Beiträge von Travinius

    Ich habe das Gefühl, mit meinem 'neumodischen Zeug' tanze ich hier ganz schön aus der Reihe.


    Heute eines der Hauptwerke der Klavierliteratur des XIX.Jahrhunderts — eigentlich aller Jahrhunderte: Liszt - Sonate h-moll, S.178


    Die Einspielung (auf einem modernen Flügel) hat mir außerordentlich gut gefallen — hervorragend ausgeformt, auf einem klangvollen und klangschönen Instrument, sehr einfühlsam aber niemals zu weich oder zu süß.

    Dann weiter in dem Haydn-Ziegelstein...


    Heute habe ich mir Haydns op.20 gewidmet, und zwar in der Buchberger-Einspielung. Nach eigenen Angaben eine Originalfassung, die von der allgemein publizierten, von Haydn kurz nach 1800 revidierten Fassung abweicht. Kann ich nicht beurteilen, kenne bisher nur diese.
    Wie immer bisher bei Haydns Quartetten war ich verzaubert von dieser Mischung tiefgründiger Musik, feiner und strenger Kontrapunktik und subtilem Haydnschen Witz. Einfach grandios...

    Daß es den klassischen Sonatenhauptsatz nicht gibt, jedenfalls nicht in der Form, wie er im Lehrbuch steht, darüber sind wir uns wohl einig.


    Natürlich. Habe gerade den Schmidt-Beste noch einmal gelesen, der seinerseits häufig auf Rosen bezug nimmt, dessen Buch dann auch folgerichtig Sonata-Forms, also Plural, heißt. Eben weil es die Sonatenform nicht gibt.

    Auch ein 2. Thema, das oftmals als Nebenthema interpretiert und herabgewürdigt wird, gibt es eigentlich nicht. Vielmehr bezeichnete es Carl Philipp Emanuel Bach als weiten Hauptgedanken.


    Schmidt-Beste zieht als wesentliche Essenz der Exposition nicht die zwei Themen heraus (er selbst bring Beispiele, in denen es nicht weniger als sieben gibt), sondern die harmonische Struktur: Tonika-Bereich, Modulationsbereich, Dominantbereich. Der Tonartenverlauf wird im XIX.Jahrhundert komplexer, es tritt oft noch ein Mediantischer Bereich hervor, der sich aus der Modulation emanzipiert, aber die harmonische Blockbildung läßt sich hier tatsächlich gut beobachten. Auch wenn Mozart in seiner typischen Art ein Wenig mit den Hörern spielt, indem er gleich nach dem Dominant-Thema wieder in B-dur plänkelt, dass sich aber als Subdominante des neuen tonalen Zentrums entpuppt, nicht als ein Rückfall in die Tonika...


    Die Reprise folgt dann in T. 139 in der Tonika (wie gewohnt). Die Takte 116ff. sind m.E. eher eine Scheinreprise, die noch deutlichen Durchführungscharakter hat.


    So habe ich die tatsächlich nicht empfunden, sondern nur als Durchführung des charakteristischen Motivs.


    Ich glaube, wenn ich unsere Postings so studiere, dass wir uns aber über den Aufbau einig sind... das beruhigt mich, dann habe ich den Satz doch richtig verstanden...


    Ich liebe Mozart... simple Struktur, aber niemals banal, tolle Musik zu jeder Zeit, die sofort mitreißt.

    Ich habe neulich einen Satz aus den 'Harmonies poetique et religieuse' von Liszt gehört und interessiere mich jetzt für eine nicht zu teuere Geamtaufnahme.


    Hat jemand von Euch schon mal in diese CD ausführlicher reingehört?

    Momentan versuche ich, das Formschema des Kopfsatzes von KV 361 zu verstehen, vielleicht können die Experten hier im Forum mir ja helfen.


    Den Anfang machen 14 Takte langsame Einleitung, die schön erwartungsgemäß auf einem Tutti-F-dur-Dreiklang mit kleiner Septime, also dem Dominantseptakkord der Haupttonart eindet.


