Beiträge von der Lullist

    Luigi Cherubini: Lodoïska, comédie héroïque, Paris 1791

    Nathalie Manfrino, Hjördis Thebault, Sebastien Gueze, Philippe Do, Le Cercle De L’Harmonie, Les Elements, Jeremie Rhorer


    *opi*

    guten Morgen



    Ludwig van Beethoven: Messe in C-Dur Op.86

    + Ah perfido!, Op.65 + Meeresstille und glückliche Fahrt Op. 112

    Charlotte Margiono, Catherine Robbin, William Kendall, Monteverdi Choir, Orchestre Revolutionnaire et Romantique, John Eliot Gardiner

    :umfall:

    Mozarts Idomeneo am Staatstheater Kassel – eine Skandalinszenierung?


    Heftig war die Kritik in der Presse: Die Inszenierung des Schweizers Lorenzo Fioroni wurde regelrecht verrissen und er auf der Bühne ausgebuht und ausgepfiffen.

    Heute besuchte ich die Oper in Begleitung meiner Holden, für sie war es der erste Opernbesuch überhaupt!

    In der Einführung wurde ein wenig auf Mozarts Leben eingegangen, auch dass Varesco das frz. Libretto von Danchet (seinerzeit von Campra vertont) ins Italienische übertragen und bearbeitet hatte. Allerdings merkte ich doch recht schnell, dass der Vortrag nicht ganz so fachkundig war wie er gerne erschienen wäre – dafür wurde mit allerlei Fachbegriffen um sich geworfen, welche wohl den meisten Opernbesuchern als böhmische Dörfer erschienen. Klar, der 0815-Opernbesucher weiß natürlich was eine Tragèdie Lyrique ist... und kennt die Unterschiede zur Opera Seria..... Opera-was?!


    Der große Unterschied zu Danchets Libretto und der späteren Bearbeitung Varescos betrifft vor allem das Finale - Danchet hatte kein Happy-End vorgesehen. Es ist schlicht falsch, dass die Barockoper stets ein glückliches Ende verlangte bzw. erzwang. Die Tragèdie Lyrique von Andre Campra und Danchet endet tragisch mit dem Tod (Opferung) des Idamante und dem Wahnsinn des Idomeneo – und diese originale Story, das tragische Ende, wollte Fioroni für den Idomeneo von Mozart und Varesco eben auch, weil es glaubhafter sei als die übersinnliche Rettung in letzter Minute.

    Für all diejenigen, die mit der Oper nicht vertraut sind – Idomeneo gehört ja nicht unbedingt zu den häufig gespielten Opern Mozarts:

    Idomeneo, der König von Kreta hatte die Griechen zum Sieg in Troya geführt. So wie Odysseus so wird auch er vom Zorne Neptuns getroffen. Um sein Schiff, seine Mannschaft und sich selbst zu retten leistet er einen folgenschweren Schwur: Die erste Person die sich ihm in der Heimat nähert, soll Neptun als Opfer da gebracht werden, wenn er wohlbehalten die Küste Kretas erreicht. Und tragischer Weise ist diese Person niemand anderes als Idamante, Idomeneos Sohn.

    Das Bühnenbild zeigte eine Art Rokoko-Spiegelkabinett (erinnerte mich aber eher an einen Kleiderschrank) und sah insgesamt recht abgeranzt aus. Durch die halbtransparenten Türen wurde hin und wieder auch der hintere Bühnenteil mit einbezogen.

    Die Inszenierung selbst hat viele Schwächen, angefangen von ausgelutschten Regieeinfällen mit Klamottenwechsel (symbolisch um das Los des anderen zu tragen, mancher Kritiker interpretierte das irgendwas mit Genderkrams rein....), teilweise zu dick aufgetragener Gesellschaftskritik: So wird beim Angriff des Ungeheuers (es wird auf die Klimakatastrophe angespielt) ein Globus hereingebracht, auf dem „Fine“ = Ende geschrieben steht, genauer gesagt auf dem afrikanischen Kontinent. Der Chor fragt „wer ist schuld?!“ und richtet seine Anklage an das Auditorium (eigentlich hätten alle Choristen geflochtene Zöpfe tragen müssen) How dare you! Das war mir zu dick aufgetragen und einfach drüber...

