Beiträge von Travinius

    Melina schrieb:

    Da wäre ich mir aber nicht sicher!! *lol* (nicht an meine Stelle!)


    Das ist auch nicht zwangsläufig so — aber hier schon, wie ich finde.


    Begeistert bin ich immer von den Sängerinnen und Sängern bei Gardiner. Auf musicas Anregung habe ich gerade noch mal in die entsprechende Stelle reingehört. Da kann man nicht merken, dass der Monteverdi-Choir nicht aus lauter deutschsprachig aufgewachsenen Menschen besteht. Beeindruckend. Ich möchte nicht wissen, was die für Sprachtrainer ausgeben...

    Dein Wunsch, liebe Melina, sei mir Befehl. Hier singt kein deutscher Mutterprachler, was man leider hört, aber als erster Höreindruck taugt es vielleicht:

    Allerdings ist es nicht der Text des Sonetts, der bei mir für Gänsehäute sorgt, sondern nur der Zusammenklang mit Strauss' Musik.


    Wir sind in der Oper Capriccio von Richard Strauss. Es geht um das vom Dichter Olivier gedichtete Sonett, dass Flamand zu komponieren wagt:


    Kein andres, das mir so im Herzen loht,
    Nein, Schöne, nichts auf dieser ganzen Erde,
    Kein andres, das ich so wie dich begehrte,
    Und käm' von Venus mir ein Angebot.


    Dein Auge beut mir himmlisch-süße Not,
    Und wenn ein Aufschlag alle Qual vermehrte,
    Ein andrer Wonne mir und Lust gewährte
    Zwei Schläge sind dann Leben oder Tod.


    Und trüg' ich's fünfmalhunderttausend Jahre,
    Erhielte außer dir, du Wunderbare,
    Kein and'res Wesen über mich Gewalt.


    Durch neue Adern müsst' mein Blut ich giessen,
    In meinen, voll von dir zum Überfließen,
    Fänd' neue Liebe weder Raum noch Halt.


    Das gleiche Sonett wiederholt sinnierend die Gräfin im kurzen Finale der Oper, in ihrem langen Monolog vor dem Spiegel, in dem sie für sich die Entscheidung trifft: Wort oder Ton, Dichter oder Musiker. Leider versäumt sie es, uns, dem Publikum, diese Entscheidung mitzuteilen und so bleibt der Schluss der Oper offen. Typisch Strauss...

    Wer glaubt, man könne Beethovens Symphonien nicht mehr steigern, der hat die Rechnung ohne Gustav Mahler gemacht.


    Letztes Jahr auf dem Beethovenfest in Bonn hörte ich diese Fassung zum ersten Mal mit der Staatskapelle Weimar. Mit wenigen Worten: Bläser verdoppelt (acht Hörner!), Tuba dabei, zwei Paar Pauken im ersten Satz... das hat Wucht. Insbesondere das Scherzo mit seinen Horn-Orgien ufert bisweilen etwas aus... was entsteht, ist nicht mehr Beethoven, sondern ein eigentümlicher Mahler-Beethoven.


    Ich habe mir eine Aufnahme zuglegt, scheint derzeit die einzige zu sein. Schlecht fand ich es nicht, aber eben etwas sehr eigenes.



    Wenn man bedenkt, wie feinsinnig und modern Paavo Järvi die Beethoven-Symphonien rezipiert, scheint sein Bruder Kristjan Järvi irgendwie eine antipodische Aufnahme vorzulegen. Auf jeden Fall auch hörenswert, meines Erachtens.

    Zitat von »Travinius«
    wenn Haydn bis heute weiterkomponiert hätte, so hätte er sich auch einige andere Techniken angeeignet und er meint es hätte so oder so ähnlich klingen können




    Mag ja sein. Das ist aber trotzdem nicht (mehr) klassisch. :D - Nichtmal klassizistisch, sondern konjunktivistisch...


    Indikativischer Neoklassizismus oder konjunktivischer Klassizismus? *tschak*

    Eigentlich war ich gegenüber HIP immer skeptisch, gerade bei Klavierkonzerten. So ein Hammerklavier klingt viel zu dünn, kommt nicht gegen das Orchester an, das waren so meine Meinungen. Und dann empfahl mir der CD-Verkäufer meines Vertrauens im Düsseldorfer Saturn (möge es uns im Herbst wieder erfreuen) die Immerseel Aufnahme. Ich möge sie mir anhören, notfalls könne ich sie ja zurückbringen. Die Klangbeispiele der Saturn-Datenbank taugen mal wieder nichts, meistens enden sie nach dem Orchesterritornell.



    Ok, dachte ich halbherzig, versuchs mal.


    Klar: ich habe die Box nicht mehr zurückgebracht. Die gebe ich nicht mehr her. Immerseel hat mich verzaubert. Diese Spielfreude, diese Klangschönheit im alten Instrument, dieser feine, präzise und doch kraftvolle Anschlag.


    Jetzt bin ich neugierig, leider sind seine Aufnahmen meistens nicht ganz preiswert. Wenn das Budget es mal wieder hergibt, schlage ich dann wieder mal zu...

    Aber was bedeutet 'Sinfonia concertante' denn anderes als Konzertante Symphonie? :) Meinst Du, durch das Italienisch klingt es klassischer? *flöt*


    Aber ich stimme Dir zu, der deutsche Begriff ist irgendwie suggestiver.


