Beiträge von Accompagnement


    Am 16. Mai 2015 ist es soweit: im italienischen Theater in Gray (zwischen Besançon und Dijon gelegen) wird mit KV 482 und 491 konzertiert. Ich nehme stark an, daß es diesmal für die GA Aufnahmen geben wird.


    *yepp*


    Super, danach habe ich mich sehr gesehnt! :love:
    Bleibt nur noch abzuwarten, wann eine Aufnahme in Planung ist und der Erscheinungstermin feststeht.


    In der Zwischenzeit schwelge ich einfach noch mal KV 175; und ich muss gestehen, dass mir die Urfassung von 1773 besser gefällt, wenngleich ich mehr den Klang eines Pianoforte favorisiere.

    Hallo,


    ich muß Dich leider etwas enttäuschen - die CD, die im Januar / Februar 2014 erscheint, enthält die beiden Versionen von KV 175 sowie eine kleine Surprise ;)


    Schade, aber ich bin dennoch höchst efreut, dass die Serie kontinuierlich weitergeführt wird! Kann man bei so manch anderen angefangenen Großprojekten, die von Major-Labels geführt wurden, nicht behaupten...


    Zitat

    KV 482 habe ich in 2010 bereits (zusammen mit 491) live gehört, warum dies damals nicht aufgenommen wurde, entzieht sich meiner Kenntnis.


    Wow, Du Glückspilz, da bist Du ja aus auditiver Sicht viel weiter als wir :D Ich hätte die Konzerte sofort gekauft, wenn es sie schon gegeben hätte.


    Zitat

    Für 503 werde ich mich aber gerne einsetzen, da dies eines meiner Lieblingskonzerte ist.


    Das ist eine hervorragende Idee. Wenn man mit Herrn Schoonderwoerd darüber reden könnte... :love:



    Dito, lieber Lullist, sehe ich genauso!

    Danke Ulli für Deine hervorragende Analyse zu eines meiner absoluten Lieblingssinfonien von Mozart! :thumbup: Es hat mir sehr Spaß gemacht, Deinen Artikel zu lesen und habe gleich auch mal die Pariser Sinfonie zur Gemüte geführt - ein großartiges Meisterwerk.


    Die Prager-Sinfonie hat für mich schon immer einen besonderen Stellenwert gehabt, da sie im Kopfsatz über einen monumentalen Charakter verfügt (sehr selten bei Mozart anzutreffen), der anschließend nach der Adagio-Einleitung in ein besonderes Geflecht übergeht. Und genau dieses Geflecht ist für mich eines der überragendsten Kompositionstechniken: Es ist weniger eine Melodieführung, sondern wird vielfach von mehreren "Notenkeimen" beherrscht, die sich stetig ausbauen - beispielhaft die anfängliche Triofallsequenz nach der Überleitung, wo die Exposition in forte beginnt. Die Grundidee stammt ursprünglich von Haydn, aber Mozart wendet sie vorzüglich an, wie ich finde.


    Der zweite Satz ist auch ein toller Geniestreich; ich bewundere sehr im Mittelteil den kleinen Fagott-Orgelpunkt. Und überhaupt ist das Vorgetragene beeindruckender und interessanter als das serenadenartige Andante der Linzer Sinfonie. Beide Sinfonien vergleiche ich hier sehr gerne miteinander, da sie gänzlich nicht unähnlich erscheinen.


    Dass Mozart bewusst (?) auf ein Menuett verzichtet, kann man jetzt als durchdacht oder fraglich bezeichnen. Ich stehe da in der Gruppe der ersteren Meinung an, obwohl ein Menuett dem Werk sicherlich nicht geschadet hätte. Aber vielleicht war es schon eine Vorahnung, dass es obsolet wird? Scherzi hat ja Haydn auch schon komponiert, kehrte aber dann wieder auf die Bezeichnung Menuett zurück. Es könnte ein Zusammenhang bestehen...


