Beiträge von Travinius

    Hervorzuheben gerade beim Freischütz ist meines Erachtens, dass die Sänger auch selbst spielen, was für einen Opernfilm nicht selbstverständlich ist. Das läßt sie deutlich glaubwürdiger agieren und macht das ganze wirklich zu einer verfilmten Oper.

    Insgesamt auch hier vor allem musikalisch gelungen. Michael Volle ist mir als dämonischer Kasper in Erinnerung geblieben und das Ännchen (der Name fällt mir leider nicht ein) war eine echte Entdeckung - grandios.


    Das war Regula Mühlemann, die ich stimmlich deutlich überzeugender fand als Juliane Banse.


    Der Kasper ist mir ein wenig zu oft im Dreck herumgekrochen. Und Max hätte sich wenigstens zu seiner geplanten Hochzeit rasieren können. Aber Renè Papes Monolog lässt einen das vergessen...


    Unterm Strich fand ich den Film gelungen, eher **** als *****.

    Das stimmt. Wir haben PINA in einem viel zu vollen Kino gesehen, in dem mindestens zwei Drittel der Zuschauer den Film einfach nicht zu schätzen wussten!


    Bei der Gelegenheit: Auch ein sehr interessanter Film, die Musik breitgefächert; die Klassik nimmt keinen sehr breiten, aber einen nicht zu vernachlässigenden Raum ein, und auch der Rest ist hochinteressant. Den Soundtrack haben wir schon.


    Ich habe den Film zusammen mit meiner Frau gesehen... nachmittags hatte ich sicherheitshalber Karten für das Cinedom in Köln vorbestellt.


    Als wir bei der Kartenabreißerin ankamen, sagte diese, außer uns kämen nur noch zwei, die reserviert hätten. Als ich sagte, dass wir reserviert hätten, schaute sie uns an und sagte: "Ach, Sie waren das!" — Und so saßen wir alleine in einem Kino im Cinedom. Vorteil: RUHE IM KINO! Aber das hatte der Film wirklich nicht verdient!


    Ich werde mir die DVD sicher besorgen.

    Der Kopfsatz von KV 375 ist noch deutlich merkwürdiger im Aufbau, wie ich finde, so konventionell sich die Es-dur-Serenade auch ansonsten gibt.


    Es fällt auf, dass die Exposition nicht wiederholt wird. Das Hauptthema ist durch einen wenig bewegten, volltönigen Es-dur-Akkord geprägt. Mozart schiebt noch ein Es-dur-Thema hinterher, dass dieses Mal von einem gebrochenen Es-dur-Akkord und schnellen Sechzehntelläufen geprägt ist.


    Eigtentlich würde ich jetzt die Modulation nach B-dur erwarten, für den zweiten Tonartenblock der Exposition. Aber nicht so bei Mozart, stattdessen folgt ein neuer Gedanke in b-moll! Als ob er den Fehler bemerkt hätte, hält der Satz inne (auf einer ganztaktigen Generalpause mit Fermate), als würde er kurz überlegen, wie es jetzt nun wirklich weitergehen müsse, und dann folgt endlich noch ein neues Thema in B-dur. Überhaupt finde ich, dass Mozart in der Exposition Gedanken an Gedanken reiht, aber das ist bei ihm ja nicht so ungewöhnlich.
    Die folgende Überleitung, geprägt zunächst durch Akkorde und dann durch schnelle Skalenläufe führt endlich zu so etwas wie einer Schlussgruppe, die das erreichte B-Dur ab Takt 85 solide festigt. In Takt 89 wird der Schlusston der Exposition gehalten und führt gleich in die kurze Durchführung ab Takt 90, die nach einer kurzen Modulation aus zwei Akkorden gleich mit dem Hauptthema in Es-Dur (!) einsetzt. Nanu? Schon die Reprise? Waren die beiden Akkorde die Durchführung? Nein, so einfach macht Mozart es uns dann doch nicht. Es folgen einige Modulationen, aus Es-dur wird über Es-dur mit kleiner Septime as-moll erreicht, und durch enharmonische Umdeutung von ces und es wird ein H-dur-Septakkord, e-moll ein G-dur-Quintsextakkord. Die Auflösung führt nach c-moll, thematisch kommt nach den Akkordverarbeitungen des ersten Themenkopfs jetzt der b-moll-Seitengedanke aus der Exposition. Mozarts Durchführung ist sehr kurz und knapp, umspannt aber einen sehr weiten harmonischen Raum; die Modulationen machen wett, was an Themenaufarbeitung zu kurz kommt. In Takt 110 wird wieder ein B-dur-Septakkord erreicht; die Bewegung kommt in Takt 112 wieder auf einer Fermate zum Erliegen — dieses Mal auf einem Dominantseptakkord, nicht auf einer Pause — 23 Takte Durchführung liegen hinter uns.


