Beiträge von Hanns

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    Beeindruckend finde ich beispielsweise die beispiellose Kadenz, die er
    in Bach-Manier zu Beethovens erstem Klavierkonzert (1. Satz)
    improvisiert:

    also improvisiert ist die nicht, das ist schon eine ganze sehr fein ausgetüftelte komposition; erinnert auch eher an hindemith, finde ich. irgendwo auf einer japanischen seite hab ich sie mal als note gefunden.
    lars vogt hat sie übrigens mal alternativ auf einer eigenen aufnahme verwendet; und improvisiert nicht robert levin tatsächlich jedesmal eine neue kadenz?
    goulds kadenz finde ich jedenfalls auch ganz groß.


    gruß
    hanns

    hallo musica,


    ich kann's mir immer noch nicht wirklich vorstellen, aber es stimmt schon, dass man wie z.b. karl richter auch einen riesenchor auf den punkt genau singen lassen kann. trotzdem macht man heute bachkantaten mit vier sängern, und ich glaube, dass man dem sinn und gehalt von bachs musik so näherkommt. dito bei schubert, der eben nicht für einen massenchor geschrieben hat. das meinte ich mit einer anderen ästhetik.


    und die rabiate disziplinierung, die bei 330 sängern zweifellos notwendig ist, würde ich als chorsänger nicht akzeptieren. so wie auch kein orchestermusiker einen 'erzieher' der alten schule wie meinetwegen karl böhm mehr hinnehmen würde. die zeiten sind vorbei.
    auch das gehört zu den veränderten ansprüchen, die ich anführte.


    das auch die kleineren männerchöre verschwinden, ist schon traurig, denn es gibt wirklich tolle und auch teilweise extrem anspruchsvolle literatur. aber diesen ansprüchen wird eben der durchschnittliche männerchor nicht gerecht und verlegt sich auf schlager und andere schrecklichkeiten; damit lockt man keinen nachwuchs.
    irgendwie scheinen die deutschen männerchöre da auch was verpasst zu haben, denn in finnland z.b. sieht die situation der männerchöre viel rosiger aus, habe ich den eindruck.


    gruß
    hanns

    Zitat

    Woran liegt es, dass die jüngeren keinen Bezug mehr zum klassischen Männerchor haben?

    das liegt - mal abgesehen von einem viel ausdifferenzierteren angebot, das man als sänger heute hat - vor allem an veränderten ansprüchen und einer ganz anderen ästhetik, denke ich.


    massenchöre sterben eben aus - nicht nur männer-, auch die oratorienchöre.
    ich als begeisterter chorsänger habe nie verstanden, was an einem riesenchor, in dem man kaum einfluss hat, wo es für das klingende ergebnis fast egal ist, ob man mitsingt oder nicht, so toll ist. 180 sänger - da krieg ich das kalte grausen. wie soll man die, wenn's nicht gerade um mahler oder berlioz geht, sinnvoll verwenden? wie einheitlich und beweglich, differenziert und sprechend zum klingen bringen? gar schubert singen?


    beim männerchor kommt noch das hauptsächlich gruselige repertoire dazu; alte schlager, miefige volksliedsätze, weinseligkeit und vaterland, und manchmal doch was schönes, denn das gibt es natürlich auch. aber möchte man schuberts feine männerensembles für einen kleinen freundeskreis von einem ganzen haufen alter knödeltenöre und knarzbässe hören?
    ich kann's mir nicht vorstellen, wenn mal ein männerensemble wie die singphoniker o. king's singers o. die hilliards gehört hat.


    oder, noch viel besser, selber singt. ich treffe mich regelmäßig mit drei freunden zum singen, und dann merkt man erst, wie ungeheuer kunstvoll z.b. schubert seine sätze geschrieben hat - auch wenn da einem der text manchmal im wege steht - "liebe lispelt die natur" kann ich nicht ernsthaft über die lippen bringen.
    ganz zu schweigen von strauss, oder reger, oder schönberg, oder hindemith, oder distler, oder, oder... ich kann's jedem nur empfehlen, sich damit zu beschäftigen.
    aber natürlich sind wir kein e.v., gehören keinem chorverband an, tauchen in keiner statistik über männerchöre auf... wie zu schuberts zeiten.


    gruß
    hanns


    edit: hab gerade nochmal meinen beitrag gelesen; er klingt despektierlicher, als er gemeint war. irgendwann bin ich ja auch mal alt und kann dann das singen wahrscheinlich nicht lassen. sorry.

    hallo,

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    Ich frage mich ob das daran liegen könnte, dass es keine Darmsaiten sind.

    mit der besaitung hat das eher nichts zu tun (so ziemlich alle lautenisten benutzen schon aus kostengründen nylonsaiten, die klanglichen unterschiede zu darmsaiten sind marginal), vielmehr mit dem bau des instruments und der spieltechnik.


    breams laute hat mit einer originalen soviel zu tun wie wanda landowskas pleyelcembalo mit einem instrument der zeit. bream wollte ein instrument, mit dem er in einem größeren saal gehört werden konnte; wer jemals einen lautenisten auf einem am original orientierten nachbau gehört hat, weiß, dass die laute eigentlich nur in einem zimmer gut vernehmbar ist; das ist auch einer der gründe für ihr aussterben mit dem aufgang der bürgerlichen konzertkultur.


    der größte und leider unüberbrückbare unterschied zwischen lauten- und (klassischer) gitarrenspieltechnik liegt in der verwendung des fingernagelanschlages bei der gitarre und des fingerkuppenanschlages bei der laute. eine heutige konzertgitarre ohne nägel gespielt klingt dumpf und modulationsarm, eine laute mit nägeln gespielt grell und undifferenziert - man kann nicht beides gleichzeitig haben.
    bream als hauptsächlichem konzertgitarrist muss man zugute halten, dass er zu einer zeit als HIP (zumindest was zupfinstrumente betrifft) noch in den kinderschuhen steckte überhaupt die laute ins bewusstsein einer größeren öffentlichkeit gebracht hat, auch wenn seine lauteneinspielungen aus den 50er/60er jahren heute nicht mehr überzeugen können. folgerichtig hat er in seiner folgenden karriere auf das lautespiel weitgehend verzichtet.
    daniel benkö dagegen hat sein lautenist/gitarrist-doppelleben bis in unser jahrtausend weitergeführt; seine lauteneinspielungen kranken naturgemäß an den gleichen fehlern; ich würde seine aufnahmen auf alten instrumenten daher in jedem fall meiden.


    wer sich für bakfarks werk interessiert sei an eine recht schöne aufnahme vom von dir schon erwähnten lutz kirchhof (mit dem man nie was falsch macht) verwiesen, der mit einigen anderen kammermusik auf Deutsche Harmonia Mundi HM/IOM 1008-2 eingespielt hat. gibt es bei amazon anscheinend nicht mehr, z.b. über fernleihe aus dem bibliothekverbund berlin aber problemlos zu bekommen.


    gruß
    hanns