    Und dann frage ich mich, ob das, was dann kommt irgendwie einem Sonatensatz entspricht oder nicht.


    Nehmen wir an, es wäre einer, wie wäre er dann gebaut? Mir liegt die Partitur in der Bärenreiter-Urtextausgabe der NMA von 1979 vor.


    Die Exposition ist durch die Wiederholungszeichen regelgerecht abgeteilt und gekennzeichnet. Das erste Thema beginnt mit einem den ganzen Satz charakterisierenden Motiv aus zwei Legato-Halben und zwei Staccato-Vierteln, im vierstimmigen homophonen Satz in vier Takten, und dann vier Takten von einer Synkope geprägter Antwort, beide Teile bleiben in B-dur.


    Die Modulation zur Dominante, die man jetzt erwarten darf, nutzt den ruhigen, homophonen Kopfteil des Themas in g-moll, also der parallelen Molltonart, aber dann kommt eine neue Figur, immer noch synkopisch, aber durch weite Sprünge gekennzeichnet und damit doch sehr vom 1.Thema unterschieden. In Takt 39 ist dann die Doppeldominante C-dur erreicht.


    Jetzt erwarte ich ein zweites Thema, nach der klassischen Lehre im Kontrast zum ersten. Aber Kontrast sehe ich hier nicht. Das 2. Thema beginnt wie das erste, jetzt in F-dur, und dann einem asymmetrischen Nachsatz (wenn man davon sprechen kann) von sechs Takten; die Synkope, die im ersten Thema prominent am Anfang des Nachsatzes standen, folgen jetzt erst im dritten Takt des Nachsatzes und sind nicht prägend.


    Im Takt 59 beginnt eine neue, legato-Achtel-Spielfigur, die uns wieder vorgaukelt, in B-dur zurück zu sein, schlängelt sich dann aber über D-dur und g-moll zurück Richtung F-dur, was dann noch mal wiederholt wird. Der Schluss der Exposition festigt jetzt endgültig F-dur, die letzten Takte sind von einer verspielten Sechzehntel-Spielfigur geprägt, die so bisher noch nicht da war.


    Ab Takt 91 beginnt dann die Durchführung. Und was macht Mozart? Bringt ein ganz neues Thema... in F-dur, das jetzt auch erstmals nicht das charakteristische Eröffnungsmotiv des 1.Themas nutzt, sondern ein neues Motiv einführt: rhythmische (jambische Vorschläge), wogegen der zweite Teil des Themas eine Variation des zweiten Expositionsthemas mit den aufsteigende Achtel-Skalenläufe in den Begleitfiguren ist, die dann auch die Durchführung bis Takt 115 prägen. Bis Takt 127 beschäftigt sich Mozart dann in enger Faktur mit dem charakteristischen Motiv, auf tiefe Orgelpunkte im Bass gestützt, nach einer Überleitung zuerst in Synkopen und ab Takt 132 mit der Spielfigur vom Schluss der Exposition folgt eine kurze Rückmodulation, bevor im Takt 139 auf der Tonika B-dur die Reprise anfängt.


    Die Reprise hat mich dann wenig überrascht; wie in der Zeit nicht unüblich beginnt die Modulation einfach auf c-moll statt auf g-moll, um dann nicht in F-dur sondern in B-dur zu enden, bis im Takt 164 das zweite Thema in B-dur folgt.


    Im Takt 216 ist dann die Reprise mit ihrem Material durch, es schließt sich noch eine Coda an, der Fluss kommt im Takt 220 auf einer Generalpause mit Fermate nach einem verminderten Septakkord zum Erliegen, den ich hier als verkürzten Doppeldominantseptnonakkord verstehe, dann noch einmal auf der Dominanten, um dann befreit in B-dur gefestigt zu enden.