    Das Schluss-Presto ist - wie schon bereits erwähnt - sehr spritzig und da könnte Gülke durchaus Recht haben. Es erinnert mich sehr an den Final-Charakter der Pariser Sinfonie. Beide stehen ja auch in D-Dur.


    Bei einem Vergleich des ersten Satzes der D-Dur Sinfonie KV 504 mit der Ouverture zu Don Giovanni – ossia: Il dissoluto punito stellt man schnell fest, dass die langsame Einleitung bei der Prager 36 Takte zählt, bei D.G. 30. Der Beginn des Hauptteils der Exposition ist in beiden Fällen D-Dur und ist thematisch in den ersten 6-7 Takten nahezu identisch. In der Prager folgen in Takt 7 des schnellen Hauptteils (Takt 43 der Partitur) die Holz- und Blechbläser mit Pauken „solistisch“ (d.h. ohne Streicher), in der D.G.-Ouverture in Takt 8 (Takte 38ff. der Partitur). Bemerkenswert auch die Themenidentität der Takte 139ff. der Prager mit den Takten 115ff. der D.G.-Ouverture (jeweils das Ende der Schlußgruppe). Nur nebenbei erwähnt hat der erste Satz der Prager Sinfonie insgesamt 302 Takte, die D.G.-Ouverture in der Opernfassung 293 und in der Konzertschluß-Fassung 298 Takte. Auch charakterlich sind die beiden Sätze ziemlich ähnlich, wobei meiner Meinung nach die Prager Sinfonie etwas tiefgründiger ist, als die doch eher zynische D.G.-Ouverture…


    Die Chromatik der langsamen Einleitung der D.G.-Ouverture mag auch im Andante der Prager Sinfonie wiederzufinden sein, wenn man möchte – und die aufsteigenden Synkopen der D.G.-Ouvertüre als absteigende Synkopen im 3. Satz der Prager. Thematisch sind auch die Takte 46ff. aus D.G. mit den Takten 55ff. des 3. Satzes der Prager sehr eng verbunden.


    Ja, genau diese Ähnlichkeit ist mir auch aufgefallen! Vermutlich liegt es daran, dass in Prag der Figaro sehr gut aufgenommen wurde (in Gegensatz zum Wiener Publikum), wodurch auch die Fenstersprungszene in der Sinfonie verarbeitet wird und beim Don Giovanni die Einleitung der Prager Sinfonie als Vorbild diente.


    Zitat

    Wenn man schon Beethovens 5. Sinfonie als Schicksalssinfonie bezeichnen darf, wegen des „anklopfenden Schicksals“ zu Beginn dieser Sinfonie, so darf ich behaupten, dass zu Beginn der Prager Sinfonie bereits Sigr. Don Giovanni bei Mozart angeklopft hat.


    Kurz Off-Topic, da ich immer sehr empfindlich auf die romantische Willkür des 19. Jahrhunderts reagiere: Die Bezeichnung "Das Schicksal klopft an die Pforte", so will es Beethoven angeblich gesagt haben, hat seinen Ursprung aus den Beethoven-Memoiren des Sekretärs Anton Schindler, der sie in den 1840ern erstmalig publizierte. Aber diese Aussage und die vermeintliche Interpretation eines Schicksal-Klopfmotives ist sehr in Zweifel zu stellen, da Schindler erst 1822 in die nährere Umgebung Beethovens gekommen ist und somit nichts von der Zeit vorher wissen konnte. Er war immer sehr daran bedacht, nach dem Ableben Beethovens die Werke gut verkaufen zu können und da kam ihm der Zeitgeist der Überinterpretation sehr gelegen.


    Um wieder den Bogen auf das Thema der Prager-Sinfonie zu spannen ;) : Im Vorwort meiner Eulenberger Studienpartitur der Fünften von Beethoven wird ein Bezug auf die Zweite mit der Prager-Sinfonie erstellt:


    "Besonders die "Zweite" zeigt eine enge Verwandtschaft mit Mozarts "Prager" Sinfonie KV 504 aus dem Jahre 1786, mit der Tonart, Grundstimmung und das Vorhandensein einer langsamen Einleitung zum 1. Satz gemein hat."