    Dann folgt ab Takt 113 wirklich die Reprise. Der b-moll Seitengedanke wurde ja in der Durchführung schon aufgearbeitet und hat sein Überraschungsmoment inzwischen verloren, deshalb verzichtet Mozart hier darauf. Stattdessen — ein neuer Gedanke, ein Hornthema in Es-dur! Sind wir jetzt in der Durchführung? Oder doch in der Reprise? Mozart macht es uns nicht einfach! Dieses Mal 'bemerkt' die Musik ihren Irrtum nicht so schnell, das Thema wird im Tutti bestätigt, bevor wieder eine Generalpause mit Fermate die Bewegung anhält. Das B-dur-Thema der Exposition erlöst uns, es ertönt ab Takt 172 im regelgerechten Es-dur.


    Bis Takt 211 verläuft die Reprise ansonsten regelmäßig. Die Coda ist mit 27 Takten länger als die Durchführung! Aber die harmonischen Wirrungen sind nicht mehr so komplex, die Coda beweist uns, dass der Satz mit Es-dur sein Ziel erreicht hat. Der markante Es-dur-Dreiklang des ersten Themas erklingt, alle Dreiklänge, die durchlaufen werden, dienen im Grunde der Kadenz nach Es-dur, das in Takt 229 im Forte in Dreiklangsbrechungen ertönt. Aber es ist nicht Schluss, die Oboe klingt mit süßen Portamento-Tonwiederholungen und Legato-Achtel-Pendelfiguren immer wieder rund um B, bevor der Satz leise und unscheinbar verklingt. Es ist alles gesagt. So massig, wie der Satz beginnt, so bescheiden endet er.


    Das ist es, was ich an Mozart so liebe. Eigentlich klingt alles vertraut, aber immer wieder entdeckt man im Detail einen solchen Formen- und Themenreichtum, dass es doch niemals eintönig und langweilig wird.

    Eigentlich wegen der Harmonies gestern als Download erworben:


    Zuerst angehört habe ich mir aber heute abend die h-moll-Sonate. Wenn die Harmonies so grandios interpretiert sind, hat sich die Anschaffung gelohnt.

    Ich habe das Gefühl, mit meinem 'neumodischen Zeug' tanze ich hier ganz schön aus der Reihe.


    Heute eines der Hauptwerke der Klavierliteratur des XIX.Jahrhunderts — eigentlich aller Jahrhunderte: Liszt - Sonate h-moll, S.178


    Die Einspielung (auf einem modernen Flügel) hat mir außerordentlich gut gefallen — hervorragend ausgeformt, auf einem klangvollen und klangschönen Instrument, sehr einfühlsam aber niemals zu weich oder zu süß.

    Dann weiter in dem Haydn-Ziegelstein...


    Heute habe ich mir Haydns op.20 gewidmet, und zwar in der Buchberger-Einspielung. Nach eigenen Angaben eine Originalfassung, die von der allgemein publizierten, von Haydn kurz nach 1800 revidierten Fassung abweicht. Kann ich nicht beurteilen, kenne bisher nur diese.
    Wie immer bisher bei Haydns Quartetten war ich verzaubert von dieser Mischung tiefgründiger Musik, feiner und strenger Kontrapunktik und subtilem Haydnschen Witz. Einfach grandios...

    Daß es den klassischen Sonatenhauptsatz nicht gibt, jedenfalls nicht in der Form, wie er im Lehrbuch steht, darüber sind wir uns wohl einig.


    Natürlich. Habe gerade den Schmidt-Beste noch einmal gelesen, der seinerseits häufig auf Rosen bezug nimmt, dessen Buch dann auch folgerichtig Sonata-Forms, also Plural, heißt. Eben weil es die Sonatenform nicht gibt.

    Auch ein 2. Thema, das oftmals als Nebenthema interpretiert und herabgewürdigt wird, gibt es eigentlich nicht. Vielmehr bezeichnete es Carl Philipp Emanuel Bach als weiten Hauptgedanken.