    Könnte man also als Sonatensatz verstehen, so, wie ich ihn von Mozart erwarte, also reich an Themen und Spielfiguren aber mit einer weniger intensiven motivischen Arbeit etwa des reifen Beethoven. Was mich verwirrt ist der nahezu identische Beginn vom ersten Thema, Modulation und zweitem Thema, was beim ersten Hören fast den Eindruck eines monothematischen Satzes vermittelt.


    Die Lehre von der Dialektik des Sonate, aus These, Antithese und Synthese ist ja eher eine Erfindung des XIX. Jahrhunderts, aber dieser Satz ist doch sehr kontrastarm.


    Wie steht denn das Auditorium zu meinem Analyseversuch (bin kein Profi...), habe ich was Wesentliches übersehen oder missdeutet?


    Was nicht weiter verwunderlich ist, da ide Opera 1 und 2 garnicht als Quartette zu zählen sind... !


    *flöt*


    Deswegen habe ich sie, als ich sie hörte, auch 'Quartettdivertimenti' genannt. Aber dennoch sind sie m.E. der direkte Vorläufer der Streichquartette, und der Sprung zum op.9 bleibt meiner Ansicht nach immer noch grandios und atemberaubend.


    Christoph Graupner


    " Konzerte "


    Das Ensemble Il Capriccio spielt die großartigen Fagott,- Chalumeau und Cello- Konzerte des Darmstädter Hofkapellmeister dynamisch und mit lebhafter Artikulation , ein großes Lob dem Barockfagott Azzolini.


    Ich mag Azzolini als Fagottist, aber in diesem Fall hat er auch ein kongeniales Ensemble um sich herum. Eine Bekehrungs-CD für alle Barockmuffel. So lebendig und fetzig kann das klingen.

    Weiter gehts in dieser Box:


    Heute waren die Streichquartette op.9 dran. Was für ein Quantensprung zu den Opera 1 und 2.


    Was für ein Feuer, hier wurde Musikgeschichte geschrieben — und doch klingt es zu keinem Zeitpunkt akademisch.

    Gestern begonnen und jetzt abgeschlossen: der erste Block aus dieser Riesenbox:


    Ich bin jetzt mit den Quartettdivertimenti durch, also den Opera 1 und 2.


    An der Aufnahme habe ich nichts auszusetzen (ich bin kein HIP-Dogmatiker); die Stücke sind hübsch und nett, aber haben mich jetzt noch nicht aus den Socken gehauen. Divertimenti eben — im positivsten Sinne Unterhaltungsmusik. Die Meldodien in den langsamen Sätzen finde ich ergreifend, die Menuette sind locker, aber niemals wirklich trivial.


    Morgen geht es weiter mit op.9. :jubel:
    So, jetzt brauche ich ein paar Dissonanzen... *tschak*

    Ein Beispiel für eine gelungene Umsetzung ist m.E. Der Herr der Ringe. Durchaus zur 'Literatur' gehörig als Begründer eines ganzen Genres; und den FIlmemachern, dem Regisseur, den Produzenten, vor allem aber auch den Designern der Rüstungen, Kleider, Schwerter etc. ist ein Meisterwerk der Filmliteratur gelungen. Natürlich kann man nicht Zeile für Zeile die Wiedergabe des Buchs erwarten, soll ja kein Hörbuch sein, aber die filmischen Mittel werden virtuos eingesetzt, die richtigen Passagen der Vorlage ausgesucht, und Nebenfiguren, die für den Handlungsstrang nicht essenziell sind, auch schon mal weggelassen (Tom Bombardil).


    Das ist für mich ein gelungenes Beispiel.


    Und die Musik von Howard Shore hat eigentlich schon einen eigenen Thread verdient...

    Ich habe oft gelesen, dass Franck eine eher blockhafte Instrumentation, vergleichbar den Registrierungen bei der Orgel einsetze. Das kann ich nicht so empfinden. Vielfaches Hören, schließlich auch mit Partitur, zeigen mir im Gegenteil, dass Franck die Feinheiten und Abstufungen einer modernen Orchesterinstrumentierung aufs Feinste beherrscht. Holz, Blech und Streicher erklingen in immer neuen, interessanten Mischungen, Abstufungen und Nuancierungen. Ich stimme Dir zu: der Impressionismus und die musikalischen Aquarelltöne eines Debussy werfen ihre langen Schatten voraus.