    In der Tat ist die Einleitung, bzw. der anfängliche Orchestertutti und der darauffolgende sequenzierte Ablauf sehr ähnlich, aber das ist wohl das Einzige. Das Vorhandensein einer langsamen Einleitung ist kein Merkmal nur einzig für die Prager. Aber hier sieht man, dass auch Beethoven der Sinfonie eine kleine Ehre in der Idee erwies.


    Retrospektiv vielleicht ja, aber imo durch Schoonderwoerd überholt. Immerhin hat Großmann den originalen Eroica-Saal für die Aufnahme verwendet. Leider hat sie für meinen Geschmack zu viel Hall, da Großmann vergessen hat, den Saal mit schalldämpfenden Gästen zu füllen. Dennoch gefällt mir die Aufnahme ganz gut. Wie ich in dem oben gegebenen Link lese, bin ich noch Details zu den angepriesenen Aufnahmen schuldig; da werde ich Deine Postings als Aufhänger nutzen.


    :wink:


    OK, klingt recht vielversprechend. Die akustische Räumlichkeit vom Palais Lobkowitz hat mich schon immer mal interessiert. Und da es wahrscheinlich die einzige Aufnahme an diesem Ort zu sein scheint, ist es für mich ein klarer Kaufgrund. Ich kann ja dann die näheren Erlätuerungen, auch zu Krivine, im Eroica-Thread einpflegen. :wink:


    Zum Abschluss Schoonderwoerd mit Mozart:



    :jubel:


    Ein Wort: Traumhaft! Ich werde dann in den entsprechenden Threads mich noch näher äußern.


    Gardiner hat mich so garnicht überzeugen können. Ich bin gespannt auf Dein "Ranking"... ich habe mich daran schon einmal versucht.


    *salut*


    Danke Ulli für die interessanten Aufnahmen! Ich habe seit einigen Tagen den gelobten Krivien-Zyklus, aber nur ganz kurz mal reingehört. Morgen werde ich die Dritte aus der besagten Box mehr in "Ohrenschein" nehmen.


    Den Grossmann und Savall habe ich mir schon länger als Kaufanregung vorgemerkt. Gerade bei Grossmann, der Uraufführungsrekonstruktion bin ich wirklich interessiert. Sag, lieber Ulli: Ist das eine ähnliche Großtat wie Schoonderwoerd bei den Beethoven-Klavierkonzerten?

    Aber wenn ich das richtig im Ohr habe, verwenden die auch altes Blech, oder?


    Ja, das habe ich auch noch so in Erinnerung. Deswegen sind die Einspielungen mir sehr sympathisch (das CPO-Label ist sowieso eine wahre Klassik-Schatzgrube).


    Zitat

    So ähnlich, wie Paavo Järvi und das Bremer Kammerorchester bei den Beethoven Symphonien. Ist ein OMI/OPI-Gemisch, aber dennoch eher HIP. Vielleicht nicht historisch akkurat, aber definitiv ein Knaller!


    In der Tat, ein wirklich großartiges Orchester! Meine erste Konfrontation mit Järvis Beethoven war die CD mit der Ersten und Fünften. Ganz ehrlich? Selbst ich als kleiner OPI-Fanatiker kann damit gut leben ohne groß die "historischen Instrumente"-Keule zu schwingen. Und das will was heißen. ;)

    Als Auftakt für den Beitritt in das Klassikforum habe ich mich selbstverständlich mit dem Namensträger auseinandergesetzt:



    Hieraus die Dritte, die "Eroica".


    Gardiners Ansatz ist nicht schlecht, aber ich glaube mich zu erinnern, das mal besser gehört zu haben. Morgen probiere ich eine andere Interpretation.

    Hallo und ein herzliches Willkommen!


    Danke, werter Ulli! :wink:


    Zitat

    Das ist doch eine absolut nachvollziehbare Vorliebe, der ich nur in allen Punkten beipflichten kann.