    Bei Harenberg las ich den gleichen Titel, außerdem den Hinweis, dass er schon ein Cellokonzert op.58 geschrieben hätte, mit dem er (und das Publikum) hochgradig unzufrieden waren, und von dem er vieles in seinem op.125 wiederverwendete - alles in größerem Maßstab.


    Und die Symphonie Classique, so habe ich gelesen, bezog er selbst auf Haydn. Sinngemäß hat er wohl geäußert, wenn Haydn bis heute weiterkomponiert hätte, so hätte er sich auch einige andere Techniken angeeignet und er meint es hätte so oder so ähnlich klingen können - wenn ich das korrekt im Kopf habe.


    Aber die Symphonie führt uns jetzt off-topic, und bei der Konzertanten Sinfonie scheint mir jetzt auch Konsens zu herrschen.


    Schauen wir uns noch weiter im Genre um. :)

    Neulich in einem anderen Forum stellte ich schon mal die Frage und bekam auch Antwort.


    Als ich so meinen iPod shufflen lies, stieß ich auf Francis Poulenc und das Konzert für zwei Klaviere d-moll, FP 61.


    Im Larghetto zitiert Poulenc Mozart, allerdings ziemlich frei. Ich habe gelernt (dank einiger Hinweisgeber), dass er Mozarts Konzert KV 537 und teilweise auch mein Lieblings-Mozartkonzert KV 466 zitiert. Aber auf eine so charmante Art und Weise, dass man niemals das Gefühl hat, hier würde plagiiert, sondern hier wird aufgegriffen und eigenständig verarbeitet. Das Konzert mag ich sehr und dieses Zitat finde ich ausnehmend gelungen und sehr gefühlvoll eingesetzt.

    Absolut. Wobei Martinů sich mit Haydn erschlagen läßt, oder?


    Aus aktuellem Anlass (Konzert in Düsseldorf) habe ich diese CD nochmal gehört (inzwischen auch vom Meister signiert... :rolleyes: ):


    Deshalb kam mir Prokoffjew in den Sinn. Aber gattungstheoretisch ein reines Solokonzert, oder?


    Beim Bartok bin ich eher der Ansicht, dass es eine Sinfonia Concertante ist. Oder haben die Orchesterinstrumente da zuwenig Soli?



    Wie ordnen wir das 'Konzert für Orchester' als Gattung ansonsten hier ein (gibt ja noch mehr als Bartok, Hindemith...)?

    Ich weiß: das ist furchtbar kitschig! - aber dennoch: R.Strauss, Capriccio - das vertonte Sonett 'Kein Andres, das mir so im Herzen...', in beiden Versionen in der Oper: vom Komponisten und der Gräfin im Finale gesungen.

    Wollen wir uns in dieser Diskussion auf die sogenannte Wiener Klassik und Mozarts Werke beschränken oder weiter in der Zeit zu uns hin blicken und die Gattungsbezeichnung insgesamt diskutieren?


    Ich denke gerade an Bartoks 'Konzert für Orchester', das eigentlich eher in Webers Definition passt.


    Wie ist es denn mit Prokoffjew? Bei seinem Werk spielt nur ein Solocello, trotzdem nennt er es Sinfonia Concertante, weil die Dimensionen ein Solokonzert sprengen.


    Wollen wir solche Werke auch in die Diskussion einbeziehen?

    Mir gefällt die Aufnahme mit geistliche Musik am Hofe Jan Wellems ausgesprochen gut. Gerade weil sie nicht so 100 % perfekt und auf Hochglanz poliert ist, wirkt sie so reizvoll. Schade, dass es die Aufnahme mit der höfischen (weltlichen) Musik nicht in den Großhandel geschafft hat.


    Wenn Dich die CD interessiert, sag bescheid. Vielleicht gibt es die noch in Düsseldorf in der Touristen-Info (da habe ich sie öfter liegen sehen), an der ich regelmäßg auf meiner Runde von Saturn zum Rhein vorbeispaziere... :) Oder hast Du eine ergattern können?

    Eine Sonder(bare)stellung nimmt letztlich auch noch die Concertone für 2 Violinen KV 190 ein... die Autoren der NMA meinen hierzu, Mozart wollte einen eigenen Genrebegriff für die bis dahin sich nicht durchgesetzt habende Sinfonia Concertante bilden...


    Wobei diese Nomenklatur, sollte diese These zutreffen, einen Blick in Mozarts Schwerpunkte gewährt: die 'Sinfonia' lässt er fallen und betont das Konzert. Im Italienischen ist '-one' eine Vergrößerungssilbe, also die Sinfonia Concertante bei ihm verstanden als 'Gewichtiges Konzert'. Das entspräche eher der Auffassung, dass Mozart die Sinfonia Concertante als Konzert denn als Sinfonie mit konzertanten Beigaben auffasste.

    Ich kenne die Aufnahmen nicht, aber finde, dass man mit Gardiner selten voll daneben liegt. Aus Budget-Überlegungen steht das auf meiner Weihnachtswunschliste... ist ja nicht mehr lange hin. :D

    Nein, kommt sie nicht. Ich würde den Film auch nicht ZU historisch sehen, wichtiger ist das Zeit- und Sittenbild das entworfen wird und das Wesen des alternden Klimt. Die Szene, in der er eine seiner Töchter im Bordell trifft, ist schon großes Erzählkino... Mehr sage ich nicht. ;)