Beiträge von pm.diebelshausen

    Ja, die Zeitwahrnehmung mag damals grundsätzlich, alltäglich eine andere gewesen sein. Zu Zeiten, in denen das Pferd das schnellste Transportmittel war, mag manches, was uns heute lahm vorkommt, kognitiv erstaunlich flott gewirkt haben.


    Bloß frage ich mich bei Wim Winters immer: legt man seine Temporekonstruktion zugrunde, gab es einfach keine schnellen Kompositionen, die das Menschlich-Physiologische und das Technisch-Mechanische der Instrumente ausgereizt hätte - und das kollidiert völlig mit meiner Auffassung des an sich getriebenen, Grenzen suchenden und überschreitenden Homo sapiens, zumal in der Kunst. Warum sollten Komponisten, die auf allen möglichen Ebenen des Komponierens (und Spielens) ohne Zweifel das konventionelle Fundament ihrer jeweiligen Zeit gesprengt, überwunden, ausgereizt und übergereizt, teils schockierend verlassen haben, dies nur hinsichtlich des Aspektes Tempo nicht getan und auch mal ein Doppelprestississimo notiert haben, um ein Tempo in Winters' Lesart zu erzielen, das uns heute als gängig schnell erscheint (den Unterschied zwischen Metronom- und Tempoangaben lasse ich mal weg)?


    *sante*


    Die Angaben im Booklet lauten folgendermaßen:


    The instrument is a reproduction of an historical instrument by Anton Walter (Wien 1800 ca)

    Maker: Ugo Casiglia - Year: 2014

    Keyboard: FF - c''''

    Two strings FF - a''; three strings b'' - c''''; A= 430 Hz

    Two knee levers: moderator, dampers


    Der italienische Booklettext gibt abweichend "Wien 1805 ca" an.


    *sante*

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    Ludwig van Beethoven (1770-1827)

    Claviersonate c-moll op. 13

    Claviersonate C-Dur op. 53


    Ferdinand Ries (1784-1838)

    Claviersonate fis-moll op. 26


    Michele Bolla, Fortepiano nach Anton Walter c1800/1805 made by Ugo Casiglia


    Das ist vom ersten bis zum letzten Ton absolut fesselnd. Dass es weitere Takes gab, bei denen das Instrument dann endgültig, gleichzeitig ex- und implodierte, ist zu erwarten. Ich nehme diese CD ab jetzt als Referenz-Demo für die Klangeigenschaften eines Fortepiano. Vom Schweiß auf der Stirn über selige Verträumtheit bis zur Schockgefrierung ist alles dabei. Herrlich, diese Aufnahme, die die Mechanik des Fortepianos, das Knarzen des Hockers, das Umblättern der Seiten mit abbildet.


    *sante*

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    Ludwig van Beethoven (1770-1827)

    Claviersonate c-moll op. 13

    Claviersonate C-Dur op. 53


    Ferdinand Ries (1784-1838)

    Claviersonate fis-moll op. 26


    Michele Bolla, Fortepiano nach Anton Walter c1800/1805 made by Ugo Casiglia


    Das ist vom ersten bis zum letzten Ton absolut fesselnd. Dass es weitere Takes gab, bei denen das Instrument dann endgültig, gleichzeitig ex- und implodierte, ist zu erwarten. Ich nehme diese CD ab jetzt als Referenz-Demo für die Klangeigenschaften eines Fortepiano. Vom Schweiß auf der Stirn über selige Verträumtheit bis zur Schockgefrierung ist alles dabei. Herrlich, diese Aufnahme, die die Mechanik des Fortepianos, das Knarzen des Hockers, das Umblättern der Seiten mit abbildet.


    *sante*

    Habe ich mir gestern angeschaut (auf Englisch) und wurde sehr gut unterhalten. Das lag zunächst mal an einem beeindruckenden Ed Harris, den ich so frisch und unverkniffen - und trotz Überzeichnungen auch still und differenziert - nie erwartet hätte (seine eher groben und plakativen Interviewäußerungen zum Film legen das auch nicht nahe). Dazu gehört auch die Darstellung dieses Ludwigs, weit ab vom grimmigen Marmorsockel seiner kulturgeschichtlichen Überhöhung und Verzerrung. Dieser hier ist deftig und lebendig und witzig und nicht nur im Cholerischen emotional, sondern in seiner Zerrissenheit und Unverschämtheit liebenswürdig. Wie erfrischend!


