsluft im Zwiespalt großer gesellschaftlicher und "kleiner" individualbiographischer Geschichte, da ist eine sommerlich-nostalgische Melancholie und eine sanfte, zunehmende Unruhe hinsichtlich eigener Verantwortung - die Frage nach Passivität oder Einmischung, luftig und bedeckt zugleich.



    Das Ensemble Stimmwerck hat heute seine Auflösung bekanntgegeben. Ich zitiere den Beitrag von ihrer Facebookseite:


    Gern geschehen.


    Übrigens gerade gesehen, dass die Übertragung des Abends (3 Std 55 Min, 256 kBit/s) inklusive erläuternder Sprachbeiträge während der Umbauphasen noch 24 Tage im WDR Konzertplayer nachzuhören ist, viel Spaß dabei:


    http://konzertplayer.wdr3.de/k…t/wdr-3-konzert-08062018/


    Edit: allerdings kam die Übertragung ohne Stimmwerck aus, da die Sendezeit bis Mitternacht eingeplant war. Das Programm von Stimmwerck wird laut Ansage noch nachgereicht.

    Nein, Dufay, von Angst will ich da gar nicht sprechen: Unsicherheit und Gefahr ist da für mich etwas Wahres, Gutes, Schönes.


    Und, Yorick, so apollinisch-vernünftig ist das bei mir auch nicht. Das erscheint nur so in der analytischen Rückschau, um die mich Deine Threadüberschrift gebeten hat. Im Tatsächlichen Vollzug ist das reichlich lust-und-laune-gesteuert. Ich mache da nie eine bewusste Rechnung auf, die womöglich auch noch die Kosten hoch ansetzt, sondern lebe und erlebe Musik nach Gefühl. Dennoch interessant, dann mal einen vernunftbetonten, versprachlichenden Blick zu öffnen und dabei den ein oder anderen roten Faden zu erkennen, den man doch gar nicht so beabsichtigt hat.