    Der wirklich fatale Fehlgriff war m.M. jedoch die „Kostüme“ – ich bin kein Gegner des Regietheaters, ich bin aber ein Gegner von schlechten Ideen. Die Hauptprotagonisten waren so massiv entstellt, ja regelrecht entmenschlicht. Illia und Idomeneo sahen wie die deformierten Kanibalen aus „the worng turn“ aus und Idamante wie der Danny de Vito Penguin aus Tim Burtons "Batman Returns". Im scharfen Kontrast zur Dienerschaft, die im Cut und Stresemannhose so im Sacher bedienen könnte – und der Chor (das Volk), der in Straßenkleidung ebenfalls recht normal aussah. Ist das wieder Gesellschaftskritik? Die degenerierte Kaste des Adels / der regierenden Politiker ist physisch und psychisch am Ende - alles wird nur noch vom gesunden Volkskörper am Laufen gehalten, der aber immer mehr in die Opposition geht .... ich mag solche Bilder nicht.


    Das Problem das sich durch diese Entstellungen der Hauptfiguren ergibt, man fühlt nicht mit den Protagonisten mit, ja nicht mal mehr Interesse an ihrem Schicksal will sich einstellen - zu fremd wirken diese Gestalten - sie lassen den Zuschauer kalt. Vielleicht weil man keine Chance hat sich mit diesen Missgestalten zu identifizieren, oder besser, weil man es auch nicht will. Dadurch ist man aber auch schnell außen vor – die ganze Oper wird einem egal (und das sage ich als jemand, der Idomeneo als eine meiner liebsten Opern nenne) - und die Quittung sieht man im Auditorium: nach der Pause ist fast die Hälfte des Publikums gegangen.Vielleicht aus besagtem Grund, oder weil die Splatterorgie doch keine war? Die mitgehörten Gesprächsfragmente nach der Vorstellung waren jedenfalls ernüchternd, man interessierte sich nicht für Mozart oder die Oper Idomeneo, aber man ging halt hin wegen der negativen Presse..... also reiner Voyeurismus und Katastrophentourismus. Das mit anzuhören war schockierender als alles was ich auf der Bühne sah.


    Die größte Skepsis hatte ich im Vorfeld wegen des geänderten Finales – vor allem weil ich auch unschöne Eingriffe in die Musik fürchtete - aber es kam ganz anders: Eben genau dieses Finale hat mich tief bewegt und beeindruckt – so sehr, dass ich wahrscheinlich nochmal in die Vorstellung gehen werde:

    Idomeneo wird gedrängt seinen Sohn Idamante zu opfern, damit Neptun endlich besänftigt wird – Illia bietet sich als Ersatz an, doch im gleichen Moment schneidet Idomeneo seinem Sohn die Kehle auf, erst jetzt ertönt die göttliche Stimme und bittet Idomeno einzuhalten – doch zu spät. Und jetzt passiert etwas wirklich Erschütterndes: Der ganze Triumphchor scheint sich nur noch im Wahn des Idomeneo abzuspielen, auch seine Schlussworte wirken nicht mehr versöhnlich sondern verstörend und völlig wahnsinnig, wenn zu seinen Füßen der blutüberströhmte Idamante liegt.

    Nach dem Chor tritt noch einmal Elektra auf, mit der oft (selbst von Mozart) gestrichenen Suizid-Arie – und schließlich endet alles mit dem Andante aus der Sinfonia Concertante in Es-Dur KV 364 bei dem die Verblieben (das Volk) rituellen Suizid auf der Bühne begehen. Das Andante löst sich musikalisch mit dem schließenden Vorhang ins Nichts auf.


    Mich hat dieses umgestellte Finale wirklich gepackt und ergriffen. Da hat es mich auch nicht mehr geschmerzt, dass die große Chaconne entfallen ist (sie wird ja meist sowieso gestrichen).


    Alles in allem ein doch schöner Opernabend, der „Skandal“ war für mich keiner, dafür ein Opernabend mit vielen Highlights wie die wütenden Arien der Elektra, dem berühmten Quartett, den erschütternden Chören und natürlich dem Finale. Die Gesangleistungen waren durchwachsen, besserten sich aber im Laufe der Oper. Es war eben hörbar, dass die Oper des 18. Jahrhunderts nicht das Hauptfach der Sänger war. Aber insgesamt war das schon ganz ordentlich. Das Orchester spielte ebenfalls ordentlich, - auch stets mit Cembalo im Continuo – für die Rezitative wurde hingegen das Pianoforte benutzt, von dem aus Jörg Halubeck das Orchester auch leitete . Und auch das Orchester hatte seinen Höhepunkt beim Finale, das Andante der Sinfonia Concertante war wirklich atemberaubend schön gespielt.