    Ich bin sehr erfreut, dass meine Meinung geteilt wird.
    Durch die historischen Instrumente ist für mich jedes Werk wie ein neue Offenbarung und das schaffen bei mir kaum moderne Instrumente. Die Ries-Symphonien beispielsweise sind mit dem Züricher Kammerochester sehr gut, aber würden mit einem Orchester wie das Anima Eterna wesentlich mehr an Kraft und Glanz gewinnen.


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    Ach was, unser Forum ist so eingestellt, daß die einzelnen Beiträge bis zu 10.000 Zeichen verkraften ^^ Aber gegen eine Splittung in mehrere Postings spricht der Übersichtlichkeit wegen rein garnichts.


    Vielen Dank für die Information, hatte dies jedoch mehr bildlich gemeint. :D

    Guten Abend liebe Forenmitglieder,


    das ist mein Einstiegsbeitrag zu dem heißersehnten Thema, welches sich mir nicht gleich zu Anfang erschloss.


    Mein Lieblingskomponist ist gemäß Avatar unschwer zu erkennen. Dieses, sowie mein Nickname lässt auch gewisse Rückschlüsse zu, in welchem musikalisch-epochalen Kreise ich mich bewege: Meine Liebe zur Wiener Klassik ist unaufhörlich geblieben und dringt immer tiefer in mir ein. Und so ist es für mich geradezu essenziell, diese Zeitspanne ausschließlich mit historischer Aufführungspraxis zu genießen. Früher - und das ist sogar nicht so lange her - haben mich HIP-Interpretationen stets kalt gelassen. Ich hatte den Fokus auf meine persönlichen überromantischen Fixsterne gelegt und favorisierte das mächtige Orchesterklangbild. Irgendwann stellte sich ein Hauch von Belanglosigkeit ein und fragte mich, woran das wohl liegen mag. Ich entdeckte sehr schnell HIP und die historischen Instrumente, die mir aufzeigten, dass Wiener Klassik auch anders, wenn nicht sogar BESSER klingen kann, als ich es je zuvor vernahm.


    Die Transparenz im Orchesterstil, der silbern-schöne Klang der Bläser, die weichen, aber stark prägnanten Pauken, die andersartigen Griff- und Dynamiktechniken der Streichergruppen... all dies sind Teilaspekte, die sich in einem Ganzen erschließen, wenn man die Musik durch stetige Hörerfahrungen erlebt. Ich bin da sehr befangen in dem Wesenszug der historisch-informierten Aufführungspraxis und sage nicht, dass dies eine einseitige Liebe sei. Wenn man genau hört, wie z.B. bei Beethoven bei seinen Sinfonien oder bei Mozart speziell seinen Klavierkonzerten die filigranen und entschlackten Klangbilder durch HIP erzeugt werden, weiß man nicht nur akademisch zu erahnen, wie Musik damals klang, sondern wie man sie genauer kennen lernt und somit besser versteht. Durch HIP wurden mir Details bekannt, die in der Überromantisierung stets untergingen und durch diese Entdeckung ist es ganz leicht zu erfahren, wie genau der angewandte Klangkolorit Sinn ergibt. Nicht zu vergessen ist auch die Partiturtreue, wo ich immer wieder schmunzeln muss, wenn Dirigenten meinen, sie müssen Vorschriften bewusst missachten, um ihre gewünschten Dynamikausführungen durchzusetzen. Zuletzt will ich nicht unerwähnt lassen, dass diese frische Ader und pure Musikästhetik gerade für jüngere Generationen mehr Leben versprüht, als die meist verstaubten Stile traditioneller Orchester. Und man bedenke: Dies ist nur ein kleiner Teil zu HIP und das nur auf den Bereich des Orchesters bezogen. Wenn ich das Fortepiano noch hinzuziehen würde, wäre der Rahmen der Beitragsverfassung sicherlich schon gesprengt.


    Auch wenn dieser Beitrag mehr Schwärmerei als Analyse verbirgt, so bin ich der festen Überzeugung, dass HIP qualitativ mehr zu bieten hat.



    Gruß
    Accompagnement