    Schmidt-Beste zieht als wesentliche Essenz der Exposition nicht die zwei Themen heraus (er selbst bring Beispiele, in denen es nicht weniger als sieben gibt), sondern die harmonische Struktur: Tonika-Bereich, Modulationsbereich, Dominantbereich. Der Tonartenverlauf wird im XIX.Jahrhundert komplexer, es tritt oft noch ein Mediantischer Bereich hervor, der sich aus der Modulation emanzipiert, aber die harmonische Blockbildung läßt sich hier tatsächlich gut beobachten. Auch wenn Mozart in seiner typischen Art ein Wenig mit den Hörern spielt, indem er gleich nach dem Dominant-Thema wieder in B-dur plänkelt, dass sich aber als Subdominante des neuen tonalen Zentrums entpuppt, nicht als ein Rückfall in die Tonika...


    Die Reprise folgt dann in T. 139 in der Tonika (wie gewohnt). Die Takte 116ff. sind m.E. eher eine Scheinreprise, die noch deutlichen Durchführungscharakter hat.


    So habe ich die tatsächlich nicht empfunden, sondern nur als Durchführung des charakteristischen Motivs.


    Ich glaube, wenn ich unsere Postings so studiere, dass wir uns aber über den Aufbau einig sind... das beruhigt mich, dann habe ich den Satz doch richtig verstanden...


    Ich liebe Mozart... simple Struktur, aber niemals banal, tolle Musik zu jeder Zeit, die sofort mitreißt.

    Ich habe neulich einen Satz aus den 'Harmonies poetique et religieuse' von Liszt gehört und interessiere mich jetzt für eine nicht zu teuere Geamtaufnahme.


    Hat jemand von Euch schon mal in diese CD ausführlicher reingehört?

    Momentan versuche ich, das Formschema des Kopfsatzes von KV 361 zu verstehen, vielleicht können die Experten hier im Forum mir ja helfen.


    Den Anfang machen 14 Takte langsame Einleitung, die schön erwartungsgemäß auf einem Tutti-F-dur-Dreiklang mit kleiner Septime, also dem Dominantseptakkord der Haupttonart eindet.


    Und dann frage ich mich, ob das, was dann kommt irgendwie einem Sonatensatz entspricht oder nicht.


    Nehmen wir an, es wäre einer, wie wäre er dann gebaut? Mir liegt die Partitur in der Bärenreiter-Urtextausgabe der NMA von 1979 vor.


    Die Exposition ist durch die Wiederholungszeichen regelgerecht abgeteilt und gekennzeichnet. Das erste Thema beginnt mit einem den ganzen Satz charakterisierenden Motiv aus zwei Legato-Halben und zwei Staccato-Vierteln, im vierstimmigen homophonen Satz in vier Takten, und dann vier Takten von einer Synkope geprägter Antwort, beide Teile bleiben in B-dur.


    Die Modulation zur Dominante, die man jetzt erwarten darf, nutzt den ruhigen, homophonen Kopfteil des Themas in g-moll, also der parallelen Molltonart, aber dann kommt eine neue Figur, immer noch synkopisch, aber durch weite Sprünge gekennzeichnet und damit doch sehr vom 1.Thema unterschieden. In Takt 39 ist dann die Doppeldominante C-dur erreicht.


    Jetzt erwarte ich ein zweites Thema, nach der klassischen Lehre im Kontrast zum ersten. Aber Kontrast sehe ich hier nicht. Das 2. Thema beginnt wie das erste, jetzt in F-dur, und dann einem asymmetrischen Nachsatz (wenn man davon sprechen kann) von sechs Takten; die Synkope, die im ersten Thema prominent am Anfang des Nachsatzes standen, folgen jetzt erst im dritten Takt des Nachsatzes und sind nicht prägend.


    Im Takt 59 beginnt eine neue, legato-Achtel-Spielfigur, die uns wieder vorgaukelt, in B-dur zurück zu sein, schlängelt sich dann aber über D-dur und g-moll zurück Richtung F-dur, was dann noch mal wiederholt wird. Der Schluss der Exposition festigt jetzt endgültig F-dur, die letzten Takte sind von einer verspielten Sechzehntel-Spielfigur geprägt, die so bisher noch nicht da war.