    Und dann ist da noch diese filmisch grandiose Umsetzung der Uraufführung. Nicht nur ist sie als Dreh- und Angel- und Höhepunkt des Films in dessen Mitte platziert schon dieserart ungewöhnlich. Sie ist lang und intensiv und verfehlte bei mir nicht die Tränenrührung, die diesem Ausnahmemoment der Musikgeschichte gerecht wird. Man kann den Film sicher leichtfertig und unterhaltsam sehen, aber er hat eine Menge Feinheiten, die viel weiter gehen als es die Hand im Popkorn vermag. Und er macht etwas, dem sich viele Biopics nicht annehmen, die versuchen ein quasi dokumentarisches Bild historischer Verbürgtheit in Film zu verbauen: er erzählt sozusagen im Geiste und vermittelt eher ein Gefühl gegenüber Beethoven, das wohl gerade durch diesen eingeschlagenen Weg wesentlich erfolgreicher darin ist, ein adäquates Bild zu vermitteln. Zumal gerade dies als Übereinstimmung von Form und Inhalt den im Film dargestellten Auffassungen Beethovens entspricht, wie sie einigen Dialogen und der Schlüsselszene "Brückenzertrümmerung" zugrunde liegen.


    *sante*


    Ist eine Lizenzausgabe von 2002. Das Original erschien 2002 bei Classico und ist hier bei Amazon ohne Cover gelistet.



    Antonio Vivaldi: Concerti op. 8 Nr. 1-4


    Jochen Brusch: Violine

    Sven-Ingvart Mikkelsen: Orgel, Transkription


    Diese Bearbeitung und Einspielung war mir vor einigen Wochen mit in einen Warenkorb gerutscht, wahrscheinlich, um auf Versandkostenfreiheit zu kommen. Man sieht: der Kapitalismus ist nicht rundweg schlecht, er beschert mir die Erkenntnis, dass ich die Klangkombination Violine/Orgel doch sehr reizvoll finde. Die beiden spielen die Möglichkeiten aus. Das gelingt in meinen Ohren mal weniger, oft aber ganz erstaunlich. Mitunter verschmelzen beide Instrumente völlig und völlig schön miteinander, dann wieder steht eines von ihnen im Vordergrund kontrastiert. Durch das Vibrato der Violine setzt sie sich per se gegen die Töne der Orgel ab, aber dadurch entstehen nichtmal die schwächsten Stellen dieser Einspielung.


    Gleich zu Beginn überrascht mich der Frühling mit einer Klangfülle des Ritornells, so dass ich nochmal kurz ins Booklet schaue, ob sich da nicht doch noch mehr Musiker versteckt haben. Nein, die Vertikale des Sounds wird allein aus dieser Kombi satt gefüttert. Viele Momente führen zu akustischen Täuschungen. Da wirken die Orgeltöne in Frühling III auch mal wie Borduntöne der Violine. Das sind ganz herrliche, überhaupt nicht überbetonte Stellen, die mich angenehm aufhorchen und diese ach so überstrapazierte Musik wieder einmal frisch hören lassen. Die Horizontale, sprich das Stereoklangbild ist übrigens eher schmal - die Räumlichkeit hält sich in Grenzen und zum Aufnahmeort und zur Orgel findet sich nichts in der Veröffentlichung.


    Mikkelsen hat mit Transkription und Klangfarben das Ganze in seinem geschmackvollen Griff. Eine Orgel ist zigfach janusköpfig, optimal für das Farbenspiel der Jahreszeiten. Hier ist es dann die Violine, die mit ihrem geradlinigeren Klang das Ganze zusammen und im Zaum hält, wenn die Pfeifen das Spektrum ihrer eigenen Lagen und Töne prägnant zur Schau stellen (Sommer-Adagio).


    Schwächer fallen für mich die eruptiven, dynamischen Passagen aus. Vielleicht liegt das an einer Glättung, die das Tasteninstrument innerhalb einer Registrierung mitbringt. Das Allegro non molto des Winters überzeugt mich zum Beispiel weniger. Winter II gelingt dafür wieder herzallerliebst und in III friert dann auch die Violine.