    J.S.Bach: Brandenburgische Konzerte

    Berliner Philharmoniker - Herbert von Karajan


    Ich hab meinen Spaß. Wenn man nur HIP Aufnahmen gewöhnt ist, sind die älteren Aufnahmen wirklich aufregend und witzig und man lernt sie neu zu schätzen - zumindest ich. Karajan schaffte es, das Menuett des 1. Konzerts auf sage und schreibe 12 Minuten auszuwalzen. Das dritte Konzert hab ich wohl nie so festlich gehört, das Andante beim 4. ist schon fast tragisch. Ich bin gespannt auf die anderen Konzerte.

    Französische Orchesterwerke von Berlioz, Debuss, Ravel, Poulenc


    Berlioz: Symphonie fantastique op. 14

    Debussy: Prelude a l'apres-midi d'un faune; La Mer; Images
    Poulenc: Konzert für 2 Klaviere; Suite francaise; Concert champetre
    Ravel: Ma mere l'oye; Bolero; Pavane pour une infante defunte; Klavierkonzert für die linke Hand; Rapsodie espagnole; La Valse
    Mussorgsky / Ravel: Bilder einer Ausstellung (Orchesterfassung)

    Anima Eterna Brugge - Jos van Immerseel

    Charles Hubert Gervais: Hypermnestre, Tragèdie Lyrique 1717 Paris

    Katherine Watson, Mathias Vidal, Thomas Dolie, Chantal Santon-Jeffery, Purcell Choir, Orfeo Orchestra, György Vashegyi


    :umfall:

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    Guten Morgen


    Ludwig van Beethoven: Leonore


    Marlis Petersen, Dmitry Ivashchenko,

    Maximilian Schmitt, Robin Johannsen, Johannes Weisser,


    Zürcher Sing-Akademie

    Freiburger Barockorchester


    Rene Jacobs

    Händel-Entdeckung:

    G.F.Händel: Occasional Songs

    Emma Kirkby / Charles Daniels


    französische, deutsche, italienische und englische Lieder, die man wahrscheinlich noch nie vorher gehört hat.

    in Zukunft hoffe ich wieder mehr Zeit zum Musikhören und posten zu haben:



    gerade tönt:



    Alexandre Tharaud: Versailles

    Werke von d'Anglebert / Lully / Rameau / Balbastre / Duphly / Royer


    die ersten Alben mit Werken von Couperin und Rameau von Tharaud haben mir gar nicht gefallen, aber er hat sich entwickelt und diese neue Aufnahme ist wirklich toll.

    Das wurde J.Rosenmüller vorgeworfen - bevor es zu einer gründlichen Untersuchung und eventuellen Gerichtsverhandlung kommen konnte, hat er sich allerdings ins Ausland (Italien / Venedig) abgesetzt.


    Und weiter geht es:


    Ludwig van Beethoven - Die Streichquartette

    Belcea Quartet


    *opi* Japp, historische Instrumente und historisch informiertes Spiel


    <3<3<3

    Meine derzeitige Lieblings CD:


    Esprit Antoine Blanchard: Te Deum de Fontenoy (1745)

    François Colin de Blamont: Te Deum de Fontenoy (1745)

    Choeur Marguerite Louise, Ensemble Stradivaria, Daniel Cuiller


    :jubel::jubel::jubel::jubel::jubel:



    Zitat

    Die Aufführung des Te Deum von Esprit Antoine Blanchard (1696-1770) in der königlichen Kapelle anlässlich des Siegs in der Schlacht von Fontenoy 1745 war ein protokollarischer Fauxpas, denn es hätte dem Maître de musique de la chambre du Roy, François Colin de Blamont (1690-1760), zugestanden, eine entsprechende Eigenkomposition zu realisieren. Indigniert beschwerte sich Blamont sogleich beim immer noch am Kriegsschauplatz weilenden Ludwig XV. Um die Wogen zu glätten, ordnete dieser eine neue Aufführung an, diesmal mit dem Te Deum von Blamont. An diesen kuriosen [?82?]Te Deum-Krieg erinnert diese CD, die uns ganz nebenbei auch mit zwei bedeutenden Zeitgenossen Rameaus bekannt macht.