    Ich hatte lange diese Aufnahme (mit einem anderen Cover):


    Aber irgendwie konnte Kurt Masur mir die Symphonie nicht richtig vermitteln, sie blieb mir verschlossen und gefiel mir lange Zeit nicht.


    Vor einer kurzen Weile erwarb ich diese CD:


    Das berühmte Orchester, das vielleicht immer noch von der Handschrift des unvergessenen Ernest Ansermet zehrt, unter der Leitung von Marek Janowski. Diese Aufnahme hat mich buchstäblich umgehauen — im positiven Sinne. Seitdem liebe ich dieses Werk, es hat sich mir erschlossen.


    Übrigens ist auch und gerade die Kombination mit der Chausson-Symphonie ausgesprochen gelungen. Die beiden Werke gehen in eine ähnliche Richtung, sind von vergleichbarer Bedeutung für die französische Symphonik und passen sehr gut zusammen. Aus meiner Sicht: absolute Kaufempfehlung.

    Ich schon wieder... :)
    Heute aus verschiedenen Richtungen angekommen:
    Auf persönliche Empfehlung von Herrn Brabbins ("My best recording ever", sagte er....):


    Und zur Vervollständigung meiner Krenek-Symphonien:

    Ich muss offen zugeben, dass sich zumindest auf den Fotos mir bisher die Erotik entzogen hat... ich glaube, dazu hätte man sie in persona gekannt haben müssen.


    Das Buch von Giroud habe ich nicht gelesen, dem Thema Alma Schindler habe ich mich mit der ausgesprochen mitreißenden Biographie von Oliver Hilmes erarbeitet: Witwe im Wahn.


    Hilmes bemüht sich, nicht zu einseitig Partei zu ergreifen, zitiert Quellen und ordnet sie ein, läßt Almas und Gustavs überlebende Tochter zu Wort kommen. Die Zeitbilder um Alma herum werden lebendig und farbig gezeichnet, ohne zu sehr in Gemeinplätze und Klischees abzugleiten.


    Kurz, Ulli, wenn Du noch eine Urlaubslektüre suchst:


    Die zehn Euro ist das Buch allemahl wert...


    In der Einleitung steht eine Liste aller Personen, die sie in ihrem Umfeld gekannt bzw. zu denen sie Kontakt hatte. Ein komplettes Who is Who der ersten Hälfte des XX. Jahrhunderts.


    Und die Erzählungen von Almas faschistisch-antisemitischen Ansätzen, und wie sie dennoch als verfemte vor den Nazis fliehen muss, die abenteuerliche Flucht mit Werfel, der nicht gerade ein Athlet war, über die Grenze nach Spanien und Portugal... hochspannend.

    Ein Freund hat mir aus London ein paar CDs mitgebracht. Allerdings sind Londoner Ladengeschäfte nicht wirklich für Schnäppchen geeignet... auch nicht günstiger als bei uns. Aber nichtsdestoweniger freue ich mich über die 'Beute'...


    Übrigens hörte ich, dass die echten Klassik-CD-Ladengeschäfte in London genaus im Sterben sind wie bei uns. Diese CDs sind aus einem kleinen Laden in Soho...

    Ich tanze jetzt mal hemmungslos aus der Reihe — es gibt was Moderneres:

    • Tubin: I.Symphonie (mein Erstkontakt mit diesem Komponisten)
    • Dutilleux: Timbres, Espace, Mouvement avec Interlude


    Wie wäre es mit AmaPlag, um endlich die zahllosen Plagiate dieses Ursupators namens Mozart zu entlarven und die Musikgeschichte neu zu schreiben.
    (Warum kommt mir jetzt als Experte dazu Professor Peter Schickele, Institute for Musical Pathology an der University of Southern North Dakota in Hooper, in den Kopf?)