    Alles in allem ist diese Bearbeitung weit weniger affektbeladen als so manche Einspielung historischer Validität, geradezu dezent. Dennoch eine schöne, irgendwie heimelige, mitunter verblüffende, eher gefällige als fesselnde, aber jedenfalls attraktive und mir sympathische Umsetzung.


    *sante*


    Ist eine Lizenzausgabe von 2002. Das Original erschien 2000 bei Classico und ist hier bei Amazon ohne Cover gelistet.


    Antonio Vivaldi: Concerti op. 8 Nr. 1-4


    Jochen Brusch: Violine

    Sven-Ingvart Mikkelsen: Orgel, Transkription


    Diese Bearbeitung und Einspielung war mir vor einigen Wochen mit in einen Warenkorb gerutscht, wahrscheinlich, um auf Versandkostenfreiheit zu kommen. Man sieht: der Kapitalismus ist nicht rundweg schlecht, er beschert mir die Erkenntnis, dass ich die Klangkombination Violine/Orgel doch sehr reizvoll finde. Die beiden spielen die Möglichkeiten aus. Das gelingt in meinen Ohren mal weniger, oft aber ganz erstaunlich. Mitunter verschmelzen beide Instrumente völlig und völlig schön miteinander, dann wieder steht eines von ihnen im Vordergrund kontrastiert. Durch das Vibrato der Violine setzt sie sich per se gegen die Töne der Orgel ab, aber dadurch entstehen nichtmal die schwächsten Stellen dieser Einspielung.


    Gleich zu Beginn überrascht mich der Frühling mit einer Klangfülle des Ritornells, so dass ich nochmal kurz ins Booklet schaue, ob sich da nicht doch noch mehr Musiker versteckt haben. Nein, die Vertikale des Sounds wird allein aus dieser Kombi satt gefüttert. Viele Momente führen zu akustischen Täuschungen. Da wirken die Orgeltöne in Frühling III auch mal wie Borduntöne der Violine. Das sind ganz herrliche, überhaupt nicht überbetonte Stellen, die mich angenehm aufhorchen und diese ach so überstrapazierte Musik wieder einmal frisch hören lassen. Die Horizontale, sprich das Stereoklangbild ist übrigens eher schmal - die Räumlichkeit hält sich in Grenzen und zum Aufnahmeort und zur Orgel findet sich nichts in der Veröffentlichung.


    Mikkelsen hat mit Transkription und Klangfarben das Ganze in seinem geschmackvollen Griff. Eine Orgel ist zigfach janusköpfig, optimal für das Farbenspiel der Jahreszeiten. Hier ist es dann die Violine, die mit ihrem geradlinigeren Klang das Ganze zusammen und im Zaum hält, wenn die Pfeifen das Spektrum ihrer eigenen Lagen und Töne prägnant zur Schau stellen (Sommer-Adagio).


    Schwächer fallen für mich die eruptiven, dynamischen Passagen aus. Vielleicht liegt das an einer Glättung, die das Tasteninstrument innerhalb einer Registrierung mitbringt. Das Allegro non molto des Winters überzeugt mich zum Beispiel weniger. Winter II gelingt dafür wieder herzallerliebst und in III friert dann auch die Violine.


    Alles in allem ist diese Bearbeitung weit weniger affektbeladen als so manche Einspielung historischer Validität, geradezu dezent. Dennoch eine schöne, irgendwie heimelige, mitunter verblüffende, eher gefällige als fesselnde, aber jedenfalls attraktive und mir sympathische Umsetzung.


    *sante*

    Ist im Booklet zu dieser Aufnahme vermerkt, wie groß das Orchester ist? Bei der UA wars nämlich ca. 100 Mann stark.


    Siegfried

    Wenn ich richtig gezählt habe: 70 Musizierende (plus Chor).

    Ich zählte 73 inklusive Gesangssolisten und exklusive Chor, weshalb ich mit meiner Antwort noch Folgendes abwarten wollte: Johannes Eder aus dem Organisationsstab von Chorus Sine Nomine hat mir via Facebook geantwortet und aus der Besetzungsliste unter Einbezug wahrscheinlicher kurzfristiger Ausfälle eine Anzahl von ca. 60 Personen im Chor bei dieser Aufnahme ermittelt.


    Damit ist die Gesamtbesetzung (ca. ) 133 Musizierende.


    *sante*