    Zitat

    Vertonungen von Alessandro nell’Indie?


    es gibt eine, solange du die Vertonung von G.F. de Majo meinst:



    bei der Aufnahme muss man allerdings zahlreiche Abstriche machen: Ich hab die Aufnahme schon ewig nicht mehr gehört... was eben schon alles sagt. Die Sänger werden den Anforderungen nur bedingt gerecht, und ich meine das Ganze ist stark verstümmelt (fehlendes dacapo der Arien etc.) aber alle Angaben ohne Gewähr.



    von Händel gibt es auch einen Alessandro, ebenso von Pacini, Vinci, Mancini, Leo, Porpora, Hasse, Sarro, Galuppi, Corselli, Uttini, Jommelli, Graun, Gluck, Fiorillo, Latilla, Araja, Piccinni, Holzbauer, Sarti, J.C.Bach, Traetta, Sacchini, Naumann, Anfossi, Kozeluch, Cimarosa, Cherubini und gefühlt ca. 40 weitere Komponisten.


    da solltest Du den Komponisten schon dazu nennen.;)





    Orazio Vecchi ist wahrscheinlich eher für seine Madrigale bekannt. Auf dieser Aufnahme ist sein 8-stimmiges Requiem zu hören, von dem vermutet wird, dass es bei den festlichen Trauerfeierlichkeiten für Rubens in Antwerpen aufgeführt wurde.


    Ist natürlich reine Spekulation, die Aufnahme selbst ist aber toll.




    ja was soll man da sagen? Homilius muss schon in die Sammlung, seine geistliche Musik gefällt mir wirklich sehr und die Interpretation ist auch super. Der große Einfluss Bachs ist eigentlich immer in der Musik von Homilius präsent.

    E.Moulinie: Meslanges pour la chapelle d'un prince

    Ensemble Corespondances - Daucé

    Zitat

    Mehr als 30 Jahre lang war der Lebensweg von Étienne Moulinié untrennbar mit dem seines Gönners Gaston d'Orléans, Bruder von Ludwig XIII. verbunden. In seinen "Mélanges sur des sujets chrétiens", die er als sein Hauptwerk ansah, forderte er das Recht auf kompositorische Freiheit, um "die Musik zu läutern und in den Zustand der Keuschheit zu versetzen".



    tolle Aufnahme!


    :jubel::jubel::jubel::jubel::jubel:

    ganz frisch, aber nur als Download verfügbar:



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    Charles Coypeau d'Assoucy: Airs a quatre parties

    Faenza



    laaaaaaaaaaaange habe ich darauf gewartet, Musik von Sieur d'Assoucy hören zu können.

    Er war hauptsächlich als Poet bekannt - er gehörte dem Kreis an, dem auch Moliere, Tristan l'Hermite, Scarron und Cyrano de Bergerac angehörten.

    Als Musiker war er "Ordinaire de la Musique du Roi Louis XIII" spielte 1647 bei der legendären Aufführung von Luigi Rossis "Orfeo" Theorbe und komponierte 1650 die Bühnenmusik für Corneilles "Andromaque".

    Im gleichen Jahr komponierte er "Les amours d'Apollon et de Daphne", ein Werk das als erste französische Oper gilt, aber tragischerweise nicht erhalten ist.

    Nach heftigen Auseinandersetzungen mit Bergerac und Scarron begann er ein Jahrzehnt umherzureisen, und erlebte allerhand dubioser (krimineller) Abenteuer. In Rom fand er schließlich kurzzeitig eine Gönnerin in Christina von Schweden, die eine Vorliebe für Abenteurer hatte. Wahrscheinlich hatte er in den 1660er Jahren auch Kontakt zu Charpentier. Charpentier, studierte in dieser Zeit bei Carissimi.

    Von Gläubigern gejagt, floh er wieder nach Frankreich und suchte erneut den Kontakt zu Molière, dieser bot ihm an, dass d'Assoucy die Bühnenmusik für sein neueste Werk "den eingebildeten Kranken" schreiben sollte - doch kurz darauf widerrief Molière das Angebot und wandte sich an Charpentier. 1673 wurde er inhaftiert - etwas, was d'Assoucy wohl schon öfter erlebte. Louis XIV griff schließlich ein, ließ ihn freisprechen und gewährte ihm eine kleine Rente. Er vesorgte den Hof mit zahlreichen Gedichten. 1677 starb d'Assoucy in Paris.


    Die Airs für 4 Stimmen stammen aus einem 1653 in Paris von Ballard veröffentlichten Druck. D'Assoucy wurde von der Musikgeschichte als mäßig begabter Komponist beschrieben. Dem kann ich keinesfalls zustimmen, seine Airs de cour sind ganz fabelhafte Kompositionen, die mir persönlich extrem gut gefallen: