Beiträge von pm.diebelshausen

    Vor allem schätze ich meinen Mitschnitt des Concerto Köln aus Bonn-Endenich (St. Maria-Magdalena-Kirche unweit des Sterbehauses Schumanns und Blees' Geburtshaus):


    Olga Pasichnyk, Marianne Beate Kielland, Markus Schäfer, Klaus Mertens, NDR Chor, Concerto Köln, Pierre Cao.

    Verständlich. Aus irgendeinem Grund wollte ich gleich hören, tat dies gestern. Die kleinsten Klangmalheurchen außer Acht gelassen klingt das wuchtig fulminant und ich mag auch das gelegentliche leise Mitbrummeln bei manchem Einsatz.


    Vor allem war mir Gossec absolut völlig rundum unbekannt, dabei höre selbst ich, dass er gefälligst zwischen Bach und Beethoven zu den Großartigsten gehört. Mein Gott, 26 war er. Das Requiem ist in jeder Hinsicht voluminös, ist dramatisch von der Erdentiefe bis zum Lichterglanz und hat mich immer wieder mit Reichtum an Ideen, Wendungen, Motiven, Passagen überrascht, die so sitzen, dass sie bei mir dasjenige Gefühl hervorrufen, das mir stets bei für mich wirklich guter Musik kommt: sie klingt als könne sie nicht anders sein und als habe es sie schon immer gegeben. Das ist weder sperrig noch gefällig, das ist grandios. Vieles seinerzeit in der Kunst Grandiose wurde später vergessen und manches davon altert schlecht, da kann ich nachvollziehen, dass es sozusagen innerhalb der Kunst aus dem Nest gedrängt wurde. Hier kann ich es nicht und das liegt wohl auch daran, dass andere, gesellschaftspolitische Gründe außerhalb der Kunst relevant waren, die Gossecs Werk beiseite stellten (soweit ich seine Biografie nun nachvollzogen habe). Für mich also eine echte Entdeckung, für die ich herzlich danke!


    *sante*

    Habe in den vergangenen Tagen erstmals "Vier Schwestern", seinen letzten, gesehen. Wie immer gebannt. Was ich noch nicht wusste: das Rohmaterial der Arbeiten an "Shoah" besitzt seit 1996 das United States Holocaust Memorial Museum und inzwischen sind auf dessen Website 185 Stunden an Lanzmanns Interviews und 35 Stunden seiner Aufnahmen an historischen Orten öffentlich zugänglich. Was für ein Schatz, an dem Ihr Euch auch gütlich tun könnt:


    https://collections.ushmm.org/search/catalog/irn1000017


    *sante*

    Nur ein wenig aus dem Zusammenhang gerissen, aber exakt passend aus Barenboims "Klang ist Leben" (S. 91):


    Das ist in der Tat bedauerlich, da Musik keine Diskriminierung aufgrund von Rassen- oder Religionszugehörigkeit, Geschlecht oder nationaler Herkunft kennt. Vor einer Beethoven-Symphonie sind alle Menschen gleich, und sie können von ihr lernen oder von ihr inspiriert werden, je nach ihrer Begabung oder Bereitschaft, dies zu tun.


    Daraus leite ich ab: wer Beethoven und seine Musik aus den in den verlinkten Artikeln beschriebenen Gründen (her-)absetzt, hat diese Musik bereits ignoriert und nicht bloß missverstanden.



    *sante*


    Da geht es mir ähnlich, aber nicht ganz. Der Vormittag und die Mittagszeit ist wenn, dann meiner Vorstellung einer Matinee vorbehalten: keine große Herausforderung bitte, aber ohne Verzicht auf Qualität. Vielleicht hat das mit der Kindheitserfahrung des sonntäglichen Vormittagsprogramms im Fernsehen zu tun, jedenfalls denke ich bei Matinee zuerst in Richtung tschechischer Märchenfilme.


    Und dann: am Nachmittag geht prinzipiell alles inlusive konzentriertem Hören, aber da ich abgesehen von beruflicher Erschöpfung abends und nachts am wachesten bin, gehört da auch die fokussierte Zielsetzung beim Hören hin, wie auch beim Lesen, Schauen, Trinken und Machen. Könnte sein, dass dem so wegen der leichter fallenden Gelassenheit ist. Wenn ich das Tagewerk um mich herum als beendet und die Stadt um mich herum als genießend, ihren privaten Dingen fröhnend oder auch einfach schlafend denken kann, fällt es mir leichter, selber vom alltäglichen Gebraus zu lassen, möglicherweise. Oder anders: tagsüber Gebräu, ab abends distinguierter, gerne auch irritierender. Allein die Dunkelheit reduziert schon Reize und die Tageszeit anscheinend auch, derzeit ist um 19:35 Uhr Sonnenuntergang.