    Ab Takt 91 beginnt dann die Durchführung. Und was macht Mozart? Bringt ein ganz neues Thema... in F-dur, das jetzt auch erstmals nicht das charakteristische Eröffnungsmotiv des 1.Themas nutzt, sondern ein neues Motiv einführt: rhythmische (jambische Vorschläge), wogegen der zweite Teil des Themas eine Variation des zweiten Expositionsthemas mit den aufsteigende Achtel-Skalenläufe in den Begleitfiguren ist, die dann auch die Durchführung bis Takt 115 prägen. Bis Takt 127 beschäftigt sich Mozart dann in enger Faktur mit dem charakteristischen Motiv, auf tiefe Orgelpunkte im Bass gestützt, nach einer Überleitung zuerst in Synkopen und ab Takt 132 mit der Spielfigur vom Schluss der Exposition folgt eine kurze Rückmodulation, bevor im Takt 139 auf der Tonika B-dur die Reprise anfängt.


    Die Reprise hat mich dann wenig überrascht; wie in der Zeit nicht unüblich beginnt die Modulation einfach auf c-moll statt auf g-moll, um dann nicht in F-dur sondern in B-dur zu enden, bis im Takt 164 das zweite Thema in B-dur folgt.


    Im Takt 216 ist dann die Reprise mit ihrem Material durch, es schließt sich noch eine Coda an, der Fluss kommt im Takt 220 auf einer Generalpause mit Fermate nach einem verminderten Septakkord zum Erliegen, den ich hier als verkürzten Doppeldominantseptnonakkord verstehe, dann noch einmal auf der Dominanten, um dann befreit in B-dur gefestigt zu enden.


    Könnte man also als Sonatensatz verstehen, so, wie ich ihn von Mozart erwarte, also reich an Themen und Spielfiguren aber mit einer weniger intensiven motivischen Arbeit etwa des reifen Beethoven. Was mich verwirrt ist der nahezu identische Beginn vom ersten Thema, Modulation und zweitem Thema, was beim ersten Hören fast den Eindruck eines monothematischen Satzes vermittelt.


    Die Lehre von der Dialektik des Sonate, aus These, Antithese und Synthese ist ja eher eine Erfindung des XIX. Jahrhunderts, aber dieser Satz ist doch sehr kontrastarm.


    Wie steht denn das Auditorium zu meinem Analyseversuch (bin kein Profi...), habe ich was Wesentliches übersehen oder missdeutet?


    Was nicht weiter verwunderlich ist, da ide Opera 1 und 2 garnicht als Quartette zu zählen sind... !


    *flöt*


    Deswegen habe ich sie, als ich sie hörte, auch 'Quartettdivertimenti' genannt. Aber dennoch sind sie m.E. der direkte Vorläufer der Streichquartette, und der Sprung zum op.9 bleibt meiner Ansicht nach immer noch grandios und atemberaubend.


    Christoph Graupner


    " Konzerte "


    Das Ensemble Il Capriccio spielt die großartigen Fagott,- Chalumeau und Cello- Konzerte des Darmstädter Hofkapellmeister dynamisch und mit lebhafter Artikulation , ein großes Lob dem Barockfagott Azzolini.


    Ich mag Azzolini als Fagottist, aber in diesem Fall hat er auch ein kongeniales Ensemble um sich herum. Eine Bekehrungs-CD für alle Barockmuffel. So lebendig und fetzig kann das klingen.

    Weiter gehts in dieser Box:


    Heute waren die Streichquartette op.9 dran. Was für ein Quantensprung zu den Opera 1 und 2.


    Was für ein Feuer, hier wurde Musikgeschichte geschrieben — und doch klingt es zu keinem Zeitpunkt akademisch.

    Gestern begonnen und jetzt abgeschlossen: der erste Block aus dieser Riesenbox:


    Ich bin jetzt mit den Quartettdivertimenti durch, also den Opera 1 und 2.


    An der Aufnahme habe ich nichts auszusetzen (ich bin kein HIP-Dogmatiker); die Stücke sind hübsch und nett, aber haben mich jetzt noch nicht aus den Socken gehauen. Divertimenti eben — im positivsten Sinne Unterhaltungsmusik. Die Meldodien in den langsamen Sätzen finde ich ergreifend, die Menuette sind locker, aber niemals wirklich trivial.


    Morgen geht es weiter mit op.9. :jubel:
    So, jetzt brauche ich ein paar Dissonanzen... *tschak*