    Da ist so eine Konzertnacht von 20:00 bis 1:00 Uhr herrlich und perfekt für mich, aber auch ein Konzerttag wie dieser von 11:00 bis 22:00 Uhr war völlig reizvoll im Tagesverlauf, der Bewegung durch Ortswechsel und die sich entwickelnden Stimmungen und eigenen Befindlichkeiten und Perspektiven zu unterschiedlichen Tageszeiten.


    Bloß schwer zu erkennen, was an den eigenen Vorlieben nun persönlichkeitsgebunden und was aus gesellschaftlicher Zeitstruktur geboren ist. Bzw.: blöder Satz, da beides wechselwirkend ein und dasselbe ist.


    *sante*

    Seit März bin ich vermehrt auf der Spur dessen, was ich denn selber musikalisch mache. Wenn Ihr Euch traut, könnt Ihr auf YouTube mal bei Sansensemble und Richard Clayderhaken reinschauen. Eine Weile hatte ich es ja mit klassischer Gitarre versucht, denn Saiten sind noch am ehesten das, was mir liegt. Aber nach getaner Arbeit hatte ich leider kaum Raum für den wenn auch sehr entspannten und sympathischen Unterricht. Wie auch immer, jetzt sind auch die elektrischen Gitarren nach über zehn Jahren wieder ins Zimmer gelangt und haben Familienzuwachs bekommen. Ich schaue also wieder mehr auf das, was ich halt kann. Mal einfach ein akustisches Instrument nehmen, mal mit Elektronik und Overdubs an zahlreichen Sounds schrauben.


    Was ich aber eigentlich erzählen wollte, ist eine überaus erfreuliche Wiederbegegnung, die mir tatsächlich die Woche versüßt hat. Mir fiel wegen Unstimmigkeiten mit einem erworbenen Fender-ähnlichen Pseudobaus eine Bekanntschaft ein, der ich seit wohl 25 Jahren nicht mehr begegnet war. Milenko Katanic ist der Vater eines Schulfreundes, baute in seiner Jugend seine erste Gitarre und gründete im Rentenalter seine eigene Werkstatt und Firma. Seit 9 Jahren gibt es Electric Guitar Design und er entwirft seine ganz eigenen cleveren Modelle mit hohem Anspruch bis ins Detail, fräst seine Hölzer, wickelt seine Tonabnehmer. Natürlich konnte er mit bester Laune mein Problem lösen, aber vor allem hatte ich am Mittwoch Gelegenheit, stundenlang etliche seiner Prototypen und aus seinem stock anzuspielen und kann mit leuchtenden Augen sagen, dass sie klasse sind. Ich war skeptisch ob der kleinen Korpusse, ihrer gewitzten Shapes und der Balance, aber nein: sie liegen flott angenehm in Hand und Schoß (wo meine Gitarren hingehören). Und die Verarbeitung bringt umgehend Geschmeidigkeit, die Bünde sind spiegelglatt, alles von der Saitenlage über den knackigen Sound bis zur Variabilität der Schaltungen macht einfach Spaß, gerade richtig auch für einen Unvirtuosen wie mich.


    War ja klar, dass ich gestern nicht nur mit meiner, sondern auch mit einer seiner Standards wieder ging. Darüber hinaus baut er mir ein Unikat aufgrund der Gitarre, die mir auf Anhieb rundum bestens gefiel. Herrlich.


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    *sante*

    Da habe ich meist gut Portionierbares, seit längerem eigentlich nur die Zeitschrift "Zenith" und immer wieder Wanderführer, in denen ich kreuz und quer blättere, um auf dem stillen Örtchen auf andere Örtchen zu kommen. Aber ich hatte da auch eine Weile Matthesons Capelleister, wegen der überschaubaren Paragraphen.


    *sante*

    Badewanne bei Euch allen nicht? (Saunagang fällt hier ja wohl definitv aus, Yorick.) Früher, in meiner späten Schul- und frühen Studienzeit, las ich bis zur Verschrumpelung in der Badewanne. Jetzt habe ich leider nur eine Dusche.


    Ich muss sagen, dass mir die Gelegenheit am Stehpult sehr gut gefallen hat, kannte ich noch nicht. Das ist ein ganz anderes Aufmerksamkeitsgefühl, mit einem gewissen Aufwand (der Körperhaltung) und einer gewissen Entlastung zugleich. Selbst Unbequemlichkeit kann der Aufmerksamkeit förderlich sein, siehe die frühesten Universitätsbestuhlungen in Hörsälen. Letztlich verfechte ich aber, dass die legitimen Rechte des Lesers unbedingt sehr weit gehen, womöglich erst bei Zerstörung enden. Alles weit besser, als nicht zu lesen. In diesem Sinne:


    *sante*

    Mich interessiert, wie Ihr Bücher lest, insbesondere die Schwergewichte.


    Kürzlich hatte ich Arno Schmidts "Zettels Traum" in Händen, die 1334-seitige Ausgabe des Typoskripts vom S.Fischer Verlag. Das sind knapp 7 Kilo. Glücklicherweise war da ein Lesepult zur Hand und schon schwebte das Buch, dieses Buchkunstwerk vor mir und sowohl das sprachgewaltige wie auch das physische Gewicht machte reiner Faszination Platz und ich dachte: vor so einem Buchkunstwerk hat man sich gefälligst zu erheben.


    Vor einiger Zeit besorgte ich mir ein Laptoptischchen, das gut im Bett funktioniert und auch besser als der Schoß, für Bücher gleichermaßen. Aber Zettels Traum hat darauf keine Chance. Wie organisiert Ihr Euch an Tischen, auf Sofas oder in Sesseln und im Bett, bevor die Arme schwer werden?


    *sante*

    Hab's mal für Dich nachgeschaut: die Schreibweise in der Forschung wurde seit Wiederentdeckung der Manuskriptfragmente um 2000 herum von "Montezuma" in das originale "Motezuma" geändert. Mit letzterer griffen Vivaldi/Giusti die Schreibweise "Motēcuhzōma" auf, wie sie in Nahuatl, der präkolumbischen Sprache der Azteken und verwandter Völker, üblich ist.


    *sante*

    Gehört zu meinen intensivsten und deshalb liebsten Filmbegegnungen. Brilliant in jeder Hinsicht bis hin zu dem genialen Einfall, einen Travolta als Noltes Vorgesetzten zu besetzen. Ich kenne auch kaum einen insgesamt prominent gecasteten Film, bei dem die bekannten Gesichter dermaßen in Story und Setting aufgehen, von der existenziell philosophisch reflektierenden Perspektive im Kriegsgenre ganz zu schweigen. Und ich bin meist kein Freund von Off-Stimmen. Neben "Days of Heaven" für mich Malicks bester.


    *sante*

    Ohne überheblich wirken zu wollen, gleichwohl wissend, es zu sein: alle Welt wartet wohl auf meine Einschätzung der neuen Savallschen 'Eroica' ...

    Hehe, habe ich stillschwiegend tatsächlich. Von Leuten, deren Meinung mich interessiert, las ich geradezu Lobeshymnen und Sensationszuweisungen bezüglich der neuen 1-5. Das freut mich sehr, da ich Savall bei all seinen immensen Verdiensten oft als zu akademisch empfunden habe. Dennoch macht mir das Geschehen um die neue(n) Einspielung(en) gehörig Lust, denn wo es rappelt und scheppert, gehöre ich definitiv hin. Ich schiebe es derzeit noch auf, da mich aktuell völlig anderer Sound im Griff hat, aber ganz oben steht jetzt Savallkravall. Dein Beiträgchen ist nun der letzte noch nötige Tritt.


    *sante*

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    Noch nicht auf der Alphaseite, noch rudimentär auf Amazon, erscheint am 11.09.2020:


    What's Next, Vivaldi?

    Patricia Kopatchinskaja - Violine

    Il Giardino Armonico

    Giovanni Antonini - Blockflöte und Leitung


    Bei diesen Interpreten dürfte es gepflegt rappeln, aber über den Inhalt habe ich noch nichts gefunden, das Liveprogramm sieht wohl folgendermaßen aus:




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    *sante*